Fundusvarizen

Letzte Aktualisierung am 18. Januar 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Fundusvarizen sind Krampfadern im Bereich des Magens, die oft mit Varizen der Speiseröhre vergesellschaftet sind und einen Umgehungskreislauf eröffnen. Die Ursache für dieses Phänomen liegt meist in einer portalen Hypertension oder einer Abflussstörung aufgrund von Kompression. Neben einer Unterbindung des Umgehungskreislaufs findet eine kausale Behandlung der primären Erkrankung statt.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Fundusvarizen?

Venen leiten Blut aus der Körperperipherie ab und transportieren es ins Herz zurück, wo der Blutkreislauf und die Oxygenierung des Bluts über den arteriellen Kreislauf wieder von vorne beginnt. Die Gefäße des Blutkreislaufes können an unterschiedlichen Krankheiten erkranken. Eine verbreitete Erkrankung der Venen sind beispielsweise die Krampfadern.

Diese sogenannten Varizen sind pathologisch erweiterte Venen, die sichtbar geschlängelt innerhalb des Subkutangewebes verlaufen. Vorzugsweise liegen Krampfadern innerhalb von druckbelasteten Venengebieten der unteren Extremitäten. In allen anderen Fällen sind sie meist ein Anzeichen für pathologische Umgehungskreisläufe. Das ist auch bei Fundusvarizen der Fall.

Hinter diesem Ausdruck verbergen sich intramural submuköse Venenerweiterungen im Gebiet der Magenkuppel. Häufig sind Fundusvarizen mit Krampfadern des Ösophagus vergesellschaftet und verweisen in diesem Fall auf pathologische Prozesse im Bauchraum.

Die Funduskrampfadern betreffen in der Regel die Venae gastricae. Wie bei allen Krampfadern steigt auch bei Fundusvarizen die Aussicht auf Erfolge, je früher die Veränderungen behandelt werden. Verglichen mit Varizen der Beine sind Fundusvarizen ein eher seltenes Phänomen.

Ursachen

Umgehungskreisläufe eröffnet der Körper immer dann, wenn einzelne Gefäße nicht mehr ausreichend zum Bluttransport genutzt werden können. Das ist zum Beispiel bei Kompressionen oder starker Gefäßverkalkung der Fall. Auch Fundusvarizen entsprechen Umgehungskreisläufen und stellen eine seltene Komplikation unterschiedlicher Phänomene dar.

Die Umgehungskreisläufe treten zum Beispiel bei Milzvenenstauung durch Milzvenenthrombose, Venenkompression im Milzbereich oder venenkomprimierendem Pankreaskarzinom auf. Außerdem kann die Erscheinung eine portale Hypertension andeuten, das heißt, eine Hochdruckerscheinung der Pfortader.

Fundusvarizen eröffnen Umgehungskreisläufe und erhöhen die Volumenbelastung der neu entstehenden Gefäße. Bei einer portalen Hypertension sorgt portokavale Anastomose für den venösen Abfluss. Bei Umgehungskreisläufen mit Fundusvarizen erfolgt der Abfluss über die Venae gastricae und die nachgeschalteten Venae oesophageales.

Verschlüsse der Vena splenica gelangen über einen Kurzschluss mit der Vena gastroomentalis sinistra zur Kompensation. Das Blut wandert dabei über die Vena mesenterica superior zur Vena cava inferior, wodurch es abgeleitet wird.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die meisten Patienten mit Fundusvarizen bemerken die Eröffnung eines Umgehungskreislaufes überhaupt nicht. Symptome sind bei Fundusvarizen eher eine Seltenheit. Der klinische Verlauf entspricht in annähernd allen Fällen einem asymptomatischen Verlauf.

In den meisten Fällen bilden sich gemeinsam mit den Krampfadern der Magenkuppel auch solche der darüber liegenden Speiseröhre, die ebenfalls gänzlich symptomlos bleiben. Erst im späteren Verlauf stellen sich Symptome ein. Sämtlichen Symptomen geht in der Regel eine Perforation der Umgehungskreisläufe voraus.

Diese Perforation hat oft Blutungen zur Folge, die epigastrische Beschwerden auslösen. Ab diesem Zeitpunkt manifestieren sich die pathologischen Prozesse innerhalb des Magens meist in Druckgefühlen und Schmerzen. Meläna und Hämatemesis können eintreten.

Das heißt, dass die Patienten möglicherweise Blut erbrechen, oder Blutspuren in ihrem Stuhl bemerken. Blut im Stuhl äußert sich vor allem in Schwarzfärbung. Abhängig von der ursächlichen Primärerkrankung können weitere Symptome hinzukommen, so beim venenkomprimierenden Pankreaskarzinom zum Beispiel Oberbauchschmerzen, Rückenschmerzen und Übelkeit.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Abklärung von Fundusvarizen erfordert einen eindeutigen Blutungsnachweis. Dieser Nachweis wird bei entsprechender Anamnese über die Stuhlprobe erbracht, kann einen Hämoccult-Test beinhalten, oder mittels endoskopischer Maßnahmen wie der Gastroskopie erfolgen. Falls sich die Venenerweiterungen in der Bildgebung bestätigen, findet im Rahmen der weiteren Diagnostik eine Befundung der Speiseröhre zur Abklärung von eventuellen Ösophagusvarizen statt.

Falls sich auch die Ösophagusvarizen bestätigen, liegt die Diagnose einer portalen Hypertension nahe. Bei isoliert auftretenden Fundusvarizen sind Abflussstörungen der Vena lienalis die wahrscheinlichere Diagnose. In diesem Fall muss die Primärerkrankung abgeklärt werden. Zur Aufklärung der Grunderkrankung sind dezidierte Anamnesen erforderlich, die mit einer labordiagnostischen Blutuntersuchung und einer Bildgebung der einzelnen Gefäße kombiniert werden.

Bildgebungen der Vena portae und Vena lienalis inklusive der umliegenden Gewebe sind indiziert. Sowohl die Lebe als auch Pankreas müssen auf eventuelle Tumore oder Zysten hin untersucht werden. Differentialdiagnostisch sind Fundusvarizen von anderen Ursachen für gastrointestinale Blutungen abzugrenzen. Die Prognose hängt für Patienten mit Fundusvarizen von der Primärerkrankung ab.

Komplikationen

Durch die Fundusvarizen kommt es in den meisten Fällen zu keinen direkten Beschwerden oder Symptomen. Aus diesem Grund wird die Krankheit auch nicht direkt erkannt und erst sehr spät diagnostiziert. Die Symptome zeigen sich allerdings im weiteren Verlauf der Krankheit, wenn sich die Krampfadern vollständig ausgebildet haben. Der Betroffene leidet dabei an starken Blutungen und Schmerzen.

Die Schmerzen können in der Regel als Druckschmerzen oder in Form von Ruheschmerzen auftreten und den Alltag des Patienten extrem einschränken. Nicht selten tritt auch ein blutiger Stuhlgang auf, welcher bei vielen Patienten zu Panikattacken führen kann. Ebenso treten Schmerzen im Bereich des Bauches und des Magens auf, wobei diese in der Regel auch mit Übelkeit verbunden sind.

In der Regel können Fundusvarizen gut behandelt werden, sodass die Beschwerden eingeschränkt und gelindert werden. Allerdings muss nach dem Abklingen der Symptome auch eine ursächliche Therapie erfolgen, damit die Krankheit nicht nochmals auftritt und keine Blutungen entstehen. Die Lebenserwartung wird durch die Fundusvarizen in den meisten Fällen nicht verringert. Der Betroffene muss sich allerdings weiteren Untersuchungen nach der Krankheit aussetzen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da der Beginn der Fundusvarizen vollständig symptomfrei verläuft, erleben Betroffene kein Krankheitsgefühl oder erhalten einen Warnhinweis des Körpers, auf den sie reagieren könnten. Die ersten Anzeichen können erst wahrgenommen werden, wenn die Erkrankung weiter fortgeschritten ist und die Fundusvarizen bereits gut ausgebildet sind. Treten ungewöhnliche Schmerzen auf oder fühlt sich der Betroffene ohne einen nachvollziehbaren Grund wiederholt schwach, besteht Anlass zur Besorgnis.

Druckgefühle im Bereich des Magens oder im Brustkorb setzen ein, die untersucht und behandelt werden müssen. Breiten sich anfängliche Symptome kontinuierlich aus oder nehmen die Beschwerden an Intensität zu, ist es ratsam, schnellstmöglich einen Arzt zu konsultieren. Entwickeln sich Veränderungen des Hautbildes, treten Verfärbungen auf und sind blaue Flecke am Oberkörper erkennbar, sollten diese ärztlich abgeklärt werden. Bei Erbrechen, Durchfall, Abgeschlagenheit, Herzrasen oder Schlafstörungen muss ein Arztbesuch erfolgen, sobald die Beschwerden wiederholt auftreten.

Wird Blut erbrochen oder befindet sich Blut in den menschlichen Ausscheidungen, ist es notwendig, einen Arzt aufzusuchen. Übelkeit, Schwindel und Rückenschmerzen sind weitere Anzeichen für Unregelmäßigkeiten, die untersucht werden sollten. Bei einem allgemeinen Krankheitsgefühl, Durchblutungsstörungen, einer inneren Unruhe sowie einer herabgesetzten Leistungsfähigkeit ist es ratsam, die Hinweise einem Arzt vorzustellen, um die Ursache zu ermitteln.

Behandlung & Therapie

Varizen der Speiseröhre werden häufig durch invasive Verfahren wie die Gummibandligatur behandelt. Bei Ligaturen handelt es sich um Abschnürungen, die den entstehenden Umgehungskreislauf unterbinden. Falls Fundusvarizen allerdings mit Ösophagusvarizen vergesellschaftet sind, ist eine Gummibandligatur nicht indiziert.

Bei dieser Behandlungsweise steigt wissenschaftlichen Aussagen zufolge das Risiko für Blutungen. Statt der Gummibandligatur kommt zur Blutungsstillung daher eine endoskopische [[Kunstharzsklerosierung9] zum Einsatz. Falls die Blutung massiv oder endoskopisch nicht zu unterbinden ist, sind klinische Behandlungsmaßnahmen wie die Anlage von Kompressionssonden angezeigt.

Bei diesen Sonden handelt es sich in der Regel um Linton-Nachlass-Sonden. Da derartige Verfahren einer rein symptomatischen Behandlung entsprechen, muss zusätzlich eine kausale Therapie der Grunderkrankung erfolgen. Bei Fundusvarizen entspricht diese Kausaltherapie in der Regel einer operativen Exzision vorliegender Raumforderungen.

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Vorbeugung

Fundusvarizen lässt sich nur insofern vorbeugen, wie den Ursachen von Umgehungskreisläufen vorgebeugt werden kann. Allenfalls können die Präventionsmaßnahmen im Kontext von Pankreastumoren im weitesten Sinne das Risiko für die Ausbildung von Fundusvarizen senken.

Das können Sie selbst tun

Erkrankte von Fundusvarizen sollten im Alltag Überanstrengung und starke Belastungen vermeiden. Das Tragen und Heben schwerer Gegenstände sowie andere körperliche Überforderungen können plötzliche gesundheitliche Beeinträchtigungen auslösen, die es zu unterbinden gilt.

Neben den körperlichen Beanspruchungen sind gleichzeitig auch die seelischen sowie emotionalen Herausforderungen zu reduzieren. Bei Stress oder starken Gefühlsempfindungen sollte der Patient darauf achten, keine negative Lebenseinstellung zu entwickeln. Zur eigenen inneren Entlastung können Entspannungsverfahren genutzt werden, um eine innere Balance herzustellen. Mit Methoden wie Yoga oder Meditation kann ein seelisches und psychisches Gleichgewicht hergestellt werden, das zu einer Entlastung des Organismus beiträgt. Eine Emotionskontrolle und Veränderung von belastenden kognitiven Mustern helfen dem Patienten, um eine optimistische Grundeinstellung zu entwickeln. Eine gute Selbstreflektion ist im Alltag wichtig, um die ersten Anzeichen von körperlichen Unregelmäßigkeiten zu erkennen und darauf reagieren zu können.

Mit einem gesunden Lebenswandel sowie ausreichender Bewegung ist es dem Patienten möglich, das vorhandene Wohlbefinden zu erhalten und zu verbessern. Übergewicht gilt es zu vermeiden und zur Vorbeugung von Durchblutungsstörungen sollten starre Körperhaltungen vermieden werden. Treten Schmerzen ein, ist es ratsam, keine eigenständige Einnahme von Schmerzmitteln durchzuführen. Die Rücksprache mit einem Mediziner ist notwendig, damit keine weiteren Komplikationen auftreten. Zusätzlich hilft beim Umgang mit Schmerzen autogenes Training.

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Quellen

  • Luther, B. (Hrsg.): Kompaktwissen Gefäßchirurgie. Springer, Berlin 2011
  • Marshall, M., Loew, D.: Venenerkrankungen. Springer, Berlin 2003
  • Plewig, G. et al.: Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Springer, Heidelberg 2012

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