Granulation

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 14. November 2016
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Die Granulation ist diejenige Phase der Wundheilung, in der die Wunde fest verschlossen ist und neues Gewebe nachgebildet wird. Während der Granulation kann es auch zur (problematischen) Narbenbildung kommen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Granulation?

Eine blutende Wunde wird vom Körper mithilfe der Blutplättchen und des Fibrins zunächst notdürftig verschlossen. Dies sind Bestandteile, die sich zu jedem Zeitpunkt im Blut des gesunden Menschen befinden, um im Bedarfsfall sofort zur Stelle zu sein.

Das klebrige Fibrin bildet im ersten Schritt ein Netz, in dem sich die großflächigen Blutplättchen verfangen, um einen dichten Wundverschluss zu bilden, sobald das Gebilde trocknet. Etwa 24 Stunden nach diesem vorläufigen Wundverschluss setzt die Granulation ein.

Innerhalb von 72 Stunden nach der Verletzung und Entstehung einer Wunde ist die Granulation schließlich an ihrem Höhepunkt angekommen. Während dieser Phase der Wundheilung hat der Körper genug vorläufige Maßnahmen getroffen, um die Wunde nach außen hin abzuschirmen, sodass sich nun gefäßbildende Zellen (Endothelzellen) im Wundbereich ansammeln, vor allem an den Wundrändern.

Von dort aus werden verletzte Gefäße wieder miteinander verbunden, neue Gefäße und Gefäßabschnitte werden gebildet. Eventuell eingedrungene Bakterien werden von Makrophagen unschädlich gemacht, sodass keine Wundinfektion entstehen kann. Deswegen fühlt sich die Wunde während der Granulation auch warm an, kann anschwellen und die Haut um sie herum kann gerötet wirken. Dies ist eine normale und gesunde Immunreaktion und stellt keinen Anlass zur Sorge dar, sofern diese Anzeichen nicht zu deutlich in Erscheinung treten oder mit Krankheitsgefühl verbunden sind.

Fibroblasten sorgen unterhalb der Wund-Kruste für einen weiteren neuen Gewebeaufbau. Sie ernähren sich dabei vom Abbau der angesammelten Blutplättchen, wodurch die Wundkruste bei ausreichender Neubildung von Gewebe von alleine abfällt. Daher besteht keine Notwendigkeit, die gebildete Kruste einer Wunde selbst zu entfernen. Dies stört die empfindliche Granulation eher und zögert sie hinaus.

Funktion & Aufgabe

Die Granulation ist eine entscheidende Phase der Wundheilung, in der allerdings auch Wundheilungsstörungen entstehen können. Zunächst arbeitet der Körper daran, eine Wunde bestmöglich temporär zu verschließen. Das erledigt ein klebriges Fibrinnetz, welches sich über der Wunde bildet, um Blutplättchen einzufangen, die einen nach außen hin dichten Verschluss bilden. Darunter können im Anschuss neue Haut und neue Gewebestrukturen nachgebildet werden, was nicht möglich wäre, wenn die Wunde noch offen wäre.

In der Granulation bildet der Körper also das Gewebe nach, das er bei der Verletzung verloren hat. Die Nachbildung von Haut, Gefäßen und Bindegewebe stellt kein Problem dar, selbst kleine Teile von Organstrukturen können auf diese Weise nachgebildet werden. Ohne diesen wichtigen Schritt in der Granulation wäre die Verletzung ein Leben lang vorhanden, allerdings kann ein temporärer Wundverschluss aus Blutplättchen nicht so lange bestand haben. Er ist brüchig und weicht sich in Flüssigkeiten auf.

Bei Kindern funktioniert der Neuaufbau von Gewebe in der Granulation oft noch sehr gut – oft ist die abgeheilte Wunde danach nicht mehr zu sehen ist. Bei Erwachsenen dagegen vollzieht sich die Wundheilung zwar ebenfalls noch effizient, allerdings bleibt bei ihnen eher eine sichtbare Narbe nach der Granulation zurück. Dies hängt damit zusammen, dass sich das neue Gewebe in höherem Alter langsamer nachbildet und etwas instabiler ist.




Krankheiten & Beschwerden

Die Granulation ist eine entscheidende Phase der Wundheilung, in der allerdings auch Wundheilungsstörungen entstehen können. Zunächst kann es zu Gerinnungsstörungen kommen, beispielsweise durch die Bluterkrankheit oder als Nebenwirkung von Medikamenten, aber auch bei großen und schweren Wunden. Kann sich keine Gerinnung einstellen, kann auch die Granulation nicht eintreten, da dazu ein stabiler Wundverschluss vorhanden sein muss.

Während der Granulation selbst besteht das größte Risiko einer problematischen Narbenbildung. In der Phase der Granulation wird in großen Mengen Kollagen als Bindegewebe nachgebildet. Das neu nachgebildete Gewebe entspricht also ohnehin nicht mehr der vorherigen Struktur. Bei kleinen Wunden und in jungen Jahren ist eine Narbe oft nicht von der umliegenden Haut zu unterscheiden. Mit zunehmendem Alter aber und auch bei großen oder ungünstig entstandenen Wunden ist die Granulatio für den Körper erschwert.

Eine weitere mögliche Komplikation der Granulation ist die Fibrin-Persistenz. Das an der Wunde angesammelte Fibrin wird normalerweise abgebaut, sobald neues Kollagen während der Wundheilung eingebaut wird. Geschieht das jedoch nicht, wie es bei chronischen Wunden der Fall sein kann, lagert sich das übrig gebliebene Fibrin auf der Wundfläche ab.

Neben diesen Komplikationen kann es an der Narbe auch nach der Granulation noch zu Narbenbrüchen kommen, was daran liegt, dass die Nachbildung von Gewebe während der Granulation nicht in ausreichend stabiler Qualität erfolgt ist. Das passiert mit zunehmendem Alter eher, kann aber auch bei schwierigen Wundrändern, zu später oder falscher Wundversorgung der Fall sein.

Auch Wundinfekte stören die Granulation empfindlich. Teils sind diese sogar selbst verschuldet. Eine verschlossene Wunde muss unbedingt in Ruhe gelassen werden, da schon 24 Stunden nach der Verletzung die Granulation eintreten kann. Wird die Wunde in dieser Zeit aufgekratzt, muss erneut der Wundverschluss stattfinden und das bereits nachgebildete neue Gewebe könnte zerstört werden.

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