Frontalhirnsyndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. Oktober 2017
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Beim Frontalhirnsyndrom liegen Verletzungen des Frontalhirns vor. Läsionen in diesem Gehirnbereich äußern sich meist in kognitiven Störungen und Verhaltensstörungen wie der Pseudopsychopathie. Die Behandlung hängt von der primären Schädigungsursache ab.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Frontalhirnsyndrom?

Im Frontalhirn des Menschen sitzen Kognition und Charakter. Der Gehirnbereich wird auch als präfrontaler Kortex bezeichnet und ist an sämtlichen Überwachungs- und Analysefunktionen beteiligt. Eine entscheidende Rolle spielt der Gehirnbereich damit für das menschliche Verhalten. Das Frontalhirn besitzt Vernetzungen zu sämtlichen anderen Gehirnbereichen und ermöglicht einen schnellen und effektiven Informationsaustausch.

Aufgrund der zahlreichen Vernetzungen zum limbischen System, den Basalganglien, dem Kleinhirn und dem Thalamus ist das Frontalhirn dazu in der Lage, das menschliche Verhalten ideal an die aktuell bestehende Situation anzupassen. Als Frontalhirnsyndrom ist eine Schädigung der vorderen Stirnhirnanteile bekannt. Ähnlich des dysexekutiven Syndroms stört das Frontalhirnsyndrom vor allem die exekutiven Funktionen des Gehirns.

Der Ausdruck des dysexekutiven Syndroms gibt in sich bereits Symptome an: so vor allem die Störung der exekutiven Gehirnfunktionen. Der Begriff des Frontalhirnsyndroms gibt demgegenüber keine konkreten Symptome an, sondern bezieht sich lediglich auf die Lokalisation einer Gehirnläsion. Nicht immer sind beim Frontalhirnsyndrom exekutive Funktionen gestört.

Damit kann sich das Frontalhirnsyndrom theoretisch zwar in einem dysexekutiven Syndrom äußern, aber muss nicht zwingend als dysexekutives Syndrom in Erscheinung treten. Synonyme sind die beiden Begriffe also nicht.

Ursachen

Das Frontalhirnsyndrom ergibt sich aus Schädigungen des vorderen Frontalhirns. Diese Schädigungen können im Rahmen von Unfällen blutungsbedingt entstehen, im Rahmen von Schlaganfällen auftreten, mit Entzündungen in Zusammenhang stehen oder durch Degeneration hervorgerufen werden. Auch Fehldurchblutung oder Tumore können das Frontalhirnsyndrom auslösen.

Abhängig von der genauen Lokalisation gehen mit dem Syndrom unterschiedliche Störungen einher, so zum Beispiel kognitive Beeinträchtigungen, Verhaltensveränderungen oder sogar Pseudopsychopathie. Grundsätzlich wird der präfrontale Cortex in einen dorsolateral präfrontalen Cortex und einen orbito-frontalen Cortex unterteilt. In ersterem Anteil befinden sich vor allem kognitive Funktionen, wie Problemlösung, Vorausplanen und zielgerichtetes Handeln.

Im orbito-frontalen Teil befinden sich Persönlichkeitseigenschaften und Emotionsregulation. Bei wie auch immer gearteten Läsionen im Frontalhirn kann der Mensch sein Verhalten nicht mehr flexibel und sinnig an neue Gegebenheiten anpassen. Die Art und genaue Lokalisation entscheidet über die Symptome des Frontalhirnsyndroms. Das heißt, dass zwei Menschen mit Frontalhirnsyndrom abhängig von der Läsion an grundlegend verschiedenen Beschwerden leiden können.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einer Läsion in den kognitiven Anteilen des Frontalhirns treten kognitive Störungen auf. Neben Problemanalyse-Störungen und Störungen der Ideenproduktion kann es zu sprachlicher Reduktion kommen. Die Umstellungsfähigkeit geht zurück und der Patient neigt zur Perseveration. Teilweise tun sich die Patienten mit Regelbeachtung und Regelverstößen schwer.

Routinehandlungen werden nicht gezielt eingesetzt. Die Plausibilität von Handlungen wird nicht mehr kontrolliert. Alternativpläne entwickeln die Patienten kaum oder gar nicht. Sie haben Schwierigkeiten, wenn sie mehrere Informationen gleichzeitig beachten sollen. Handlungskonsequenzen sehen sie nicht vorher. Darüber hinaus lernen sie nicht aus Fehlern und handeln impulsiv.

Ihre Willensstärke geht oft zurück. Das Frontalhirnsyndrom kann sich auch vorrangig in Verhaltensstörungen manifestieren. Bei der Pseudodepression nach Frontalhirnschädigung kann eine motorische Verlangsamung und Sprechverarmung eintreten. Auf Ebene der Sensorik ist eine mangelnde Reaktionsfähigkeit bis hin zur Apathie denkbar.

Emotional-affektive Symptome wie eine niedergeschlagene Grundstimmung mit geringem Selbstwert, Selbstablehnung oder emotionaler Gleichgültigkeit sind denkbar. Antriebs- und Interessenverlust, Initiativverlust und eine Reduktion des sexuellen Verlangens treten ein.

Neben einer Vernachlässigung des eigenen Erscheinungsbilds tritt sozialer Rückzug ein. Auf kognitiver Ebene entsteht neben Entscheidungsunfähigkeit vor allem eine Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörung. Schlafstörungen und Müdigkeit prägen den Biozyklus. Von der Pseudodepression ist die Pseudopsychopathie nach Frontalhirnschädigung zu unterscheiden.

Motorische Hyperaktivität trifft hierbei auf sensorische Halluzinationen. Eine manisch euphorische Grundstimmung kann genauso vorliegen wie paranoide Wahnvorstellungen und Aggressionsausbrüche. Gefühlsregungen wie Lachen und Weinen sind nicht mehr angemessen.

Neben Hypersexualität treten mangelndes Taktgefühl, soziale Konventionslosigkeit, mangelnde Distanzierungsfähigkeit, Enthemmung, Vulgärsprache und Konfabulationen auf. Kognitiv sind die Patienten oft ideenflüchtig, witzelsüchtig oder aufmerksamkeits- und konzentrationsgestört. Das biozyklische Schlafbedürfnis geht zurück.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose des Frontalhirnsyndroms wird mittels Bildgebungen vom Neurologen gestellt. Abhängig von den Symptomen und der Lokalisation der Läsion in der Bildgebung konkretisiert der Neurologe seine Diagnose als dysexekutives Syndrom, Pseudodepression oder Pseudopsychopathie.

Die Prognose ist für Patienten mit Frontalhirnsyndrom meist ungünstig, da Gehirnschädigungen in den meisten Fällen funktionsbeeinträchtigende Narben zurücklassen. Die ungünstigste Prognose besteht bei Degeneration. Die günstigste Prognose haben gutartige Tumore. Mit der Entfernung des Tumors gehen in diesem Fall meist alle Symptome zurück.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Sobald Unregelmäßigkeiten und auffällige Veränderungen des Verhaltens, der gewohnten Denkmuster oder der emotionalen Verarbeitung auftreten, sollte ein Arzt konsultiert werden. Mindert sich plötzlich die Denkleistung oder kommt es zu Problemen beim Wissensabruf, gibt es Grund zur Besorgnis. Ist die Impulskontrolle defekt, setzt Hyperaktivität ein oder entsteht starke Teilnahmslosigkeit und Apathie, sollten die Symptome untersucht und behandelt werden.

Bei Problemen der Informationsverarbeitung, Amnesie und sporadischen ungewöhnlichen Gedächtnislücken, wird ein Arzt benötigt. Eine Kontrolluntersuchung ist notwendig, sobald sich die Persönlichkeit des Menschen stark ändert und er befremdlich wirkt. Ein aggressives Auftreten oder ein stark weinerliches Verhalten, das zuvor nicht von dem Betroffenen gezeigt wurde, muss abgeklärt werden. Können die alltäglichen Verpflichtungen nicht mehr wahrgenommen werden oder kommt es zu depressiven Verstimmungen, ist es notwendig, einen Arzt aufzusuchen.

Setzen Halluzinationen oder Wahnvorstellungen ein, werden wirre Äußerungen getätigt oder finden Veränderungen der Sprachgebung statt, ist eine ärztliche Behandlung schnellstmöglich einzuleiten. Vulgäre Formulierungen, Enthemmungen oder eine unpassende Euphorie muss untersucht werden. Bei Störungen der Konzentration, Schlafproblemen und anhaltender Müdigkeit wird ein Arzt benötigt. Eine starke emotionale Gleichgültigkeit, Empathie- und Rücksichtslosigkeit, Reduktion des sexuellen Verlangens oder ein selbstzerstörerisches Verhalten, sind einem Arzt vorzustellen.

Behandlung & Therapie

Die Therapie hängt bei Patienten mit Frontalhirnsyndrom von der primären Ursache ab. Falls eine Entzündung im Frontalhirnbereich für die Symptome verantwortlich ist, muss diese Entzündung schleunigst eingedämmt werden. Bei bakteriellen Entzündungen werden Kortison und Antibiotika gleichzeitig gegeben, damit das Antibiotikum die Blut-Hirn-Schranke überschreiten kann.

Bei autoimmunologischen Entzündungen findet eine Hochkortison-Therapie statt. Tumore werden soweit wie möglich entfernt oder gegebenenfalls bestrahlt. Eine Verhaltenstherapie und eine supportive Therapie zur Förderung der kognitiven Fähigkeiten kann Sinn machen, um die Übertragung bestimmter Gehirnfunktionen auf noch intakte Gehirnbereiche anzuregen.

In vielen Fällen bleibt dieser Versuch allerdings erfolglos und die Patienten finden nicht mehr zu ihrer ursprünglichen Persönlichkeit oder ihrem ursprünglichen Verhalten zurück. Vor allem degenerative Erkrankungen und so entstandene Schädigungen lassen sich bis heute nur schwer behandeln. Die Angehörigen der Betroffenen erhalten oft Psychotherapie, die ihnen bei der Verarbeitung der Situation hilft.

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Vorbeugung

Dem Frontalhirnsyndrom lässt sich nur insoweit vorbeugen, wie Läsionen des Frontalhirns vorgebeugt werden kann, so zum Beispiel Erkrankungen wie Alzheimer, Multiple Sklerose oder Schlaganfällen, Tumoren und Hirnblutungen. Eine allumfassende Vorbeugung ist dementsprechend unmöglich.

Das können Sie selbst tun

Die Möglichkeiten der Selbsthilfe sind bei einem Frontalhirnsyndrom sehr eingeschränkt. Es handelt sich im Normalfall um dauerhafte Schäden des Gehirns, bei denen der Betroffene kaum oder gar keine Einflussmöglichkeit hat. Patienten sind auf fremde Hilfe angewiesen und sollten sich daher fachmännisch untersuchen und behandeln lassen. Eine rechtzeitige Inanspruchnahme einer medizinischen Untersuchung und Therapie ist notwendig. Ohne eine ärztliche Versorgung droht eine Ausbreitung der beschädigten Hirnareale. Individuell können innerhalb einer Behandlung Maßnahmen des Trainings für eine Eigenregie besprochen werden.

Soweit möglich, helfen eine positive und bejahende Lebenseinstellung bei einer Erkrankung. Diese ist hilfreich, um Fortschritte bei einer Therapie zu erzielen. Negative Umwelteinflüsse sind darüber hinaus grundsätzlich zu vermeiden. Dazu gehören der Konsum von Gift- und Schadstoffen, wie beispielsweise Nikotin, Alkohol oder Drogen. Gehirntrainings unterstützen die vorhandenen Funktionsmöglichkeiten. Im präfrontalen Cortex werden vom Organismus Überwachungs- und Analysetätigkeiten vorgenommen. Nachdem über bildgebende Verfahren ermittelt wurde, welche Regionen beschädigt oder beeinträchtigt sind, kann eine gezielte Therapie erfolgen.

Im Alltag sollte der Betroffene achtsam sein, um seine eigenen Körperfunktionen gut einschätzen zu können. Lassen vorhandene Fähigkeiten nach oder kommt es zu weiteren Einbußen der Leistungsfähigkeit, empfiehlt es sich, schnellstmöglich Hilfe in Anspruch zu nehmen. Je besser die Selbsreflektion stattfindet, desto eher kann eine Diagnose erfolgen.

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Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Diener, H.-C., et al.: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012

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