Gelotophobie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. Juli 2017
Symptomat.de » Krankheiten » Gelotophobie

Die Gelotophobie ist eine Angststörung aus dem Bereich der sozialen Phobien. Die Betroffenen haben abnormale Angst davor, von anderen ausgelacht zu werden und ziehen sich deshalb sozial zurück.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Gelotophobie?

Phobien sind psychische Erkrankungen, die durch Angstzustände gekennzeichnet sind. Die Patienten leiden an unnatürlich extremen Ängsten vor bestimmten Situationen, bestimmten Lebewesen oder Objekten. In der deutschen Fachliteratur ist bei Phobien auch von Angststörungen die Rede. Um eine Phobie näher zu charakterisieren, wird dem griechischen Lehnwort das angstauslösende Phänomen vorangestellt.

Bei der Gelotophobie handelt es sich dementsprechend um übermäßige Angst vor lachenden (gélōs - lachen) Menschen. Patienten mit Gelotophobie fürchten sich irrational davor, von anderen Personen ausgelacht zu werden. Damit zählt die Gelophobie zum Angststörungsbereich der sozialen Phobie. Die Lebensqualität von sozialen Phobikern ist aufgrund des sozialen Meideverhaltens eingeschränkt.

Bei Gelotophobikern bestehen weitere Einschränkungen. Die Patienten können Humor, Heiterkeit und Lachen nicht für ihre Lebenshaltung nutzen, da sie in jedem Lachen eine Bedrohung erkennen. Michael Titze führte den Begriff Gelotophobie 1995 ein und beschrieb damit Menschen, die sich selbst in globaler Weise als lächerlich einschätzen und daher in jedem Lachen ihrer Sozialpartner eine Herabwürdigung der eigenen Person erkennen.

Ursachen

Die Ursachen für eine Gelotophobie können von Fall zu Fall stark variieren. Prinzipiell liegt der Angststörung aber meist ein Ereignis zugrunde, das den Selbstwert der Patienten stark beeinträchtigt hat. Die meisten Patienten der Gelotophobie entwickeln in der eigenen Kindheit die primäre Art von Scham, die der Erkrankung zugrunde liegt.

In vielen Fällen ergibt sich das Schamgefühl aus Desinteresse oder emotionaler Kälte, die einem Kind von Seiten seiner Bezugspersonen begegnet. An die Primärschambildung schließen sich für die meisten Patienten wiederholt traumatische Erfahrungen an, die von spöttischem, hänselndem oder verlachendem Lachen geprägt sind. Je öfter der Betroffene auf spottendes Lachen trifft, desto mehr verändert sich seine Wahrnehmung.

Wahrnehmungsbereiche sind grundsätzlich selektiv. Erwartungen prägen die Wahrnehmung einer Situation ebenso stark wie vorausgegangene Erfahrungen. Der Betroffene nimmt in gewisser Weise nur auf, was er wahrnehmen möchte oder wahrzunehmen erwartet. Da Patienten mit Gelotophobie in der Vergangenheit vermehrt mit spöttischem Lachen konfrontiert waren, erwarten sie bald in jedem Lachen Spottcharakter.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Menschen mit Gelotophobie haben Furcht davor, ausgelacht zu werden. Sie zeigen soziales Vermeidungsverhalten, um sich in der Öffentlichkeit nicht lächerlich zu machen. Humorvolle Äußerungen aus ihrem Umfeld bewerten sie paranoid.

Mit anderen Menschen können die Betroffenen kaum oder überhaupt nicht humorvoll oder fröhlich umgehen. Die Patienten bewerten sich selbst und den eigenen Körper extrem kritisch und halten häufig auch ihre verbale und non-verbale Kommunikationskompetenz für unterdurchschnittlich. Ihr negativer Selbstwert lässt die Patienten Minderwertigkeitsgefühle entwickeln.

Die Tendenz zum direkten Vergleich mit anderen lässt die Betroffenen Neid empfinden. Durch das Vermeidungsverhalten degenerieren die sozialen Kompetenzen der Patienten immer weiter. Oft kommen psychosomatische Symptome wie Spannungskopfschmerz, Zitteranfälle, Schwindel, Erröten oder Sprachstörungen hinzu.

Lachen bewirkt in den Patienten oft eine Aggression, die bis hin zum emotionalen Kontrollverlust reichen kann. Die Gelotophobie kann sich auch in Form des Pinocchio-Syndroms manifestieren. In diesem Fall erstarren die Patienten, wann auch immer sie jemanden lachen hören.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose der Gelotophobie stellen Psychologen. Unterschiedliche Bestimmungsmerkmale werden im ICD-10 aufgeführt, darunter vor allem soziales Meideverhalten und die Unfähigkeit zur humorvollen Interaktion. Die Einschätzung der Gelotophobie erfolgt per Fragebogen. Die entsprechenden Bögen enthalten neben Fragen und Antworten auch bildliche Instrumentarien wie Cartoons mit lachendem Menschen.

