Furunkel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. November 2017
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Als Furunkel wird die Infektion eines Haarbalgs bezeichnet. Furunkel treten häufig auf und sind in ihrer Entstehung unabhängig von Alter, körperlichem Zustand oder Geschlecht. In vielen Fällen heilen sie ohne weitere Behandlung ab, ihre Symptome lassen sich jedoch lindern. Nur in schwereren Fällen erfordern Furunkel ärztliche Behandlung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Furunkel?

Furunkel entstehen, wenn Bakterien oder Pilze ihren Weg in den in der Haut liegenden Haarbalg finden. Betroffen sind dabei zumeist die Regionen, an denen vermehrt geschwitzt wird oder es zu Reibungen durch Kleidung kommt.

Besonders oft lösen Staphylokokken die Infektion aus. Sie befällt nicht nur den Haarbalg, sondern dehnt sich im Verlauf der Erkrankung auch auf das umliegende Gewebe aus. Die Region um den infizierten Haarbalg füllt sich bei fortschreitender Infektion mit Flüssigkeit an und es tritt die typische Schwellung eines Furunkels auf.

Die Haut über dem Furunkel ist gespannt und fühlt sich wegen der Entzündung heiß an. Mehrere Furunkel können dicht beieinander auftreten oder ineinander übergehen. Diese lokale Häufung wird Karbunkel genannt.

Ursachen

Die Ursache für die Bildung eines Furunkels findet sich in einer Schädigung des Haarbalgs. Dies kann auf Verletzungen zurückzuführen sein oder bei besonders beanspruchten Körperstellen wie Hautfalten oder dem unteren Rücken auftreten.

Durch die Schädigung haben Bakterien von der Hautoberfläche die Möglichkeit, tiefer einzudringen und durch die Infektion des Haarbalgs das Furunkel zu verursachen.

Mangelnde Körperhygiene ist ebenso eine Ursache, die die Bildung eines Furunkels fördert. Druckstellen mit Schädigung der oberen Hautschicht oder Scheuerstellen in den Leisten durch die Kleidung sind auch als ein Faktor für die Entstehung der Furunkel bekannt.

Symptome & Krankheitsverlauf

Kommt es zur Infektion, macht sich ein Furunkel zunächst durch einen ansteigenden Druck rund um den betroffenen Haarbalg bemerkbar. Dieser Druck steigt an und wird je nach Grad der Infektion schmerzhaft. Die Haut rund um die Infektionsquelle entzündet sich. Im Innern des Furunkels bildet sich Flüssigkeit, später durch die abgestorbenen Hautzellen auch Eiter.

An der Hautoberfläche zeigt sich in den meisten Fällen ein weißer Mittelpunkt, der allgemein als Eiterpfropfen bezeichnet wird. Bei normalem Krankheitsverlauf öffnet sich das Furunkel schließlich und die Flüssigkeiten fließen ab. Es tritt die Abheilung ein. Kann sich das Furunkel nicht öffnen, besteht die Gefahr eines Abszesses. Bei einem Furunkel im Gesicht oder in den Ohren kann die Infektion das Gehirn oder Rückenmark erreichen.

Auch die Gefahr einer allgemeinen Sepsis ist bei einem Furunkel nicht auszuschließen. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Betroffene versucht, das Furunkel mit Druck zu entleeren und dabei umliegendes Gewebe weiter schädigt. Die Ausbreitung der Infektion wird in solchen Fällen beschleunigt.

Komplikationen

Im Verlauf eines Furunkels sind verschiedene Komplikationen möglich. Dieses Risiko besteht besonders bei der Bildung eines Karbunkels, das aus mehreren Furunkeln entsteht. In solchen Fällen kommt es häufig zu ausgeprägten allgemeinen Beschwerden. Darüber hinaus kann auch eine Lymphangitis auftreten, bei der sich die Lymphbahnen entzünden und die Lymphknoten anschwellen.

Eine besonders bedenkliche Komplikation des Furunkels stellt die Sepsis (Blutvergiftung) dar. Dabei dringen die Bakterien, die für das Furunkel verantwortlich sind, in den Blutkreislauf des Körpers vor. Die Auswirkungen des Furunkels richten sich allerdings maßgeblich nach seiner Position. So kann zum Beispiel ein Nasenfurunkel lebensgefährliche Folgen haben, wenn die auslösenden Staphylokokken-Bakterien mit dem venösen Blut in die Blutbahn des Kopfes transportiert werden.

An dieser Stelle besteht die Gefahr, dass die Keime eine Venenentzündung, eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Hirnsinusvenenthrombose hervorrufen. Ebenso sind Erkrankungen an der Augenhöhle im Bereich des Möglichen. In der Medizin ist dann von Orbitaphlegmonen die Rede.

Aufgrund drohender Folgeerscheinungen darf der Patient niemals mit seinen Fingern an einem Furunkel in seinem Gesicht oder an der Nase herumdrücken. So können dadurch die mit Staphylokokken gefüllten Eiteransammlungen in benachbarte Venen gelangen und lebensbedrohliche Komplikationen im Gehirn verursachen. Handelt es sich jedoch um ein Furunkel mit einem günstigen Verlauf, sind nur selten gefährliche Folgeerscheinungen zu befürchten.

