Gemeines Fettkraut

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Das Gemeine Fettkraut gehört zu den fleischfressenden Pflanzen. In Deutschland ist es in der freien Natur aufgrund seiner schwindenden Lebensräume gefährdet und vom Aussterben bedroht. In kultivierter Form schätzen Pflanzenfreunde das Kraut wegen seinen blauen Blüten und seine Vorliebe für Fruchtfliegen und Trauermücken. In früheren Zeiten war es eine anerkannte Heilpflanze.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen & Anbau des gemeinen Fettkrauts

Das Gemeine Fettkraut, auch bekannt unter Gewöhnliches Fettkraut, trägt den botanischen Namen Pinguicula vulgaris. Dabei bezieht sich das lateinische Wort für Fett „pinguis“ auf die fettig glänzenden grün-gelben Blätter der Pflanze. Das Kraut gehört zur Gattung der Fettkräuter von denen es mehr als 80 Arten gibt. Von diesen sind nur zwei in Deutschland heimisch. Durch die lila- oder blaufarbenen Blüten ist das Kraut auch als Blaues Fettkraut bekannt. Es wächst an feuchten und moorigen Stellen und bevorzugt nasse und saure Böden.

Es ist in Europa, Russland und Nordamerika heimisch und kann in Höhen bis zu 2300 Metern gedeihen. Die wenigen Nährstoffe in morastigen Wiesen oder an Tümpelufern gleicht das Kraut durch das Fangen von kleinen Insekten oder Pollen aus. Die in einer Rosette dicht am Boden wachsenden länglichen Blätter haben an der Oberfläche ein klebriges Fangsekret. Je nach Standort blüht die Pflanze von Mai bis August. Die Blüten erinnern in der Farbe und in der Form an Veilchen.

Sie sitzen auf hohen Blütenstielen, so dass Hummeln oder Bienen nicht an den Blättern kleben bleiben. Das Kraut bildet eiförmige Fruchtkapseln mit schwarzen Samen und verfügt nur über ein schwaches Wurzelwerk. Die mehrjährige Pflanze übersteht den Winter in Form einer zwiebelförmigen Winterknospe.

Wirkung & Anwendung

Das Fettkraut dient heute vor allem als Garten- oder Zierpflanze. Für Pflanzenliebhaber ist es ein besonderer Reiz, eine fleischfressende Pflanze im Garten zu haben. Sie ist pflegeleicht und gedeiht am besten an hellen und sonnigen Standorten. Ihre Blüten und immergrünen Blätter machen sie zu einer Zierpflanze für den Naturgarten. Sie eignet sich auch als Kübelpflanze für das Fensterbrett.

In der Küche aufgestellt, beseitigt sie lästige Fruchtfliegen oder Trauermücken. Im Garten bleiben kleine Käfer oder andere Insekten an ihren Blättern hängen. Diese rollen sich zusammen, um die Beute zu verdauen. Allerdings blüht die Pflanze nur an geeigneten Standorten mit dem richtigen Boden und mitunter erst nach Jahren. Auch wenn in Deutschland das Kraut in freier Natur selten zu finden ist, lässt es sich leicht in Gartencentern, Baumärkten oder über das Internet erwerben.

Das Kraut gehört zur Gattung der Fettkräuter von denen es mehr als 80 Arten gibt. Von diesen sind nur zwei in Deutschland heimisch.

In früheren Zeiten fand das Kraut als Heilpflanze unter dem Arzneinamen Pinguicula herba Verwendung. Es diente zur Behandlung von offenen Wunden, Knochenbrüchen, Tuberkulose, Ischias- und Leberleiden oder Magen- und Brusterkrankungen. Die Homöopathie spricht der Pflanze eine schmerzstillende und abführende Wirkung zu. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind Schleimstoffe, organische Säuren wie die Zimtsäure, Gerbstoffe und ätherische Öle. Die Pflanze enthält Enzyme und nutzt Benzoesäure, um ihre Beute vor Fäulnis zu schützen.

Diese Inhaltsstoffe nutzten die Menschen in Skandinavien zur Milchgerinnung und Käseherstellung. Für den Eigenbedarf lassen sich im kleinen Rahmen Sauermilchprodukte wie die Schwedenmilch herstellen. Die Fermentstoffe der Pflanze lassen sich durch ein stundenlanges Einweichen der Blätter gewinnen. Diese Stoffe helfen bei der Käseherstellung, in dem sie das Milcheiweiß gerinnen lassen. Von einer weiteren mittlerweile veralteten Anwendung des Krauts im Haushalt berichtete der Naturforscher Carl von Linné: Als Haarfärbemittel sorgte es für gelbe Haare und bekämpfte Läuse.

Bedeutung für die Gesundheit, Behandlung & Vorbeugung

Das Fettkraut findet in der Schulmedizin keine Anwendung. Bisher gibt es keine Untersuchungen zu möglichen gesundheitlichen Nutzen. Andere Arten des Fettkrauts finden vor allem in der Homöopathie Anwendung: So soll das kleine Fettkraut die Gedächtnisleistung fördern und das Kanna-Fettkraut die Stimmung aufhellen. Die Volksmedizin kennt das gewöhnliche Fettkraut als natürliches Heilmittel bei Bronchitis, Keuchhusten und Reizhusten.

Auch die Pflanzenheilkunde setzt das Kraut als Extrakt oder Zutat in Teemischungen bei Husten ein. Es sei fiebersenkend, hustenbekämpfend, wundreinigend, wundheilend und krampflösend. Der wesentliche Inhaltsstoff sei die Zimtsäure, die entkrampfend wirke. Bei Keuchhusten empfiehlt die Pflanzenheilkunde ein Extrakt aus den Blättern des Krauts.

Dreimal am Tag fünf Tropfen in einem Tee eingenommen, erleichtere es das Abhusten und mildere den Husten. Zur Herstellung des Extrakts sind die frischen Blätter mit heißem Wasser zu übergießen. Dann zieht der Sud über mehrere Stunden. Die Pflanzenteile sind abzuseihen und abschließend die Flüssigkeit aufzukochen, bis die Hälfte verdunstet ist. Auch Teemischungen des Krauts mit Sonnentau oder Wegerich helfen bei Reizhusten.

Die zerstoßenen oder zerquetschten Blätter helfen der Naturheilmedizin nach bei Geschwüren auf der Haut. Ein Hausmittel für glänzende und gesunde lange Haare ist eine Haarspülung aus dem Saft der frisch gepressten Blätter. Der Überlieferung nach soll der Sud des Krautes das Haarwachstum anregen und sogar bei Kahlköpfigkeit helfen. Die beste Sammelzeit für die Blätter ist von Juni bis September.

Das Kraut ist in Deutschland gefährdet und in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein vom Aussterben bedroht. Es ist ratsam, keine wildwachsenden Pflanzen zu sammeln, sondern auf die im Garten zurückzugreifen. Aufgrund der fehlenden Untersuchungen zur Wirksamkeit der Pflanze sind keine Nebenwirkungen bekannt. Dennoch sollten Personen, die an Husten leiden, jegliche Anwendung des Krautes vorab mit einem Arzt abklären.

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