Gaumensegel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. November 2016
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Das Gaumensegel ist eine Weichteilfalte aus Muskeln, Bindegewebe und Schleimhaut, die den Fortsatz des harten Gaumens bildet. Ihre Hauptaufgaben liegen in der Artikulation und der Abtrennung von Speiseröhre und Atemwegen während des Schluckens und Sprechens. Eine der häufigsten Beschwerden im Zusammenhang mit dem Gaumensegel ist das Schnarchen, das insbesondere durch erschlaffte Gewebsteile im Bereich des seitlichen Gaumensegels begünstigt wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Gaumensegel?

Das Gaumensegel ist auch unter dem medizinischen Fachbegriff Velum palatinum bekannt. Aufgrund seiner Konsistenz wird es auch als weicher Gaumen bezeichnet.

Es handelt sich dabei um eine weiche und bewegliche Fortsetzung des harten Gaumens, die eine Weichteilfalte aus Muskelgewebe, Schleimhaut und Bindegewebe bildet. Der weiche Gaumen nimmt zur Zungenwurzel eine schräg oder senkrecht hängende Stellung ein und trennt die Atemwege so von der Speiseröhre. Wie durch den Zungengrund wird die Mundhöhle auch durch das Gaumensegel so letztlich vom Rachen abgegrenzt.

Anatomie & Aufbau

Die Gaumenaponeurose bildet die Basis des Gaumensegels. In diese faserreiche Platte aus Bindegewebe strahlt die Gaumenmuskulatur ein, über die sich das Gaumensegel vorwiegend bewegt. Einmündende Nerven und Arterien verbinden das Gaumensegel mit dem Blutkreislauf und dem Nervensystem. An der Unterseite der Platte liegt Bindegewebe, das mit feinen Speicheldrüsen durchsetzt ist.

Auf beiden Seiten gehen vom Gaumensegelrand zusätzlich zwei Doppelfalten aus. Diese Doppelfalten sind auch als Gaumenbogen bekannt. Das hintere Gaumensegel ist am Rand symmetrisch doppelt gebogen. In der Mitte dieses Doppelbogens befindet sich das Zäpfchen, das auch Uvula genannt wird. Bei der Artikulation des A-Vokals tritt dort der Übergang zwischen hartem und weichem Gaumen in Form einer Grenzlinie, der sogenannten Ah-Linie, in Erscheinung. Zahnprothesen werden auf maximal diese Grenzlinie bemessen, da die Bewegung des Gaumensegels ein Gebiss weiter hinten aushebeln würde.

Funktion & Aufgaben

Die Abgrenzung der Mundhöhle zum Rachen und die damit zusammenhängende Trennung von Atem- und Speisewegen ist die Hauptaufgabe des weichen Gaumensegels. Während der Schluckbewegung wird der in das Gaumensegel mündende Muskel Musculus constrictor pharyngis aktiviert.

Das Gaumensegel presst sich durch diese Muskelbewegung gegen einen Wulst an der hinteren Wand des Rachens und verhindert damit, dass Flüssigkeiten oder Essensbestandteile in die Atemwege gelangen. Bei einer Erschlaffung des Gaumensegels ist dieser Verschluss der Atemwege beim Schlucken nur bedingt gegeben. Ein schlaffes Gaumensegel kann sich so zum Beispiel in häufigem Verschlucken bemerkbar machen. Auch die mit dem Gaumensegel vernetzten Muskeln tensor und levator veli palatini übernehmen wichtige Funktionen. Während des Schluckens, aber auch beim Gähnen sorgen sie für einen Druckausgleich im Mittelohr.

Das zweite funktionelle Hauptgebiet des Gaumensegels ist die Artikulation. Auch beim Sprechen presst sich das Gaumensegel nach einer Anhebung nämlich gegen den Wulst an der Rachenrückwand. Der lauttragende Luftstrom aus der Lunge kann so durch den Rachen fließen, ohne dabei orale Laute zu erzeugen. Bei Nasalvokalen sorgt das Gaumensegel durch eine Absenkung dafür, dass der Lautstrom sowohl durch den Mund, als auch durch die Nase austritt.

Rein nasale Laut lassen die Zunge und das Gaumensegel den Mundraum dagegen komplett verschließen, sodass der Lautstrom nur aus der Nase austreten kann. Schlaffe Gaumensegelmuskulatur kann aufgrund dieser artikulatorischen Funktionen des weichen Gaumens auch Schwierigkeiten oder Ungenauigkeiten beim Sprechen hervorrufen. Verschiedene Ursachen kommen für die Erschlaffung des Gaumensegels infrage.

Krankheiten

Das Schnarchen zählt zu den mit häufigsten Beschwerden im Zusammenhang mit dem Gaumensegel. Dieses Phänomen tritt insbesondere bei einem erschlafften Gaumensegel auf, das durch einen starken Luftstrom während der Nachtatmung in Vibration versetzt wird. In der Nacht entspannen sich die Muskeln des Rachenraums, die tagsüber die Atemwege offen halten.

Die so verengten Atemwege lassen den Luftstrom bei der Mundatmung mit höherem Druck durch den Rachenraum schießen. Dieser erhöhte Druck kann das Gaumensegel vibrieren lassen. Insbesondere kommt es dann zu einer Vibration, wenn das seitliche Gewebe des Gaumensegels erschlafft ist. Krankhaftes Schnarchen ruft während des Tages Müdigkeit und Kopfschmerzen hervor. In einem solchen Fall kann das erschlaffte Gewebe operativ vom Gaumensegel entfernt werden. Der Atemraum wird damit erweitert und der Luftdruck reduziert sich, sodass das Gaumensegel nicht mehr vibriert.

Ein erschlafftes Gaumensegel kann unter Umständen aber auch mit einer Rachenentzündung in Zusammenhang stehen. Eine solche Entzündung geht zusätzlich meist mit einem verdickten Zäpfchen und Schmerzen einher. Bei entzündlichen Erscheinungen am Gaumensegel behandelt der Arzt zuweilen mit der Gabe von Antibiotika. Besonders oft greifen Entzündungen der Mundschleimhaut auf das Gaumensegel über. Neben Entzündungen ist der weiche Gaumen außerdem häufig von embryonalen Fehlbildungen betroffen. Die Fehlbildung der Lippen-Kiefer-Gaumensegel-Spalte kommt besonders häufig vor und wird durch Mangelernährung während der Schwangerschaft begünstigt.

Sowohl bei der Nahrungsaufnahme als auch während der Artikulation haben Betroffene bei dieser Erscheinung mit Problemen zu kämpfen. Leichte Fehlbildungen lassen sich allerdings operativ beheben. Schmerzen im Mundbereich, die mit Sprechproblemen und Mundgeruch einhergehen, können dagegen mit Mundkrebs zusammenhängen. Krebserkrankungen des Mundraums kommen vor allem bei Männern über 50 vor und betreffen häufig auch das Gaumensegel. Bei der Behandlung von Gaumensegelkrebs ist wie bei allen anderen Krebsformen oft eine Chemotherapie indiziert.

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