Frontallappen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. November 2016
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Als Frontallappen wird ein Bereich im Großhirn bezeichnet, welcher für die Steuerung von Bewegungen, Emotionen und der Persönlichkeit mitverantwortlich ist. Sein Aufbau ist ebenso komplex wie die Anzahl seiner möglichen Erkrankungen und Beschwerden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Frontallappen?

Der Frontallappen, auch Stirnlappen oder Lobus frontalis genannt, ist einer von vier Teilbereichen des Neokortex. Er befindet sich im vorderen Bereich des Großhirns und übernimmt wichtige Aufgaben wie die Steuerung der motorischen Funktionen und Emotionen. Überdies gilt er als Sitz der Persönlichkeit und des Selbstbewusstseins.

Aufgrund dieser Eigenschaften wird er von einigen Wissenschaftlern und Autoren auch als „Organ der Zivilisation“ bezeichnet. Seinen vielfältigen Funktionen führen dazu, dass Erkrankungen oder Beschwerden des Frontallappens sich schnell auf die Psyche des Betroffenen auswirken. Tumore und Demenz, beides Erkrankungen, die häufig in Verbindung mit dem Frontallappen auftreten, ziehen Veränderungen in der Persönlichkeitsstruktur nach sich. Vor allem das Humorzentrum ist betroffen und verändert sich im Verlaufe erwähnter Erkrankungen drastisch.

Anatomie & Aufbau

Der Frontallappen befindet sich in der vorderen Schädelgruppe. Am vorderen Hirnpol beginnend, reicht er bis zum Sulcus centralis, einer Furche, die als Trennung zwischen Frontallappen und Parietallappen dient. Unter dem Frontallappen befindet sich die Inselrinde. Der Frontallappen lässt sich in drei Bereiche unterteilen: Den motorischen Bereich, den prämotorischen Bereich und den präfrontalen Bereich. Letzter wird als präfrontaler Cortex bezeichnet, während die beiden erstgenannten Bereiche zusammen auch als Motorcortex bezeichnet werden.

Der Frontallappen beherbergt verschiedene Windungen, welche für unterschiedliche Aufgaben zuständig sind. So etwa den Gyrus praecentrali, die Gyri frontales inferior und die Gyri orbitales. Die Blutversorgung des Frontallappens geht über die vordere und mittlere Hirnschlagader vonstatten. Während die vordere Hirnschlagader für die Blutversorgung des medialen Teils des Frontallappens zuständig ist, versorgt die mittlere Hirnschlagader den lateralen Teil. Der Blutabfluss geht über die aufsteigenden oberflächlichen Venen des Gehirns vonstatten, wobei auch die mittlere oberflächliche Hirnvene Blut aus dem Frontallappen abtransportiert. Von hier aus fließt das Blut über den Sinus sagittalis superior und von dort aus in den Sinus transversus. Von der mittleren Vene geht es weiter über den Sinus Cavernus oder den Sinus transversus und von dort aus in die innere Drosselvene, welche aus dem Schädel führt.

Funktion & Aufgaben

Der Frontallappen hat eine Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben. In erster Linie ist er für die Bewegungen verantwortlich. Unterschieden wird hierbei zwischen primär-motorischer Rinde, welche für die Ausführung von Bewegung verantwortlichst ist, und prämotorischer Rinde, welche für die Auswahl der notwendigen Bewegungen zuständig ist. Die supplementär-motorische Rinde synchronisiert beide Bereiche und ermöglicht dadurch situationsgerechte Handlungen. Neben diesen Funktionen ist die Frontalregion für kognitive Aufgaben wie die Steuerung von Emotionen, Persönlichkeit und Humor zuständig. Zu beobachten ist dies beispielsweise bei Personen mit beschädigtem Frontallappen. Diese weichen im Bezug auf den Humor deutlich von der Norm ab und verlieren die Fähigkeit, komplexere Humorformen zu verstehen.

Ein wichtiger Bestandteil des Frontallappens ist auch die sogenannte Area 24. In diesem Bereich des Gehirns sitzen besonders viele pyramidenförmige Spindelzellen, welche nur beim Menschen vorhanden sind. Dies lässt den Schluss zu, dass diese Zellen und der Bereich, in dem sie sich befinden, für wichtige Aspekte wie die Sprachentwicklung und die Entwicklung des Selbstbewusstseins zuständig ist. Generell wird vermutet, dass die Area 24 im Frontallappen eine wichtige Rolle bei der menschlichen Evolution gespielt haben könnte.

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Krankheiten

Im Frontallappen kann es zu unterschiedlichen Krankheiten und Beschwerden kommen. Am bekanntesten ist wohl die Pick-Krankheit, welche auch als frontotemporale Demenz bezeichnet wird und im Stirn- bzw. Schläfenlappen des Gehirns auftritt. Im Verlauf der neurodegenerativen Erkrankung, welche meist vor dem 60. Lebensjahr auftritt, kommt es zunächst zu Veränderungen der Persönlichkeit.

Betroffene leiden abwechselnd unter Symptomen wie Apathie, Antriebslosigkeit und affektiver Verflachung und Triebhaftigkeit sowie Euphorie. Überdies kommt es zu einem Verlust der ethischen Werte und generellen Enthemmungsphänomenen. Im weiteren Verlauf der Krankheit kommt es zu einer Muskelversteifung und in der Folge zur Pflegebedürftigkeit. Eine weitere Beschwerde, die hauptsächlich vom Frontallappen ausgeht, ist das sogenannte Astrozytom. Dabei handelt es sich um einen Gehirntumor, welcher im mittleren Lebensalter auftritt und im Zentralnervensystem entsteht. Er geht zunächst mit epileptischen Anfällen und später mit Persönlichkeitsveränderungen einher. Dies ist auf den steigenden Hirndruck zurückzuführen, welcher auch Kopfschmerzen und Lethargie auslösen kann. Die Krankheit verläuft nicht zwingend tödlich, Betroffene erreichen meist jedoch kein hohes Lebensalter.

Das Glioblastom ist ebenfalls ein Hirntumor. Im Detail handelt es sich um einen bösartigen Tumor, welcher mit typischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Persönlichkeitsveränderungen und anderweitigen Störungen einhergeht. Die Krankheit endet meist im Verlauf von etwa fünf Jahren tödlich für den Betroffenen. Auch die Epilepsie hat ihren Ursprung im Frontallappen. Sie geht mit Krampfanfällen und anderweitigen Beschwerden einher und kann heutzutage gut behandelt werden. Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Epilepsie-Erkrankungen müssen diverse Untersuchungen durchgeführt werden, bevor eine umfassende Behandlung des Patienten möglich ist.

Neben diesen Krankheiten und Beschwerden, gibt es noch eine Vielzahl weiterer Störungen, die im Zusammenhang mit dem Frontallappen auftreten können. Gemeinsam haben sie, dass es im Verlauf zu Antriebsstörungen, Störungen der Gedächtnisleistung und Störungen der Aufmerksamkeit kommen kann. Auch Kreativität, Wortflüssigkeit und spontanes Verhalten sind reduziert.

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