Gelbe Augen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. Dezember 2017
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Gelbe Augen deuten in den meisten Fällen auf Störungen im Bereich der Leber oder der Galle hin. Treten darüber hinaus auch gelbliche Verfärbungen der Haut und Schleimhäute auf, spricht man von einer Gelbsucht (Ikterus). Hinter dem Symptom können sich sowohl ungefährliche Ursachen, wie ein gestörter Abbau von Stoffwechselprodukten, aber auch ernsthafte Blut- und Lebererkrankungen verbergen. In jedem Fall müssen gelbe Augen daher umgehend ärztlich abgeklärt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind gelbe Augen?

Von „"gelben Augen" spricht man, wenn die Lederhaut (Sklera) des Auges eine signifikante gelbliche Abweichung von ihrer normalen weißen Farbe aufweist. Oft ist die gelbliche Verfärbung in den Randbereichen des Augapfels, die von den Lidern verdeckt sind, intensiver wahrnehmbar.

Gelbe Augen sind keine eigenständige Krankheit, sondern Indikator zugrundeliegender Erkrankungen. Ist die Gelbfärbung durch Störungen von Leber oder Galle bedingt, wird sie normalerwiese durch eine generelle gelbliche Verfärbung der Haut und häufig auch durch schmerzhafte Bauchbeschwerden begleitet.

Ein Ikterus kann auch im Rahmen von Blutkrankheiten oder Unverträglichkeit von Bluttransfusionen auftreten. Gelbfärbungen der Augen können darüber hinaus auch Symptom der harmlosen, vererblichen Stoffwechselstörung Morbus Meulengracht (alias Gilbert-Syndrom) sein. In allen Fällen sind gelbe Augen auf eine überhöhte Konzentration des Gallenfarbstoffes Bilirubin im Blut zurückzuführen, die ihrerseits durch vielfältige Ursachen bedingt sein kann.

Ursachen

Am häufigsten treten gelbe Augen im Rahmen einer Gelbsucht auf. Der hierfür verantwortliche Gallenfarbstoff entsteht als Abbauprodukt bei der Zersetzung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin.

Normalerweise wird das zunächst nicht wasserlösliche "indirekte Bilirubin" in der Leber zu einem wasserlöslichen Abbauprodukt ("direktes Bilirubin") verstoffwechselt, gelangt über die Galle in den Darm und wird ausgeschieden. Erhöhte Bilirubinwerte entstehen häufig durch Störungen dieses Umwandlungsprozesses oder des Gallenabflusses, z. B. durch Gallensteine.

Die Ursache kann aber auch außerhalb des Leber-Gallen-Traktes liegen. Dieser Fall liegt z. B. vor, wenn übermäßig viele rote Blutkörperchen spontan zerfallen. Gründe hierfür sind erbliche oder erworbene Blutkrankheiten, Immunkrankheiten, Infektionen (z. B. Malaria), Unverträglichkeit von Bluttransfusionen, etc. Es entsteht zu viel indirektes Bilirubin, mit dessen Umwandlung die Leber überfordert ist.

Besteht das Problem hingegen in einer Funktionsstörung der Leber, kann eine Leberentzündung (Hepatitis) vorliegen. Auch übermäßiger Konsum leberschädigender Substanzen (Alkohol, Gifte und bestimmte Medikamente) führt zu einer Schwächung des Organs. In seltenen Fällen treten gelbe Augen vorrübergehend auch nach Operationen, in der Schwangerschaft und bei Neugeborenen auf.

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Diagnose & Verlauf

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Gelbe Augen sind ein auffälliges Symptom, das Betroffene meist frühzeitig einen Arzt aufsuchen lässt. Um die Ursache der Gelbfärbung aufzuspüren, wird zunächst das Blut des Patienten untersucht. Die Blutwerte geben Aufschluss über potentiell gestörte Organfunktionen und Anomalien der Blutbestsandteile.

Darüber hinaus findet eine umfangreiche Anamnese zur Erfassung der Krankengeschichte und zusätzlich vorhandener Beschwerden – wie Schmerzen und Verdauungsprobleme – statt. Das Abtasten der Organe im Bauchraum kann auf druckempfindliche Stellen im Bereich der Leber und Galle aufmerksam machen.

Ultraschalluntersuchungen sowie Urin- und Stuhlproben, insbesondere mit Blick auf die Färbung der Ausscheidungen, weisen ebenfalls auf mögliche Ursachen eines gestörten Bilirubinabbaus hin. Generell sind die Verlaufsprognosen einer Gelbsucht stark von der Ursache und dem Zeitpunkt des Behandlungsbeginns abhängig, insbesondere wenn die gelben Augen Folge einer fortschreitenden leberdegenerativen Erkrankung sind.

Komplikationen

Durch die Benennung der Komplikation soll ein Störungsbild erörtert werden. Der Ausdruck der Komplikation deklariert eine Folgeerscheinung einer Gesundheitsstörung oder die Begleiterscheinung eines medizinischen Präparates, welches gegen diese Erkrankung angewandt wird. Komplikationen können somit durch eine Fehldiagnose sowie im Zuge der medizinischen Maßnahme entstehen. Gelbe Augen sind eine mögliche Komplikation einer Leber- oder Gallenerkrankung, die zu Krankheiten des Verdauungssystems gerechnet werden. Auch können gelbe Augen weitere Komplikationen mit sich bringen.

Gelbe Augen entstehen durch Stauung der Gallenflüssigkeit oder einer verkehrten Lage des Gallenganges, welche zum Beispiel durch Gallensteine hervorgerufen werden. Komplikationen kommen meist bei geschwächten Patienten auf. Um gefahrbringende Komplikationen zu umgehen, muss nach Aufkeimen der ersten Symptome eine medizinische Untersuchung stattfinden. Bisweilen sollte der Leidende im Zuge der Beseitigung von vorhandenen Komplikationen, wie gelbe Augen, in einer Klinik therapiert werden. Dort kann ein Konzept für die folgende ambulante Vorgehensweise gegen gelbe Augen oder die eigentliche Befindlichkeitsstörung bestimmt werden.

Gelbe Augen sind eine Komplikation von Leber- und Gallenerkrankungen, kein eigenständiges Krankheitsbild. Eine gesundheitsverträgliche Lebensweise, der Verzicht auf Alkohol und Zuckerwaren sowie die periodische Vorsorge können gelbe Augen und Leber-Gallenerkrankungen vermeiden. Mitunter ist eine fettarme Ernährung angezeigt. Zahlreiche medizinischen Präparate sind schädlich für die Galle und deswegen bei Leber-Gallenerkrankungen nicht anzuwenden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Gelbe Augen sind kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern stets ein Symptom. Die Gelbfärbung des weißen Anteils der Augäpfel deutet häufig auf gestörte Funktionen der Leber oder Galle hin. Häufig sind sie vergesellschaftet mit übrigen Merkmalen einer Gelbsucht wie einer Gelbfärbung von Haut und Schleimhäuten sowie des Stuhls. Allein schon aus diesem Grund sind gelbe Augen Anlass, sich unverzüglich in ärztliche Behandlung zu begeben. Es handelt sich hier keineswegs bloß um ein kosmetisches Problem.

Neben der häufig für eine Gelbfärbung der Augen ursächliche Leber-Galle-Störung gibt es dafür weitere Gründe: So können gelbe Augen auch auf ebenfalls behandlungsbedürftigen erhöhten Blutfettwerten beruhen sowie verschiedenen Infektionen oder Erkrankungen des Blutes. Außerdem können einige Arzneimittel gelbe Augen hervorrufen.

Ein umgehender Arztbesuch aufgrund des Indikators „gelbe Augen" bringt einen wertvollen Zeitgewinn und kann im Extremfall sogar Leben retten. Zumindest lässt sich eine möglichst früh entdeckte Erkrankung leichter behandeln und bedeutet für den Patienten weniger Leid. Gerade bei Lebererkrankungen treten Schmerzen oft erst in einem fortgeschritteneren Stadium auf. Gelbe Augen dürfen da durchaus als Frühwarnsystem gewertet werden. Umgekehrt bedeuten jedoch nicht gelb gefärbte Augen nicht, dass gesundheitlich alles in Ordnung ist. Beurteilen kann das nur der Arzt.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung gelber Augen richtet sich nach der diagnostisch ermittelten Ursache. Die Behandlungsoptionen hängen dann davon ab, ob die Ursache prähepatischer (lat. prä =vor; hepa=Leber), hepatischer oder posthepatischer (lat. post=nach) Natur ist. Behandlungserfolge variieren je nach Schweregrad der Krankheit.

Liegt das erblich bedingte Gilbert-Syndrom vor, ist eine Behandlung in der Regel weder möglich noch nötig. Der Abbau des Bilirubins ist hier zwar leicht gestört, jedoch liegt keine ernsthafte Störung mit Krankheitswert vor. Es empfiehlt sich für Betroffene dennoch, Alkohol- und Medikamentenkonsum einzuschränken.

Bei prähepatischen Ursachen stehen verschiedene Verhandlungsoptionen zur Verfügung, um den Hämoglobingehalt durch Verabreichung oder Entnahme bestimmter Blutbestandteile zu normalisieren. Unverträglichkeiten im Rahmen von Bluttransfusionen müssen in lebensbedrohlichen Fällen aber in Kauf genommen werden.

Liegt eine akute oder chronische Hepatitis vor, können im Falle von infektiösen Erkrankungen antivirale Medikamente zum Einsatz kommen, die die Entzündung eindämmen. Bei starken Schädigungen des Lebergewebes kann eine Lebertransplantation notwendig sein.

Bei posthepatischen Ursachen, d.h. Störungen des Gallenabflusses, werden Gallensteine oder Verengungen der Gallengänge in der Regel durch minimalinvasive operative Eingriffe entfernt bzw. behandelt.

Aussicht & Prognose

Gelbe Augen sind nicht Ausdruck einer bestimmten Augenkrankheit, sondern sie signalisieren in der Regel eine Erkrankung der Leber oder der Galle. Aussicht und Prognose der gelben Augen hängt deshalb von der Entwicklung und Prognose der zugrunde liegenden Primärerkrankung ab. Im Umkehrschluss bedeutet das ebenfalls, dass durch eine Ausheilung der Primärerkrankung automatisch die Gelbfärbung der Augen zurückgeführt wird, weil es sich um ein reversibles Symptom handelt.

Wenn die Gelbfärbung der Augen parallel mit einer Gelbfärbung der Haut auftritt, liegt sehr wahrscheinlich eine verursachende Hepatitis, Leberzirrhose oder eine Verlegung der Gallengänge vor. In allen Fällen kommt es zu einer erhöhten Konzentration des Gallenfarbstoffs Bilirubin, das als Zwischenprodukt aus dem Abbau des Blutfarbstoffs Hämoglobin entsteht. Aussicht und Prognose der Gelbsucht sind damit direkt abhängig vom Verlauf der auslösenden Grunderkrankung.

Bei einer Verlegung der Gallengänge durch Gallensteine kann es zu einem Rückstau der Gallenflüssigkeit einschließlich des Bilirubins kommen, was einen Gelbsucht auslösenden Anstieg der Bilirubinkonzentration im Blut bewirken kann. Aussicht und Prognose sind in diesem Fall positiv, sofern der Stau in den Gallengängen beseitigt werden kann und sich die erhöhte Konzentration des Bilirubins wieder abbaut.

Falls die Einnahme von Medikamenten auslösender Faktor für die Gelbfärbung der Augen ist, reicht es für eine positive Prognose, die Medikamente abzusetzen.

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Vorbeugung

Am besten lässt sich gelben Augen durch eine leber- und gallenschonende Lebensweise vorbeugen. Hierzu zählen insbesondere ein gemäßigter Alkohol- und Medikamentenkonsum.

Die Galle kann durch fettreduzierte Kost entlastet werden. Wenn Reisen in exotische Länder anstehen, muss ein ausreichender Impfschutz gegen Hepatitis A und B vorliegen und eine Malariaprophylaxe erwogen werden.

Auch sollte stets auf Lebensmittelhygiene geachtet werden, da die Aufnahme giftiger Zersetzungsprodukte und bestimmter Schimmelpilze die Leber schädigen und somit mitverantwortlich für das Auftreten gelber Augen sein kann.

Das können Sie selbst tun

Ist das Augeninnere gelblich verfärbt, deutet dies auf eine Leberfunktionsstörung hin. Die Gelbfärbung geht auf einen erhöhten Bilirubinspiegel zurück, da Stoffwechselprodukte nicht mehr ausreichend abgebaut werden. Es gibt hierfür zahlreiche Gründe, von denen die meisten behandlungswürdig sind. Die häufigste Ursache sind Erkrankungen von Leber und Galle, beispielsweise chronische oder akute Leberentzündungen oder Gallensteine.

Selbsthilfe bringt wenig, denn die Ursache muss behandelt werden. Wenn die Gelbfärbung von Schmerzen im Bauchbereich begleitet wird, ist der Arztbesuch dringend anzuraten. Eine akute Gelbsucht muss medikamentös behandelt werden. Entstand die Gelbfärbung des Augapfels durch übermäßigen Alkoholkonsum, muss der Patient umgehend abstinent leben. Steckt eine Suchterkrankung dahinter, sollte diese in einer entsprechenden Einrichtung therapiert werden. Manchmal liegt die Gelbfärbung der Augen an einer sehr fettreichen Ernährung. Auch hier lagern sich die Abfallprodukte des Stoffwechsels in den Schleimhäuten ab. Eine Ernährungsumstellung zu fettarmer, vitaminreicher Kost ist ratsam. In den ersten Tagen sollte Schonkost den Ernährungsplan bestimmen.

Sind die Verfärbungen des Augapfels durch kleinere Verletzungen der Blutgefäße entstanden, besteht kein Grund zur Besorgnis. Ist jedoch das Sehen eingeschränkt und schmerzen die Augen, muss der Augenarzt aufgesucht werden. In allen anderen Fällen hilft Kühlung und Schonung der Augen. Kann das Blut wieder ungehindert abfließen, geht auch die Gelbfärbung zurück.

Bücher über Lebererkrankungen

Quellen

  • Arastéh, K., et al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2017
  • Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage, de Gruyter, Berlin 2014

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