Fundusvarizen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 8. November 2016
Symptomat.deKrankheiten Fundusvarizen

Fundusvarizen sind Krampfadern im Bereich des Magens, die oft mit Varizen der Speiseröhre vergesellschaftet sind und einen Umgehungskreislauf eröffnen. Die Ursache für dieses Phänomen liegt meist in einer portalen Hypertension oder einer Abflussstörung aufgrund von Kompression. Neben einer Unterbindung des Umgehungskreislaufs findet eine kausale Behandlung der primären Erkrankung statt.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Fundusvarizen?

Venen leiten Blut aus der Körperperipherie ab und transportieren es ins Herz zurück, wo der Blutkreislauf und die Oxygenierung des Bluts über den arteriellen Kreislauf wieder von vorne beginnt. Die Gefäße des Blutkreislaufes können an unterschiedlichen Krankheiten erkranken. Eine verbreitete Erkrankung der Venen sind beispielsweise die Krampfadern.

Diese sogenannten Varizen sind pathologisch erweiterte Venen, die sichtbar geschlängelt innerhalb des Subkutangewebes verlaufen. Vorzugsweise liegen Krampfadern innerhalb von druckbelasteten Venengebieten der unteren Extremitäten. In allen anderen Fällen sind sie meist ein Anzeichen für pathologische Umgehungskreisläufe. Das ist auch bei Fundusvarizen der Fall.

Hinter diesem Ausdruck verbergen sich intramural submuköse Venenerweiterungen im Gebiet der Magenkuppel. Häufig sind Fundusvarizen mit Krampfadern des Ösophagus vergesellschaftet und verweisen in diesem Fall auf pathologische Prozesse im Bauchraum.

Die Funduskrampfadern betreffen in der Regel die Venae gastricae. Wie bei allen Krampfadern steigt auch bei Fundusvarizen die Aussicht auf Erfolge, je früher die Veränderungen behandelt werden. Verglichen mit Varizen der Beine sind Fundusvarizen ein eher seltenes Phänomen.

Ursachen

Umgehungskreisläufe eröffnet der Körper immer dann, wenn einzelne Gefäße nicht mehr ausreichend zum Bluttransport genutzt werden können. Das ist zum Beispiel bei Kompressionen oder starker Gefäßverkalkung der Fall. Auch Fundusvarizen entsprechen Umgehungskreisläufen und stellen eine seltene Komplikation unterschiedlicher Phänomene dar.

Die Umgehungskreisläufe treten zum Beispiel bei Milzvenenstauung durch Milzvenenthrombose, Venenkompression im Milzbereich oder venenkomprimierendem Pankreaskarzinom auf. Außerdem kann die Erscheinung eine portale Hypertension andeuten, das heißt, eine Hochdruckerscheinung der Pfortader.

Fundusvarizen eröffnen Umgehungskreisläufe und erhöhen die Volumenbelastung der neu entstehenden Gefäße. Bei einer portalen Hypertension sorgt portokavale Anastomose für den venösen Abfluss. Bei Umgehungskreisläufen mit Fundusvarizen erfolgt der Abfluss über die Venae gastricae und die nachgeschalteten Venae oesophageales.

Verschlüsse der Vena splenica gelangen über einen Kurzschluss mit der Vena gastroomentalis sinistra zur Kompensation. Das Blut wandert dabei über die Vena mesenterica superior zur Vena cava inferior, wodurch es abgeleitet wird.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die meisten Patienten mit Fundusvarizen bemerken die Eröffnung eines Umgehungskreislaufes überhaupt nicht. Symptome sind bei Fundusvarizen eher eine Seltenheit. Der klinische Verlauf entspricht in annähernd allen Fällen einem asymptomatischen Verlauf.

In den meisten Fällen bilden sich gemeinsam mit den Krampfadern der Magenkuppel auch solche der darüber liegenden Speiseröhre, die ebenfalls gänzlich symptomlos bleiben. Erst im späteren Verlauf stellen sich Symptome ein. Sämtlichen Symptomen geht in der Regel eine Perforation der Umgehungskreisläufe voraus.

Diese Perforation hat oft Blutungen zur Folge, die epigastrische Beschwerden auslösen. Ab diesem Zeitpunkt manifestieren sich die pathologischen Prozesse innerhalb des Magens meist in Druckgefühlen und Schmerzen. Meläna und Hämatemesis können eintreten.

Das heißt, dass die Patienten möglicherweise Blut erbrechen, oder Blutspuren in ihrem Stuhl bemerken. Blut im Stuhl äußert sich vor allem in Schwarzfärbung. Abhängig von der ursächlichen Primärerkrankung können weitere Symptome hinzukommen, so beim venenkomprimierenden Pankreaskarzinom zum Beispiel Oberbauchschmerzen, Rückenschmerzen und Übelkeit.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Abklärung von Fundusvarizen erfordert einen eindeutigen Blutungsnachweis. Dieser Nachweis wird bei entsprechender Anamnese über die Stuhlprobe erbracht, kann einen Hämoccult-Test beinhalten, oder mittels endoskopischer Maßnahmen wie der Gastroskopie erfolgen. Falls sich die Venenerweiterungen in der Bildgebung bestätigen, findet im Rahmen der weiteren Diagnostik eine Befundung der Speiseröhre zur Abklärung von eventuellen Ösophagusvarizen statt.

Falls sich auch die Ösophagusvarizen bestätigen, liegt die Diagnose einer portalen Hypertension nahe. Bei isoliert auftretenden Fundusvarizen sind Abflussstörungen der Vena lienalis die wahrscheinlichere Diagnose. In diesem Fall muss die Primärerkrankung abgeklärt werden. Zur Aufklärung der Grunderkrankung sind dezidierte Anamnesen erforderlich, die mit einer labordiagnostischen Blutuntersuchung und einer Bildgebung der einzelnen Gefäße kombiniert werden.

Bildgebungen der Vena portae und Vena lienalis inklusive der umliegenden Gewebe sind indiziert. Sowohl die Lebe als auch Pankreas müssen auf eventuelle Tumore oder Zysten hin untersucht werden. Differentialdiagnostisch sind Fundusvarizen von anderen Ursachen für gastrointestinale Blutungen abzugrenzen. Die Prognose hängt für Patienten mit Fundusvarizen von der Primärerkrankung ab.

Behandlung & Therapie

Varizen der Speiseröhre werden häufig durch invasive Verfahren wie die Gummibandligatur behandelt. Bei Ligaturen handelt es sich um Abschnürungen, die den entstehenden Umgehungskreislauf unterbinden. Falls Fundusvarizen allerdings mit Ösophagusvarizen vergesellschaftet sind, ist eine Gummibandligatur nicht indiziert.

Bei dieser Behandlungsweise steigt wissenschaftlichen Aussagen zufolge das Risiko für Blutungen. Statt der Gummibandligatur kommt zur Blutungsstillung daher eine endoskopische [[Kunstharzsklerosierung9] zum Einsatz. Falls die Blutung massiv oder endoskopisch nicht zu unterbinden ist, sind klinische Behandlungsmaßnahmen wie die Anlage von Kompressionssonden angezeigt.

Bei diesen Sonden handelt es sich in der Regel um Linton-Nachlass-Sonden. Da derartige Verfahren einer rein symptomatischen Behandlung entsprechen, muss zusätzlich eine kausale Therapie der Grunderkrankung erfolgen. Bei Fundusvarizen entspricht diese Kausaltherapie in der Regel einer operativen Exzision vorliegender Raumforderungen.




Vorbeugung

Fundusvarizen lässt sich nur insofern vorbeugen, wie den Ursachen von Umgehungskreisläufen vorgebeugt werden kann. Allenfalls können die Präventionsmaßnahmen im Kontext von Pankreastumoren im weitesten Sinne das Risiko für die Ausbildung von Fundusvarizen senken.

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