Gardnerella vaginalis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Juni 2017
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Gardnerella vaginalis ist ein stäbchenartiges Bakterium, das zur Scheidenflora gehört. Besiedelt es in hoher Keimzahl die Vagina, kann es eine bakterielle Vaginose herbeiführen, der unter Umständen eine Entzündung der Scheide (Kolpitis) folgt. Benannt ist der Keim nach einem seiner Entdecker, dem US-amerikanischen Gynäkologen Herman L. Gardner (1912-1982). In geringem Vorkommen ist das Bakterium verhältnismäßig harmlos und tritt bei rund 40 Prozent aller Frauen auf. Entsteht aber eine Fehlbesiedlung der Scheide, werden die schützenden Elemente der vaginalen Flora geschwächt. Gardnerella vaginalis kann so mit weiteren krankheitserregenden Bakterien zum oberen Genitaltrakt gelangen und in der Gebärmutter sowie den Eierstöcken lästige Infektionen bewirken. Diese sind mit einem unangenehmen Geruch des Scheidenausflusses verbunden. Die Entzündungen können bis zur Unfruchtbarkeit führen. Besondere Gefahr geht von den Bakterien in der Schwangerschaft und während der Geburt aus.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Gardnerella vaginalis?

Die pathogenen Bakterien unter Führung des Leitkeims Gardnerella vaginalis bilden einen dichten Biofilm auf der Oberfläche der Scheidenwand. Diese Schleimschicht ist für den typischen unangenehmen Geruch verantwortlich und zerstört das Gleichgewicht der bestehenden Vaginalflora. Einer bakteriellen Vaginose liegt oft auch zu großer psychischer Stress zu Grunde. Wesentliche Ursache der Erkrankung ist ebenso Geschlechtsverkehr.

Der charakteristische gräulich-weiße Ausfluss, der sehr dünnflüssig sein kann, macht sich jedoch nur bei knapp der Hälfte der betroffenen Frauen bemerkbar. Die Bakterienanhäufung kann ein Jucken und Reizungen der umliegenden Haut hervorrufen.

Während einer Schwangerschaft vermag die bakterielle Vaginose verfrühte Wehen, einen vorzeitigen Sprung der Fruchtblase und sogar eine Frühgeburt auszulösen. Dies geschieht unter Umständen durch untypische biochemische Reaktionen zwischen dem Fötus und der Gebärmutter, die mit der bakteriellen Fehlbesiedlung zusammenhängen. Es wird vermehrt Prostaglandin produziert, das in der Geburtsmedizin als Wehenauslöser Verwendung findet.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Gardnerella vaginalis gilt als hauptsächlicher Auslöser einer bakteriellen Vaginose. Das Bakterium bewältigt seinen gesamten Stoffwechsel ohne Sauerstoff, d. h. es lebt anaerob. In der Scheidenflora ist es eines von vielen Bakterien, aber ein sehr wichtiges. Die große Vielfalt der Kleinstorganismen im vaginalen Raum setzt sich zu einem beträchtlichen Teil aus Laktobazillen zusammen. Sie bewahren dort wesentlich das biologische Gleichgewicht. Die Laktobazillen sind Produzenten der Milchsäure, womit sie den pH-Wert auf 4,4 bis 3,8 senken. Er liegt somit unter regulären Bedingungen deutlich im sauren Bereich. Bisher sind rund 200 verschiedene Stämme von Milchsäurebakterien im Bereich der Scheide festgestellt worden.

Normalerweise befinden sich krankheitsauslösenden Bakterien in der Minderheit. Mit ihrer geringen Anzahl beeinflussen sie die Scheidenflora nur wenig. Zu ihnen gehören neben den anaeroben auch die aeroben Bakterien, für die Sauerstoff die Lebensgrundlage ist. Manche Keime besiedeln die Vagina nur zeitweise, andere leben dort dauerhaft, ohne schädliche Wirkungen auszulösen.

Die Gesamtheit der Mikroorganismen sorgt dafür, dass die Vagina vor Krankheiten geschützt ist. Mit der dichten Besiedlung des Geländes ist für Krankheitserreger praktisch kein Platz. Darüber hinaus bietet der niedrige pH-Wert schlechte Wachstumsbedingungen für schädliche Keime. Ändern sich diese Bedingungen, nimmt die Aktivität der Krankheitserreger aber unter Umständen plötzlich sehr stark zu. Die Scheidenflora verliert dann ihren natürlichen Schutz. Schädliche Bakterien können sich ausbreiten und entzündliche Erkrankungen herbeiführen.

Das Bakterium Gardnerella vaginalis vermehrt sich unter diesem veränderten Klima besonders stark. Die Vervielfältigung kann bei einem Faktor von 100 liegen, bei manchen anaeroben Erregern sogar bei 1000. Die Zahl der Laktobazillen nimmt dagegen deutlich ab. Dieses plötzliche gravierende Missverhältnis bringt die verschiedenen Infektionskrankheiten im weiblichen Genitalbereich hervor.

Kommt es zu einer bakteriellen Vaginose, müssen nicht zwangsläufig die charakteristischen Beschwerden auftauchen. Krankheitsanzeichen können wirksam mit Antibiotika unterdrückt werden. Zunehmend beliebt sind auch natürliche Mittel, um das Ungleichgewicht der Scheidenflora zu beseitigen. Zum Beispiel können Milch, Oregano-Öl, Schwarztee, Teebaumöl oder Zitronenwasser mit Hilfe eines Tampons in die Vagina gebracht werden, um dort ausgleichend zu wirken. Gute Erfahrungen sollen Patientinnen ebenso mit Ascorbinsäure (Vitamin C) und probiotischen Joghurts gemacht haben. Über spezielle Vaginalzäpfchen können zudem Laktobazillusstämme oder geeignete Säuresubstanzen eingeführt werden, mit deren Hilfe der pH-Wert im Scheidenbereich gesenkt wird.

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Krankheiten & Beschwerden

Um schädlichen Auswirkungen von Gardnerella vaginalis zu begegnen, können Scheidenspülungen durchgeführt oder spezielle desinfizierende Zäpfchen angewendet werden. Jedoch sollte die Vaginalhygiene nicht übertrieben werden, da auch damit das natürliche Gleichgewicht der Flora gestört werden kann. Gut geeignet ist eine Seife auf natürlicher Basis ohne Duftstoffe.

Vorsicht beim Sex kann ebenfalls vor unliebsamen Infektionen schützen, besonders in Fällen häufig wechselnder Geschlechtspartner, denn die bakterielle Vaginose kann mittels Schmier- und Kontaktinfektion weitergegeben werden. Die entsprechenden Erreger befallen auch männliche Intimbereiche wie etwa die Harnröhre.

Frauen sind zudem bei größerem psychischem Stress in der Gefahr, sich über die Vagina bakteriell zu infizieren. Auch wenn das Immunsystem geschwächt oder nicht in Balance ist, kann es zu entsprechenden Beeinträchtigungen kommen. Nach Schätzungen ist jede fünfte Frau mindestens einmal im Leben von einer bakteriellen Vaginose betroffen. Dies geschieht vor allen in Zeiten hormoneller Schwankungen beziehungsweise Umbrüche. Frauen in der Menstruation und den Wechseljahren sowie Schwangere diesbezüglich besonders anfällig.

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