Wann sollte man zum Arzt gehehen?

Wenn eine schmerzhafte Schwellung auf der Haut bemerkt wird, handelt es sich womöglich um ein Furunkel. Dieses heilt in der Regel von alleine ab und bedarf keiner medizinischen Versorgung. Ein Arzt sollte konsultiert werden, wenn sich das entzündete Haarbalg nicht von selbst öffnet oder nach innen aufbricht. Sollte sich das Furunkel entzünden, ist ebenfalls medizinischer Rat gefragt. Eine Ausbreitung der Infektion auf das umliegende Gewebe muss abgeklärt werden, bevor sich ernste Komplikationen wie zum Beispiel Folgeinfektionen oder eine Sepsis einstellen.

Treten zusätzlich zu der Eiteransammlung weitere Beschwerden wie Fieber oder Schüttelfrost auf, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Ein rötlicher Streifen, der vom Furunkel aus in Richtung Herz führt, deutet auf eine Blutvergiftung hin, die umgehend behandelt werden muss. Am besten wird der Betroffene sofort in ein Krankenhaus gebracht. Personen, die häufiger an Furunkeln oder Abszessen leiden, sollten mit einem Dermatologen sprechen. Womöglich liegt den Beschwerden eine ernste Erkrankung zugrunde, die abgeklärt und behandelt werden muss.

Behandlung & Therapie

Furunkel im Kopfbereich sollten grundsätzlich durch einen Arzt behandelt werden. Zunächst werden antibiotische Salben eingesetzt, um die Infektion lokal zu begrenzen. Daneben ist es möglich, durch Zugsalben die Entwicklung des Furunkels zu beschleunigen. Es wird sich öffnen und die Flüssigkeiten können abfließen. Dabei ist besonders auf Hygiene zu achten, denn der Inhalt eines Furunkels ist stark infektiös.

Bei kleineren Furunkeln hilft Wärme, die ebenfalls dafür sorgt, dass das Furunkel aufgeht und sich entleert. Geöffnet wird ein Furunkel vorzeitig nur, wenn es besonders schmerzhaft ist oder sich nicht von alleine öffnet. Dies geschieht durch einen ärztlichen Eingriff bei örtlicher Betäubung mit anschließender Wundversorgung.

In den überwiegenden Fällen ist der Krankheitsverlauf allerdings komplikationslos und das Furunkel öffnet sich auch ohne weiteres Dazutun von selbst. Die offene Wunde wird desinfiziert und das Furunkel heilt in wenigen Tagen ab.

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Vorbeugung

Furunkel lassen sich in erster Linie durch sorgfältige Körperhygiene vermeiden. Da ein weiterer Auslöser für Furunkel enge Kleidung ist, sollte Unterwäsche mit zu fest anliegenden Beinabschlüssen vermieden werden. Gerade in den Körperfalten an den Oberschenkeln und unter den Achseln führt die Reibung zu Hautschäden, die das Eindringen der Bakterien und Pilze erleichtern und ein Furunkel verursachen.

Das können Sie selbst tun

Keinesfalls ist die befallene Stelle in irgendeiner Art und Weise zu manipulieren oder das Furunkel gar auszudrücken. Unsachgemäßer Umgang mit Furunkeln kann dazu führen, dass die entzündungsverursachenden Mikroorganismen in die Blutbahn gelangen. Deshalb sind die entzündeten Stellen vollständig in Ruhe zu lassen.

Unterstützend zur ärztlichen Behandlung lassen sich Furunkel bzw. Abszeße durch Luft- bzw. Sonnenbäder mildern. Die entsprechende Stelle wird dabei von Textilien befreit und dem Tageslicht bzw. der Außenluft ausgesetzt.

Auch heiße Auflagen, beipielsweise mit Kamillensud, lindern die mit Furunkeln einhergehenden Schmerzen. Ebenso beruhigend wirkt sich ein Kamillebad aus. Dies kann als Teilbad (nur die befallene Stelle) oder auch als Vollbad geschehen. Zu beachten ist, dass das Badewasser nicht zu heiß ist. Auf keinen Fall sollte mit fetthaltigen Cremes oder alkoholhaltigen Tinkturen experimentiert werden, dies könnte zu einer Verschlimmerung der Entzündung führen.

Antiseptische Tees, frischer Ingwer und Kurkuma können, innerlich angewendet, ebenfalls lindernd und wohltuend wirken. Alkohol, Nikotin und Koffein hingegen sind zu meiden, überwürzte und insbesondere scharfe Speisen desgleichen. Eine basische Diät wirkt heilungsfördernd. Hierbei sollte gedämpftes Gemüse im Vordergrund stehen und wenig gesalzt werden. Eine fleischlastige Diät kann sich kontraproduktiv auswirken.

Furunkel sind lokale Entzündungen, sie sind nicht übertragbar. Die Betroffenen können also nach wie vor Umgang pflegen, wie es ihnen beliebt, und auch ihrer Alltagsarbeit nachgehen. Stress und große Anstrengungen sollten jedoch vermieden werden.

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Quellen

  • Grüne, S., Schölmerich, J.: Anamnese, Untersuchung, Diagnose. Springer, Heidelberg 2007
  • Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Thieme Verlag, Stuttgart 2008
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

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