Geräuschaudiometrie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. September 2017
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In der Geräuschaudiometrie nach Langenbeck wird die Hörschwelle für verschiedene Tonhöhen bei gleichzeitiger Überlagerung des Reintons mit einem Hintergrundrauschen ermittelt.

Der audiometrische Test erlaubt Rückschlüsse darüber, ob eine sensorineurale Schädigung vorliegt, also eine Schädigung in der Sensorik (Sensoren in der Hörschnecke) und/oder im nachgelagerten neuronalen Bereich. Die Methode wurde von Bernhard Langenbeck bereits 1949 und 1950 entwickelt und vorgestellt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Geräuschaudiometrie?

Die Geräuschaudiometrie nach Langenbeck unterscheidet sich von der „normalen“ Tonaudiometrie dadurch, dass zusätzlich zur Ermittlung der Hörschwelle für frequenzabhängige Töne in Form von absoluten oder relativen Schalldruckpegeln die einzelnen Töne mit einem Rauschen gleichbleibender Intensität unterlegt werden.

Der Schalldruckpegel des Rauschens wird so gewählt, dass es im mittleren Frequenzbereich die individuelle Ruhehörschwelle verdeckt, bei hohen und tiefen Tönen aber unterhalb der Hörschwelle für Reintöne liegt. Das Verfahren lässt vor allem Rückschlüsse darauf zu, ob im Falle eines verminderten Hörvermögens die Ursache in einer Schädigung der Sinneszellen in der Hörschnecke (Cochlea) liegt oder in einer Schädigung des nachgelagerten Übertragungsweges (Hörnerv) oder der neuronalen Verarbeitungszentren.

Im Falle einer beeinträchtigten Funktion der Rezeptoren in der Cochlea empfinden die Probanden eine weniger starke Überdeckung der zu hörenden Reintöne als bei einer nachgelagerten nervlich bedingten Schwerhörigkeit. Die Abklärung über eine eventuell vorliegende Schallleitungs- oder Schallempfindungsstörung kann bereits im Vorfeld über den Vergleich der Hörschwellen zwischen Körperschall und Luftleitungsschall erfolgen.

Funktion, Wirkung & Ziele

Bei einem Verdacht auf eine verminderte Hörleistung ist es zunächst von Interesse, den Verdacht mittels subjektiver und objektiver Tests zu bestätigen oder auszuräumen. Falls sich eine Hörschwäche bestätigt, muss im Sinne einer erfolgreichen Therapie herausgefunden werden, worin die Ursachen für das gestörte Hörvermögen liegen.

Prinzipiell können mechanisch-physikalische Beeinträchtigungen vorliegen wie ein mit Ohrenschmalz verstopfter äußerer Gehörgang oder das Trommelfell kann beschädigt und vorübergehend oder permanent in seiner Funktion beeinträchtigt sein. In manchen Fällen sind auch die Gehörknöchelchen, die den Schall mechanisch weiterleiten, erkrankt oder verkalkt (Otosklerose) und führen zu Problemen in der Schallleitung. Weitere Ursachen können in einer Funktionseinschränkung der Sinneshärchen in der Cochlea liegen, die die „gehörten“ Töne in elektrische Impulse umwandeln, oder es liegen Probleme in der nachgelagerten neuronalen Verarbeitung der Hörsignale vor.

Wenn eine Schallleitungsstörung ausgeschlossen werden kann, so dass von einer Schallempfindungsstörung als Ursache für eine diagnostizierte Schwerhörigkeit auszugehen ist, stellt die Geräuschaudiometrie nach Langenbeck ein erweitertes Diagnoseverfahren dar. Ähnlich wie in einem „normalen“ Audiogramm werden dem Probanden oder Patienten über Kopfhörer Reintöne verschiedener Höhe in das linke oder rechte Ohr gespielt und gleichzeitig mit einem permanenten Rauschen überlagert. Es handelt sich dabei um sogenanntes „Weißes Rauschen“, das in einem begrenzten Frequenzspektrum eine konstante Leistungsdichte aufweist.

