Hämodialyse-Dysäquilibrium

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Hämodialyse-Dysäquilibrium

Beim Hämodialyse-Dysäquilibrium handelt es sich um eine typische Komplikation, die sich bei manchen Patienten im Zusammenhang mit einer Peritoneal- oder Hämodialyse entwickelt. Die Erkrankung wird von einem Teil der Ärzte auch mit den Synonymen Dysäquilibrium-Syndrom oder Erstdialyse-Syndrom bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Hämodialyse-Dysäquilibrium?

Dem Hämodialyse-Dysäquilibrium liegt die Tatsache zu Grunde, dass das Blut im Rahmen einer Hämodialyse bestimmte Stoffe verliert. Der Verlust dieser Substanzen erfolgt relativ rasch, sodass die Konzentration im Blut schlagartig abnimmt. Mögliche Schlüsselsubstanzen sind zum Beispiel Natriumchlorid und Harnstoff. Diese Stoffe zeichnen sich unter anderem durch bestimmte Effekte im Zusammenhang mit der Osmose aus.

Im Rahmen einer Nierenschwäche verändern sich Konzentrationen an osmoseaktiven Substanzen. Diese Komplikation tritt in der Regel bei der Durchführung einer Dialyse auf. Eine wichtige Rolle spielt hier zum Beispiel der Harnstoff. Durch die plötzliche Abnahme der Substanzen im Blut infolge der Dialyse verändert sich der Gradient zwischen dem Blut und dem interzellulären Bereich. Dadurch bewegt sich mehr Flüssigkeit in die Zellen hinein, sodass das Volumen anders verteilt wird.

Bemerkenswert ist, dass sich der gleiche Effekt auch durch den übermäßigen Konsum von Alkohol ergibt. In der heutigen Zeit tritt das Hämodialyse-Dysäquilibrium jedoch zunehmend seltener auf. Nur etwa jeder 200. Patient, der auf eine Dialyse angewiesen ist, erkrankt am Hämodialyse-Dysäquilibrium. Der Grund für das verringerte Risiko liegt in erster Linie darin, dass sich die Technik der Dialysegeräte im Verlauf der vergangenen Jahre deutlich verbessert hat. Moderne Geräte verfügen über sensible Vorrichtungen, die die Blutwerte kontinuierlich überwachen.

Ursachen

Die typischen Symptome des Hämodialyse-Dysäquilibriums ergeben sich durch die Prozesse, die während einer Dialyse stattfinden. Bestimmte Stoffe im Blut verlieren rapide an Gehalt. In der Folge davon ergibt sich ein gefährliches Konzentrationsgefälle zwischen dem Blut und anderen Geweben des menschlichen Organismus. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei der Vorgang der Osmose.

Bedingt durch Prozesse der Diffusion ist es möglich, dass bestimmte Stoffe in die Blutbahn eintreten. Auf diese Weise besteht die Gefahr der Auswaschung spezieller Substanzen. Besonders gefährlich ist das durch das Hämodialyse-Dysäquilibrium entstehende Konzentrationsgefälle an der Blut-Hirn-Schranke. In diesem Zusammenhang spielt das Zentralnervensystem eine entscheidende Rolle.

Dieses wird normalerweise durch die Blut-Hirn-Schranke vor dem Eintritt giftiger Stoffwechselprodukte sowie neurotoxischer Stoffe geschont. Der Schutz des zentralen Nervensystems ergibt sich vor allem daraus, dass die Diffusion in diesem Bereich unter normalen Umständen verringert ist. Anders verhält es sich, wenn die Konzentrationsgradienten infolge der Dialyse verändert sind.

Durch das schnelle Absinken von Stoffkonzentrationen durch die Hämodialyse ist die Blut-Hirn-Schranke nicht schnell genug in der Lage, das enorme Konzentrationsgefälle auszugleichen. Dadurch steigt die Gefahr, dass sich durch das Hämodialyse-Dysäquilibrium Ödeme im Gehirn bilden. Die Ursache dafür liegt in der Einlagerung von Wasser in das Hirn, wobei durch eine Ausgleichsreaktion des Gehirns die erhöhten Konzentrationen bestimmter Stoffe gesenkt werden. Im schlimmsten Fall drohen dem vom Hämodialyse-Dysäquilibrium betroffenen Patienten ein Koma oder der Tod.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Hämodialyse-Dysäquilibrium äußert sich in diversen Krankheitsanzeichen, die sich entsprechend des Schweregrades der Krankheit unterscheiden. Die typischen Beschwerden des Hämodialyse-Dysäquilibriums sind Erbrechen und Übelkeit, niedriger Blutdruck, Beeinträchtigungen des Bewusstseins und Krämpfe in der Muskulatur. In besonders gravierenden Fällen leiden die betroffenen Patienten zusätzlich an zerebralen Krämpfen.

Außerdem entwickelt sich unter Umständen ein Ödem im Gehirn, das mit schwerwiegenden Komplikationen verbunden ist. Im Rahmen der Störungen des Bewusstseins sind die erkrankten Patienten deutlich reizbarer und agitierter als sonst. Andererseits ist auch eine erhöhte Schläfrigkeit möglich. Der Blutdruck fällt in der Regel stark ab.

