Gewöhnliche Osterluzei

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Die Gewöhnliche Osterluzei kommt als Wild- und Gartenpflanze in Mitteleuropa vor. Sie ist eine seit dem Altertum verwendete Heilpflanze. Heute hat sie aufgrund ihrer giftigen Wirkung außer in der Homöopathie keine medizinische Bedeutung mehr.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen & Anbau der Gewöhnlichen Osterluzei

Die Gewöhnliche Osterluzei oder Aristolochia clematitis zählt zur Familie der Osterluzeigewächse (Aristolochiaceae) und zur Gattung der Pfeifenblumen (Aristolochia). Es ist eine mehrjährige Pflanze, die 30 bis 100 Zentimeter hoch wird. Sie hat ein weit verzweigtes Rhizom und einen aufrechten, unverzweigten Stängel. Die Pflanze blüht im Mai und Juni.

Die gelben, trichterförmigen Blüten sind drei bis fünf Zentimeter lang. Sie stehen in den Blattachseln der oberen Blätter in Gruppen von zwei bis acht Blüten zusammen. Charakteristisch ist der unangenehme Geruch der Pflanze, der Fliegen zur Bestäubung anlockt. Diese rutschen auf den Grund der Blüte und können hieraus aufgrund einer Behaarung im Inneren der Blütenröhre erst nach der Bestäubung, wenn die Blüten verwelken, wieder freikommen.

Die hellgrünen Laubblätter sind langgestielt, herzförmig und sechs bis zehn Zentimeter lang sowie vier bis sieben Zentimeter breit. Ursprünglich stammt die gewöhnliche Osterluzei aus dem Mittelmeeraum. Inzwischen kommt sie jedoch in ganz Mitteleuropa vor. Die Pflanze mag es warm und sonnig. Sie bevorzugt kalkhaltige, wasserdurchlässige und nährstoffreiche Lehm- oder Lössböden. Die gewöhnliche Osterluzei wächst vor allem in Weinbergen, Auwäldern, an Böschungen und Feldrändern.

Wirkung & Anwendung

Rhizom und Samen der gewöhnlichen Osterluzei enthalten Aristolochiasäuren, die in geringeren Mengen auch in den Blättern der Pflanze vorkommen. Bei den Aristolochiasäuren handelt es sich um sekundäre Pflanzenstoffe, die stark giftig sind. Die stickstoffhaltigen aromatischen Verbindungen führen zu Mutationen im Erbgut, sind krebserzeugend und führen zu Nierenschäden.

So konnte in einer Studie die Auslösung von Harnwegstumoren bei vielen Menschen in Taiwan gezeigt werden, die Produkte mit der gewöhnlichen Osterluzei eingenommen hatten. Bei der sogenannten Balkan-Nephropathie gelangten Aristolochiasäuren aus Samen der gewöhnlichen Osterluzei, die neben Getreidefeldern wuchs, in das Mehl zum Brot backen. Hierdurch verursachten sie bei vielen Bewohnern des Balkans Nierenerkrankungen.

Die gewöhnliche Osterluzei wächst vor allem in Weinbergen, Auwäldern, an Böschungen und Feldrändern.

Aristolochiasäuren können zu Hyperämien, das heißt zu Blutansammlungen in Organen oder Geweben führen. Sie können außerdem eine Menorrhagie (lange und starke Regelblutung), das heißt eine verlängerte und verstärkte Monatsblutung, verursachen und bei einer Schwangerschaft zu einem Abort führen. Trotzdem werden den Aristolochiasäuren wundheilende Wirkungen und eine Stimulation des Immunsystems nachgesagt. Sie sollen entzündungshemmend, krampflösend und schweißtreibend wirken. Insekten, die sich von Pflanzen der Familie der Osterluzeigewächse ernähren, sind gegen die Wirkung der Aristolochiasäuren immun und nutzen diese zur Abwehr von Fressfeinden. Die gewöhnliche Osterluzei enthält außerdem ätherische Öle und Gerbstoffe.

