Geruchssinn

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 8. Januar 2017
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Der Geruchssinn des Menschen wird auch als olfaktorische Wahrnehmung bezeichnet und gliedert sich mit dem Riechepithel, den Riechfäden und dem vorgelagerten Teil des Riechhirns ins drei verschiedene Anatomiestrukturen, die gemeinsam für die Wahrnehmung sowie Verarbeitung von Geruchsreizen zuständig sind.

Obwohl der Geruchssinn des Menschen deutlich weniger stark ausgeprägt ist, als der Geruchssinn von Primaten, lässt dieses System der Geruchswahrnehmung eine Unterscheidung von einer Billion verschiedener Geruchsmischungen und acht verschiedenen Geruchsqualitäten zu.

Eine gestörte, ausbleibende oder gesteigerte Geruchswahrnehmung hängt in der Regel entweder mit neurologischen Erkrankungen oder psychischen Krankheitsphänomenen zusammen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Geruchssinn?

Der Geruchssinn oder auch die olfaktorische Wahrnehmung ist der Sinneskanal des Menschen, der für Gerüche zuständig ist. Er gliedert sich in drei verschiedene Strukturen: Das Riechepithel in der Nasenhaupthöhle nimmt den Geruch auf. Die Riechfäden, die sogenannten Lamina cribrosa mit den Fila olfactoria, liegen über dem Siebbein und leiten die aufgenommenen Gerüche weiter. Der Bulbus olfactorius, das heißt der vorgelagerte Hirnteil, verarbeitet die so weitergeleiteten Reize. Das Riechhirn, der sogenannte olfaktorische Cortex, überlappt in seinem sekundären Zentrum das Zentrum für Geschmacksinformationen, was diese beiden Wahrnehmungsbereiche untrennbar miteinander vernetzt.

Anders als bei den meisten Tierarten ist der Geruchssinn des Menschen kaum entwickelt. Dessen ungeachtet ist sogar der Mensch dazu in der Lage, zwischen rund einer Billion verschiedener Gerüche zu unterscheiden.

Funktion & Aufgabe

Der Geruchssinn dient der Wahrnehmung und Unterscheidung von Gerüchen. Der Mensch identifiziert so zum Beispiel acht verschiedene Geruchsqualitäten und kann Geruchsquellen damit in die Gruppen blumig, erdig, animalisch, holzig, grün, würzig, harzig und fruchtig differenzieren.

Die Aufgaben des Geruchssinns gliedern sich letztlich in zwei Grundfunktionen: in die Reizaufnahme und die Reizverarbeitung. Die Reizaufnahme findet über das Eindringen von Geruchsmolekülen in die Riechschleimhaut statt.

Zu Steigerung der Wahrnehmungen des Geruchssinns kann eine stossweise Nasenatmung dienen, die die Atemluft verwirbelt und so mehr Duftmoleküle in die Riechspalte gelangen lässt. Hier erreichen die Geruchsreize die rund 30 Millionen Sinneszellen der Nase.

Diese Sinneszellen auf der Nasenschleimhaut binden Riechstoffmoleküle an Rezeptoren und aktivieren dabei ein G-Protein. So wird eine intrazelluläre Signalkaskade initiiert, die zu einer Öffnung der Ionenkanäle führt. Diese Öffnung sorgt für einen Cl−Ausstrom, der die Zellen depolarisiert und so ein Aktionspotential auslöst.

Der Geruchssinn oder auch die olfaktorische Wahrnehmung ist der Sinneskanal des Menschen, der für Gerüche zuständig ist.

Die so entstandenen Aktionspotentiale gelangen durch Löcher in der Siebplatte des Siebbeins ins Riechhirn, von wo aus sie in die Hirnbereiche der Gedächtnisspeicherung, der Emotion und Motivation sowie der Geruchsidentifikation weitergeleitet werden. Diese Weiterleitung erfolgt über die Fasern und Riechbahnen des dreischichtigen Riechhirns und leitet die Wahrnehmungen zum Beispiel ohne Umwege ans limbische System und den Hypothalamus.

In diesen Gehirnbereichen findet die Speicherung von Geruchswahrnehmungen und die Geruchsidentifikation statt, die durch die direkte Verbindung zum limbischen System oft emotional und motiviert belegt ist.

Wie auch der Hörsinn kann der Geruchssinn des Menschen über die mittig getrennten Nasenhöhlen zwei Geruchsrichtungen vergleichen. Damit ist der Mensch nicht nur dazu in der Lage, Geruchsquellen zu identifizieren, sondern kann zusätzlich eine ungefähre Lokalisierung dieser Geruchsquellen vornehmen.

Die Geruchsidentifikation findet im Thalamus statt. Erst die Verarbeitung von Wahrnehmungen im daran anschließenden Hippocampus speichert die einzelnen Geruchswahrnehmungen aber dauerhaft.

Das Geruchsgedächtnis des Menschen lässt sich in ein präsemantisches und ein semantisches Gedächtnis unterscheiden. Das präsemantische Gedächtnis stellt einen spontanen Bezug zwischen Gerüchen und Orten her, an denen der Mensch den Geruch vermehrt wahrgenommen hat.

Damit überlappt das olfaktorische System des Menschen nicht nur mit dem gustatorischen, sondern auch mit dem visuellen Sinnessystem, das durch die Bindung von Seherinnerungen und Geruchserinnerungen eine Verbildlichung von eigentlich gestaltlosen Geruchswahrnehmungen zulässt. Das semantische Gedächtnis macht die Verbalisierung von Gerüchen möglich, da die Wahrnehmungen darin unter einzelnen Namen abgelegt sind.

Während der Geruchssinn für Primaten von ungleich höherem Stellenwert ist, ist er für den Menschen weniger wichtig und nicht besonders stark ausgeprägt. Nichtsdestotrotz kann der Geruchssinn auch dem Menschen, zusammen mit der gustatorischen Wahrnehmung, bei der Identifizierung von giftigen und ungiftigen Stoffen sowie potenziellen Gefahrenquellen behilflich sein. Oft lösen bestimmte Gerüche zum Beispiel einen Würgereiz aus, der evolutionär in erster Linie schützende Funktion erfüllt hat.

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Krankheiten & Beschwerden

Verschiedene, neurologische Erkrankungen können den Geruchssinn beeinträchtigen oder sogar zu einer Anosmie, also dem gänzlichen Verlust des Geruchssinns führen. Insbesondere Schäden an den Zellen des olfaktorischen Cortex gehen mit Geruchsstörungen einher.

Verantwortlich für Zellschäden in diesem Bereich sind häufig degenerative Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Alzheimer, die ganze Gehirnareale zugrunde gehen lassen. Auch Schlaganfälle oder entzündliche Prozesse im Gehirn können aber Strukturen des Riechhirns Schaden nehmen lassen und zu fehlerhaften oder ausbleibenden Geruchswahrnehmungen führen.

Gestörte Geruchswahrnehmungen müssen allerdings nicht immer mit einer physiologischen Ursache zusammenhängen. So kommen im Rahmen bestimmter Erkrankungen der Psyche, zum Beispiel Phantosmien, Geruchswahrnehmungen trotz Abwesenheit einer Reizquelle vor.

Fehlerhafte Geruchswahrnehmungen im Bezug auf die Geruchsqualität bezeichnet die Neurologie dagegen als Parosmien oder Kakosmien. Eine verringerte Riechleistung aufgrund von Zellverlusten wird wiederum als Hyposmie bezeichnet, während übermäßige Riechleistungen als Hyperosmien bekannt sind.

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