Ganser-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. November 2017
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Patienten mit Ganser-Syndrom beantworten einfache Fragen und Handlungsaufforderungen mit Fehlverhalten. Lange galt das Syndrom als simulierte Erkrankung im Strafvollzug, ist heute aber als dissoziative Konversionsstörung anerkannt. Die Behandlung stellt sich als schwierig heraus und erfolgt mittels Verhaltenstherapie sowie Medikamentengabe.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Ganser-Syndrom?

Dissoziative Konversionsstörungen sind transient psychosomatische Störungen. Die Betroffenen leiden an Störungen der Körperfunktionen, die in zeitlichem Zusammenhang mit einem psychisch belastenden Ereignis stehen. Das Ganser-Syndrom wird den dissoziativen Konversionsstörungen zugeordnet. Es handelt sich dabei um ein seltenes Störungsbild der Psychiatrie.

Die Betroffenen beantworten einfache Fragen unstimmig oder gar falsch und erregen so den Eindruck einer Demenz. Auch falsche Handlungsabläufe prägen das Krankheitsbild. Die Erstbeschreibung der Störung erfolgte im Jahr 1897. Als Erstbeschreiber gilt der deutsche Psychiater S. J. M. Ganser, der der Erkrankung ihren Namen gegeben hat.

Die ersten Fälle des Ganser-Syndroms wurden innerhalb des Strafvollzugs beobachtet und standen mit dem Wunsch nach einer Unzurechnungsfähigkeitserklärung in Zusammenhang. In diesem Kontext wurde das Syndrom anfangs für eine artifizielle Störung gehalten, die lediglich der Simulation einer Geisteskrankheit dient. Mittlerweile wird das Ganser-Syndrom allerdings als echte, psychiatrische Störung anerkannt und findet sich als solche im ICD-10.

Ursachen

Die Ursachen für das Ganser-Syndrom sind bislang nicht näher geklärt. Da das Syndrom erstmals im Strafvollzug beobachtet wurde, wurde die Erkrankung lange für einen bewussten Täuschungsversuch mit dem Ziel der Unzurechnungsfähigkeitserklärung gehalten. Trotz der Anerkennung des Syndroms als tatsächliche Erkrankung bedenken Psychiater und Psychologen bei der Diagnosestellung auch heute noch den möglichen Simulationscharakter.

Die Abgrenzung einer echten Erkrankung von einer bewusst simulierten Krankheit fällt speziell beim Krankheitsbild des Ganser-Syndroms außerordentlich schwer. Zuweilen können außerdem hirnorganische Schädigungen zu einem ähnlichen Krankheitsbild führen. Einem rein psychisch bedingten Ganser-Syndrom geht im Regelfall ein signifikant belastendes Ereignis voraus, das das Seelenleben des Betroffenen außerordentlich stark erschüttert hat. Dieser ursächliche Zusammenhang begründet die Einordnung des Syndroms als dissoziative Konversionsstörung.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit Ganser-Syndrom geben falsche Antworten auf einfache Fragen. Auf die Frage nach der Farbe der Sonne antworten sie zum Beispiel mit „grün“. Die Frage nach dem gegenwärtigen Tag beantworten sie mit einer Jahreszeit und Handlungsaufforderungen werden falsch ausgeführt. Anderweitig kognitive Einschränkungen und Verhaltensauffälligkeiten liegen nicht vor.

Neben dem typischen Vorbeiantworten will Erstbeschreiber Ganser eine fluktuierende Bewusstseinstrübung, Gefühlsstörungen wie Analgesien, Kribbelgefühl oder sogar Lähmungen und akustische sowie visuelle Pseudohalluzinationen an den Patienten bemerkt haben.

Kindisch-läppische Affekte, Depressionen, Unruhezustände, Gedächtnislücken und Sehfeldeinschränkungen können vorliegen. Darüber hinaus gelten Echopraxien sowie pseudoepileptische Anfälle als typische Symptome. Die akute Symptomatik hält in der Regel nur kurz an und wird später vom Patienten nicht erinnert.

Häufig werden die Betroffenen von ihrem Umfeld für „dumm“ gehalten. Aus diesem Grund ist schulisches, berufliches und soziales Versagen eine häufige Folge. Soziale Isolation kann als Komplikation auftreten. Mittlerweile leiden Fallberichten zufolge immer häufiger Kinder an Symptomen des Syndroms.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Das Ganser-Syndrom erfordert eine umfangreiche Diagnostik. Eine psychiatrische oder psychologische Einschätzung reicht für eine sichere Diagnose in der Regel nicht aus. Neurologische Untersuchungen und Bildgebungen des Gehirns sind erforderlich, um hirnorganische Schädigungen als Ursache der kognitiven Störungen auszuschließen.