Aufgrund der giftigen Wirkung der Aristolochiasäuren wurden in Deutschland Arzneimittel mit Bestandteilen der gewöhnlichen Osterluzei verboten. Lediglich homöopathische Mittel ab der Potenzstufe D11 sind weiterhin erlaubt. Die homöopathischen Mittel sind als Globuli, Tabletten und als Lösung erhältlich. Je nach Symptomen können dreimal täglich fünf Tropfen oder fünf Globuli zur inneren Anwendung eingenommen oder die Tinktur äußerlich angewendet werden.

Für die Herstellung werden die frischen, oberirdischen Teile der Pflanze verwendet. In der Volksheilkunde findet die gewöhnliche Osterluzei Verwendung bei der äußerlichen Anwendung. Hierfür werden die im Frühjahr oder Herbst geernteten und anschließend getrockneten Wurzeln abgekocht und die verdünnte Tinktur auf Ekzeme, Geschwüre oder bei Juckreiz aufgetragen. Aufgrund der hohen Giftigkeit sollten jedoch Fertigpräparate aus der Homöopathie bevorzugt werden. Besonders vor Kräutermischungen aus dem Internet, die gewöhnliche Osterluzei enthalten, ist zu warnen.

Bedeutung für die Gesundheit, Behandlung & Vorbeugung

Bereits seit dem Altertum ist die gewöhnliche Osterluzei, die auch als Wolfskraut oder Biberkraut bezeichnet wird, als Heilpflanze bekannt. Der Gattungsname Aristolochia leitet sich vom griechischen „aristos“ für „sehr gut“ ab sowie von „lockeius“ für „zum Gebären gehörig“. Der Artname „clematis“ kommt von griechisch „klema“, das „Ranke“ bedeutet und sich auf die Wuchsform bezieht.

Im Altertum wurde die gewöhnliche Osterluzei bei Geburten eingesetzt, da die Wirkstoffe die Geburt erleichtern und beschleunigen sollten. Da die Pflanzenstoffe zum Einsetzen von Wehen führen können, fand die Osterluzei auch Anwendung als Abtreibungsmittel. Außerdem wurde die gewöhnliche Osterluzei gegen Schlangenbisse eingesetzt. Der altägyptische Name bedeutet ins Deutsche übersetzt „schlangenwidrig“. Später wurde die Pflanze vor allem in der traditionellen chinesischen Medizin als Heilpflanze eingesetzt.

Bei verschiedenen gynäkologischen Beschwerden, wie Menstruationsbeschwerden und Spannungsgefühl und Zyklus-abhängigen Brustschmerzen, sowie in der Geburtshilfe findet sie auch heute noch in der Homöopathie Anwendung. Außerdem werden homöopathische Präparate mit der gewöhnlichen Osterluzei bei innerer und äußerlicher Wundheilung, bei Druckstellen oder Blasen, bei chronischen Geschwüren und bei Rheuma verwendet.

Vor dem Verbot Aristolochia-haltiger Arzneimittel fand die gewöhnliche Osterluzei auch Anwendung bei Diätkuren. Bei zu hoher Dosierung der Heilpflanze kommt es zu Vergiftungserscheinungen. Diese können sich in Erbrechen, einer Magen-Darm-Entzündung, Krämpfen oder einem erhöhten Puls äußern. Der Blutdruck fällt ab und durch eine Atemlähmung kann der Tod eintreten. Aufgrund der hohen Toxizität spielt die gewöhnliche Osterluzei als Heilpflanze in der Medizin heutzutage keine große Rolle mehr.

Lediglich in der Homöopathie und als Zierpflanze im Garten kommt die Pflanze noch zum Einsatz. Außerdem nutzen Forscher Aristolochiasäuren zur Untersuchung von möglichen Auslösern für Tumorerkrankungen. Die Mutationen, die durch den Pflanzenstoff ausgelöst werden, können unter Umständen Hinweise auf die Entstehung von Tumoren liefern.

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