Symptome wie Schmerzen im Bereich des Kopfes und epileptische Krampfanfälle gesellen sich zu den anfänglichen Beschwerden hinzu. Die Krämpfe in den Muskeln zeichnen sich dadurch aus, dass sie im überwiegenden Teil der Fälle von den Waden ausgehen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Das Hämodialyse-Dysäquilibrium stellt einen medizinischen Notfall dar, der eine sofortige Behandlung der betroffenen Personen erforderlich macht. Zunächst beginnt der behandelnde Arzt die Diagnosestellung mit einer Anamnese. Dabei ergründet er die Symptomatik, die Krankengeschichte sowie die Lebensumstände des am Hämodialyse-Dysäquilibrium erkrankten Patienten.

Danach erfolgen verschiedene klinische Untersuchungen, die wichtige Indizien auf das Vorliegen eines Hämodialyse-Dysäquilibriums geben. Dabei sind vor allem labortechnische Analysen des Blutes relevant. Die vom Patienten geschilderten Beschwerden weisen typischerweise auf das Hämodialyse-Dysäquilibrium hin und stärken den Verdacht auf die Erkrankung. Die Diagnose ist mit Hilfe von Blutuntersuchungen relativ sicher zu stellen.

Komplikationen

Die Komplikationen und Beschwerden durch das Hämodialyse-Dysäquilibrium hängen relativ stark von der Ausprägung der Krankheit ab, weswegen keine allgemeine Voraussage der Komplikationen sinnvoll ist. In den meisten Fällen sind die Beschwerden uneindeutig, weswegen es erst zu einer verspäteten Diagnose kommt.

Der Betroffene fühlt sich krank und muss oft erbrechen. Ebenso können Übelkeit und zu Bewusstseinsstörungen auftreten. Weiterhin kann es sogar zum Bewusstseinsverlust kommen, bei welchem sich der Patient auch verletzen kann. Der Blutdruck fällt ab und die Belastbarkeit des Patienten sinkt erheblich.

Ebenfalls können starke und stechende Kopfschmerzen auftreten, die im schlimmsten Falle zu einem epileptischen Anfall führen. Die meisten Betroffenen fühlen sich müde und abgeschlagen und können diese Müdigkeit oft nicht durch Schlaf ausgleichen. Ohne Behandlung kommt es durch das Hämodialyse-Dysäquilibrium in der Regel zum Tode des Patienten.

Die Behandlung selbst erfolgt in der Verkürzung der Dialysesitzungen, wobei gleichzeitig die Frequenz der Anwendungen erhöht werden muss. Damit kommt es nicht zu weiteren Komplikationen oder Beschwerden und die Symptome verschwinden wieder. Die Lebenserwartung wird durch das Hämodialyse-Dysäquilibrium nicht eingeschränkt, wenn die Sitzungen verkürzt werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des Hämodialyse-Dysäquilibriums setzt zunächst daran an, die aktuelle Dialysesitzung zu unterbrechen. Zur Vermeidung zukünftiger Fälle des Hämodialyse-Dysäquilibriums ist es wichtig, die einzelnen Dialysesitzungen zu verkürzen. Dies gilt vor allem dann, wenn sich der Patient noch ganz am Anfang seiner Dialyse-Behandlung befindet. Stattdessen ist die Frequenz der Sitzungen zu erhöhen. Auf diese Weise sind gravierende Komplikationen durch das Hämodialyse-Dysäquilibrium weitgehend zu vermeiden.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Die Prävention des Hämodialyse-Dysäquilibriums setzt an der Verkürzung der Abstände zwischen den einzelnen Sitzungen der Dialyse-Therapie an. Zur gleichen Zeit ist die Dauer der einzelnen Sitzungen zu verkürzen. Dadurch ist es möglich, das Risiko eines Hämodialyse-Dysäquilibriums zu reduzieren.

Das können Sie selbst tun

Beim Hämodialyse-Dysäquilibrium stehen dem Betroffenen in der Regel leider keine besonderen Möglichkeiten der Selbsthilfe zur Verfügung. Die Beschwerden werden in den meisten Fällen durch den Abbruch oder durch die Verkürzung der jeweiligen Dialysesitzungen gelindert, wobei eine vollständige Einschränkung nicht möglich ist. Der Betroffene ist dabei so lange auf die Dialyse angewiesen, bis er ein Spenderorgan erhält und die Transplantation erfolgreich verläuft. Auch über den Verlauf der Transplantation der Niere kann keine Voraussage gemacht werden.

In vielen Fällen leiden die Patienten auch an psychischen Beschwerden. Hierbei kann sich ein Gespräch mit anderen betroffenen Menschen oder mit einem Psychologen sehr positiv auf den Verlauf der Erkrankung auswirken. Auch Gespräche mit den engsten Freunden oder mit den Angehörigen können psychische Verstimmungen und Depressionen beheben. Vor allem Freunde und Familie müssen den Patienten bei der Dialyse unterstützen und Beistand leisten. Während der Sitzungen kann der Patient begleitet werden, um ihm die Sitzung angenehmer zu gestalten. Die Beschwerden der Hämodialyse-Dysäquilibrium werden dann gelindert, wenn die Abstände zwischen den Sitzungen verkürzt und die Dauer der Sitzungen ebenso verkürzt werden.

Bücher über Dialyse

Quellen

  • Geberth, S., Nowack, R.: Praxis der Dialyse. Springer, Berlin 2014
  • Hörl, W.H., Wanner, C. (Hrsg.): Dialyseverfahren in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2004
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: