Genophobie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. November 2017
Startseite » Krankheiten » Genophobie

Die Genophobie - auch als Pareunophobie oder Erotophobie bekannt - bezeichnet eine krankhaft übersteigerte Angst vor der Sexualität beziehungsweise auch die Angst vor der Erotik. Die Genophobie zählt zu den spezifischen Phobien. Die Symptome und Beschwerden können, je nach Schwere der Genophobie, unterschiedlich ausfallen; vorbeugende Maßnahmen sind im Regelfall nicht möglich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Genophobie?

Als Genophobie wird eine Sexualangst bezeichnet, die im weitesten Sinn eine Angst vor der Intimität beschreibt. Die Genophobie kann unterschiedlich stark auftreten und im Rahmen des Krankheitsverlaufs derart intensiv auftreten, dass Betroffene die komplette körperliche Nähe ablehnen. Betroffene leiden unter Angst vor erotischen Phantasien, erotischen Darstellungen in Filmen oder Serien und haben mitunter auch Angst vor erotischen Gedanken.

Die Genophobie kann zu Beginn noch leicht ausfallen, jedoch immer stärkere und intensivere Beschwerden verursachen. Problematisch ist die Tatsache, wenn die Genophobie nicht bekannt beziehungsweise behandelt wird, sodass - auf Grund des Krankheitsverlaufs - die Beschwerden immer intensiver werden können.

Ursachen

Die Ursachen der Genophobie sind bislang nicht zur Gänze geklärt. Mediziner sind jedoch der Meinung, dass mitunter vorherige sexuelle Übergriffe oder auch sexueller Missbrauch eine Genophobie auslösen kann. In vielen Fällen haben Betroffene sexuelle Erlebnisse nicht in Verbindung mit eigenem Wille oder Freude erlebt, sondern vielmehr durch Manipulation und Gewalt.

Der Großteil aller Betroffenen leidet daher - auf Grund negativer Erlebnisse in ihrer Kindheit oder in den Jugendjahren - unter einer Genophobie; hier gibt es keine körperlichen Gründe. Mitunter kann aber auch eine medizinische Ursache vorliegen. Männer, die immer wieder unter mit ihrer Potenz zu kämpfen haben, können sehr wohl auch eine Furcht vor einem sexuellen Kontakt entwickeln.

Vor allem besteht hier die Angst, neuerlich zu „versagen“. Problematisch wird es mitunter dann, wenn mehrere Krankheiten ineinandergreifen. So kann die Genophobie, auf Grund der Potenzschwierigkeiten, der Grund sein, dass jegliche Intimität vermieden wird, wobei die Potenzschwäche auf Grund anderer Krankheiten ausgelöst wurde.

So besteht auch die Möglichkeit, dass die Genophobie auch eine Begleiterkrankung von anderen Grunderkrankungen darstellt. Mitunter können auch erotische Filme oder Druckwerke im Kindesalter dazu geführt haben, dass der Betroffene unter einer Genophobie leidet, da er durch die Darstellungen der Sexualität einen Schock erlitten hat.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome und Beschwerden sind unterschiedlich. So kann es zu Herzrasen und Panikattacken kommen, Kurzatmigkeit einsetzen oder mitunter Angst wie Furcht auftreten. Auch ein starkes Zittern ist möglich.

Im Grunde entsteht eine heftige Panikattacke, die dafür sorgt, dass der intime Verkehr nur sehr erschwert oder gar nicht durchgeführt werden kann. Die Symptome können unterschiedlich stark ausfallen. Während Betroffene zu Beginn noch ihre Ängste kontrollieren können, entsteht mit dem weiteren Krankheitsverlauf die Problematik, dass die Ängste den Betroffenen kontrollieren.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Treten Beschwerden wie Kurzatmigkeit, erhöhter Herzschlag oder auch Panikattacken auf, die in Verbindung mit dem Geschlechtsverkehr, erotischen Gedanken oder auch dem Ansehen erotischer Filme oder Bilder auftreten, hat der Mediziner im Endeffekt schnell die Bestätigung, dass es sich um eine Genophobie handelt. Mitunter kann auch die Lebensgeschichte - mit Hinweisen auf sexuellen Missbrauch - die Diagnose sichern.