Der Schalldruck des Rauschens wird so gewählt, dass er oberhalb der Wahrnehmungsschwelle für Töne mittlerer Frequenz (1 bis 4 kHz) liegt, aber unterhalb der Wahrnehmungsschwelle für tiefe und hohe Töne. Im Gegensatz zu Audiogrammen ohne Geräuschhinterlegung, für das in der Regel die individuellen Hörschwellen als Abweichung relativ zu den Normalwerten eingetragen werden, ist es bei der Geräuschaudiometrie üblich, die Hörschwellen als absolute Schalldruckpegel auf einem entsprechenden Vordruck einzutragen. Hierdurch wird der Einfluss des Hintergrundrauschens auf die Hörschwelle der Reintöne gut sichtbar. Die Ergebnisse des Testverfahrens nach Langenbeck lassen erkennen, ob ein neuronales oder ein sensorisches Problem vorliegt.

Bei einer sensorisch (cochleär) bedingten Schwerhörigkeit werden Reintöne weniger stark vom Hintergrundrauschen verdeckt als bei einer neuronal bedingten Schallempfindungsschwäche. Bei einer cochleär bedingten Schwerhörigkeit liegen die Reintonpunkte – ähnlich wie bei Personen ohne Hörprobleme – im Niveau des Rauschens und münden bei den tiefen und hohen Tönen in die nicht mit Geräusch hinterlegten Ruhehörschwellen.

Der audiometrische Test erlaubt Rückschlüsse darüber, ob eine sensorineurale Schädigung vorliegt, also eine Schädigung in der Sensorik und/oder im nachgelagerten neuronalen Bereich.

Bei einer neuronal bedingten Hörschwäche werden die Reintöne von den Patienten erst bei einem höheren Schalldruck als das Rauschen wahrgenommen. In dem Aufzeichnungsdiagramm liegen die Hörschwellpunkte der Reintöne deshalb immer unterhalb des „Rauschpegels“. Sie weichen sozusagen der nichtverdeckten Ruhehörschwelle aus. Die aufgezeichneten Hörschwellpunkte im Diagramm für die Geräuschaudiometrie nach Langenbeck geben bereits optisch den klaren Hinweis darüber, ob ein cochleäres oder ein retro-cochleäres, also ein nachgeschaltetes neuronales, Problem vorliegt.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Audiogramme werden nicht nur zur Feststellung und Lokalisierung von Schallleitungs- oder Schallempfindungsschwerhörigkeit verwendet, sondern können auch dem Nachweis dienen, dass das Hörvermögen des Probanden innerhalb einer vorher festgelegten Bandbreite dem Normalhören entspricht.

Das ist z. B. eine gängige Praxis zur Feststellung der Fliegertauglichkeit bei Berufs- und Linienpiloten. In Fällen, in denen eines der beiden Ohren ein deutlich schlechteres Hörvermögen aufweist, stellt sich das Problem des „Überhörens“. Das Ohr mit dem besseren Hörvermögen kann den über Kopfhörer eingespielten Ton eher wahrnehmen als das „schlechtere“ Ohr, was das Ergebnis des Audiogramms verfälschen kann, weil der Patient nicht merkt, dass er den zu erkennenden Ton mit dem „falschen“ Ohr wahrnimmt.

Das Überhören passiert in der Regel dann, wenn die Hörschwelle des schlechteren Ohrs um mehr als 40 dB über der des besser hörenden Ohrs liegt. Um trotzdem zu einem unverfälschten Ergebnis zu kommen, wird das bessere Ohr „vertäubt“. Es wird mit einem lauten Geräusch beaufschlagt, um es vorübergehend für den Prüfton zu desensibilisieren. Bei der Einstellung des Schalldruckpegels für das Vertäubungsgeräusch muss die Unbehaglichkeitsschwelle beachtet werden, ab der das Geräusch als unangenehm oder sogar als schmerzhaft empfunden wird. Sonstige Gefahren oder Nebenwirkungen eines Geräuschaudiogramms nach Langenbeck sind nicht bekannt.

Bücher über Schwerhörigkeit

Quellen

  • Arnold, W., Ganzer, U.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Grevers, G.: Klinikleitfaden Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde. Gustav Fischer, Ulm 1997
  • Lenarz, T., Boenninghaus, H.G.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Berlin 2012

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