Gebrechlichkeit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. November 2017
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Gebrechlichkeit bzw. Altersschwäche ist die altersbedingte Erschöpfung und verringerte Leistungsfähigkeit, die als natürlich angesehen werden kann. Pathologisch ist die Gebrechlichkeit, wenn sie sich zum sogenannten Frailty-Syndrom steigert. Dieses ist geprägt durch eine im Vergleich zu Gleichaltrigen verstärkte Infektanfälligkeit, begleitende Krankheiten und stark zunehmende Schwäche. Das Frailty-Syndrom ist nicht heilbar, es kann jedoch in seinem Verlauf aufgehalten werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Gebrechlichkeit

Gebrechlichkeit ist keine eigenständige Krankheit, sie ist eine komplexe Alterserscheinung. Mit dem Alterungsprozess kommt es zu Gedächtnis-, Organ- und Funktionsstörungen, die medizinische und pflegerische Unterstützung nötig machen. Gebrechlichkeit gilt als normale, natürliche Alterserscheinung, bei der es zunächst keinen Therapiebedarf gibt.

Nur das sogenannte Frailty-Syndrom, das mit einer gegenüber der Altersklasse verstärkten körperlichen und geistigen Schwäche und Symptomen wie Erschöpfung, Gewichtsverlust und Gangunsicherheit einhergeht, ist behandlungsbedürftig. Die Folgen der Gebrechlichkeit sind Muskelabbau und Muskelschwäche, Osteoporose und ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche.

Ursachen

Als Ursache lässt sich primär das Alter der Betroffenen ausmachen. Ab einem bestimmten Lebensalter scheinen in der Regel Altersschwäche und Gebrechlichkeit unaufhaltbar und natürlich. Die medizinische Forschung beschäftigt sich aus diesem Grunde nur mit dem Frailty-Syndrom, da nur dieses als medizinisch relevant und behandlungsbedürfig gilt.

Verschiedene Risikofaktoren und Entwicklungsprozesse scheinen dem Frailty-Syndrom zu Grunde zu liegen, darunter Krankheiten wie Diabetes mellitus und Hypertonie, chronische Entzündungsprozsse im Körper und soziodemografische und psychologische Faktoren. Bei Betroffenen konnten eine Zunahme der Entzündungswahrscheinlichkeit im Körper, ein schwächeres Immunsystem als in der Altersgruppe üblich, Blutarmut und ein veränderter Hormonspiegel festgestellt werden.

Typisch für das Frailty-Syndrom scheint ein erhöhter CRP-Spiegel zu sein. Ein reduzierter Testosteronspiegel konnte ebenfalls festgestellt werden und führt, in Zusammenspiele mit einem zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel zur Muskelschwäche. Eine altersabhängige Prävalenz des Frailty-Syndroms konnte festgestellt werden, so steigt diese ab 65 Jahren bedeutend an.

Diagnose & Verlauf

Leiden Menschen ab einem bestimmten Alter unter einer auffallend starken und gegenüber Vergleichspersonen verstärkten Altersschwäche, so sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Besteht auch für diesen ein Verdacht auf das Vorliegen des Frailty-Snydroms, so wird der Mediziner den Senioren genauer untersuchen. Etabliert ist hierfür die Einteilung nach Fried: Treten drei oder mehr der folgenden fünf Symptome auf, so gilt das Frailty-Syndrom als gesichert:

Ein starker, unkontrollierter Gewichtsverlust von mehr als 10% in zwölf Monaten, Eine objektiv feststellbare Muskelschwäche mit Kraftverlust (messbar ist dies mit Krafttests), subjektiv empfundene mentale, körperliche und/oder emotionale Erschöpfung, Gang- und Standunsicherheit mit erhöhter Sturzgefahr, Immobilität und körperlicher Instabilität, die oftmals einhergeht mit verlangsamten Reaktionen, sowie eine verringerte körperliche Leistungsfähigkeit und Aktivität.

Können nur ein oder zwei Symptome diagnostiziert werden, ist jedoch von einer altersbedingten Verschlechterung auszugehen, so wird das Prefrailty-Syndrom diagnostiziert.

Zu unterscheiden vom Frailty-Syndrom sind andere Alterskrankheiten wie Demenz oder Alzheimer. Diese können zwar zusätzlich auftreten, ihre Therapie unterscheidet sich jedoch deutlich von der der Gebrechlichkeit und des Frailty-Syndroms.

Über den Verlauf des Frailty-Syndroms gibt es bisher keine aussagekräftigen Studien. Wissenschaftler ziehen jedoch einen Vergleich zur altersbedingten Gebrechlichkeit und gehen von einer mit den Lebensjahren zunehmenden Krankheitsbelastung aus. Die altersbedingte Gebrechlichkeit und das Frailty-Syndrom sind nicht heilbar, mit adäquaten Behandlungsmethoden kann jedoch der Verlauf aufgehalten werden.

Komplikationen

Gebrechlichkeit im Alter oder nach einer Erkrankung geht in der Regel mit diversen Komplikationen einher. So steigt sich mit der Gebrechlichkeit, die vorwiegend im Alter auftritt, auch das Risiko für Unfälle. Betroffene sind weniger mobil als noch zuvor und leiden unter Gang- und Standunsicherheiten, die zu Stürzen und schweren Verletzungen führen können.

Eine typische Komplikation der Gebrechlichkeit sind vor allem Oberschenkelhals- und Leistenbrüche. Betroffen sind insbesondere ältere Menschen, die bereits unter einer Gelenk- oder Knochenerkrankung leiden. Gebrechlichkeit kann allerdings auch in Folge einer anderen Erkrankung auftreten und schwere Komplikationen hervorrufen. So kommt es im Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Entzündungsprozessen häufig zu einem irreversiblen Verfall von Knochen, Muskeln oder Nervensträngen.

Dadurch entwickeln sich in der Folge weitere körperliche Beschwerden, welche die ursprüngliche Gebrechlichkeit noch verstärken können. Die eingeschränkte Leistungsfähigkeit kann auch mit seelischen Belastungen einhergehen. So entwickeln Betroffene mit zunehmender Gebrechlichkeit oftmals auch Depressionen und Ängste, die umgehend zu behandeln sind. Bleibt eine Gebrechlichkeit im Alter unbehandelt, kann es zu einem schweren Verlauf mit Stürzen und der Ausbildung weiterer körperlicher und seelischer Beschwerden kommen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Gebrechlichkeit gehört zum natürlichen Alterungsprozess des Menschen, es muss im Normalfall kein Arzt aufgesucht werden. Tritt sie im hohen Alter auf gilt sie als wenig besorgniserregend und bedarf eher einer Umstellung der Lebensart. Eine Anpassung der körperlichen Möglichkeiten an die Lebensführung kann eigenständig erfolgen.

Die täglichen Aufgaben müssen langsamer erfüllt werden, da der Körper nicht mehr über die gewohnte Kraft und Leistungsfähigkeit verfügt. Daher besteht oftmals aus medizinischer Sicht kein weiterer Handlungsbedarf. Leiden junge Menschen oder Erwachsene im mittleren Lebensalter unter der Gebrechlichkeit, sollten sie einen Arzt aufsuchen. Es liegen Erkrankungen vor, die untersucht und behandelt werden müssen, da es sich hier keinesfalls um eine natürliche Erscheinung handelt. Treten zusätzlich Schmerzen auf oder kommt es zu starken Beeinträchtigungen bei der Bewältigung des Alltags, ist ein Arztbesuch ratsam.

Sobald eine eigenständige Lebensführung nicht mehr gegeben ist, wird Hilfe benötigt. Bei der Gebrechlichkeit handelt es sich um einen schleichenden Prozess der sich über Jahre entwickelt. Ein Arzt wird benötigt, sobald der Betroffene unter dem Entwicklungszustand leidet oder die Beeinträchtigungen zu seelischen Problemen führen. Kommt es zu Erscheinungen wie Suizidgedanken, einer Unterversorgung des Organismus oder mangelnder hygienischer Maßnahmen, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Behandlung & Therapie

Wichtig für die Behandlung von altersbedingter Gebrechlichkeit ist die ausgewogene Ernährung, insbesondere als Versorgung mit allen nötigen Nährstoffen und ausreichend Flüssigkeitszufuhr.

Sind die Betroffenen zu schwach oder vergesslich, um sich ausreichend zu ernähren, so sind Angehörige oder Pfleger gefragt. Im Extremfall ist die intravenöse Ernährung möglich.

Auch der Aufbau der Muskeln und damit der körperlichen Kraft ist anzuraten. Dies erfolgt entweder mit eigenständigem Fitnesstraining oder mit, gegebenenfalls auch betreutem, Seniorensport und Krankengymnastik.

Eine Kombination aus Krafttraining und Koordinationsaufgaben schult Muskeln und Gehirn und vermindert das Sturzrisiko.

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Vorbeugung

Die wichtigste präventive Maßnahme ist die lebenslange Vermeidung von Risikofaktoren durch eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung. Auch der soziale Kontakt mit jungen Menschen hält Senioren geistig und körperlich fit.

Das können Sie selbst tun

Eine Zunahme der Gebrechlichkeit im Alter ist völlig normal, Gegenmaßnahmen sind aber spätestens dann angezeigt, wenn die Störung pathologische Ausmaße annimmt oder gar das Stadium des sogenannten Frailty-Syndroms erreicht.

Eine der wichtigsten Selbsthilfemaßnahmen besteht in einer gesunden Lebensführung. Im Alter leiden Menschen häufig an Appetitlosigkeit, was sehr schnell zu einem beträchtlichen Gewichtsverlust in Verbindung mit einem akuten Nährstoffmangel führen kann. Senioren, die keine Freude mehr am Essen haben, sollten sich deshalb von einem Ernährungsberater einen Ernährungsplan zusammenstellen lassen, der aus überwiegend kleinen, aber gehaltvollen Mahlzeiten besteht. Oft ist es für Senioren auch leichter Kalorien und Nährstoffe in flüssiger Form aufzunehmen. Wer noch im eigenen Haushalt lebt, sollte sich einen Mixer anschaffen und Obst oder Gemüse zu frischen Smoothies verarbeiten. Dies ist mit weit weniger Arbeit verbunden als kochen und kann auch von Personen geleistet werden, deren körperliche Leistungsfähigkeit bereits stark eingeschränkt ist. Der schmackhafte und gesunde Gemüsebrei versorgt den Körper gleichzeitig mit Flüssigkeit, was wichtig ist, da Senioren oftmals zu wenig trinken. Gegen ein akutes Nährstoffdefizit kann darüber hinaus durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln vorgegangen werden.

Des Weiterem ist es wichtig, den Kreislauf und die Muskulatur durch regelmäßige Bewegung zu stimulieren. Dazu kommt neben einer Physiotherapie auch Seniorengymnastik, Seniorenschwimmen oder regelmäßiges Spazierengehen in Frage. Außerdem sollte auch die geistige Stimulation nicht vernachlässigt werden. Wobei selbst simple Maßnahmen wie das regelmäßige Lesen der Tageszeitung und das Ausfüllen des Kreuzworträtsels bereits einen positiven Effekt haben.

Bücher über Alterskrankheiten

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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