Galant-Reflex

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Juni 2017
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Bei dem Galant-Reflex, auch Spinal-Galant-Reflex oder Rückgratreflex genannt, handelt es sich um einen frühkindlichen Reflex. Frühkindliche Reflexe sind für das Kind lebensnotwendig, da sie zum einen der Nahrungssuche sowie Nahrungsaufnahme und zum anderen dem Selbstschutz dienen. Der Galant-Refelx gehört zu der Gruppe der tonischen Reflexe, welche die Lage des Körpers im Raum, die Stellung der einzelnen Körperteile zueinander sowie die gesamte quergestreifte Muskulatur regulieren.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Galant-Reflex?

Der Galant-Reflex wird ausgelöst durch eine Stimulation des Kindes im Bereich der Lendenwirbelsäule, wodurch das Kind seine Hüfte um bis zu 45 Grad nach außen in die Richtung der Seite dreht, auf welcher die Stimulation stattgefunden hat. Ferner löst der Reflex eine Streckung der Arme und Beine auf der stimulierten Seite sowie ein Anheben des Beckens aus.

Im Mutterleib und während der Geburt wird der Reflex durch die Gebärmutterwand beziehungsweise durch die Wände des Geburtskanals ausgelöst, wenn es zur Berührung des Lendenwirbelbereichs des Kindes kommt.

Nach der Geburt lässt sich der Galant-Reflex überprüfen, indem man in Bauchlage des Kindes den Bereich neben der Lendenwirbelsäule mit dem Fingernagel bestreicht. Die Reaktion kann in den ersten Tagen schwach sein, ist aber in der Regel ab dem fünften Tag konstant vorhanden.

Funktion & Aufgabe

Der Galant-Reflex ist insbesondere im Rahmen der Geburt bedeutsam. Er erleichtert die Passage des Geburtskanals in hohem Maße. Dies beruht auf der Tatsache, dass die Wände des Geburtskanals den Reflex bei dem Kind auslösen. Das so ausgelöste Drehen der Hüftpartie sowie das dadurch bedingte Krümmen des Rückgrats bewirken eine leichtere und schnellere Geburt, was für Mutter und Kind zur Erleichterung des Geburtsvorgangs beiträgt.

Das Kind kann sich dank des Reflexes selbst hin- und herbewegen. Diese Bewegungen im Hüft- und Beckenbereich wären ohne den Galant-Reflex in diesem Konzeptionsalter noch nicht möglich.

Aufgrund seiner Bedeutung ist der Galant-Reflex nur im Zeitpunkt der Geburt erforderlich. Deshalb bildet er sich ungefähr zum Zeitpunkt der 18. Schwangerschaftswoche aus. Die werdende Mutter spürt die Reflexbewegungen des Kindes dann als zappelige Bewegung. Auch nach der Geburt bleibt der Galant-Reflex für eine Weile erhalten. Zwischen dem dritten und neunten Lebensmonat des Kindes wird der Reflex langsam abgebaut. Er ist durchschnittlich bis zum sechsten Lebensmonat vorhanden.

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Krankheiten & Beschwerden

Grundsätzlich ist es für die Entwicklung des Kindes unerlässlich, dass die frühkindlichen Reflexe innerhalb der ersten Lebensmonate abgebaut werden. Andernfalls können grundlegende Bewegungen nicht erlernt werden.

Probleme im Zusammenhang mit dem Galant-Reflex entstehen zum einen dann, wenn das Kind den Reflex nicht oder unzureichend ausbildet und wenn er bei der Geburt nicht zur Verfügung steht. Zum anderen ist es problematisch, wenn der Galant-Reflex nach der Geburt nicht innerhalb des ersten Lebensjahres abgebaut wird. Ist dies der Fall, spricht man von einem persistierenden Reflex.

Je nach Alter des Kindes kann ein verbleibender Reflex zu verschiedenen Problemen und Beschwerdebildern führen. So fällt es betroffenen Kindern oft schwer, ruhig zu sitzen oder zu liegen, da zum Beispiel schon eine Stuhllehne den Reflex auszulösen vermag. Auch im Schlaf wird der Galant-Reflex ausgelöst, was zu einem unruhigen, bewegungsintensiven Schlaf führt, der wenig Erholung mit sich bringt. Im weiteren Verlauf kommt es dadurch bedingt meistens zu Konzentrationsstörungen sowie Problemen mit dem Kurzzeitgedächtnis.

Die Formwahrnehmung ist bei betroffenen Kindern vermindert. Es fällt den Kindern dementsprechend schwer, Muster, geometrische Formen und Schriftzeichen zu erfassen und zu behalten. Häufig sind betroffene Kinder vergesslich bei der Bewältigung von Alltagstätigkeiten, was auf die Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis zurückzuführen ist.

Ein Hinweis auf das Vorliegen eines persistierenden Reflexes kann eine fortwährende erhöhte Zappeligkeit eines Kindes, verbunden mit einem ständigen Bewegungsdrang sein. Ebenfalls kann eine Überempfindlichkeit gegenüber Gürteln und Hosenbündchen, die den Reflex auslösen können, auf einen anhaltenden Galant-Reflex deuten.

Des Weiteren kann es zu einem hinkenden Gangbild oder zu asynchronem Gehen kommen, ohne dass hierfür eine orthopädische Ursache feststellbar ist. Die ständigen Fehlhaltungen können im Laufe der Zeit zu einer Skoliose, also einer abnormalen Krümmung der Wirbelsäule, führen. Letzteres ist insbesondere zu beobachten, wenn der Galant-Reflex nur einseitig anhält, was ebenfalls vorkommen kann. Im Fall des nur einseitig persistierenden Reflexes kann eine Verdrehung der Beckenschaufeln auftreten.

Ferner kann es zu vermehrten Verdauungsstörungen und Bettnässen über das sechste Lebensjahr hinaus kommen. Insgesamt haben betroffene Kinder auffällig häufig Probleme mit der Blasenkontrolle.

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