Gallenblasenkrebs und Gallengangskrebs

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. November 2017
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Gallenblasenkrebs und Gallengangskrebs (medizinisch auch: Gallenblasenkarzinom, Gallengangskarzinom, Cholangiokarzinom) gehören mit einer Häufigkeit von einem Prozent der malignen Tumoren zu den selteneren Krebserkrankungen. Betroffen sind überwiegend Patienten über 60 Jahre, davon mehr Frauen als Männer.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Gallenblasenkrebs?

Der Gallenblasenkrebs entwickelt sich aus der Schleimhaut der Gallenblase heraus, während der Gallengangskrebs innerhalb der Gallengänge in der Leber durch Zellveränderungen entsteht. Eine Sonderform des Gallengangskarzinoms ist der Klatskin-Tumor, der sich an der Austrittsstelle der intrahepatischen Gallengänge ausbreitet.

Ursachen

Die Ursachen für Gallenblasenkrebs und Gallengangskrebs sind weitgehend unbekannt. Es wird jedoch ein Zusammenhang mit verschiedenen Vorerkrankungen der Leber und des Darmes beobachtet.

Zu den Risikogruppen zählen u.a. Patienten, die an Gallensteinen, größeren Gallenblasenpolypen oder an einer chronischen Entzündung der Gallenblase, die zu Verkalkungen innerhalb der Gallenblase führt (Porzellangallenblase), leiden.

Leberparasiten, Salmonellenerkrankungen, bei denen es zu Dauerausscheidungen kommt, sowie die chronische Darmentzündung Colitis ulcerosa können das Risiko von Gallenblasenkrebs oder Gallengangskrebs begünstigen.

Typische Symptome & Anzeichen

Die Symptome von Gallenblasenkrebs und Gallengangskrebs sind häufig unklar und treten selten im Frühstadium auf. Erst wenn es zu einer durch den Tumor bedingten Rückstauung der Gallensäfte in die Leber kommt, klagt der Patient über mögliche Anzeichen für ein Gallenblasen- bzw. Gallengangs-Karzinom.

Dazu gehören die Gelbfärbung der Skleren und der Haut (Ikterus), ständiger Juckreiz, sehr heller Stuhlgang und ein dunkel gefärbter Urin. Weitere Begleiterscheinungen können rapider Gewichtsverlust, ein aufgetriebener Oberbauch, ständiges Völlegefühl, Übelkeit und Erbrechen sein. Charakteristisch ist eine ausgeprägte Abneigung gegen Fleisch. Schmerzen treten in der Regel beim Gallenblasenkrebs und Gallengangskrebs kaum auf.

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose von Gallengangskrebs und Gallenblasenkrebs erfolgt über eine körperliche Untersuchung und eine ausführliche Anamnese. Ist der Tumor bereits sehr fortgeschritten, lässt sich im Oberbauch auch eine druckunempfindliche Resistenz ertasten, die medizinisch als „Courvoisier-Zeichen“ bezeichnet wird.

Im Blut sind erhöhte Bilirubinwerte sowie andere angestiegene Leberwerte nachweisbar. Zur abschließenden Diagnostik dienen bildgebende Verfahren wie Sonografie, CT, MRT oder endoskopische Untersuchungen. Häufig ergibt sich die Diagnose als Zufallsbefund im Rahmen einer Operation im Oberbauch oder einer Gallenblasenresektion.

Die 5-Jahresüberlebensquote liegt aufgrund der vermehrten Späterkennung bei unter 20 Prozent. Lediglich bei sehr kleinen Karzinomen und dem langsam wachsenden Klatskin-Tumor werden die Heilungschancen als günstiger angesehen.

Komplikationen

Durch Gallenblasenkrebs und Gallengangskrebs kommt es zu den gewöhnlichen Beschwerden und Komplikationen bei einer Krebserkrankung. Nicht in jedem Fall kann ein Tumor vollständig entfernt werden. Je später die Diagnose und die Behandlung erfolgt, desto höher ist das Risiko für die Ausbreitung des Tumors in weitere Regionen. Dabei kann ein positiver Krankheitsverlauf nicht garantiert werden und es kann gegebenenfalls zu einer Verringerung der Lebenserwartung kommen.

Durch den Gallenblasenkrebs und Gallengangskrebs kommt es zu einer allgemeinen Müdigkeit und Abgeschlagenheit des Patienten. Die Betroffenen nehmen in der Regel nicht mehr aktiv am Leben teil und leiden auch an einem starken Gewichtsverlust. Weiterhin kommt es zu einer Gelbsucht und zu Juckreizen, die sich in allen Regionen der Haut ausbilden können. Nicht selten leiden die Patienten auch an Bauchschmerzen, Erbrechen und Übelkeit. Die Lebensqualität des Patienten wird durch diese Tumore erheblich verringert und eingeschränkt.

Bei der Behandlung selbst kommt es in der Regel nicht zu Komplikationen. Der Gallenblasenkrebs und Gallengangskrebs kann mit Hilfe von operativen Eingriffen oder durch eine Strahlentherapie entfernt werden. Allerdings ist nicht in jedem Fall eine vollständige Entfernung möglich. Hat sich der Tumor schon in andere Bereiche des Körpers ausgebreitet, so ist meistens keine vollständige Heilung möglich.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Arzt ist aufzusuchen, sobald sich ein Druckgefühl im rechten Bereich des Oberkörpers einstellt. Kommt es zu Schmerzen oder Koliken, sollte ein Arztbesuch schnellstmöglich erfolgen. Bei Übelkeit, Erbrechen, einer allgemeinen Schwäche oder Fieber, wird ein Arzt benötigt. Abzuklären sind auch Symptome wie Durchfall, Verstopfung oder einer Abnahme der allgemeinen Leistungsfähigkeit. Leidet der Betroffene unter einem diffusen Krankheitsgefühl, einer inneren Unruhe, Schlaflosigkeit oder Reizbarkeit, sind die Anzeichen mit einem Arzt zu besprechen.

Vor der Einnahme eines schmerzstillenden Medikamentes empfiehlt sich die Rücksprache mit einem Mediziner. Treten plötzliche Schmerzattacken auf, besteht Anlass zur Besorgnis. Sind diese besonders stark, sollte ein Rettungsdienst informiert werden. Kommt es zu Beeinträchtigungen bei der Bewältigung der alltäglichen Aufgaben oder gewohnten Freizeitaktivitäten, ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren. Ein sozialer Rückzug, erhöhter Schlafbedarf, Abgeschlagenheit oder Teilnahmslosigkeit gelten ebenfalls als ungewöhnlich.

Verschlechtert sich der gesundheitliche Zustand, weil die Beschwerden an Intensität zunehmen oder weitere Symptome auftreten, ist eine Kontrolluntersuchung bei einem Arzt notwendig. Bei Appetitlosigkeit, auffallenden Gewichtsveränderungen oder Schwankungen der Stimmung, sollten die Hinweise von einem Mediziner näher untersucht werden. Zusätzlich weisen Verfärbungen der Haut oder Veränderungen des Hautbildes auf Erkrankungen hin, die behandelt werden müssen.

Behandlung & Therapie

Gallenblasenkrebs und Gallengangkrebs lassen sich aufgrund der fortgeschrittenen Entwicklung nur relativ schwierig therapieren.

Eine operative Entfernung der Gallenblase, des extrahepatischen Gallenganges und ggf. einem Teil der Leber ist daher die gängigste Methode. Bei der Operation kann auch eine eventuelle Metastasierung in Leber, Zwölffingerdarm und andere Organe erkannt werden. Eine anschließende Strahlentherapie wird wegen des Risikos, gesunde Nachbarorgane zu schädigen, nur sehr selten durchgeführt. Bei der Chemotherapie lassen sich bisher wenige Erfolge verzeichnen. Sie wird daher meistens nur zur Schmerzlinderung herangezogen.

Die Behandlung konzentriert sich daher auf palliative Therapien, die es dem Patienten ermöglichen sollen, möglichst beschwerdefrei weiterzuleben. Mit Stents werden die Gallengänge erweitert, um den Gallenfluss nicht zu behindern und Rückstauungen in die Leber zu vermeiden. Die medizinische Forschung beschäftigt sich weiterhin noch mit der Therapie des sogenannten „Afterloadings“. Hierbei handelt es sich um eine spezielle Form der radioaktiven Bestrahlung, die innerhalb des Körpers direkt in den Gallengängen durchgeführt wird.

Dabei wird radioaktives Iridium mit einer Sonde an den Tumor herangeführt, um das primäre Tumorwachstum bei Gallenblasenkrebs und Gallengangskrebs aufzuhalten. Können beide Therapien aufgrund anatomischer Gegebenheiten nicht durchgeführt werden, besteht die Möglichkeit, den Gallensaft mit einem Katheter auszuleiten und außerhalb des Körpers aufzufangen.

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Vorbeugung

Eine gezielte Vorbeugung bei Gallengangskrebs oder Gallenblasenkrebs ist nicht bekannt. Es ist daher wichtig, auftretenden Symptomen rechtzeitig Beachtung zu schenken und sich ärztlich untersuchen zu lassen. Bei Patienten, die in der Vergangenheit häufiger an Gallensteinen erkrankt waren oder zu den Risikogruppen zählen, ist eine regelmäßige Kontrolle der Leberwerte angeraten, ggf. in Kombination mit sonografischen Untersuchungen, um das Auftreten eines malignen Geschehens in der Gallenblase oder in den Gallengängen rechtzeitig zu erkennen.

Das können Sie selbst tun

Da die Ursachen für den Gallenblasenkrebs wie auch für den Gallengangkrebs noch weitgehend ungeklärt sind, gibt es nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Stand keine ausreichenden Informationen für umfängliche Maßnahmen zur Selbsthilfe.

Häufig erkranken Menschen erst in der zweiten Lebenshälfte an der Krebserkrankung, sodass insbesondere Personen in einem Alter über 50 Jahren zur Risikogruppe gehören. Diesen Menschen wird im Alltag verstärkt empfohlen, vorsorglich und auch bei einer bestehenden Diagnose einen gesunden und bewussten Lebensstil zu pflegen. Dazu gehört eine vitaminreiche und ausgewogene Ernährung. Die übermäßige Zufuhr von Fetten, Ballaststoffen oder Zucker sollte vermieden oder reduziert werden. Das Gewicht ist im Normalbereich zu halten, um keine zusätzlichen Krankheitsrisiken einzugehen.

Ferner stärken sportliche Aktivitäten und eine ausreichende Bewegung das Immunsystem. Dies führt zu einer Verringerung der allgemeinen Krankheitsanfälligkeit. Stress, Hektik und anhaltende emotionale Belastungen sollten reduziert werden. Dafür bedarf es unter Umständen Veränderungen in der allgemeinen Lebensführung. Eine positive Lebenseinstellung, optimistisches Denken sowie ein stabiles soziales Umfeld helfen bei der Aufrechterhaltung der Gesundheit wie auch bei einem notwendigen Genesungsprozess. Die Schlafbedingungen sind ebenfalls zu überprüfen und nach Möglichkeit zu optimieren. Darüber hinaus sollte der Konsum von Schad- und Giftstoffen vermieden werden. Insbesondere ist der Genuss von Nikotin und Alkohol zu unterlassen.

Bücher über Gallenerkrankungen

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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