Gleichstromtherapie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. September 2017
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Die Gleichstromtherapie ist eine Form der Elektrotherapie, die besonders bei Durchblutungsstörungen, Neuralgien und Krebsbehandlung eingesetzt wird. Bei dieser Therapie werden je nach Art der Durchführung Erregungen von Muskel- und Nervenzellen gedämpft oder gesteigert. Als Nebenwirkungen können bei zu starker Stromstärke an den Elektroden jedoch Nekrosen auftreten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Gleichstromtherapie?

Bei der Gleichstromtherapie handelt es sich um eine Elektrotherapie, die mit Gleichstrom durchgeführt wird. Neben der Gleichstromtherapie gibt es noch verschiedene Formen von Therapien mit Wechselstrom. Dabei werden nieder-, mittel- oder hochfrequente Wechselströme angewendet.

Voraussetzung für die Gleichstromtherapie ist das Vorhandensein von zwei Elektroden, zwischen denen ein Strom fließt. Bei den Elektroden handelt es sich jeweils um eine Katode und eine Anode. Die Katode ist negativ geladen. Über Ionen- und Elektronenübertragung wandern von dort Elektronen zur positiv geladenen Anode. An jeder Elektrode bildet sich ein spezielles chemisches Milieu heraus, welches das Membranpotenzial an den Nervenzellen verändert. So kommt es an der Anode zur Hyperpolarisierung und an der Katode zur Depolarisierung des Membranpotenzials.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Gleichstromtherapie wird einerseits zur Analgesie (Schmerzlinderung) bei verschiedenen Erkrankungen wie Arthrosen, Arthralgien, Rückenschmerzen, Fibromyalgien oder Neuralgien sowie andererseits zur Behandlung von Durchblutungsstörungen eingesetzt.

Die so behandelten Durchblutungsstörungen können sowohl funktionell als auch organisch bedingt sein. Dazu zählen unter anderem die arterielle Verschlusskrankheit, Hämatome oder Ditorsionen. Der Wirkmechanismus der Gleichstromtherapie beruht auf der unterschiedlichen Polarisation an den Membranpotenzialen der Zellen. Wie bereits erwähnt, kommt es an der Anode zur Hyperpolarisation und an der Katode zur Depolarisation. Jede Zelle besitzt ein Ruhepotenzial. Bei einer Depolarisation verringert sich dieses Potenzial durch Einstrom von Natriumionen ins Zellinnere. Eine Hyperpolarisation ist im Gegensatz dazu durch eine Verstärkung des Ruhepotenzials gekennzeichnet. Während die Depolarisation die Erregbarkeit der Nerven- und Muskelzellen steigert, wird die Erregbarkeit durch die Hyperpolarisation gedämpft.

Die Dämpfung der Erregbarkeit an der Anode ruft die analgetische Wirkung der Gleichstromtherapie hervor. Des Weiteren findet aber auch eine Hyperämie (Stärkung des Blutflusses) statt, welche durch die Reizung vasomotorischer Nerven, der Freisetzung vasoaktiver Substanzen und der Veränderung des PH-Wertes zustande kommt. Davon sind die Haut und die Skelettmuskulatur betroffen. Dieser Vorgang spielt sich an der Katode ab. Durch den Gleichstrom können außerdem Stoffe transportiert werden.

Insgesamt stärkt der Gleichstrom den Stoffwechsel- und den Ernährungszustand, das Wachstum sowie die Regeneration der Zellen. Die Schaltung der Elektroden hat einen großen Einfluss auf den Effekt. Deshalb muss vor der Therapie Klarheit darüber herrschen, welcher Effekt erzielt werden soll. Dazu existieren verschiedene Methoden der Gleichstromtherapie. Bei Patienten mit einer Polyneuropathie oder kardialen Erkrankungen werden beispielsweise Vierzellen- oder Zweizellenbäder angewendet. Wenn funktionelle oder vegetative Funktionsstörungen vorliegen, kommt das Stanger-Bad zur Anwendung. Mit dieser Methode werden unter anderem Angstzustände, Schmerzen und insbesondere Schmerzzustände bei Knochenkrebsmetastasen behandelt. Beim Stangerbad handelt es sich um ein Vollbad, bei welchem der Patient in der Badewanne liegt.

