Gallenwegsdyskinesie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Dezember 2017
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Manchmal macht die Galle Beschwerden, ohne dass Gallensteine gefunden werden oder eine Entzündung der Gallenblase vorliegt. Mediziner sprechen dann von einer Gallenwegsdyskinesie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Gallenwegsdyskinesie?

Der Begriff Gallenwegsdyskinesie steht für Beschwerden, die nicht von Gallensteinen oder einer Gallenblasenentzündung hervorgerufen werden, sondern auf einer Reizung der Gallenblase beruhen. Die Sprichwörter „Mir kommt die Galle hoch“ oder „Gift und Galle spucken“ beschreiben eine Reizgallenblase treffend. Vielfach hängen die Beschwerden mit einem verminderten Gallenfluss zusammen, ohne dass eine organische Erkrankung gefunden werden kann.

Die Medizin spricht deshalb von funktionellen Beschwerden wie beim Reizmagen oder Reizdarm. Der Fachterminus „Dyskinesie“ kommt aus dem Griechischen und steht für Fehlbewegungen, die das Hauptproblem dieser Beschwerden zeigen. Gallenwege und Gallenblase sind von Muskeln umgeben, die sich normalerweise zusammenziehen und wieder entspannen. Bei einer Gallenwegsdyskinesie können diese Muskeln verkrampft sein und die Funktion der Gallenblase und Gallenwege beeinträchtigen.

Ursachen

Eine Gallenwegsdyskinesie wird in den meisten Fällen durch psychosomatische Beschwerden wie Ärger und Stress verursacht. Dadurch kommt es zu einer Verkrampfung der Gallenblase und der Gallenwege und zu einer Funktionsbeeinträchtigung, die die Reizgallenblase verursacht. Normalerweise zieht sich die Muskulatur der Gallenwege rhythmisch zusammen und entspannt sich danach. Auf diese Weise wird die Weiterleitung der Gallenflüssigkeit in den Darm gewährleistet. Neben psychischen Belastungen können auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten diesen Mechanismus stören.

Hinter einer Gallenwegsdyskinesie können sich aber durchaus auch organische Gallenprobleme verbergen, die schwer zu diagnostizieren sind. Sehr kleiner Gallengrieß oder kaum nachweisbare Gallensteine können bei empfindlichen Menschen schon Beschwerden verursachen, aber schwer zu diagnostizieren sein. Auch eine Gallenblasenentzündung, die schwer zu erkennen ist, kann eine Ursache sein. Daneben können auch andere Erkrankungen wie Reizmagen, Reizdarm, Magengeschwüre, Reflux oder ähnliche Beschwerden verursachen wie eine Reizgallenblase.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Reizgallenblase verursacht ähnliche Symptome wie organische Gallenbeschwerden. Meistens kommt es durch den Gallenstau zu Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen, die permanent oder zeitweise auftreten und in die Schulter ausstrahlen können. Auch schmerzhafte Koliken können bei einer Reizgallenblase auftreten. Häufig treten die Beschwerden nach üppigen und fettreichen Mahlzeiten, Kaffee- oder Alkoholgenuss auf.

Die Unverträglichkeiten äußern sich in Völlegefühl, Blähungen und Durchfall. Wegen der fehlenden Gallenflüssigkeit kann es zu fettigem Stuhlgang kommen. Die Symptome sind denen bei Gallensteinen sehr ähnlich. Die Beschwerden können schwach ausgeprägt, aber auch heftig und krampfartig sein und von wenigen Minuten bis hin zu mehreren Stunden andauern. Anders als bei einer Gallenblasenentzündung färbt sich aber die Haut nicht gelb und der Stuhl ist auch nicht entfärbt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei unklaren Gallenbeschwerden sollte immer ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache der Symptome abzuklären. Für die Diagnose ist es zunächst wichtig, andere Erkrankungen auszuschließen. In einer ausführlichen Anamnese kann der Arzt erkennen, ob es in der Vorgeschichte des Patienten Gallenwegserkrankungen gegeben hat.

