Gehörknöchelchen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. November 2016
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Die Gehörknöchelchen liegen im Mittelohr und dienen der Weiterleitung mechanischer Schwingungen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind die Gehörknöchelchen?

Die Gehörknöchelchen, lateinisch als Ossicula auditūs bezeichnet, bestehen aus winzig kleinen Knochen, die im Mittelohr liegen und für die Weiterleitung von mechanischen Schwingungen zum Innenohr verantwortlich sind. Unter diesem Begriff Gehörknöchelchen werden beim menschlichen Ohr Gehörknöchelchen wie der Steigbügel, der Hammer und der Amboss bezeichnet. Die Ossikel, die Paukenhöhle, ist ein luftgefüllter Raum hinter dem Trommelfell, in dem die Gehörknöchelchen liegen.

Anatomie & Aufbau

Die Gehörknöchelchen zählen zu den kleinsten Knochen eines Menschen und verbinden das Außenohr mit dem Innenohr. Sie wiegen nur wenige Gramm. Der Hammer ist ungefähr 23 Milligramm schwer, der Amboss 27 Milligramm und der Steigbügel lediglich 2,5 Milligramm. Die Gehörknöchelchen sind sehr gelenkig und untereinander verbunden.

Befestigt sind sie über den Bandapparat, der sich in der Höhle des Mittelohrs befindet. Die Schleimhaut des Mittelohrs überzieht die Gehörknöchelchen. Der Name von Amboss, Steigbügel und Hammer leitet sich von der Form der Gehörknöchelchen ab, die in folgender Reihenfolge zwischen dem Trommelfell und dem Innenohr liegen: Hammer, Amboss, Steigbügel. Zum Teil ins Trommelfell eingebettet, liegt der Hammer.

Dieser überträgt die Schwingungen vom Trommelfell auf die anderen Gehörknöchelchen. Die wissenschaftliche Bezeichnung für den Hammer lautet Malleus, für den Amboss Incus und der Steigbügel heißt Stapes. Der Hammer ist über einen Hammerstiel mit dem Trommelfell verwachsen und ist über den Hammerkopf mit dem Amboss verbunden. Der Amboss wiederum bildet mit dem sogenannten Steigbügelkopf ein Amboss-Steigbügel-Gelenk.

Funktion & Aufgaben

Die Gehörknöchelchen unterscheiden sich deutlich von den anderen Knochen des menschlichen Körpers. Sie enthalten nämlich nicht nur Lamellenknochen, sondern auch Knorpel, Geflechtknochen und Strähnenknochen. Unter dem Strähnenknochen wird eine embryonal gebildete Knochensubstanz verstanden, bei der sich die Kollagenfibrillen zu Strähnen wie beim Haar verflechten. Die Verknöcherung des Hammers beginnt beim Fötus bereits im vierten Monat und ist im siebten Monat beinahe komplett vollendet.

Auch der Amboss, der aus dem ersten Kiemenbogen entsteht, bildet sich gegen Ende des fünften Monats. Die Verknöcherung des Steigbügels erfolgt gegen Ende des vierten Monats und verknöchert ungefähr zum Ende des achten Monats. Bei der Geburt befinden sich die Gehörknöchelchen dann im Zustand ausgewachsener, komplett ossifizierter Knochen. Der Sinn von den kleinen Gehörknöchelchen liegt in der Aufgabe, die entsprechenden Schwingungen, die vom Trommelfell ausgehen, so gut wie möglich ans Innenohr zu koppeln und das Innenohr vor lauten Schalldruck zu schützen. Sie fungieren daher am ovalen Fenster mit Trommelfell und Vorhofmembran als Impendanzwandler, denn ein niedriger Schalldruck vor dem Trommelfell wird in hohen Druck am ovalen Fenster des Innenohrs umgesetzt.

Das heißt, die Umwandlung der akustischen Schwingungen im Gehörgang werden in mechanische Schwingungen von den Gehörknöchelchen in Flüssigkeitsschwingungen umgewandelt. Da das Trommelfell nicht fix mit dem ovalen Fenster verbunden ist, wirkt sich das positiv auf das Ohr aus. Anderes läge die Übertragung des Schalls rund 30 Dezibel geringer und leise Geräusche würden kaum wahrgenommen werden. Die Gehörknöchelchen haben auch eine wichtige Schutzfunktion. Zwei kleine Muskeln verändern den Grad der Auslenkung der Gehörknöchelchen. So setzt ein Muskel am Hammer an und spannt das Trommelfell, außerdem schützt er vor allzu heftigen Bewegungen der Gehörknöchelchen und dem Trommelfell wie zum Beispiel beim Niesen. Der zweite Muskel, der am Steigbügel ansetzt, schützt die sehr empfindlichen Haarzellen im Innenohr vor zu hohem Schalldruck.

Krankheiten

Bei einer Otosklerose kommt es zu einer krankhaften Verhärtung der Membran und führt zu einer wachsenden Schwerhörigkeit infolge einer starken Beeinträchtigung der Übertragung der Schwingungen von der Gehörknöchelchenkette aufs Innenohr. Auslöser können Krankheiten wie Masern oder Mumps sein, aber auch entzündliche Erkrankungen oder Autoimmunprozesse im Körper.

Durch einen mikrochirurgischen Eingriff, bei dem der beinahe unbewegliche Steigbügel durch eine sogenannte Stapesprothese, einen künstlichen Steigbügel ersetzt wird, kann dieser Prozess aufgehalten werden. Bereits 20 Prozent der Deutschen leiden an einer Schwerhörigkeit. Der Anteil von Männern, die älter als 65 Jahre sind und schwerhörig sind, erreicht mehr als 50 Prozent. Ursache für eine Schwerhörigkeit ist oftmals eine Erkrankung des Innenohres oder des Mittelohrs. Störungen der Gehörknöchelchen oder auch des Trommelfells begünstigen Schwerhörigkeit.

Hörverbesserende Operationen können die Lebensqualität wie auch das Hörvermögen Betroffener verbessern. Kleinste Instrumente, die einen Durchmesser von kaum einem Millimeter besitzen, unterstützen Eingriffe, bei denen Tumore als auch Entzündungen im Mittelohr entfernt, aber auch bereits zerstörte Teile eines Ohres aufgebaut werden wie zum Beispiel eine Rekonstruktion des Trommelfells.

Dank der heutigen Medizin ist es sogar möglich, ein verlorenes Trommelfell zu ersetzen und mit Transplantaten aus dem Muskel- und Knorpelgewebe einzusetzen. Auch der Aufbau von bereits zerstörten Gehörknöchelchen ist möglich. Die Mastoiditis, eine Komplikation einer nicht vollständig ausgeheilten Mittelohrentzündung, ist heute eher selten aufgrund der Gabe von Antibiotika. Sie kann jedoch negativen Einfluss auf die Schallleitungs- und Schallverstärkungsfunktion des Mittelohrs nehmen und eine Schwerhörigkeit begünstigen.

Die Entzündung führt unter Umständen zu unangenehmen Beeinträchtigungen wie Schwindel oder einer Meningitis. Wichtig ist bei jeglichen Problemen oder dem vagen Verdacht, dem Gefühl eines sich verschlechternden Hörvermögens unbedingt einen HNO-Facharzt zu konsultieren und das abzuklären. Eine fortschreitende Otosklerose kann unbehandelt im schlimmsten Fall Taubheit zur Folge haben. Auch sind Beeinträchtigungen durch Tinnitus möglich.

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