Glycin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Glycin ist die einfachste Alpha-Aminosäure und damit Bestandteil aller Proteine. Besonders im Bindegewebe ist Glycin in hohen Konzentrationen vorhanden. Im Körper dient es als zentrale Schaltstelle zwischen Protein-, Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Glycin?

Glycin ist eine nichtessenzielle, proteinogene Aminosäure ohne Seitenketten oder funktionelle Gruppen und kommt universell in allen Proteinen vor.

Das Molekül enthält ganz profan neben den beiden Kohlenstoffatomen eine Aminogruppe in Alphastellung zur Carboxy-Gruppe. Damit erfüllt das Molekül die Grundvoraussetzung für eine Aminosäure. Glycin spielt eine zentrale Rolle im Biostoffwechsel, da es bei den chemischen Umsetzungen immer wieder als Zwischenprodukt auftritt. Es ist außerdem hygroskopisch (Wasser anziehend), denn aufgrund seines Dipolcharakters kann es die Wassermoleküle über Wasserstoff-Brücken an sich binden. Weiterhin ist das Glycin-Molekül sehr klein und damit wenig raumfordernd.

Deshalb wird es in hoher Konzentration in Proteine eingebaut, die sehr stabil sein müssen, aber auch nur wenig Platz beanspruchen dürfen. Bei diesen Proteinen müssen die Peptidketten sehr lang und gleichzeitig stark gefaltet sein. Genau diese Voraussetzungen erfüllen die Strukturproteine des Bindegewebes, die Kollagene.

Pharmakologische Wirkung

Glycin hat im Körper vielfältige Funktionen zu erfüllen. Zunächst wird es als Alpha-Aminosäure in alle Proteine eingebaut. Hauptsächlich im Protein des Bindegewebes ist es bis zu 30 Prozent enthalten. Somit stellt Glycin den wichtigsten Grundbaustein für den Aufbau der Knochen, Sehnen, Zähne und Haut dar.

Glycin ist eine nicht-essenzielle Aminosäure. Der menschliche Körper kann es selber aus anderen Verbindungen herstellen. Sollte es doch einmal durch eine Mangelernährung nicht ausreichend mit der Nahrung zugeführt werden, dient das Bindegewebe als Glycin-Quelle. Glycin ist die Ausgangsverbindung für die Biosynthese von Purinen, den Grundbausteinen der Erbsubstanz.

Weiterhin dient es zur Synthese von Häm, dem eisenhaltigen Protein der roten Blutkörperchen. Aus Glycin kann ebenfalls Kreatin, welches für den Muskelaufbau verantwortlich ist, gebildet werden. Glycin ist auch ein wesentlicher Bestandteil des wichtigen Radikalfängers Glutathion. Weitere Funktionen erfüllt Glycin im Fettstoffwechsel, da es an der Bildung von Gallensäuren beteiligt ist.

Die Gallensäuren steuern die Fettverdauung. Im Zentralnervensystem hat Glycin die Funktion als inhibitorischer Neurotransmitter. Es bewirkt, dass die Muskelaktivität gehemmt wird.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Glycin wird als wichtiger Inhaltsstoff in bestimmten Arzneimitteln und als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt.

Glycin entfaltet vielfältige positive Wirkungen auf den Körper. Es wird als wichtiger Inhaltsstoff in bestimmten Arzneimitteln und als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt.

Bekannt ist Glycin als der Geschmacksverstärker E 640 in Süßstofftabletten, da es einen süßlichen Geschmack aufweist. Weiterhin findet man es als Zusatz in bestimmten Diätmitteln zur Geschmacksverstärkung. Als Inhaltsstoff in Arzneimitteln hilft es dem Körper bei der Entgiftung. Es stärkt außerdem das Immunsystem und wirkt gegen Entzündungen. Diese Wirkungen werden von Glycin über die Bildung von Glutathion vermittelt, da Glutathion freie Radikale abfangen kann.

Weiterhin hemmt Glycin die Darmtätigkeit und kann bei schweren Erkrankungen und Operationen im Magen- und Darmbereich eingesetzt werden. In diesen Fällen wird es oft intravenös in Form einer künstlichen Ernährung eingeführt und schont damit die Verdauungsorgane. Auch bei Arteriosklerose, Osteoporose und Arthrose wird Glycin oft in Arzneimitteln zusammen mit Arginin als Therapeutikum eingesetzt.

Glycin fördert weiterhin die Ausschüttung von Glykogen aus der Leber. So wirkt es bei Unterzuckerung regulierend auf den Blutzuckergehalt. Bei Schlafstörungen und Panikattacken wurde eine gute Wirksamkeit von Glycin festgestellt.

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Risiken & Nebenwirkungen

Nebenwirkungen von Glycin hat man bisher nicht feststellen können. Es kann somit nicht überdosiert werden, da dem Körper zugeführtes Glycin schnell im Stoffwechsel umgesetzt wird.

Aufgrund dieser Tatsache gibt es auch keine Grenzwerte. Ein Mangel an Glycin kann jedoch im schlimmsten Fall dramatische Auswirkungen haben. So wird z. B. bei Vergiftungen mit Strychnin oder bei speziellen Infektionen, wie Tetanus, Glycin gebunden, sodass es seine Funktion als inhibitorischer Neurotransmitter nicht mehr ausführen kann.

Es kommt zu schweren Muskelkrämpfen, die durch die Beeinträchtigung der Atmungsorgane tödlich verlaufen können. Führt eine verringerte Zufuhr von Glycin über die Nahrung zu einem Glycinmangel, wird verstärkt Bindegewebe abgebaut, was oft Erschöpfungszustände hervorruft.

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