Gaumenbein

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 8. August 2017
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Das Gaumenbein ist ein Bestandteil des Gesichtsschädels und trägt zusammen mit dem Oberkiefer zur Trennung von Nasen- und Mundraum bei. Es bildet sich im Laufe der Embryonalentwicklung durch das Zusammenwachsen von Gaumenbeinfortsätzen aus den Oberkieferwülsten. Störungen in diesem Prozess können die Trennung von Nasenraum und Mundhöhle beeinträchtigen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Gaumenbein?

Das Gaumenbein, auch als Os palatinum bezeichnet, stellt einen Knochen des Gesichtsschädels dar, der für die Abgrenzung von Nasenraum und Mundhöhle verantwortlich ist. Es besteht sowohl aus einer horizontalen als auch einer vertikalen Platte.

Die horizontale Platte (Lamina horizontalis) bildet zusammen mit dem Pflugscharbein (Vomer) den Gaumen, während die vertikale Platte (Lamina perpendicularis) zusammen mit dem Oberkieferknochen (Maxilla) und dem Keilbein die Flügelgaumengrube (Fossa pterygopalatina) darstellt. In der Fossa pterygopalatina verlaufen Nerven und Blutgefäße, die den Oberkiefer versorgen.

Neben der Trennung von Nasen- und Rachenraum trägt das Gaumenbein auch zur Stützung des hinteren Teils des harten Gaumens bei. Der harte Gaumen besteht aus zusammengewachsenen Knochenplatten der waagerechten Knochenfortsätze des Oberkieferknochens und des Gaumenbeins.

Anatomie & Aufbau

Das Gaumenbein stellt Gaumenbeinfortsätze dar, die sich aus den Oberkieferwülsten entwickeln. Sie bewegen sich während des embryonalen Wachstums aufeinander zu und wachsen unter Bildung einer Naht zusammen. Dabei verschließt der harte Gaumen und trennt somit den Nasen- und Mundhöhlenraum. Am hinteren Ende des harten Gaumens schließt sich die Choanenöffnung an.

Die Choanenöffnung stellt die paarige Öffnung der Nasenhöhle in die Rachenhöhle dar. Das Pflugbein trennt beide Choanenöffnungen voneinander. Dieser Teil des Gaumens wird auch als Lamina horizontalis bezeichnet. Dabei ist die Lamina horizontalis ein Teil des Gaumenbeins. Der andere Teil des Gaumenbeins, die Lamina perpendicularis, stellt seinen vertikalen Teil dar. Er bildet zusammen mit dem Oberkieferknochen und dem Keilbein die Flügelgaumengrube (Fossa pterygopalatina). In der Fossa pterygopalatina verlaufen die Nervenstränge des Nervus maxillaris und dem Ganglion pterygopalatinum sowie die Äste der Arteria maxillaris.

Der Nervus maxillaris versorgt unter anderem Tränendrüsen, Zahnfleisch, obere Schneidezähne und Gaumenschleimhaut und ist rein sensibel. Das Ganglion pterygopalatinum ist für die sekretorische Tätigkeit der Tränen-, Gaumen-, Nasen- und Rachendrüsen sowie für die Arbeit der Blutgefäße von Gesicht und Gehirn verantwortlich. Die Arteria maxillaris ist die Oberkieferarterie und stellt die Fortsetzung der Halsschlagader dar.

Funktion & Aufgaben

Die Hauptaufgabe des Gaumenbeins besteht in der Trennung von Nasen- und Rachenraum. Dadurch können Nahrungsaufnahme und Atmung ungestört voneinander ablaufen. Die perfekte Mittelohrbelüftung ist gewährleistet, sodass der Körper dem Ausbruch von Ohrinfektionen wirksam begegnen kann. Überhaupt ist für eine gute Infektionsabwehr eine getrennte Arbeit von Mund- und Nasenraum notwendig.

Des Weiteren besitzt das Gaumenbein auch stützende Funktionen für den hinteren Teil des Gaumens. Als Teil des Schädels trägt es so zum Schutz des Gehirns bei. Gleichzeitig sind im Gaumenbein auch wichtige Durchgangsstellen für Blutgefäße und Nervenstränge vorhanden, die für die Versorgung wichtiger Organe im Kopfbereich verantwortlich sind.

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Krankheiten

Im Zusammenhang mit dem Gaumenbein können Fehlbildungen während der Embryogenese auftreten. In der frühen Schwangerschaft kommt es zunächst immer zur getrennten Entwicklung von Gesichtsteilen, die später zusammenwachsen. So entstehen aus dem Kiemenbogen jeweils auf beiden Seiten Nasenwülste und Oberkieferwülste.

Erst ab der fünften Schwangerschaftswoche kommt es zur Verschmelzung der beiden Nasenwülste. Dabei bildet sich das Zwischenkiefernsegment. Wenn dieser Prozess gestört ist, entwickelt sich eine Lippen-Kiefern-Spalte. Ab der zehnten Schwangerschaftswoche verschmelzen normalerweise die Gaumenfortsätze (Gaumenbein) beider Oberkieferwülste und bilden den harten und weichen Gaumen. Wenn diese Verschmelzung nicht vollständig verläuft, entwickelt sich eine Gaumenspalte. Nasen- und Rachenraum trennen sich nicht. Beide Fehlbildungen sind unabhängig voneinander, da sie sich auch in unterschiedlichen Entwicklungsphasen ereignen.

Allerdings kommen Lippen-Kiefern-Spalten häufig zusammen mit Gaumenspalten vor. Umgangssprachlich wurden früher die Lippen-Kiefer-Spalte als Hasenscharte und die Gaumenspalte als Wolfsrachen bezeichnet. Da diese Bezeichnungen jedoch als diskriminierend empfunden wurden, finden sie heute keine Anwendung mehr. Die Erscheinungsformen dieser Fehlbildungen sind vielfältig. Sie sind davon abhängig, in welchem Stadium der Schwangerschaft die Störung auftritt. Es gibt leichte Lippen-Kiefern-Spalten, Kombinationen aus Lippen-Kiefern-Spalten mit Gaumen-Spalten oder reine Gaumen-Spalten. Auch die Erscheinungsformen der Gaumen-Spalten können variieren.

Im besten Fall findet sich nur ein Spalt im Zäpfchen. Im schlimmsten Fall besteht ein vollständiger Spalt zwischen festem und weichem Gaumen, der nur durch die darüberliegende Schleimhaut kaschiert ist. Nasen- und Rachenraum sind hierbei nicht mehr getrennt. Die Ursachen für die Entstehung der Lippen-Kiefern-Gaumen-Spalten sind noch nicht völlig geklärt. Bekannt ist, dass in vielen Fällen eine erbliche Komponente vorliegen muss. So wurden familiäre Häufungen dieser Fehlbildung festgestellt. Allerdings gibt es auch Umwelteinflüsse, die zu Lippen-Kiefern-Gaumen-Spalten führen können.

Dazu zählt das Rauchen der werdenden Mutter, Sauerstoffmangel während der Schwangerschaft, Alkoholmissbrauch der Mutter, Strahlungseinflüsse und vieles mehr. Die Auswirkungen der Fehlbildungen sind je nach Ausbildungsgrad variabel. So sind isolierte Lippen-Spalten unproblematisch. Sie können durch Operation schnell korrigiert werden. Allerdings können Gaumen-Spalten und Lippen-Kiefern-Gaumen-Spalten zu vielfältigen Beeinträchtigungen führen. So ist die Nahrungsaufnahme bei Neugeborenen erschwert, da die Nahrung durch die Spalte in den Nasenraum gelangen kann.

Weiterhin bestehen häufig Atemprobleme, weil die Nasenatmung meist behindert ist. Oft treten Sprechprobleme auf. Des Weiteren kommen häufige Ohrinfektionen und Zahnfehlstellungen hinzu. Die Behandlung besteht aus chirurgischen Korrekturen, Sprachförderung und Psychotherapie.

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