Die Elektroden befinden sich im Außenbereich und sorgen für den galvanischen Gleichstrom in die Badewanne. Je nach Polung wirkt das Stangerbad beruhigend oder anregend. Eine Erregung geht gewöhnlich jedoch nicht auf die Muskeln über. Eine weitere Anwendungsmethode der Gleichstromtherapie ist die Iontophorese. Bei dieser Methode wird kontinuierlicher oder gepulster Gleichstrom durch definierte Hautbereiche geleitet. Der gepulste Gleichstrom ist besonders für empfindliche Menschen geeignet, weil hier kaum Nebenwirkungen auftreten. Allerdings ist der kontinuierliche Gleichstrom effektiver. Die Wirkungsweise der Iontophorese ist noch nicht vollständig aufgeklärt.

Gute Erfolge werden jedoch bei der Hyperhidrose (verstärkte Schweißbildung), bei der durch Hydrosis ausgelösten Fuß- und Handekzemen oder bei Neigung zu gramnegativen Fußinfekten erreicht. Insgesamt hat die Gleichstromtherapie den Vorteil, dass sie sehr gut ambulant durchgeführt werden kann. Bei Krebs wird die Bildung von Metastasen verhindert. Neben der Schmerzbekämpfung und Durchblutungsförderung verbessert sich unter diesem Verfahren auch die Wundheilung.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Allerdings gibt es auch Nachteile der Gleichstromtherapie. Sie darf bei Herzschrittmachern, Sensibilitätsstörungen, Thrombosen, Hautläsionen, offenen Wunden, Metallimplantaten, Entzündungen und fieberhaften Prozessen nicht angewendet werden.

Auch bei einer pulmonalen Hypertonie oder dekompensierten Herzinsuffizienz sollte die Anwendung dieser Therapie vermieden werden. Das gilt hier besonders für den Einsatz eines Stanger-Bades. Durch den Einfluss von Strom kann es bei diesen Vorerkrankungen zu gefährlichen Komplikationen kommen. Ansonsten bleibt die Behandlung mit Gleichstrom in der Regel nebenwirkungsfrei, wenn sie richtig durchgeführt wird. Lediglich bei Behandlungen im Brustbereich, im Gesicht oder im Hals kann es zu leichten und ungefährlichen Nebenwirkungen kommen. So können dann Symptome wie metallischer Geschmack oder Augenflimmern bei Kopfbehandlungen auftreten.

Manchmal erscheinen statt Augenflimmern auch farbige Blitze. Nur wenn die farbigen Blitze anhalten, sollte der Augenarzt konsultiert werden, um eine eventuelle Netzhautablösung auszuschließen. Bei unsachgemäßer Anwendung der Gleichstromtherapie kann es jedoch zu Nekrosen kommen. So treten bei zu hohen Stromstärken an der Anode sogenannte Koagulationsnekrosen und an der Anode Kolliquationsnekrosen auf. Bei der Koagulationsnekrose findet eine Denaturierung zytoplasmatischer Proteine statt. Dabei stirbt das betreffende Gewebe ab.

Die an der Katode auftretende Kolliquationsnekrose zeichnet sich durch die Verflüssigung des Gewebes aus. Davon sind besonders Gewebe mit hohem Fett- und niedrigem Kollagengehalt wie das Gehirn oder die Bauchspeicheldrüse gefährdet. Die verschiedenen Formen der Nekrose sind durch die unterschiedliche Entwicklung des pH-Wertes an den entsprechenden Elektroden bedingt.

Bücher über Elektrotherapie

Quellen

  • Augustin, M., Schmiedel, V.: Leitfaden Naturheilkunde, Urban & Fischer, München 2003
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2008
  • Hüter-Becker, A., Dölken, M.: Physikalische Therapie, Massage, Elektrotherapie und Lymphdrainage. Thieme, Stuttgart 2007

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