Gift-Lattich

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Schon der griechische Arzt Hippokrates verwendete den Gift-Lattich als Heilmittel. Der römische Kaiser Augustus soll durch die heilkräftige Pflanze sogar von einer schweren Krankheit genesen sein. Der Gift-Lattich wurde hierzulande noch bis vor einhundert Jahren als Naturheilmittel eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen & Anbau des Gift-Lattich

Der Gift-Lattich (Lactuca virosa) wird wegen seines unangenehmen Geruchs auch Stinksalat genannt. Weitere Bezeichnungen des zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) gehörenden Gewächses sind Wilder Lattich und Opium-Lattich.

Der Gift-Lattich ist ein ein- oder zweijähriges krautiges Gewächs, das eine Höhe von 0,60 bis 1,20 Meter erreicht und eine spindelförmige Wurzel hat. Sein heller rötlich überlaufener Stängel enthält einen milchigen Saft. Die Pflanze hat blaugrüne eiförmige Laubblätter, die am Rand spitz gezähnt und auf der Blattunterseite mittig mit Stacheln bestückt sind. Sie wächst aus einer grundständigen Laubblatt-Rosette.

Jeweils 12 bis 16 hellgelbe Zungenblüten stehen endständig in einer pyramidenförmigen Rispe zusammen. Nach der Blütezeit (Juli bis September) verstreuen die dunkelbraunen Früchte des Gift-Lattichs ihre Samen (Schirmflieger). Die alte Heilpflanze stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und wurde von den Römern in ganz Europa eingeführt. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts gab es an der Mosel riesige Anbaugebiete mit Gift-Lattich. Er wurde sogar nach Nordamerika exportiert.

Heute kommt das Kraut wild wachsend in ganz Europa, West-Asien und Nordafrika vor. Der Gift-Lattich bevorzugt sonnige warme Standorte auf trockenem, nährstoffreichem, schwach basischem Boden und steinige Untergründe. Seine Laubblätter haben einen bitter-scharfen Geschmack. Wer ihn als Heilpflanze verwenden möchte, sollte seine Blätter zur Blütezeit sammeln und trocknen. Der Milchsaft wird vor der Blüte über mehrere Monate abgezapft und an der Sonne getrocknet.

Wirkung & Anwendung

Der Gift-Lattich enthält Bitterstoffe, organische Säuren, Kautschuk, Inulin, Flavonoide, ein bis zwei Prozent Kohlenhydrate, 0,25 Prozent Fett, ein bis zwei Prozent Proteine, viele Ballaststoffe, Dihydrolactucin, das Glykosid Lactusid A, Lactucin, Jacquinelin, Lactucopicrin, Sesquiterpen-Lactone, Alpha-Lactucerol, Beta-Lactucerol und im Milchsaft des Stängels Beta-Amyrin, Gennanicol und Taraxasterol.

Die Blätter werden in getrockneter und zerkleinerter Form zu Tee und Extrakt aufgekocht und oral verwendet. Der Milchsaft wird getrocknet und ebenfalls eingenommen. Außerdem können die frisch gesammelten Blätter noch zerquetscht für Brei-Umschläge (äußerliche Anwendung) genutzt werden. Gift-Lattich hat eine psychoaktive Wirkung: Er wirkt sedierend und in höherer Dosis sogar narkotisierend.

Er beruhigt, lindert Schmerzen und hat eine schlaffördernde Wirkung. Außerdem hat er hustenreizlindernde, adstringierende, harntreibende und krampflösende Eigenschaften. Der Milchsaft wird wie Opium gewonnen und in einem Getränk konsumiert oder pur genossen. Bei ihm sollte der Patient jedoch besonders vorsichtig dosieren, da er eine stärkere Wirkung als die gesamte Gift-Lattich Pflanze hat (nicht mehr als 0,1 bis 0,5 Gramm täglich).

Wer sich einen Tee zur Behandlung seiner nervösen Unruhe oder zum Entwässern machen möchte, nimmt ein bis zwei Teelöffel des getrockneten und zerkleinerten Krauts und gießt es mit 250 Milliliter kochendem Wasser auf. Nach 15 Minuten seiht er den Tee ab und trinkt über den Tag verteilt drei Tassen davon. Die getrockneten Blätter können auch zerkaut oder in der Pfeife geraucht werden. Sie haben einen angenehmen Geschmack und verursachen kein Halskratzen.

Zur Herstellung des Extrakts werden 10 bis 20 Gramm getrocknetes Kraut mit einem Liter Wasser ein bis zwei Stunden lang bei schwacher Hitze geköchelt. Der nach dem Verdampfen des Wassers im Topf verbleibende dickflüssige Extrakt kann mit Zitronensaft verdünnt werden. Möchte der Patient zur Linderung seiner Beschwerden Gift-Lattich verwenden, so sollte er dabei aber sehr niedrig dosieren:

Lediglich ein bis zwei Gramm Kraut täglich sind absolut ungefährlich. Bei wesentlich höherer Dosierung kommt es zu Vergiftungen mit Symptomen wie Schweißausbrüchen, Kopfschmerzen, Erbrechen, Schwindel, Magendruck, Benommenheit, gesteigertem Schlafbedürfnis, unsicherem Gang, Hautjucken, Herzrasen und Atemnot. Eine starke Überdosierung kann zum Tod durch Herzversagen führen.

Bedeutung für die Gesundheit, Behandlung & Vorbeugung

Der Gift-Lattich wurde noch bis vor 100 Jahren als hoch wirksames Schlaf und Beruhigungsmittel genutzt. Schon fünf Gramm Kraut reichen aus, um es derart einsetzen zu können. Verantwortlich für die Hyperaktivität, nervöse Unruhe und Schlafstörungen kurierenden Eigenschaften ist vor allem das Lactosid A. Es hat einen opiumähnlichen Effekt, ohne zugleich dessen suchterzeugendes Potenzial zu besitzen. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde der Milchsaft als leichtes Schmerzmittel verwendet.

Lactucin, Dihydrolactucin und Lactucopicrin zeigten tatsächlich schmerzlindernde Eigenschaften. Der milchige Pflanzensaft wurde vor der Erfindung des Chloroforms zudem als Narkosemittel bei Operationen verwendet. Auch als Husten-Stiller ist der Gift-Lattich wirksam. Die Naturmedizin behandelte mit ihm chronischen Schleimhaut-Katarrh, chronische Bronchitis, Keuchhusten, gewöhnlichen Hustenreiz, trockenen Husten und sogar Asthma bronchiale.

Er wurde wegen seiner entwässernden Effekte bei Gicht und Rheuma und aufgrund seiner krampflösenden Eigenschaften bei Darmkoliken und kolikartigen Menstruationsschmerzen eingesetzt. Außerdem half er bei Störungen des weiblichen Monatszyklus (Dysmenorrhoe). Brei-Umschläge mit den frischen zerquetschten Blättern der Heilpflanze wurden auf von Couperose betroffenen Hautpartien und bei chronischen Augenentzündungen mit Sehschwäche appliziert.

Heute wird der Gift-Lattich wegen seiner unsicheren Dosierung nur noch als homöopathisches Mittel verschrieben. Lactuca virosa wird aus der zur Blütezeit gesammelten frischen ganzen Pflanze gewonnen und als Ur-Tinktur in D3 und D4 und Teep verordnet (ein bis drei Tabletten täglich). Therapeutische Anwendungsgebiete sind Schlaflosigkeit und Reizhusten.

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