Medizinische beziehungsweise körperliche Beschwerden treten im Regelfall selten bis gar nicht auf, sodass körperliche Untersuchungen nicht erforderlich sind. Handelt es sich aber um eine Genophobie, die in Kombination mit Potenzstörungen aufgetreten ist, muss der Mediziner hier sehr wohl dem Grund der Potenzschwierigkeiten nachgehen. Zu berücksichtigen ist, dass der Krankheitsverlauf einer Genophobie nicht unterschätzt werden darf.

Schlussendlich kann die sexuelle Enthaltsamkeit derart stark werden, dass gar kein Verlangen mehr auftritt beziehungsweise überhaupt keine sexuellen Vorgänge mehr gestartet werden. Die Genophobie kann derart stark ausgeprägt sein, dass der Mann keine Erektion mehr bekommt oder die Frau unter ständigen Scheidenkrämpfen leidet. Der Verlauf zieht sich mitunter über mehrere Jahre, kann aber auch extrem schnell sein, sodass Betroffene bereits nach wenigen Monaten von ihrer Angst kontrolliert werden.

Komplikationen

Durch die Genophobie kommt es vorwiegend zu psychischen Beschwerden und Komplikationen. Diese können sich auf unterschiedliche Arten und Weisen äußern. Meistens treten beim Patienten bei Kontakt mit Erotik oder erotischen Situationen Panikattacken oder Angstgefühle auf. Es kommt ebenfalls zu einem starken Zittern und zu Schweißausbrüchen.

Die Herzfrequenz ist in der Regel erhöht und es kommt zur Schnappatmung. Die Lebensqualität wird durch die Genophobie extrem erschwert und für Betroffene sind sexuelle Handlungen und Aktivitäten unmöglich ausführen. Dabei kommt es nicht selten zu Depressionen und anderen psychischen Beschwerden.

Es kommt zu Minderwertigkeitskomplexen und zu einem verringerten Selbstwertgefühl. Es treten allerdings keine physischen Beschwerden oder Komplikationen auf. Die Behandlung selbst erfolgt durch einen Psychologen und führt nicht zu weiteren Komplikationen. Sie kann allerdings einen längeren Zeitraum beanspruchen und muss nicht in jedem Fall erfolgreich sein.

Medikamente werden in der Regel nicht verwendet. Dem Patienten stehen auch verschiedene Therapien zur Verfügung, welche sich mit der sexuellen Thematik beschäftigen und die Genophobie lösen können. Die Lebenserwartung wird dadurch nicht eingeschränkt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Arztbesuch ist notwendig, wenn es zu ersten Anzeichen einer Angststörung kommt. Bei Kurzatmigkeit, Herzrasen oder Schweißausbrüchen wird ein Arzt benötigt. Nehmen die Beschwerden an Intensität zu oder treten sie innerhalb kürzerer Zeitabstände auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Erleidet der Betroffene eine Panikattacke, benötigt er Hilfe und Unterstützung. Innere Unruhe, zwanghaftes Denken oder krampfhafte Änderungen der Lebensführung gelten als ungewöhnlich und sollten therapiert werden.

Kommt es zu einem Vermeidungsverhalten, einem Zittern des Körpers, kalten Extremitäten oder aggressiven Verhaltensweisen, sollte ein Arzt konsultiert werden. Werden die Beschwerden von den Gedanken an Sex, Erotik oder körperliche Nähe ausgelöst, sollte ein Therapeut aufgesucht werden. Sinkt das allgemeine Wohlbefinden, kommt es zu einem starken Stresserleben oder einem seelischen Leid, sollte ein Arzt kontaktiert werden. Bei einem sozialen Rückzug, Isolation oder Angst vor dem Kennenlernen neuer Kontakte, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.