Er kann sich ein Bild über Ernährungsgewohnheiten machen und Risikofaktoren wie Tabak-, Alkoholgenuss, eventuelle Nebenwirkungen von Medikamenten, Allergien und Belastungen durch Stress und Ärger einschätzen. Anschließend findet eine körperliche Untersuchung statt, bei der der Bauchraum abgetastet wird, um mögliche Verhärtungen zu erkennen, die einen Hinweis auf Erkrankungen liefern können. Eine Blutuntersuchung im Labor kann Aufschluss über eine mögliche Gallenblasenentzündung oder andere Erkrankungen geben.

Am besten können Gallensteine oder eine Gallenblasenentzündung durch eine Ultraschalluntersuchung festgestellt werden. Wenn diese Untersuchungen keine klare Diagnose ermöglichen, kann eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel oder eine Computertomographie durchgeführt werden.

Komplikationen

Durch die Gallenwegsdyskinesie kommt es zu relativ starken Beschwerden im Bereich der Leber. Die Schmerzen treten dabei als Folge des sogenannten Gallenstaus auf und können auch zu Erbrechen und zu einer Appetitlosigkeit führen. Ebenso leiden die Patienten an den Schmerzen nach dem Verzehr von fettigen oder sehr süßen Mahlzeiten, wobei allerdings auch Alkohol und Kaffee sich negativ auf die Gallenwegsdyskinesie auswirken.

Nicht selten treten auch Blähungen und ein Völlegefühl auf, sodass die Lebensqualität des Patienten stark verringert wird. Die Schmerzen können dabei relativ schnell wieder verschwinden oder für einen längeren Zeitraum anhalten. In der Regel kann die Gallenwegsdyskinesie gut diagnostiziert werden, sodass eine frühzeitige Behandlung möglich ist. Die erfolgt oft durch eine Umstellung der Ernährung auf gesunde Lebensmittel und durch den Verzicht auf Alkohol, Zigaretten und Kaffee.

Mittels einer gesunden Lebensweise kann die Gallenwegsdyskinesie stark eingeschränkt werden, sodass es zu keinen weiteren Komplikationen und Beschwerden kommt. In der Regel muss auch Übergewicht immer reduziert werden. Die Lebenserwartung wird nicht beeinflusst, wenn sich die Lebensweise des Patienten verändert. Bei einer unveränderten Lebensweise kann es allerdings zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse kommen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Arzt sollte aufgesucht werden, sobald sich aufgrund einer stressigen Lebenssituation körperliche Beeinträchtigungen und Belastungen einstellen. Kann der Stress im Alltag nicht eigenständig reduziert oder abgewendet werden, besteht die Möglichkeit, dass ein Arzt die notwendige Hilfestellung gibt. Sinkt die allgemeine Leistungsfähigkeit, kommt es zu Schlafstörungen oder stellt sich Abgeschlagenheit ein, ist ein Arztbesuch anzuraten. Klagt der Betroffene über Schmerzen im Brustkorb, einer anhaltenden inneren Unruhe oder ist er stark reizbar, sind die Hinweise mit einem Arzt zu besprechen.

Bei Beschwerden wie Durchfall, Verstopfungen, Blähungen oder einem Völlegefühl, ist ein Arztbesuch notwendig. Halten die Beschwerden über eine längere Zeit an oder nehmen sie an Intensität zu, sollte ein Arzt zur Abklärung der Symptome aufgesucht werden. Bei Fettstuhl oder wiederkehrenden Bauchschmerzen ist es empfehlenswert, wenn ein Kontrollbesuch bei einem Arzt stattfindet. Leidet der Betroffene unter einer Herabsetzung seiner üblichen Lebensqualität, einem allgemeinen Krankheitsgefühl oder starken Veränderungen des Eigengewichts, sollte er einen Arzt aufsuchen. Appetitlosigkeit gilt als ungewöhnlich, sobald sie über mehrere Tage oder Wochen anhält. Daher ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren, wenn der Betroffene wahrnimmt, dass er aufgrund einer veränderten Lebensmittelzufuhr unter Schwäche, einer Energie- oder Teilnahmslosigkeit leidet.

Behandlung & Therapie

Die Therapie richtet sich nach den diagnostischen Befunden. Da es sich in den meisten Fällen um funktionelle Beschwerden handelt, besteht die Therapie hauptsächlich aus der Linderung der Symptome. Wenn keine organischen Ursachen gefunden werden, kann der Arzt den Patienten vorsichtig motivieren, sich psychotherapeutische Hilfe zu suchen. Oft hilft es bereits, den Lebensstil so zu verändern, dass eventueller Stress besser bewältigt werden kann.

Entspannungsverfahren und Wellnessbehandlungen helfen, das vegetative Nervensystem zu entspannen. Bei Bauchkrämpfen hat sich schon immer die gute, alte Wärmflasche bewährt. Wenn üppige und fettreichen Mahlzeiten nicht vertragen werden, sollte die Essensmenge eingeschränkt und der Fettgehalt reduziert werden, um die Galle zu entlasten. Übergewicht kann Druck auf den Bauchraum ausüben, daher können sich Beschwerden auch bessern, wenn das Übergewicht reduziert wird. Gewürze wie Curcuma, Ingwer und Curry wirken anregend auf den Gallenfluss und können eine wertvolle Maßnahme bei der Nahrungszubereitung sein. Auch frische Kräuter wie Löwenzahn, Brennnessel, Sauerampfer und Schafgarbe unterstützen den Gallenfluss.

Auf Alkohol sollte bei Gallenbeschwerden lieber verzichtet werden. Gegen starke Beschwerden bei einer Gallenwegsdyskinesie helfen krampflösende Medikamente wie Buscopan, bei stärkeren Schmerzen Metamizol. Nur selten wird eine operative Durchtrennung des Spinkter-Oddi-Muskels im Rahmen einer ERCP durchgeführt, weil sie das Risiko für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung erhöht.

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Vorbeugung

Da die Ursachen von funktionellen Beschwerden vorwiegend im seelischen Bereich liegen, sind ausreichend Zeiten für Entspannung, eine gute Stressbewältigung und eine ausgewogene Lebensweise mit gesunder Ernährung eine gute Vorbeugung. Die Ernährung bei Gallenbeschwerden sollte nicht zu fetthaltig sein. Alkohol und Kaffee sollte von empfindlichen Menschen nur in Maßen genossen werden, um die Galle nicht unnötig zu reizen.

Das können Sie selbst tun

Ist die Gallenwegsdyskinesie von einem Facharzt zweifelsfrei diagnostiziert, so bieten sich verschiedene Möglichkeiten der Therapie an. Diese sind abhängig von der Schwere der Erkrankung. Egal für welche Möglichkeit der Patient sich entscheidet, eine Therapie sollte immer mit dem behandelnden Arzt diskutiert werden.

In schweren Fällen ist eine Operation notwendig. Bis zur Operation kann der Patient sich seinen Alltag erleichtern, indem er sich an die diätetischen Empfehlungen des Arztes hält. Das Vermeiden fetter Speisen beugt einer weiteren Verschlechterung des Gesundheitszustands vor. Regelmäßige leichte Bewegung und die Vermeidung von Stress können dazu beitragen, dass der körperliche Gesamtzustand sich verbessert. So kann der Patient in einem guten Allgemeinzustand in die Operation gehen und wird sich im Idelfall schneller wieder von ihr erholen.

In leichteren Fällen ist eine Operation nicht notwendig. Dies sollte der Patient aber nicht selbst entscheiden, sondern dem Rat seines Arztes folgen. Treten die typischen Beschwerden nur von Zeit zu Zeit auf, so kann der Patient sein Essverhalten genauer analysieren. Ein Ernährungstagebuch bietet eine sehr gute Grundlage für die eigenen Beobachtungen und die späteren Gespräche mit dem Arzt. Fette Speisen sollten komplett gemieden werden. Auch eine Ernährungsberatung kann dem Patienten helfen, die richtigen Lebensmittel herauszufinden. Auf Alkohol und Nikotin sowie andere Substanzen, die den Körper belasten, sollte verzichtet werden.

Bücher über Ernährung bei Gallenerkrankungen

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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