Gestalttherapie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. September 2017
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Viele Menschen haben psychische Probleme, bei denen sie psychotherapeutische Hilfe benötigen. Eine Gestalttherapie kommt für Klienten in Frage, die den Fokus vorwiegend auf die Gegenwart legen wollen und bereit sind, Eigenverantwortung zu übernehmen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Gestalttherapie?

Die Gestalttherapie gehört zu den ganzheitlich integrativen und erlebnisorientierten Verfahren der humanistischen Psychotherapie. Sie wurde von Fritz Perls, Laura Perls und Paul Goodman begründet und hat sich zum größten Teil aus der Psychoanalyse entwickelt.

Perls vertrat die Auffassung, dass jeder Mensch für sein Handeln verantwortlich ist und auch in der Lage ist, sein Potential zu nutzen. Die Gestalttherapie beschäftigt sich vorwiegend mit Emotionen und Erlebnissen in der Gegenwart, auch wenn sie einen Bezug zur Vergangenheit haben können. Das zentrale Anliegen für die gestalttherapeutische Arbeit ist "Ich und Du im Hier und Jetzt". Die therapeutische Arbeit soll psychosoziale Fähigkeiten fördern, die dazu dienen ein selbstbestimmtes Leben mit persönlichen Werten zu leben und auf seine Umwelt bezogen zu sein.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Gestalttherapie hat vielfältige Anwendungsbereiche und ist in jedem Alter geeignet. Sie kann als Einzel-, Gruppen-, Paar- oder Familientherapie durchgeführt werden und hilft bei verschiedenen Problemen:

Sie sieht sich als Therapieform, die über Seele, Körper und Geist hinaus auch die soziokulturellen und ökologischen Lebenszusammenhänge in die Therapie einbezieht. Sie möchte einen menschlicheren Umgang zwischen Menschen erreichen und zu mehr Umweltbewusstsein anregen. Deshalb ist sie auch nicht nur eine Psychotherapiemethode, sondern zugleich auch Lebensphilosophie und Weltanschauung. Fritz Perls sah in psychischen Störungen das Ergebnis von Kontaktstörungen zwischen Menschen.

Alle Menschen brauchen soziale Kontakte und Nähe zu anderen Menschen, aber manche Menschen entwickeln aus Angst vor Ablehnung Abwehrmechanismen und können sich ihren Gefühlen nicht hingeben. In der Gestalttherapie wäre es in einem solchen Fall das Ziel, wieder lebendige Gefühle zulassen zu können und sie in der Therapie im Hier und Jetzt zu beleben. Die Vergangenheit ist zwar auch wichtig und prägend, aber die Gestalttherapie sieht anders als die Psychoanalyse ihre Aufgabe nicht darin, in der Vergangenheit herumzuwühlen, weil die Aufarbeitung der Vergangenheit nicht unbedingt bei Problemen in der Gegenwart hilft. Sie arbeitet mit 3 Prinzipien:

  • Erleben
  • Wahrnehmen
  • Selbstunterstützen

Um erleben zu können, müssen Mitmenschen und Umwelt bewusst wahrgenommen werden. Menschen mit neurotischen Problemen haben Ängste, sich in Auseinandersetzungen und Kontakte zu begeben, weil sie Ablehnung fürchten. Durch ihre Abwehrmechanismen verhindern sie, dass sie spüren, erleben und wahrnehmen. Um innerlich freier zu werden, ist es notwendig, dass sie sich von ihren Symptomen und Problemen lösen, mit denen sie andere zum Handeln zwingen, und stattdessen Eigenverantwortung übernehmen.

Die Gestalttherapie sieht sich als Therapieform, die über Seele, Körper und Geist hinaus auch die soziokulturellen und ökologischen Lebenszusammenhänge in die Therapie einbezieht.

Beim klassischen Ablauf einer gestalttherapeutischen Gruppensitzung bewegen sich die Gruppenmitglieder durch den Raum, in dem sich ein leerer Stuhl ("heißer Stuhl") befindet. Wer an einem Thema arbeiten möchte, setzt sich auf diesen "heißen Stuhl". Der Therapeut gibt dezente Anregungen, die Gruppe gibt Unterstützung und Feedback, während die Person auf dem "heißen Stuhl" alle Gefühlsregungen zulässt und nichts unterdrückt. In diesem Gruppenerlebnis lässt sich die ganze Spannbreite von Gefühlen erleben, von Wertschätzung und Geborgenheit bis hin zum Ausgeliefertsein und Kritisiertwerden.

Auch Träume und Fantasien spielen in der Gestalttherapie eine Rolle. Mit ihnen wird mit kreativen Methoden gearbeitet. Eine Einzeltherapie kann 20 bis 200 Stunden umfassen, Gruppentherapien werden in offener oder geschlossener Form angeboten.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Eine Gestalttherapie kann eine wirksame Therapieform für verschiedene Probleme sein, aber es gibt bisher keine wissenschaftlichen Untersuchung, die den Nachweis erbringen können, dass gestalttherapeutische Maßnahmen eine positive Wirkung haben und dass sie dauerhaften Erfolg garantieren.

Weil mit dramatischen Techniken gearbeitet wird, ist sie für Menschen, die zu einer hysterischen Persönlichkeitsstruktur neigen, weniger gut geeignet, weil das Arbeiten mit dem "heißen Stuhl" dazu anregen kann, Gefühle nur auszuleben. Das kann zu seelischen Überforderungsreaktionen führen. Es braucht erfahrene Therapeuten, die verantwortungsbewusst mit den Gruppenerlebnissen umgehen und den Klienten helfen, diese Erlebnisse anschließend angemessen in ihr Seelenleben einzuordnen. Zum Teil gibt es unzureichend ausgebildete Therapeuten, die einen sehr konfrontativen Stil betreiben und Klienten dadurch noch mehr frustrieren.

Die Alternativszene bedient sich auch Techniken, mit denen Gefühle provoziert werden und in einem "Voice-Dialogue" den verschiedenen Anteilen von seelischen Konflikten eine Stimme verliehen wird. Diese sollen dann miteinander ins Gespräch kommen. Für Menschen mit sozialen Ängsten kann das Gruppenerlebnis auf dem heißen Stuhl kontraproduktiv sein, weil sie sich in der Gruppe, wo sie unter Dauerbeobachtung stehen, erst recht nicht trauen, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen.

Auf diese Weise können sie sich noch mehr verschließen. Eine verantwortungsbewusste Therapie muss immer auch die individuellen Schamgrenzen der Gruppenmitglieder im Blick haben und sollte die persönlichen Grenzen nicht außer Kraft setzen wollen. Jeder Mensch hat seelische Schutzmechanismen, die ihre Berechtigung haben. Es kommt daher sehr darauf an, dass Gestalttherapeuten eine seriöse Ausbildung absolviert haben und entsprechend behutsam und vorsichtig vorgehen, damit sie bei den Klienten Abwehrmechanismen nicht noch verfestigen.

Bücher über Psychotherapie

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Morschitzky, H.: Angststörungen – Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Springer, Wien 2009
  • Morschitzky, H.: Somatoforme Störungen – Diagnostik, Konzepte und Therapie bei Körpersymptomen ohne Organbefund. Springer, Wien 2007

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