Gartner-Zyste

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. November 2017
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Die Gartner-Zyste ist eine Zyste in den oberen Dritteln der Vagina, die vermutlich durch zurückgebliebene Relikte des Gartner-Gangs begünstigt wird. Die Zysten sind relativ groß, aber verursachen meist keine Beschwerden. Nach einem Zufallsbefund erfolgt die Zystenauflösung durch Punktion oder Operation.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Gartner-Zyste?

Zysten sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, die abgekapselt wirken und mit Epithel ausgekleidet sind. Sie können in so gut wie allen Geweben und an verschiedensten Körperstellen vorkommen. Eine Zysten-Gruppe sind beispielsweise die Vaginalzysten, die in der Vaginalwand auftreten können. Neben den Inklusionszysten sind die Gartner-Zysten eine der wichtigsten Unterkategorien der Vaginalzyste.

Gartner-Zysten weisen eine relativ große Gestalt auf und entstehen aus embryonalen Geweberesten. Meist liegen Gartner-Zysten in den oberen zwei Dritteln der Scheide und betreffen das Gewebe des Gartner-Gangs, dessen Ursprung der embryonale Ductus mesonephricus oder Wolff-Gang ist. Die Gartner-Zyste betrifft zwischen einem und zwei Prozent aller Frauen.

Das Alter spielt bei der Entstehung keine Rolle. Vermutlich liegt die Dunkelziffer der Betroffenen weit höher. Da die Zysten nur selten Beschwerden verursachen, werden sie wahrscheinlich häufig nicht erkannt. Gartner-Zysten ohne Epithelauskleidung sind sogenannte Pseudozysten und lassen sich somit nicht als echte Gartner-Zysten bezeichnen.

Ursachen

Die Entwicklung einer Zyste kann mit verschiedenen Ursachen in Zusammenhang stehen. Wie auch solche in der Brust oder den Eierstöcken wird auch für Zysten in der Scheide der Einfluss von Hormonen als ursächlicher Faktor diskutiert. In der Diskussion stehen außerdem Ablaufstörungen und Parasiten oder Erbzusammenhänge. Erwiesen ist bislang nur, dass sich Gartner-Zysten aus Geweberelikten des Gartner-Gangs bilden.

Da dieser Gang einem Relikt aus dem Ductus mesonephricus entspricht, können auch Störungen während der embryonalen Entwicklung bei einer Disposition für Gartner-Zysten eine Rolle spielen. Bei der weiblich embryonalen Sexualdifferenzierung weicht der Urnierengang eigentlich vollständig und lässt nur geringe Überreste zurück. Gartner-Zysten betreffen offenbar Frauen, bei denen ein Bereich im unteren Abschnitt des Uriniergangs erhalten geblieben ist.

Die definitiven Ursachen der Vaginalzyste bleiben bislang dennoch unklar. Wie bei allen anderen Zysten sind unterschiedlichste Zusammenhänge und kombinierte Faktoren vorstellbar. Sowohl äußere, als auch genetische Faktoren können eine Rolle spielen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die deutliche Mehrheit aller Vaginalzysten ist vollständig asymptomatisch. Da die Gartner-Zyste einer relativ großen Zyste entspricht, lässt sie sich von Patientinnen unter Umständen ertasten. Die Betroffenen beschreiben den Tastbefund meist als pralle und elastische Wölbung ins Vaginallumen hinein. Alle weiteren Symptome hängen vor allem von der genauen Größe der Gartner-Zyste ab.

Falls überhaupt Symptome bestehen, handelt es sich bei den Beschwerden in den meisten Fällen um absolut unspezifische Symptome. Eine stark vorgewölbte Vaginalwand kann zum Beispiel das Sexualleben beeinträchtigen. Einige Patientinnen beschreiben Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Andere sind wesentlich häufiger von Entzündungen der Blase betroffen. Dieses Phänomen ist dadurch erklärbar, dass große Gartner-Zysten abhängig von ihrer genauen Lokalisation unter Umständen Bakterien anstauen.

Diese können in die Harngänge und die Blase geschoben werden können und dort Entzündungen hervorrufen. In den meisten Fällen suchen Patientinnen den Arzt aber nicht wegen Beschwerden auf, die im Rahmen der Gartner-Zyste entstanden sind. Häufig sind sie wegen der absoluten Asymptomatik des Phänomens über den Befunde sogar verstört. Nur in absoluten Einzelfällen platzen Gartner-Zysten, bevor sie überhaupt bemerkt werden. In diesem Fall können sich starke Schmerzen und Blutungen einstellen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Gartner-Zyste ist in den meisten Fällen ein gynäkologischer Zufallsbefund. Um die Verdachtsdiagnose auf eine vaginale Zyste zu sichern und die Zyste als Gartner-Zyste zu identifizieren, dient ein MRT. Gartner-Zysten haben im Rahmen von T2-gewichteten Bildsequenzen des MRTs eine signalisch hohe Intensität und weisen in T1-gewichteten Sequenzen des MRTs entweder eine niedrige oder eine mittlere Intensität des Signals auf.

Im Einzelfall hängt die Signalintensität vom Proteingehalt des Zysteninnenraums ab. Eine Zystenpunktion klärt die Frage nach der Gutartigkeit der entdeckten Anomalien. Die Flüssigkeit aus der Zyste wird dazu ins Labor gegeben und dort histologisch untersucht. Gartner-Zysten sind mit einer günstigen Prognose assoziiert und neigen nicht zur Entartung.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es durch die Gartner-Zyste nicht zu Komplikationen oder Beschwerden. Meistens wird diese auch nicht wahrgenommen, da es nicht zu Schmerzen oder anderen Beschwerden kommt. Die Patientin kann die Gartner-Zyste gegebenenfalls ertasten und aus diesem Grund eine Untersuchung durchführen lassen. Oft wird die Zyste daher schon frühzeitig diagnostiziert, sodass die Behandlung sofort erfolgen kann.

Durch die starke Wölbung kommt es in vielen Fällen zu Schmerzen beim Sexualverkehr. Diese können auch den anderen Partner negativ beeinflussen und zu psychischen Beschwerden führen. In schwerwiegenden Fällen kann es auch zu einer Entzündung der Blase kommen, die schmerzhaft verläuft und im schlimmsten Falle zu einer Insuffizienz führen kann. In der Regel wird die Gartner-Zyste behandelt, bevor sie aufplatzt.

Eine Behandlung muss nur dann stattfinden, wenn die Zyste bösartig ist und daher entfernt werden muss. Die Entfernung verläuft meistens ohne Komplikationen. Gutartige Zysten werden in den meisten Fällen nicht entfernt und verschwinden wieder von alleine. Auch bei Schmerzen werden operative Eingriffe eingesetzt. Die Lebenserwartung ist durch die Gartner-Zyste nicht verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da die Gartner-Zyste häufig vollständig symptomfrei für den Patienten ist, wird sie in den meisten Fällen erst bei einer Routineuntersuchung festgestellt. Ratsam ist es grundsätzlich, an den angebotenen Kontrolluntersuchungen teilzunehmen, um Erkrankungen frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Setzen darüber hinaus Beschwerden ein, sollte auch außerhalb der jährlichen frauenärztlichen Untersuchung ein Arzt konsultiert werden. Bei allgemeinem Unwohlsein, einem diffusen Gefühl, dass etwas nicht stimmen könnte oder sexuellen Störungen, ist ein Arztbesuch ratsam.

Kommt es zu einem ungewöhnlichen Ausfluss aus der Vagina oder ändert sich der gewohnte Körpergeruch des Intimbereichs, sind die Beobachtungen mit einem Arzt zu besprechen. Ein eitriger Ausfluss weist auf Erkrankungen hin, die behandelt werden müssen. Bei Unregelmäßigkeiten der Monatsblutung, Schmerzen während des Geschlechtsaktes oder Veränderungen der Libido wird ein Arzt benötigt.

Ein Arztbesuch ist ebenfalls vonnöten, wenn durch eigene Abtastungen im Scheidenkanal oder am Gebärmutterhals Unregelmäßigkeiten wahrgenommen werden. Kommt es zu Entzündungsbeschwerden der Blase, einer allgemeinen Reizbarkeit oder ungewöhnlichen Blutungen, ist ein Arzt aufzusuchen. Bei Schmerzen oder einem Druckgefühl im Unterleib ist ebenfalls die Rücksprache mit einem Arzt erforderlich. In seltenen Fällen setzen Juckreiz oder eine innere Unruhe ein. Mit diesen Hinweisen sollte der Betroffene bei einem Arzt vorstellig werden, wenn sie über mehrere Wochen anhalten.

Therapie & Behandlung

Bei einer gutartige und symptomlosen Gartner-Zyste muss nicht zwingend eine Behandlung stattfinden. In vielen Fällen bilden sich Zysten von selbst zurück. Aus diesem Grund kann vor einem Eingriff zum Beispiel Abwarten sinnvoll sein. Regelmäßige Kontrollen sollten in dieser Zeit zumindest stattfinden. Falls die Zyste Beschwerden hervorruft, sollte sie ohne weiteres Abwarten entfernt werden.

Die Entfernung einer Gartner-Zyste kann einem minimal-invasiven Verfahren entsprechen. Die Punktierung der Zyste kann zum Beispiel die enthaltende Flüssigkeit abfließen lassen. Die Zyste bildet sich danach idealerweise zurück. Falls ein Rezidiv auftritt und sich die Abkapselung wieder mit Flüssigkeit füllt, findet eine kleine Operation statt. Auch bei schmerzvollen Gartner-Zysten gilt die Operation als Mittel der Wahl.

Im Rahmen des operativen Eingriffs kann die Zyste vollständig entfernt werden. Damit ist ausgeschlossen, dass sie sich nach geraumer Zeit wieder mit Flüssigkeit füllt. Falls die Patientin trotz einer wieder aufgetretenen Gartner-Zyste die Operation ablehnt, sollte sie zumindest an regelmäßigen Kontrolluntersuchungen teilnehmen. Obwohl das Risiko für eine Entartung bei der Gartner-Zyste eher gering ist, kann die Entartung nicht vollständig ausgeschlossen werden.

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Vorbeugung

Gartner-Zysten entstehen vermutlich immer dann, wenn große Anteile des Garnter-Gangs zurückgeblieben sind. Unter Umständen beugt die Entfernung von Gartner-Gang-Relikten Gartner-Zysten vor.

Das können Sie selbst tun

Eine gutartige und symptomlose Gartner-Zyste muss nicht unbedingt von einem Arzt behandelt werden. Meist genügt es, wenn die betroffene Person auf eine ausreichende Intimhygiene achtet und sicherstellt, dass die Zyste sich nicht vergrößert. Sollten allerdings Beschwerden oder ernste Komplikationen auftreten, muss mit dem Gynäkologen gesprochen werden.

Begleitend zur ärztlichen Behandlung können dann, abhängig von den Beschwerden, verschiedene Maßnahmen ergriffen werden. Bei einer Blasenentzündung helfen Wärme und viel Schlaf. Schmerzen lassen sich durch Heilkräuter aus der Natur, aber auch durch warme Wickel oder ein heißes Bad mit ätherischen Zusätzen lindern. Begleitend dazu muss gemeinsam mit dem Arzt entschieden werden, ob die Zyste entfernt werden soll. Eine operative Entfernung der Zyste ist unproblematisch und bedarf keiner besonderen Vorbereitung durch den Patienten. Es empfiehlt sich jedoch, vor dem Eingriff keine Genussmittel einzunehmen und ansonsten die Anweisungen des zuständigen Arztes zu befolgen.

Nach der Operation sollte sich die betroffene Person für einige Tage krankschreiben lassen. Anschließend ist Bettruhe und Schonung angezeigt. Zudem sollte die Stelle des Eingriffs gut beobachtet und einmal wöchentlich von einem Frauenarzt untersucht werden, denn nur so lassen sich Komplikationen zweifelsfrei ausschließen.

Bücher über Zysten & Eiterblasen

Quellen

  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2013
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

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