Sind körperliche Ursachen ausgeschlossen, muss ein Psychiater oder Psychologe die Abgrenzung zu einer simulierten Erkrankung treffen. Auch die differentialdiagnostische Abgrenzung zu Krankheitsbildern wie der Schizophrenie ist im Rahmen der Diagnostik erforderlich. Diese Aufgabe stellt sich als Gratwanderung heraus. Die Prognose für Patienten mit Ganser-Syndrom ist relativ ungünstig, da das Phänomen nur schwer behandelbar ist.

Durch das Ganser-Syndrom kommt es zu schwerwiegenden psychischen Beschwerden und Komplikationen. Diese treten vor allem im sozialen Umfeld aus, da der Patient oft aus dem sozialen Leben ausgeschlossen wird und an diesem auch nicht mehr aktiv teilnehmen kann. Dadurch kommt es zu Depressionen und zu einer aggressiven Grundstimmung des Patienten. Ebenso treten Störungen des Bewusstseins und der Konzentration auf. Vor allem bei Kindern kann das Ganser-Syndrom zu Hänseleien und zu Mobbing führen und damit die Lebensqualität extrem verringern. Nicht selten erscheinen die Betroffenen für Außenstehende als nicht intelligent, weswegen es verstärkt zu psychischen Beschwerden kommt. Es treten auch weitere Verhaltensauffälligkeiten auf, nicht selten kommt es auch zu Lähmungen bestimmter Regionen am Körper. Die Behandlung des Ganser-Syndroms erweist als sehr kompliziert und langfristig. Sie führt auch nicht in jedem Fall zum Erfolg, sodass der Patient gegebenenfalls mit den Symptomen sein gesamtes Leben verbringen muss. Bestimmte falsche Verhaltensweisen werden in Therapien behandelt. Allerdings ist auch die Entwicklung des Kindes eingeschränkt, sodass es zu Beschwerden im Erwachsenenalter kommen kann. Die Lebenserwartung selbst wird durch das Ganser-Syndrom nicht beeinflusst.

Komplikationen

Durch das Ganser-Syndrom kommt es zu schwerwiegenden psychischen Beschwerden und Komplikationen. Diese treten vor allem im sozialen Umfeld aus, da der Patient oft aus dem sozialen Leben ausgeschlossen wird und an diesem auch nicht mehr aktiv teilnehmen kann. Dadurch kommt es zu Depressionen und zu einer aggressiven Grundstimmung des Patienten.

Ebenso treten Störungen des Bewusstseins und der Konzentration auf. Vor allem bei Kindern kann das Ganser-Syndrom zu Hänseleien und zu Mobbing führen und damit die Lebensqualität extrem verringern. Nicht selten erscheinen die Betroffenen für Außenstehende als nicht intelligent, weswegen es verstärkt zu psychischen Beschwerden kommt. Es treten auch weitere Verhaltensauffälligkeiten auf, nicht selten kommt es auch zu Lähmungen bestimmter Regionen am Körper.

Die Behandlung des Ganser-Syndroms erweist als sehr kompliziert und langfristig. Sie führt auch nicht in jedem Fall zum Erfolg, sodass der Patient gegebenenfalls mit den Symptomen sein gesamtes Leben verbringen muss. Bestimmte falsche Verhaltensweisen werden in Therapien behandelt. Allerdings ist auch die Entwicklung des Kindes eingeschränkt, sodass es zu Beschwerden im Erwachsenenalter kommen kann. Die Lebenserwartung selbst wird durch das Ganser-Syndrom nicht beeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Menschen, die auf Anweisungen und Handlungsaufforderungen der Mitmenschen oder nahen Angehörigen mit einer unpassenden Reaktion auffallen, benötigen ärztliche Hilfe. Können einfache Fragen trotz des vorhandenen Wissens nicht korrekt beantwortet werden, gilt dies als ungewöhnlich und ist von einem Mediziner begutachten zu lassen. Fällt der Betroffene aufgrund seines Verhaltens auf, da es ab seiner Norm ist, empfiehlt es sich, einen Kontrollbesuch bei einem Arzt einzuleiten.

Wirkt der Betroffene so, als sei er unzurechnungsfähig und geistig minderbemittelt, sollte ein Therapeut zur Abklärung der Auffälligkeiten aufgesucht werden. Zeigen Erkrankte mehrfach Verhaltensweisen, die denen von Demenzerkrankten ähneln, besteht Grund zu Besorgnis. Vergesslichkeit, Orientierungslosigkeit und eine nicht glaubwürdige Inkompetenz in Alltagssituationen sollte untersucht und medizinisch behandelt werden. Anhaltende oder wiederholte kognitive Einschränkungen, Gedächtnisstörungen und Stimmungsschwankungen sind Hinweise, die mit einem Arzt besprochen werden sollten.

Kommt es zu Veränderungen des Bewusstseins, Gefühlsstörungen oder einer inneren Unruhe wird ein Arzt benötigt. Bei Halluzinationen, Lähmungserscheinungen und Gefühlsstörungen am Körper ist ein Arzt aufzusuchen. Klagt der Betroffene über Einschränkungen des Sehfeldes oder werden diese von Angehörigen wahrgenommen, sollte ein Arztbesuch erfolgen. Treten wiederholt pseudoepileptische Anfälle auf, an die der Betroffene keine Erinnerungen hat, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Behandlung & Therapie

Das Ganser-Syndrom wird in psychologischer Betreuung behandelt. Eine ursächliche Behandlung wird angestrebt, allerdings stellt sich die kausale Therapie als schwierig heraus. Eine viel genutzte Möglichkeit bietet sich mit der kognitiven Verhaltenstherapie. Verhaltenstherapeutische Behandlungsschritte basieren auf der Lerntheorie. Störungsbedingtes Verhalten wird von der Verhaltenstherapie als erlernt aufgefasst und soll in der Therapie wieder verlernt werden.

Der Verhaltenstherapeut will die auffälligen Denk- und Verhaltensweisen des Patienten mit angemessenen Denk- und Verhaltensweisen ersetzen und dem Betroffenen eine neue Sichtweise auf das eigene Verhalten eröffnen. Die Verstärkung von erwünschtem und die Eliminierung von unerwünschtem oder unangemessenem Verhalten sind zentrale Ziele jeder Verhaltenstherapie.

Patienten mit Ganser-Syndrom verstehen Fragen und Handlungsaufforderungen sehr wohl, aber verhalten sich trotz des grundlegenden Verständnisses für das von ihnen geforderte der Forderung unangemessen. Dieser Zusammenhang macht die Verhaltenstherapie erst möglich. Würden sie Fragen und Aufforderungen grundsätzlich nicht verstehen, könnte ihr Verhalten in der Situation auch nicht korrigiert werden.

In den meisten Fällen wird der ursächliche Behandlungsansatz mit einem symptomatischen Therapieansatz kombiniert. Die Betroffenen zeigen häufig starke Unruhe, die der Verhaltenstherapie im Weg steht. Um die Unruhezustände der Patienten abzuschwächen, werden in der Regel konservativ medikamentöse Behandlungsschritte verfolgt.

Die kurzfristige Gabe von Lorazepam hat sich in diesem Zusammenhang eingebürgert. Um die Störung auf lange Sicht aufzulösen, muss der Therapeut die ursächlichen Situationen und Reize für das Fehlverhalten erkennen. Der Patient wird mit diesen Reizen konfrontiert, bis eine Desensibilisierung erreicht ist.

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Vorbeugung

Da die genauen Ursachen des Ganser-Syndroms vermutlich breitgefächert sind, lässt sich dem Syndrom kaum in vollem Maße vorbeugen. Eine stabile Psyche kann eine Prophylaxe sein. Prophylaktische Psychotherapie lässt sich in gewissem Umfang als Vorbeugungsmaßnahme bezeichnen.

Das können Sie selbst tun

Die Behandlung des Ganser-Syndroms erweist sich in der Regel als schwierig, sodass auch die Mittel der Selbsthilfe hierbei sehr stark eingeschränkt sind. Auf regelmäßige und sorgfältige Einnahme von vom Arzt verordnete Medikamente ist zu achten. Ebenso sollten immer Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln beachtet werden, falls noch weitere Medikamente eingenommen werden.

Beim Ganser-Syndrom ist es äußerst wichtig, den Patienten für sein Fehlverhalten nicht zu bestrafen. Hierbei müssen vor allem Freunde und Angehörige auf die Symptome des Syndroms Rücksicht nehmen und dem Patienten erklären, wieso sein Verhalten ein Fehlverhalten darstellt. Auch müssen verschiedene Denkweisen, die falsch sein könnten, von Außenstehenden richtig gestellt werden.

In der Regel erfolgt die Behandlung dabei durch die Konfrontation mit unangenehmen Reizen und Situationen. Diese Konfrontation kann dabei auch im eigenen Zuhause mit vertrauten Personen stattfinden, wodurch die Heilung eventuell beschleunigt wird. Allerdings sollten diese Verhaltensübungen immer mit dem behandelnden Arzt oder Therapeuten abgesprochen werden, um ein Fehlverhalten zu vermeiden. Sollte der Betroffene unruhig wirken, so sind dabei einfühlsame Gespräche mit den engsten und vertrauten Personen sehr hilfreich.

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Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

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