Geheimratsecken

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. November 2017
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Geheimratsecken sind meist erblich bedingt oder altersbedingt und treten dann vorwiegend bei Männern auf. Es existieren verschiedene Interventionsmaßnahmen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Geheimratsecken?

Der Begriff Geheimratsecken wird umgangssprachlich unter anderem verwendet für den sogenannten androgenetischen Haarausfall (einen erblich bedingten Haarausfall) an den Schläfen von Männern.

Häufig sind solche Geheimratsecken erste Symptome eines späteren, altersbedingten Haarausfalls. Aber auch andere Ursachen können für entstehende Geheimratsecken verantwortlich sein - sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Die Bezeichnung Geheimratsecken geht zurück auf den Titel des Geheimen Rates, mit dem während der deutschen Monarchien Beamte ausgezeichnet wurden, die besondere Verdienste aufweisen konnten und meist ein höheres Lebensalter hatten. Alternative umgangssprachliche Bezeichnungen für erblich bedingte Geheimratsecken sind beispielsweise die Worte Ministerwinkel oder Ehestandswinkel.

Entgegen diesen Bezeichnungen können allerdings bereits junge Männer von androgenetisch bedingten Geheimratsecken betroffen sein. Wie stark Geheimratsecken bei Betroffenen ausgebildet sind, variiert individuell. Auch der Übergang von Geheimratsecken zu einer möglichen Glatzenbildung bei altersbedingtem Haarausfall ist fließend.

Ursachen

Die häufigste Ursache von Geheimratsecken ist der beim Mann auftretende androgenetische Haarausfall. Hervorgerufen wird diese Form des Haarausfalls, die häufig Geheimratsecken bedingt, durch eine Überempfindlichkeit der Haarfolikel von Betroffenen gegenüber bestimmten Testosteronformen (männlichen Hormonen); der Haarwuchs wird durch den Einfluss dieser Hormone gehemmt. Der androgenetische Haarausfall als Ursache von Geheimratsecken ist meist angeboren.

Seltener können Geheimratsecken durch einen sogenannten dreieckigen Haarausfall hervorgerufen werden. Von dieser Form der Geheimratsecken können sowohl Männer als auch Frauen betroffen sein. Der dreieckige Haarausfall ist angeboren und führt meist bereits in der Kindheit zu Geheimratsecken.

Nicht zuletzt können Geheimratsecken auch auf andere Erkrankungen zurückzuführen sein; so beispielsweise auf den sogenannten kreisrunden Haarausfall, eine immunologische Erkrankung.

Diagnose & Verlauf

Der Haarausfall im Bereich der Geheimratsecken sind meist die ersten Anzeichen für eine weit ausgeprägte Glatze.

Das Vorliegen von Geheimratsecken kann diagnostiziert werden aufgrund eines typischen dreieckigen Haaransatzes bei einem Betroffenen. Um die Ursachen zu bestimmen, die sich im jeweiligen Einzelfall hinter Geheimratsecken verbergen, können unter anderem Blutuntersuchungen stattfinden oder einzelne Haare entnommen werden.

Hinweise auf einen erblich bedingten androgenetischen Haarausfall als Grund von Geheimratsecken können im Vorfeld auch bereits Patientenberichte bzgl. familiär gehäuft auftretender Geheimratsecken geben. Der Verlauf von Geheimratsecken hängt unter anderem ab von deren Ursache: Androgenetisch bedingte Geheimratsecken nehmen in der Regel mit steigendem Lebensalter zu, breiten sich dann auf den Hinterkopf aus und können schließlich in eine Glatze übergehen.

Geheimratsecken aufgrund eines dreieckigen Haarausfalls bleiben im Laufe des Lebens häufig konstant. Geheimratsecken bei kreisrundem Haarausfall können häufig nach einiger Zeit wieder verschwinden.

Komplikationen

Geheimratsecken sind keine Krankheit, sondern lediglich ein Erscheinungsbild. In vielen Fällen ist ein solcher Haarausfall erblich bedingt. Komplikationen sind nur wenige bekannt, sofern betroffene Personen nicht auf ungewöhnliche Maßnahmen zurückgreifen. Bleiben Geheimratsecken ohne ärztliche Behandlung, so ist lediglich auf eine psychische Komplikation möglich.

Betroffene Männer leiden sehr oft unter Depressionen, da Geheimratsecken ein erstes Anzeichen für den beginnenden Altersprozess sind. Mögliche Komplikationen können jedoch auch bei der Verwendung von verschiedenen Haarwuchsmitteln auftreten. Nicht selten greifen Männer auf solche Mittel zurück, die kahle Stellen wieder mit dichten Haaren versorgen sollen.

Oftmals handelt es sich jedoch bei solchen Mitteln um starke und aggressive Zusammensetzungen, die die Kopfhaut überaus strapazieren. Es kommt zu Rötungen und einem starken Juckreiz. Wenn diese Symptome vorliegen, sollte sehr schnell ein entsprechender Arzt aufgesucht werden. Nur durch eine Behandlung mit den richtigen Medikamenten kann eine schnelle Genesung und Heilung erfolgen.

Somit gilt: Geheimratsecken rufen in der Regel keine besorgniserregenden Komplikationen auf. Wenn die betroffene Person allerdings auf verschiedene Maßnahmen zurückgreift, können gleichzeitig auch Komplikationen auftreten. Bei ersten Symptomen darf ein Besuch beim Arzt nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Geheimratsecken sind aus medizinischer Sicht keine Erkrankung, die einen Behandlungsbedarf vorsieht. Das fehlende Wachstum der Haare stellt lediglich einen optischen Makel dar, der keinen Einfluss auf die körperliche Gesundheit hat. Die meisten Betroffenen wissen sich durch das Tragen von Accessoires wie Hüte, Mützen oder Stirnbänder selbst zu helfen. In vielen Fällen können die Geheimratsecken durch die Änderung der Frisur kaschiert werden.

Ein Arztbesuch ist notwendig, sobald sich seelische Probleme einstellen und ein psychisches Leid entsteht. Kommt es durch die optische Erscheinung zu auffälligen Verhaltensweisen oder Störungen der Persönlichkeit, besteht Anlass zur Sorge. Bei einem sozialen Rückzug, melancholischen Zügen oder einer depressiven Phase wird ein Arzt benötigt. Entwickelt sich eine soziale Phobie, ist ein Arztbesuch erforderlich.

Isoliert sich der Betroffene, reagiert er ungewöhnlich schroff oder zeigt aggressives Verhalten, sobald sich eine andere Person nähert, benötigt er Hilfe. Können die alltäglichen Verpflichtungen nicht mehr erfüllt werden, ist das Selbstbewusstsein dauerhaft herabgesetzt oder entwickelt sich ein Fremdgefühl im eigenen Körper, ist ein Arzt zu konsultieren. Die Geheimratsecken können aus ästhetischen Gründen jederzeit von einem Schönheitschirurg korrigiert werden.

Behandlung & Therapie

Mögliche Behandlungsansätze bei Geheimratsecken unterscheiden sich (ebenso wie die Verläufe von Geheimratsecken) in Abhängigkeit von der Ursache des Haarausfalls.

Je nach Behandlungsmöglichkeiten kann zwischen ursächlichen und symptomatischen Behandlungen von Geheimratsecken unterschieden werden: Eine ursächliche Behandlungsmöglichkeit bei Geheimratsecken, die durch androgenetischen Haarausfall bedingt sind, ist beispielsweise die Gabe von Medikamenten; entsprechende Medikamente können etwa die Bildung von Hormonen hemmen, die die Haarfolikel angreifen und somit für Geheimratsecken verantwortlich sind.

Sind Geheimratsecken bedingt durch kreisrunden Haarausfall, so ist es unter anderem möglich, einem Ausfall von Haaren an den Schläfen durch die Gabe kortisonhaltiger Präparate entgegenzuwirken (Ähnliches gilt bei Geheimratsecken, die durch entzündliche Vorgänge an der Kopfhaut verursacht sind). Auch verschiedene ganzheitliche Ansätze, wie beispielsweise die Homöopathie, bieten Behandlungsmöglichkeiten bei Geheimratsecken an.

Symptomatisch (ohne die Ursachen zu bekämpfen) kann vorhandenen Geheimratsecken unter anderem begegnet werden durch die Verwendung von Haarersatz aus Echt- oder Kunsthaar. In verschiedenen Fällen (wie beim androgenetischen Haarausfall) können Geheimratsecken durch die Transplantation eigener Haare vom Hinterkopf (die meist unempfindlich gegenüber schädigenden Hormonen sind) bekämpft werden.

Die Haartransplantation bezeichnet die Verpflanzung von Körperhaar. Haartransplantationen kommen vor allem bei Haarausfall zur Anwendung. Klicken, um zu vergrößern.

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Vorbeugung

Je nach Ursache von Geheimratsecken lässt sich deren Entstehung in unterschiedlichem Maß vorbeugen: Liegt Geheimratsecken eine Erkrankung zugrunde, die medizinisch behandelbar ist, so können ein frühzeitiger Arztbesuch und eine frühzeitig beginnende Therapie Geheimratsecken vorbeugen. Erblich bedingten und/oder altersbedingten Geheimratsecken kann in der Regel nicht vorgebeugt werden; bei Bedarf ist hier ein Kaschieren möglich.

Das können Sie selbst tun

Geheimratsecken sind ein natürliches Phänomen, welches nicht unbedingt von einem Arzt behandelt werden muss. Wer den Haarverlust als störend empfindet, kann zu einigen Selbsthilfe-Maßnahmen und Hausmitteln greifen.

Leichte Geheimratsecken lassen sich oft mit der richtigen Frisur kaschieren. Gelegentlich hilft auch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten. Es empfiehlt sich, auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu achten und psychische Belastungen zu vermeiden. Im Hinblick auf die Ernährung gilt: viele eisenhaltige Speisen verzehren und fettreiche Nahrung meiden. Bewährte Lebensmittel sind etwa grünes Blattgemüse, Obst, Fischöl sowie Sonnenblumen- und Olivenöl. Zudem sollte viel getrunken werden – ideal sind mindestens acht Gläser Wasser am Tag. Ansonsten helfen verschiedene Maßnahmen, die den Testosteronspiegel auf natürliche Weise erhöhen: Sport, natürliche Nahrungsergänzungsmittel oder Abstinenz.

Welche Maßnahmen im Detail sinnvoll sind, kann der Hausarzt oder ein Dermatologe beantworten. Betroffenen Frauen empfiehlt sich eine hormonelle Behandlung. Begleitend dazu helfen Sport, Stressreduzierung und der Verzicht auf Genussmittel wie Alkohol oder Nikotin. Langfristig lässt sich der Haarausfall dadurch jedoch nicht vollständig aufhalten. Gegen die Geheimratsecken hilft dann nur noch eine Haartransplantation bzw. Haarverdichtung.

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Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Gesenhues, S., Zisché, R.H., Breetholt, A. (Hrsg.): Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

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