Glycopyrroniumbromid

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Oktober 2017
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Glycopyrroniumbromid ist ein Arzneimittel der Gruppe der Parasympatholytika. Es dient als Wirkstoff zur Sekretreduzierung bei der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung COPD. Als Anticholinergikum unterdrückt es die Wirkung von Acetylcholin im Parasympathikus.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Glycopyrroniumbromid?

Glycopyrroniumbromid ist ein chemisch kompliziert aufgebauter Wirkstoff mit einer quaternären Ammoniumstruktur. Es besteht als inneres Salz aus einem organischen Kation und dem Anion Bromid.

Außerdem ist es chemisch verwandt mit dem Atropin. Als reine Substanz liegt es als weißes, kristallines Pulver vor. Es ist aufgrund seiner Salzstruktur in Wasser leicht und in Fetten b. z. w. Ölen unlöslich. Glycopyrroniumbromid hat einen Bronchien erweiternden Einfluss und wird deshalb zur Behandlung von COPD eingesetzt. Es wirkt sehr schnell, aber auch langfristig, sodass es täglich nur einmal angewendet werden muss. Die Behandlung erfolgt als Pulverinhalation.

Aufgrund seiner geringen Fettlöslichkeit kann es die Blut-Hirn-Schranke kaum überwinden und ruft dadurch auch keine schwerwiegenden psychischen Nebenwirkungen bei der Anwendung hervor. Es treten lediglich Nebenwirkungen auf, welche im Zusammenhang mit einer verringerten Sekretion in den Schleimhäuten und Schweißdrüsen stehen.

Pharmakologische Wirkung

Glycopyrroniumbromid entfaltet seinen Einfluss an den muskarinartigen Rezeptoren des Parasympathikus. Dabei hemmt es die Wirkung von Acetylcholin und unterdrückt damit indirekt die Nervenweiterleitungen im parasympathischen Nervensystem (Parasympathikus).

Der Parasympathikus gehört neben dem sympathischen und dem enterischen Nervensystem (Darmnervensystem) zum sogenannten vegetativen Nervensystem. Parasympathikus und Sympathikus wirken als Gegenspieler. Der Parasympathikus ist für die inneren Funktionen des Körpers bei Ruhe verantwortlich, während der Sympathikus äußere Aktivitäten fördert. Bei erhöhter Aktivität des Parasympathikus findet eine stärkere Sekretion von Schleim in den Bronchien und Schweiß aus den Schweißdrüsen statt.

Außerdem besteht eine erhöhte Motilität des Magen-/Darmkanals. Durch die Hemmung des Acetylcholins an den muskarinartigen Rezeptoren des Parasympathikus werden natürlich auch die Sekretproduktion, die Schweißbildung und die Magen-/Darmtätigkeit reduziert. Außerdem findet noch eine Absenkung der Herzfrequenz statt. Zur symptomatischen Behandlung bei einigen Erkrankungen oder zur Vorbereitung von Operationen sind solche Reduktionen von bestimmten Körperfunktionen notwendig.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Glycopyrroniumbromid dient als Wirkstoff zur Sekretreduzierung bei der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung COPD.

Glycopyrroniumbromid kommt hauptsächlich bei der symptomatischen Behandlung von COPD, der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung, zur Anwendung. Hier soll durch die Erweiterung der Bronchien die Schleimsekretion reduziert werden. Dabei wird täglich das Medikament als Pulver inhaliert. Eine Heilung der Erkrankung ist so nicht möglich, aber durch die Bekämpfung der Symptome wird die Lebensqualität der Patienten deutlich erhöht.

Das Medikament wird auch bei dem äußerst schweren Krankheitszustand der Rasselatmung angewendet. Hier ist der Patient nicht mehr in der Lage, das gebildete Sekret abzuhusten und droht zu ersticken. Das Gleiche gilt bei Schluckstörungen mit erhöhtem Speichelfluss. Auch vor Operationen wird Glycopyrroniumbromid zur Senkung der Speichel- und Schleimsekretion eingesetzt.

Da die Muskarinrezeptoren gut auf Glycopyrroniumbromid ansprechen, tritt z. B. die Wirkung zur Reduzierung des Speichelflusses bei einer Dosierung ein, wo Nebenwirkungen noch keine Rolle spielen. Ein weiteres Einsatzgebiet von Glycopyrroniumbromid ist die Narkoseeinleitung, um auch hier die Sekretbildung und die Herzfrequenz herabzusetzen. Gute Wirksamkeit zeigen die Medikamente auch bei Magen-/Darmstörungen.

So wird die erhöhte Darmtätigkeit herabgesetzt und die Magensaftsekretion reduziert. Als weitere Indikation ist auch noch die Hyperhidrosis zu nennen. Die Hyperhidrosis ist eine Erkrankung, bei welcher eine übermäßige Schweißbildung stattfindet.

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Risiken & Nebenwirkungen

Wie bei allen Medikamenten treten auch beim Einsatz von Glycopyrroniumbromid Nebenwirkungen auf. Als Nebenwirkungen treten eventuell Mundtrockenheit, Verstopfung, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Harnwegsinfektionen und auch Sehstörungen auf.

Dabei ist zu sagen, dass diese Nebenwirkungen meist relativ mild sind. Nur bei einer konkreten Überempfindlichkeit gegen Glycopyrroniumbromid ist eine Anwendung kontraindiziert. Außerdem darf Glycopyrroniumbromid nicht in Kombination mit anderen Parasympatholytika eingesetzt werden. Schwere Nebenwirkungen von Glycopyrroniumbromid können bereits deshalb verhindert werden, weil die positiven Wirkungen schon bei geringer Dosierung auftreten und die Wirkung relativ lange anhält.

Weiterhin ist Glycopyrroniumbromid durch seine ionische Struktur fettunlöslich und kann dadurch nicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Dadurch kann der Wirkstoff keine schweren zentralnervösen Störungen, wie Gedächtnisstörungen, Verwirrtheitszustände oder Halluzinationen auslösen.

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