Gemfibrozil

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Mai 2017
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Gemfibrozil ist ein medizinischer Wirkstoff, der zu den sogenannten Fibraten zählt. Als solcher wird Gemfibrozil verabreicht, um Erkrankungen sowie Störungen des Fettstoffwechsels zu behandeln. Darüber hinaus ist auch eine Einnahme zu diätischen Zwecken möglich. Hierdurch lässt sich eine Gewichtsabnahme erzielen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Gemfibrozil?

Bei Gemfibrozil handelt es sich um ein oral eingenommenes Fibrat. Unter dem Begriff Fibrat werden verschiedene Wirkstoffe der Humanmedizin zusammengefasst, die zur Behandlung stark erhöhter Cholesterin- und Triglycerinwerte im Blut (Hyperlipoproteinämie, kurz HLP) eingesetzt werden.

Gemfibrozil ist deshalb vor allem bei Erkrankungen und Störungen des Fettstoffwechsels indiziert. Durch die Vergabe können die Cholesterinwerte, Gefäßablagerungen und Blutfettwerte erheblich gesenkt werden. Auch ist es möglich, durch die Einnahme von Gemfibrozil das Risiko von Gefäßverengungen zu verringern sowie bereits stattfindende Verengungen zu verlangsamen.

Der Arzneistoff wird in der Chemie und Pharmakologie durch die Summenformel C 15 – H 22 – O 3 beschrieben, was einer moralen Masse von 250,34 g/mol entspricht. Das weiße, wachsartige und kristalline Pulver wird zu Filmtabletten verarbeitet, die der Patient selbständig einnimmt. Diese werden unter dem Handelsnamen Gevilon® vertrieben.

Pharmakologische Wirkung auf Körper & Organe

Gemfibrozil erreicht seine Wirksamkeit durch eine Aktivität auf Rezeptor-Ebene. Hier wird in den Fettstoffwechsel des menschlichen Körpers eingegriffen. Dabei kommt es zu einer Anbindung an den sogenannten Peroxisom Proliferator aktivierten Rezeptor (kurz: PPARα). Diese Anbindung bewirkt eine Synthese von Lipoproteinlipasen aus Triglyzeriden. Bei Lipasen handelt es sich um wasserlösliche Enzyme, die eine Spaltung von Esterbindungen in Neutralfett bewirken. Lipoproteinlipasen sind in der Lage, die im Blut vorgefundenen Lipoproteine zu spalten, was sie gut für eine zelluläre Aufnahme vorbereitet.

Aufgrund der von Gemfibrozil bewirkten Synthese von Lipoproteinlipasen und Triglyzeriden kommt es zu einem Absinken des Triglyzerid-Gehalts im Blut. Zusätzlich werden auch die VLDL-, und LDL-Werte gesenkt. LDL-Cholesterin erhöht das Risiko eines Schlaganfalls oder eines Herzinfarkts. In der Literatur wird beschrieben, dass Gemfibrozil den LDL-Spiegel zwischen 10 % und 20 % absenkt. Der moderate Spiegel von HDL soll hingegen zwischen 5 % und 20 % gesteigert werden können.

Medizinische Anwendung & Verwendung zur Behandlung & Vorbeugung

Gemfibrozil wird zur ergänzenden Behandlungen von Fettstoffwechselkrankheiten und –störungen verschieben. Gemfibrozil bildet neben einer Diät oder anderen Maßnahmen wie Sport das zweite Standbein der Therapie. Nach der gängigen Therapiepraxis stellt Gemfibrozil jedoch ultima ratio dar. Der Arzneistoff ist also nicht die erste Wahl.

Im Voraus muss bzw. sollte versucht werden, den Fettstoffwechsel auf andere Art zu behandeln. In Betracht kommen etwa eine Ernährungsumstellung, ausreichend Sport sowie eine Gewichtsreduktion. Zudem ist zu prüfen, ob der Patient nicht zuvor mit Arzneien aus der Gruppe der Statine erfolgreich behandelt werden kann.

Wie in der Fachliteratur beschrieben, konnte bewiesen werden, dass die Einnahme von Gemfibrozil das Risiko eines Herzinfarktes sowie die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung der Herzkranzgefäße reduzieren kann. Derzeit besteht eine Indikation von Gemfibrozil vor allem bei Hyperlipidämie von Typ III oder einer Hypertriglyzeridämie des Typs IV.

Gemfibrozil unterliegt in Deutschland und anderen Staaten der Europäischen Union der Apotheken- und Verschreibungspflicht. Der Wirkstoff ist also nur in Apotheken erhältlich und darf nicht ohne ärztliches Attest herausgegeben werden. Bei der Einnahme sind die Anweisungen des behandelnden Arztes zwingend zu befolgen.

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Risiken & Nebenwirkungen

Da es sich bei Gemfibrozil um einen wirksamen Arzneistoff handelt, bleibt die Einnahme nicht vollständig frei von Risiken. Es ist auf Gegenanzeigen sowie Nebenwirkungen zu achten.

Eine Gegenanzeige liegt dann vor, wenn die Einnahme von Gemfibrozil aus medizinischer Sicht nicht die erwünschten Effekte herbeiführt, sondern zu starken Risiken führt. Es wird auch von einer Kontraindikation gesprochen. In diesen Fällen hat die Einnahme bzw. Verabreichung zwingend zu unterbleiben. Eine Gegenanzeige von Gemfibrozil besteht bei einer Allergie oder Überempfindlichkeit gegen Gemfibrozil oder anderen Vetretern der Gruppe der Fibrate.

Auch bei akuten Funktionsstörungen der Leber oder Nieren darf keine Einnahme erfolgen. Dies gilt auch für Schwangere, da die Auswirkungen auf das ungeborene Leben noch nicht vollständig geklärt sind.

Zusätzlich müssen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachten werden. Diese können vor allem mit blutzuckersenkenden Arzneien wie Repaglinid oder Statin auftreten. Die behandelnden Ärzte sind zu informieren.

Ferner sind im Rahmen der Behandlung unerwünschte Nebenwirkungen möglich. Zwingend ist das jedoch nicht. Bisher konnte ein Zusammenhang zwischen der Einnahme von Gemfibrozil und der Ausbildung von Gallensteinen hergestellt werden. Weitere Nebenwirkungen sind ein erhöhtes Risiko eines Karzinoms, Hypokaliämie oder Rhabdomyolyse. Letztere wird vor allem durch starke, plötzlich auftretende Muskelschmerzen bemerkbar.

Zudem müssen während der Behandlungsdauer das Blutbild sowie die Fettwerte des Patienten kontrolliert werden. Auch eine Untersuchung der Leberwerte kann notwendig sein.

Darüber hinaus beeinträchtigt Gemfibrozil die Verkehrstüchtigkeit. Nach der Einnahme darf nicht am Straßenverkehr teilgenommen werden. Auch die Bedienung schwerer Maschinen oder Geräte hat zu unterbleiben.

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