Glatte Muskulatur

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. November 2016
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Bei der glatten Muskulatur handelt es sich um eine Muskulaturform, die in zahlreichen menschlichen Hohlorganen angesiedelt ist. Sie verfügt über die Fähigkeit, selbstständig zu arbeiten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Glatte Muskulatur?

Unter der glatten Muskulatur wird eine Muskulaturart verstanden, die sich im Gegensatz zur quergestreiften Muskulatur nicht willkürlich steuern lässt. Sie übt Einfluss auf die Form und Funktion der inneren Organe aus. Sie bildet das kontraktile Gewebe von zahlreichen Hohlorganen sowie den Blutgefäßen und Lymphgefäßen des Menschen.

Die Bezeichnung "Glatte Muskulatur" ist darauf zurückzuführen, dass auf einem mikroskopischen Bild die Querstreifung des Muskelgewebes fehlt. Zu den Ausnahmen zählt der Herzmuskel. So stellt das Herz zwar ein inneres Hohlorgan dar, doch besteht der Herzmuskel nicht aus glatter Muskulatur. Die quergestreifte Muskulatur befindet sich in der Regel in den Skelettmuskeln. Die Querstreifung ist unter polarisierendem Licht erkennbar. Sie entsteht durch das regelmäßige Anordnen der Proteine Myosin und Aktin. In der glatten Muskulatur ist diese Anordnung jedoch nicht vorhanden. Aus diesem Grund wirken die Muskelzellen der glatten Muskulatur selbst bei polarisierendem Licht homogen.

Anatomie & Aufbau

Ein typisches Merkmal der glatten Muskulatur bilden die Myozyten. Dabei handelt es sich um schmale, längliche Muskelzellen, die über keinerlei Querstreifung verfügen. Angesiedelt ist die glatte Muskulatur in erster Linie an den Wänden von Hohlorganen wie den Harnwegen, den Geschlechtsorganen, den Atemwegen, dem Darm sowie in den Blutgefäßen.

Die Myozyten der glatten Muskulatur weisen die Form einer Spindel auf. Ihr Durchmesser beträgt zwischen 5 und 8 µm, was sich allerdings nach dem jeweiligen Zellenzustand richtet. So fällt der Umfang der Myozyten in einem zusammengezogenen Muskel etwas größer aus, als in einem Muskel, der schlaff ist. Die Länge der Myozyten kann erheblich schwanken, was auch von der Position der Muskelzelle abhängt. So erreichen die Myozyten innerhalb der Blutgefäße lediglich eine Durchschnittslänge von 15 bis 20 µm. Bei anderen Organen beträgt ihre Länge hingegen zwischen 200 und 300 µm.

Die Zellkerne der glatten Muskulatur sind zumeist in der Mitte der Zellen angesiedelt und fallen relativ länglich aus. Im Zytoplasma der Muskelzellen befinden sich in hoher Konzentration die Filamente Myosin und Aktin, deren Struktur sich weniger streng erweist als die der quergestreiften Muskulatur. In ungeordneter Form ziehen sie durch die einzelne Muskelzelle hindurch. Im Zytoplasma sowie am Zellenrand sind sie an Verankerungsplaques fixiert. Durch diese Anordnung sind die Zelle und damit auch der Muskel imstande, sich im Rahmen von Kontraktionen stärker zusammenzuziehen als in der quergestreiften Muskulatur. Die einzelne Muskelzelle umgibt die Basallamina, bei der es sich um eine dünne Haut handelt.

Einteilen lässt sich die glatte Muskulatur in zwei unterschiedliche Formen. Dies sind der Single-Unit-Typ sowie der Multi-Unit-Typ. Unterschiede zwischen diesen beiden Subformen bestehen in ihrer Struktur, Innervation und Funktion. Mitunter kommen aber auch Mischformen vor, was besonders auf die Gefäßmuskulatur zutrifft.

Die einzelnen Muskelzellen des Single-Unit-Typs sind in der Lage, sich durch spezielle Gap Junctions miteinander zu verbinden. Auf diese Weise wird ein Austausch zwischen Second-Messenger-Molekülen und Ionen ermöglicht, was eine funktionelle Einheit zur Folge hat, weil sich die Zellen elektrisch koppeln. Single-Unit-Typen kommen besonders im Harnleiter, dem Magen-Darm-Trakt sowie in der Gebärmutter vor. Der Multi-Unit-Typ ist hingegen im Samenleiter, den Haarmuskeln und den inneren Augenmuskeln zu finden.

Funktion & Aufgaben

Die glatte Muskulatur lässt sich im Gegensatz zur quergestreiften Muskulatur nicht vom Menschen kontrollieren. Sie hat Anteil an zahlreichen lebensnotwendigen Abläufen des Organismus. Dazu zählen die Pumpbewegungen des Herzens, die Verdauung sowie das Aufstellen von feinen Härchen auf der Hautoberfläche.

Der Mensch ist sich dieser Abläufe nicht bewusst und kann sie auch nicht steuern. Allein das vegetative Nervensystem ist imstande, Einfluss auf die Muskeln der Hohlorgane zu nehmen. Dieser erfolgt mit Adrenalin und Acetylcholin über Sympathikus und Parasympathikus. Auf diese Weise ist zumindest eine indirekte Beeinflussung möglich.

Die glatte Muskulatur verfügt über die Fähigkeit, sich erheblich stärker zu verkürzen als die Skelettmuskulatur, was allerdings mehr Zeit in Anspruch nimmt. Immerhin lässt sich dieser Zustand für längere Zeit bewahren, ohne mit einer Ermüdung verbunden zu sein. Dieser Ablauf ist auch als tonische Dauerkontraktion oder echter Muskeltonus bekannt. Während des Geburtsvorganges sorgt die glatte Muskulatur dafür, dass die Gebärmutter eine rhythmische Kontraktion vornimmt.

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Krankheiten

An der glatten Muskulatur kommt es häufiger zu Beeinträchtigungen der Funktion als am Herzmuskel oder an der Skelettmuskulatur. Sie hat den Nachteil, sich schlecht zu regenerieren, sodass sich oft eine Bindegewebsnarbe bildet. Durch Fehler an der glatten Muskulatur kann es zu unterschiedlichen Erkrankungen kommen. Dazu gehört u. a. eine Wehenschwäche der Gebärmutter.

In der Gebärmutter oder im Verdauungstrakt ist zudem das Entstehen von bösartigen glatten Muskelzellen möglich. Diese werden als Leiomyosarkome bezeichnet. Der Tumor geht dabei von der glatten Muskulatur aus. Sein Anteil an den bösartigen Geschwülsten der Gebärmutter liegt bei einem Prozent. Er zeigt sich in der Regel ab einem Alter von 30 Jahren. Die Symptome des Leiomyosarkoms gelten als unspezifisch. In den meisten Fällen vergrößert sich die Gebärmutter schnell. Außerdem zeigen sich Blutungen. Das Auftreten von Leiomyosarkomen ist grundsätzlich an jeder Stelle der glatten Muskulatur denkbar. Das Leiomyosarkom stellt eine seltene Erkrankung dar, deren Behandlung zumeist durch eine Operation erfolgt.

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