Die Probanden schätzen anhand dieser Bilder ein, was der Situation vorausgegangen ist und was ein Beobachtender empfinden könnte. Die Feindiagnostik der Gelotophobie entspricht einer Ursachenklärung. Diese Ursachenklärung kann nur im direkten Gespräch mit dem Patienten stattfinden.

Komplikationen

Durch die Gelotophobie kommt es zu sehr starken psychischen Beschwerden und weiterhin zu Depressionen. Im schlimmsten Falle kann es durch die Erkrankung auch zu Selbstmordgedanken und schließlich auch zu Selbstmord kommen. Dabei werden sogar nicht ernst gemeinte und humorvolle Aussagen von Freunden und Bekannten als Angriff oder als Beleidigung empfunden.

Es kommt zu sozialen Phobien und nicht selten zu einer sozialen Ausgrenzung. Die Patienten ziehen sich immer stärker zurück und nehmen nicht mehr an sozialen Aktivitäten teil. Dabei kann es aufgrund der Äußerungen auch zu einer Aggressivität oder einer erhöhten Reizbarkeit kommen. Ebenso treten Sprachstörungen oder Schwindelgefühle auf. Der Patient zittert und wird oft rot.

Weiterhin kann auch ein Bewusstseinsverlust auftreten, wenn die Gelotophobie stark ausgeprägt ist. Die Lebensqualität wird durch die Krankheit extrem verringert und es kommt zu erheblichen Einschränkungen im Alltag und im sozialen Leben. Die Behandlung der Gelotophobie erfolgt in der Regel bei einem Psychologen und mit Hilfe von Medikamente.

Dabei kann allerdings nicht vorausgesagt werden, wie lange die Behandlung dauern wird und ob diese wirklich zu einem Erfolg führt. Ebenso kann die Einnahme von Medikamenten zu einem Suchtverhalten führen. Durch die Gelotophobie selbst wird die Lebenserwartung nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Zur Behandlung von Patienten mit Gelotophobie kommen multimodale Therapieformen zum Einsatz. Multimodal heißt in diesem Fall mehrere Richtungen umgreifend. Die einzelnen Richtungen der Behandlung entsprechen bei der Angststörung meist der Tiefenpsychologie, der Pharmakotherapie, der Verhaltenstherapie und der Entspannungstherapie.

Mittels Tiefenpsychologie klärt der Therapeut die biografische Ursache der Phobie und leistet Hilfe bei der Aufarbeitung. Die Ursachenklärung erfolgt in Gesprächssitzungen, wobei das Vertrauen zwischen Patient und Therapeut für eine funktionierende Therapiesitzung allesentscheidend ist. Bei der Verhaltenstherapie stellt der Patient seine eigene Bewertung der angstauslösenden Situationen in Frage.

Er lernt neue Bewertungsmöglichkeiten kennen und erlernt spezielle Verhaltens- und Denkmuster zur Situationsbewältigung. In der konservativ medikamentösen Pharmakotherapie gibt der Therapeut dem Patienten, wenn unbedingt erforderlich, Anxiolytika, Antidepressiva, Betablocker oder Johanniskraut. Bei dieser Art der Therapie handelt es sich um eine rein symptomatische Therapie, die nicht an der Ursache der Erkrankung ansetzt und damit als Einzelverfahren keine vollständige Heilung erzielen kann.

Aufgrund der Nebenwirkungen und des Suchtpotenzial einzelner Beruhigungsmittel werden die Medikamente grundsätzlich nur solange gegeben, wie sie zur Arbeit mit dem Patienten dringend benötigt werden. Eine schonendere Alternative sind Entspannungstechniken, die der Patient vor und in einer angstbesetzten Situation anwenden kann. Zu diesen Techniken zählt neben autogenes Training die Muskelentspannung.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Da eine Gelotophobie meist erst durch ein traumatisierendes Ereignis in der Jugend oder im Erwachsenenalter gefestigt wird, kann eine psychotherapeutische Intervention unmittelbar nach den entsprechenden Ereignissen die volle Manifestation der Erkrankung verhindern. Wird eine ursächliche Situation wie Mobbing gemeinsam mit einem Therapeuten zeitnah aufgearbeitet, entwickelt sich oft zumindest keine ausgereifte Gelotophobie.

Bücher über Gelotophobie & andere Phobien

Quellen

  • Dilling, H., Mombour, W., Schmidt, M.H.(Hrsg.): Internationale Klassifikation psychischer Störungen – ICD 10, Kapitel V (F), klinisch-diagnostische Leitlinien. Huber, Bern 2011
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Morschitzky, H.: Angststörungen – Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Springer, Wien 2009

Diesen Artikel Freunden & Bekannten empfehlen

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Gelotophobie?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Bekannt aus: