GAVE-Syndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 19. Oktober 2016
Symptomat.deKrankheiten GAVE-Syndrom

Patienten mit GAVE-Syndrom leiden an Gefäßaufweitungen im Bereich des Magens. Diese Ektasien verursachen im späteren Verlauf Magenblutungen, die neben Teer- und Blutstuhl eine Eisenmangelanämie bedingen. Um die Blutungen zu stillen, stehen für die Patienten Behandlungen wie die Argon-Plasma-Koagulation zur Verfügung, bei der Hochfrequenzstrom ins Gewebe abgegeben wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das GAVE-Syndrom?

Ektasien sind Aufweitungen an Hohlorganen oder Gefäßen, die Spindel- oder Sackform tragen können. Der Füllungszustand der Ektasie entscheidet, ob die Ausweitung prall elastisch erscheint. An Gefäßen können unterschiedliche Vorgänge eine Ektasie hervorrufen. Ein möglicher Grund für Ektasien ist das GAVE-Syndrom.

Bei der Bezeichnung handelt es sich um ein Akronym, das für G-astric A-ntral V-ascular E-ctasia steht. Die Erkrankung ist demnach durch Ektasien der Magenschleimhautgefäße gekennzeichnet, die sich vom Magenkorpus bis zum Pylorus ziehen können. Das GAVE-Syndrom betrifft das weibliche Geschlecht doppelt so häufig wie das männliche Geschlecht.

Am häufigsten sind Menschen um das 70. Lebensjahr herum vom GAVE-Syndrom betroffen. Die Erkrankung wird in der Volkssprache und der deutschsprachigen Fachliteratur auch Wassermelonenmagen genannt. Diese Bezeichnung bezieht sich auf das leitet sich rot-streifige Bild, das Patienten mit GAVE-Syndrom bei der Magenspiegelung abgeben.

Ursachen

Die genauen Entstehungsmechanismen des GAVE-Syndroms sind bislang nicht vollständig geklärt und bleiben Gegenstand der Spekulation. Wissenschaftler diskutieren derzeit verschiedene Entstehungsmechanismen. Ursächlich könnte eine Beteiligung des Bakteriums Helicobacter pylori sein. Außerdem stehen Autoimmunerkrankungen und eine Kollagenose als Ursachen zur Diskussion.

Darüber hinaus könnte eine Magenverdrehung in den Dünndarmbereich die Erscheinung erklären. Außerdem ist das Phänomen des GAVE-Syndroms mit Erkrankungen wie der portale Hypertension, der Niereninsuffizienz und der Sklerodermie assoziiert. Eine vermeintliche Verbindung scheint auch zur Leberzirrhose zu bestehen.

In der Gastroskopie wirkt das GAVE-Syndrom wie die hypertensive Gastropathie, wird aber als unabhängige Entität betrachtet. Wiese Frauen doppelt so häufig betroffen sind wie Männer, bleibt bislang unklar.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit GAVE-Syndrom bemerken ihre Erkrankung meist relativ spät. Die radiär sitzenden Ektasien der Magengefäße müssen im Frühverlauf nicht zwingend Symptome verursachen. Ab einem gewissen Zeitpunkt treten allerdings meist Magenblutungen ein.

Diese Blutungen führen zu einem chronischen Blutverlust. Das ausgetretene Blut wird vom Patienten über den Stuhl ausgeschieden und verursacht damit im Akutverlauf Teerstühle oder Blutstuhl. Wegen der Blutverluste entsteht eine Blutarmut. Sobald das der Fall ist, stellen sich Symptome wie Leistungsabfall, körperliche Schwäche und Müdigkeit ein.

Außerdem klagen die Patienten oft über Kopfschmerzen und Nagelveränderungen. Brüchige Nägel mit Rinnenbildung sind in diesem Zusammenhang denkbar. Im fortgeschrittenen Krankheitsbild der Anämie können wegen Einschränkungen der Herzfunktionen Herzrhythmusstörungen auftreten.

Außerdem beklagen die Betroffenen anhaltende Konzentrationsstörungen, Schwindelgefühl und Gleichgewichtsstörungen. Spätestens wenn Ohnmachtsattacken eintreten, suchen die Betroffenen in der Regel einen Arzt auf.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Patienten mit GAVE-Syndrom stellen dem Arzt im Regelfall die Symptomen einer Eisenmangelanämie vor. Eisenmangelanämien können viele Ursachen haben. Diese Tatsche erschwert dem Arzt die Diagnose erheblich. In der Anamnese erwähnter Teerstuhl oder Blut im Stuhl kann ein wichtiger Hinweis auf den Wassermelonenmagen sein.

Der Arzt nimmt gegebenenfalls eine Stuhlprobe, die der labordiagnostischen Analyse dient. Die Ergebnisse dieser Analyse belegen größere Mengen von Blut. Die Verdachtsdiagnose GAVE-Syndrom wird immer wahrscheinlicher. Um die Verdachtsdiagnose zweifellos zu sichern, kann eine Gastroskopie erfolgen.

In der Magenspiegelung imponiert das GAVE-Syndrom durch lange und streifige Rötungen, die den Streifen einer Wassermelone ähneln. Die Prognose hängt für Patienten mit GAVE-Syndrom vom Zeitpunkt der Diagnosestellung und dem Ausmaß der chronisch subakuten und gastrointestinalen Blutung ab.

Behandlung & Therapie

Eine kausale Therapiemöglichkeit steht für Patienten mit GAVE-Syndrom bislang nicht zur Verfügung, da die Entstehungsmechanismen der Ektasien bisher ungeklärt sind. Aus diesem Grund lässt sich die primäre Ursache für die Ektasien nicht auflösen. Allerdings steht mit der Argon-Plasma-Koagulation eine symptomatische Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung.

Bei der Argon-Plasma-Koagulation handelt es sich um ein thermisches Hochfrequenzverfahren zur Koagulation von unterschiedlichem Gewebe. Die Koagulation dient in der Chirurgie bei verschiedenen Indikationen der Blutstillung. Im Prinzip besteht das Verfahren aus Stromstößen, die von einer kleinflächigen Elektrode in das betroffene Gewebe abgegeben werden.

Eine Neutralelektrode ruht dabei auf dem Oberschenkel des Betroffenen und führt den abgegebenen Strom wieder in das Hochfrequenzgerät zurück. Bei der Argon-Plasma-Koagulation findet die Stromübertragung mittels ionisierten Argon-Gasstrahlen statt, die in Form von Funken verwendet werden. Bei dieser Art der Koagulation initiiert die hohe Wärmeentwicklung eine Proteindenaturierung.

Die Proteine verändern dabei ihre Struktur. Der verwendete Argon-Plasmastrahl wird vom Chirurg auf die Schleimhäute gerichtet, die die höchste Leitfähigkeit besitzen. Bei dem Vorgang entweicht ein leicht brennbares Gas, falls sauerstoffreiche Atmosphäre besteht. Dieser Zusammenhang ist bei der Behandlung nicht zu bedenken, um Komplikationen zu vermeiden.

Patienten mit GAVE-Syndrom erhalten die Koagulationsbehandlung mit zeitlichen Abständen meist mehrmals, bis die Blutung gestillt ist. Die Symptome der Eisenmangelanämie legen sich nach der Blutstillung von selbst. Falls das GAVE-Syndrom allerdings im Rahmen von Erkrankungen wie Niereninsuffizienz oder Leberzirrhose auftritt, so erfolgt eine weiterführende Behandlung der jeweiligen Organerkrankung.

Niereninsuffizienz kann zunächst mit Diuretika und Dialyse begegnet werden. Patienten mit Leberzirrhose haben sämtliche lebertoxischen Stoffe zu meiden. In beiden Fällen lässt sich eine Heilung nur über Organtransplantation erreichen.




Vorbeugung

Die Ätiologie des GAVE-Syndroms ist bisher weitestgehend unbekannt. Aus diesem Grund stehen keine präventiven Maßnahmen zur Verfügung.

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