Können die alltäglichen Verpflichtungen nicht mehr wahrgenommen werden oder setzen Konzentrationsstörungen ein, ist ein Arztbesuch erforderlich. Bei Schlafstörungen, einem erhöhten Blutdruck, Kopfschmerzen sowie Störungen des Verdauungsprozesses, ist ein Arzt zu konsultieren. Entwickeln sich Gefühle wie Ekel, Scham oder ein schwaches Selbstwertgefühl benötigt der Betroffenen einen Therapeuten zur Verbesserung der Lebensqualität.

Behandlung & Therapie

Es gibt, wie bei jeder anderen Phobie auch, zahlreiche Methoden und Möglichkeiten, wie die Genophobie behandelt werden kann. Dabei gibt es vor allem die Kombination aus Therapie und Medikation. Ratsam ist, dass im Rahmen der Genophobie ein Psychiater, Therapeut oder auch Psychologe aufgesucht wird; mitunter können auch Ratgeber angeschafft werden, die sehr wohl Tipps, Tricks und Erfahrungsberichte beinhalten.

Viele Medikamente, die im Rahmen einer Phobie verwendet werden können, sollten vom Arzt verordnet werden. Wichtig ist, dass die Dosierung nicht selbständig verändert wird. Im Rahmen der weiteren Behandlung ist es wichtig, dass auch eine Therapie bei einem Psychiater oder Psychologen in Anspruch genommen wird.

Für die eigene Therapie ist es ratsam, wenn natürlich auch mit dem Partner gesprochen wird. Jener wird nämlich, auf Grund des Verhalten des Betroffenen, relativ schnell mitbekommen, dass sehr wohl eine Problematik vorliegt, wird aber die Schuld bei sich und nicht beim Betroffenen suchen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Eine Genophobie kann nicht dezidiert vorgebeugt werden. Jedoch kann der Krankheitsverlauf, wenn bereits erste Symptome darauf schließen lassen oder mitunter gewaltsame Übergriffe erlebt wurden, die eine Genophobie auslösen können, gestoppt beziehungsweise positiv begünstigt werden. Ein positiver Verlauf der Krankheit beziehungsweise Phobie ist nur möglich, wenn eine rechtzeitige Therapie begonnen wird.

Das können Sie selbst tun

Die Genophobie kann der oder die Betroffene so gut wie gar nicht selbst therapieren, deshalb sollte sowohl zur Diagnose als auch zur Therapie ein Fachmann aufgesucht werden. Welche Therapieform der Fachmann für angemessen hält, kann erst nach ausführlicher Ursachenforschung festgelegt werden. Da die Genophobie sehr viele unterschiedliche Ursachen haben kann, ist ihre Entstehung häufig nur schwer zu entdecken. Der oder die Betroffene sollte in erster Linie Geduld mit sich selbst mitbringen und seinem oder ihrem Arzt vertrauen. In vielen Fällen kann die Genophobie überwunden werden.

Im Alltag können Betroffene sich bewusst Inseln schaffen und Ziele setzen, die zu ihrer Entspannung beitragen. Eine allzu große mentale Konzentration auf das Thema oder gar die nahezu ausschließliche gedankliche Beschäftigung damit führen eher zu mehr Verkrampfung als zur Entspannung. Lebt der Betroffene in einer Beziehung, so sollte er den Mut haben, sich dem Partner anzuvertrauen. Häufig hilft es auch, den Partner in Arztgespräche mit einzubeziehen. Ein möglichst entspannter Umgang mit der Thematik ist sehr hilfreich. Klare Grenzen sind wichtig und erlaubt.

Obwohl es sich bei der Genophobie um eine vorwiegend mentales Problem handelt, so reagieren viele Patienten dennoch mit psychosomatischen körperlichen Beschwerden. Ein Programm leichter körperlicher Aktivitäten und Betätigung kann sich sehr positiv auswirken.

Bücher über Angststörungen

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Morschitzky, H.: Angststörungen – Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Springer, Wien 2009

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: