Gastroschisis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. November 2017
Startseite » Krankheiten » Gastroschisis

Gastroschisis ist eine Fehlbildung der kindlichen Bauchdecke, die bereits im Mutterleib entsteht. Durch noch nicht geklärte Ursachen spaltet sich die Bauchwand und innere Organe dringen nach draußen. Die Therapie der Erkrankung muss sofort nach der Geburt erfolgen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Gastroschisis?

Gastroschisis ist ein Bauchwanddefekt, der bereits vor der Geburt (pränatal) entsteht. Der Begriff kommt aus dem Griechischen von gastro = Bauch, Magen und s-chismà = Spaltung und wird daher Bauchspalte genannt.

Bei der Gastroschisis bildet sich schon in der frühen Schwangerschaft in der Bauchwand des Fötus, meist rechts vom Nabel, eine Spalte von etwa 2-3 cm, durch die innere Organe nach außen dringen. In den meisten Fällen drückt sich der Darm durch die Bauchöffnung und liegt im Fruchtwasser. Es können aber auch andere Organe, wie Leber oder Magen durch die Spalte aus dem Bauchraum fallen.

Weil der Darm dann frei im Fruchtwasser schwimmt und keine Begrenzungen durch die Bauchwand erfährt, entwickelt er sich nicht normal. Die Darmschlingen erweitern sich und das Organ wird größer, als er es sein sollte. Außerdem kann es zu Verdrehungen des Darmes kommen und infolgedessen zu Durchblutungsstörungen, durch die im schlimmsten Fall Gewebe abstirbt. Die Gastroschisis kommt eher selten vor, allerdings wurde in den letzten Jahren ein Anstieg der Häufigkeit beobachtet.

Ursachen

Es gibt keine eindeutige Erklärung für die Entstehung der Gastroschisis. Es existieren verschiedene Theorien. Ein Erklärungsansatz geht davon aus, dass die rechte Nabelvene, ein Gefäß, das nur am Anfang der Schwangerschaft vorhanden ist und sich später zurückbildet, für die Erkrankung verantwortlich ist. Die Aufgabe dieser Vene ist die Ernährung der Bauchwand. Bildet sie sich zu früh zurück, wird die Bauchwand unterversorgt, Gewebe stirbt ab und der Defekt entsteht.

Da etwa zeitgleich das Wachstum des Darmes beginnt, drückt sich dieser durch die Öffnung aus dem Körper. Diese These würde auch erklären, warum die Gastroschisis meist rechts neben dem Nabel auftritt. Eine andere Theorie vermutet, dass der Verschluss einer rechtsseitig liegenden Arterie zu einer Art Gewebeinfarkt führt und die Spaltung verursacht. Eine dritte These geht davon aus, dass eine Störung Gefäßfehlbildungen hervorruft und dadurch die Bauchwand sich nicht schließt. Zuletzt existiert noch die Meinung, dass die Gastroschisis durch einen Riss der Membran um die Nabelschnur entstehen kann.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Mittels Ultraschalluntersuchung (Sonografie) lässt sich die Gastroschisis mit großer Sicherheit (90%) bereits ab der 16. Schwangerschaftswoche feststellen, manchmal sogar früher. Auch die Größe des Defekts, wie viel des Darms oder welche anderen Organe aus dem Bauchraum ausgetreten sind, lässt sich durch Sonografie gut erkennen.

Bei Verdacht auf Gastroschisis durch den Ultraschallbefund wird oft zur weiteren Abklärung eine Fruchtwasseruntersuchung durchgeführt. Hierbei kann ein erhöhter AFP-Wert (AFP ist ein Protein) im Fruchtwasser ein weiterer Hinweis auf die Erkrankung sein, gilt aber nicht als Beweis. Durch den Defekt in der Bauchwand fallen die inneren Organe, insbesondere Teile des Darms, in die Fruchthöhle und schwimmen frei im Fruchtwasser.

Die Darmschlingen wachsen aufgrund fehlender Begrenzung stark an und sind aufgequollen (ödematös). Ist der Darm verdreht, kann es zu Durchblutungsstörungen und dadurch zum Absterben von Darmgewebe kommen. Außerdem wird das Fruchtwasser durch die Ausscheidungen des Fötus belastet. In spezialisierten Kliniken wird, in seltenen Fällen, bei zu hoher Konzentration der Abfallstoffe, ein Austausch von Fruchtwasser vorgenommen. Die Gastroschisis muss während der Schwangerschaft engmaschig überwacht werden. Dabei wird immer sowohl die Reife des Kindes im Blick behalten als auch das Ausmaß der Organschädigung.

Komplikationen

Durch die Gastroschisis kann es im schlimmsten Fall zum Tode des Kindes kommen, wenn die Krankheit nicht direkt nach der Geburt behandelt wird. In den meisten Fällen ist allerdings eine sehr frühe Diagnose möglich, sodass mit der Behandlung direkt nach der Geburt begonnen werden kann. Damit können Folgeschäden und weitere Komplikationen vermieden werden.

Sollte es zu einer Verdrehung des Darms kommen, kann das Darmgewebe absterben, da es nicht mehr richtig durchblutet wird. Ebenso können auch andere Organe beschädigt werden. Die Schädigung hängt dabei stark von der Ausprägung der Gastroschisis ab. In der Regel sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig, um die Schäden dauerhaft zu beobachten.

Bei der Behandlung erfolgt in den meisten Fällen ein operativer Eingriff. Bei diesem Eingriff wird der Darm wieder zurückgedreht, damit es zu keinen Komplikationen und nicht zum Absterben des Gewebes kommt. Ebenso müssen gegebenenfalls andere Schäden an Organen untersucht und auch behandelt werden. In den meisten Fällen kommt es zu einem positiven Krankheitsverlauf des Kindes, wenn die Behandlung sofort nach der Geburt erfolgt. Weitere Komplikationen treten dabei nicht auf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Werdende Mütter sollten grundsätzlich an angebotenen Schwangerschaftsuntersuchungen teilnehmen. Bei den medizinischen Kontrollen können eine Vielzahl von Unregelmäßigkeiten oder Erkrankungen des ungeborenen Kindes festgestellt werden. Im zweiten Trimester kann die Gastroschisis bereits sicher von einem Frauenarzt diagnostiziert werden. Daher ist es ratsam, insbesondere die Möglichkeiten der Ultraschalluntersuchungen ab diesem Zeitpunkt in Anspruch zu nehmen. Erfolgt eine stationäre Geburt, werden routiniert direkt nach der Niederkunft verschiedene Untersuchungen von Mutter und Kind durchgeführt.

Ein Eingreifen der Angehörigen ist daher in den meisten Fällen zu diesem Zeitpunkt nicht mehr notwendig. Oftmals erfolgt aufgrund der erkannten Gastroschisis ein Kaiserschnitt, so dass in der Klinik eine unverzügliche medizinische Versorgung des Kindes stattfindet. Findet eine unplanmäßige Hausgeburt statt, ist bereits während der Geburt ein Arzt für einen Hausbesuch einzubestellen oder der Rettungsdienst zu informieren. Auch wenn die Erkrankung nicht während der Schwangerschaft bemerkt wurde, ist in jedem Fall unmittelbar nach einer Hausgeburt ein Arzt aufzusuchen.

Generell sollte eine Schwangere einen Arzt konsultieren, sobald sie ein diffuses Gefühl hat, dass etwas mit ihrem heranwachsenden Kind nicht stimmen könnte. Abgesehen von der Teilnahme an den Kontrolluntersuchungen ist es wichtig, dass bei wahrgenommenen Unregelmäßigkeiten, einem allgemeinen Krankheitsempfinden oder anderen Auffälligkeiten eine Konsultation des Arztes stattfindet.

Behandlung & Therapie

Die Möglichkeit, die Gastroschisis zu behandeln, setzt erst nach der Geburt ein. Meist wird zu einem Kaiserschnitt (Sectio) geraten, jedoch hat sich in der Praxis nicht eindeutig ein Vorteil gegenüber der normalen vaginalen Geburt gezeigt. Die einzige mögliche Therapie des Defekts ist ein operativer Eingriff, der zeitnah nach der Geburt erfolgen sollte, spätestens 18 Stunden danach. Die erste Versorgung besteht darin, dass ein eventuell verdrehter Darm wieder zurückgedreht (derotiert) wird.

Der Säugling wird auf die Seite gelegt, damit sich keine Gefäße abklemmen. Weiterhin wird der Körper des Kindes in eine sterile Plastikhülle gepackt, damit die außen liegenden Organe nicht austrocknen und der Säugling warm bleibt. Um dem Körper Medikamente und Nahrung zuführen zu können, werden eine Magensonde und ein venöser Zugang gelegt. Während der Operation werden die Organe auf Gewebeschäden untersucht und, falls möglich, in die Bauchhöhle zurückgebracht. Diese Operation wird Primärverschluss genannt.

Sind die Organe aber zu groß, würden sie in der Bauchhöhle des Säuglings nicht genügend Platz finden. Dadurch würde sich ein zu hoher Druck entwickeln, der wiederum auf Gefäße und Organe einwirkt, Durchblutungsstörungen verursacht und das Herz beeinträchtigen kann. In diesem Fall wird ein sogenannter mehrzeitiger Verschluss vorgenommen.

Dabei werden die Organe in einem Beutel über dem Bauchwanddefekt untergebracht. Dieser Beutel wird nach und nach verkleinert, wodurch die Organe langsam in die Bauchhöhle geschoben werden. Zuletzt erfolgt der Verschluss der Bauchhöhle. Diese Methode verhindert den übermäßigen Druckanstieg.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Vorbeugemaßnahmen gegen die Gastroschisis existieren nicht. Allerdings ist eine frühzeitige Diagnosestellung wichtig. Dadurch können die Entwicklung des Kindes und die Ausprägung der Erkrankung überwacht werden, was schließlich den Erfolg der postnatalen Behandlung erhöht.

Das können Sie selbst tun

Nach der Operation sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Kinderarzt angezeigt. Der Mediziner wird den Eltern die genauen Zeitabstände mitteilen und sie außerdem über Gründe für außerordentliche Untersuchungen informieren. Grundsätzlich müssen Kinder, bei denen ein Gastroschisis vorliegt, in den ersten Wochen und Monaten wöchentlich untersucht werden, um eine saubere Wundheilung zu gewährleisten und etwaige Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Im Umgang mit dem Kind sind weitere Hygienemaßnahmen erforderlich. So sollten sämtliche Utensilien (z.B. Fläschchen und Geschirr) und Kleidungsstücke nach der Benutzung ausgekocht werden. Die Operationswunde selbst muss nach Vorgaben des Kinderarztes versorgt werden. Den Eltern empfiehlt sich außerdem eine fachliche Beratung durch einen Spezialisten für frühkindliche Fehlbildungen. Durch umfassende Gespräche kann die Erkrankung besser verstanden und letztlich auch der Umgang damit erleichtert werden.

Sollte die Gastroschisis im späteren Leben Probleme verursachen und beispielsweise Funktionsstörungen des Magen-Darm-Traktes hervorrufen, muss ein Arzt konsultiert werden. Später muss das Kind über die Fehlbildung informiert werden, da es aufgrund der sichtbaren Narben ohnehin Fragen stellen wird. Unter Umständen ist eine begleitende Beratung durch den Arzt oder einen Therapeuten sinnvoll.

Bücher über Bauchschmerzen

Quellen

  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Rodeck, B., Zimmer, K.-P.: Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung. Springer, Heidelberg 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: