Friedreich-Ataxie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. November 2017
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Die Friedreich-Ataxie ist ein genetisch bedingtes neurologisches Krankheitsbild. Symptome sind vor allem Lähmungen, oft auch Herzschwäche und Diabetes. Eine Kausaltherapie gibt es nicht. Die Symptome zu mildern ist die ärztliche Hauptaufgabe in der Behandlung der Friedreich-Ataxie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Friedreich-Ataxie?

Friedreich-Ataxie nennen die Ärzte eine Erbkrankheit, die zur Degeneration bestimmter Spinalganglien (Rückenmarksnerven) und Gehirnzellen führt.

Neben diesen neurologischen Veränderungen können auch Herzmuskelzellen betroffen sein. Auffälligstes Symptom des Krankheitsbildes ist eine Störung der Bewegungs-Koordination („Ataxie“). Daneben kann Diabetes hinzutreten, viele Patienten weisen auch Missbildungen der Füße (z.B. Hohlfuß) oder der Wirbelsäule auf.

Umstritten ist, ob eine Veränderung der Persönlichkeit wirklich zum Krankheitsbild gehört. Die im Zuge der Friedreich-Ataxie beobachtete jugendliche Demenz könnte auch andere Ursachen haben. Der Würzburger Pathologe Nikolaus A. Friedreich (1825 – 1882) beschrieb die nach ihm benannte Krankheit. Statistiken zufolge kommt auf 50.000 Geburten ein Fall von Friedreich-Ataxie.

Ursachen

Die Friedreich-Ataxie wird rezessiv vererbt. Das heißt, das „kranke“ Gen muss von beiden Elternteilen an den Nachkommen weitergegeben werden, um die Krankheit auszulösen. Erbt ein Kind das defekte Gen nur von einem Elternteil, erkrankt es selber nicht.

Doch ein solcher Mensch ist Träger des fehlerhaften Chromosoms und kann es der folgenden Generation weitervererben. Jeder hundertste Mensch soll das fehlerhafte Gen auf einem Chromosom in sich tragen.

Die Folge der gestörten Gen-Steuerung ist einmal eine Degeneration der Hinterstrangbahnen. Diese Rückenmarksnerven leiten Sinneswahrnehmungen ins Gehirn. Zum anderen verkümmern Nervenfasern, die vom Kleinhirn zu den Muskeln führen, also die Bewegung steuern. Manchmal degeneriert auch die Kleinhirnrinde selber. Warum parallel zu den anderen Symptomen auch Diabetes auftreten kann, ist ein noch nicht verstandener Effekt der Friedreich-Ataxie.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Friedreich-Ataxie wird heute mit den Methoden der Molekulargenetik diagnostiziert. Dies geschieht, nachdem ataktische Symptome den Neurologen aufmerksam gemacht haben. Meist ist das erst im 25. Lebensjahr der Fall. Dann beginnt der Krankheitsverlauf zunächst mit einer leichten Gehbehinderung, die von Gleichgewichtsstörungen begleitet wird.

Die Geschicklichkeit der Hände lässt nach und auch die Armbewegungen werden zunehmend unsicher. Auffällig ist auch eine immer schlimmer werdende Sprechstörung. Die Patienten klagen über nachlassende Intensität des Tastsinns und der Tiefensensibilität. Darunter versteht man Empfindungen aus der Mitte des Körpers.

Zu schaffen machen den Patienten aber die fortschreitenden Lähmungserscheinungen, die zur Pflegedürftigkeit führen. Eine oft hinzutretende Herzmuskelschwäche ist schließlich eine der häufigsten Todesursachen bei Friedreich-Ataxie.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es bei einer Friedreich-Ataxie zu Lähmungen an verschiedenen Stellen des Körpers. Durch die Lähmungen kommt es zu starken Störungen der Koordination. Ein zielgerichteter und aufrechter Gang sind meist nicht mehr möglich, sodass der Patient auf Gehhilfen oder auf eine Betreuung angewiesen ist.

In der Regel kommt es auch zu Gefühlsstörungen und zu Störungen der Sensibilität. Bei Kindern kann es zur Ausbildung einer Spastik oder von Sprachstörungen kommen. Diese sind besonders von der Friedreich-Ataxie betroffen, da sie aufgrund der Symptome gemobbt werden können. Nicht selten kommt es dadurch zu psychischen Schwierigkeiten.

Die meisten Patienten leiden darüber hinaus an Herzproblemen und an einer Diabetes. Dadurch wird der Alltag zunehmend eingeschränkt und die Lebensqualität verringert. Eine direkte Behandlung der Friedreich-Ataxie kann nicht durchgeführt werden. Aus diesem Grund treten hierbei keine weiteren Komplikationen auf.

Es ist allerdings möglich, die Symptome der Ataxie zu mildern. Dies geschieht vor allem mit Medikamenten, Vitaminen und einer Physiotherapie. Die Herzprobleme können durch eine strenge Diät und einen gesunden Lebensstil vermieden werden, wobei dasselbe für den Diabetes gilt. Die Lebenserwartung ist bei einer Friedreich-Ataxie in der Regel nicht vermindert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei der Friedreich-Ataxie muss immer ein Arzt aufgesucht werden. Es kommt bei dieser Erkrankung nicht zu einer Selbstheilung, sodass die Betroffenen in jedem Fall auf eine Untersuchung und Behandlung durch einen Arzt angewiesen sind. Ein Arzt sollte dann aufgesucht werden, wenn der Patient an Gangstörungen oder an motorischen Störungen leidet.

Der Gang der Patienten ist dabei deutlich verunsichert und es kommt zu Lähmungen oder zu anderen Gefühlsstörungen. Weiterhin ist auch dann eine ärztliche Behandlung notwendig, wenn der Betroffene an Sprachbeschwerden oder an Spastiken leidet. Auch Veränderungen der Persönlichkeit, eine allgemeine Verwirrtheit oder Demenz können auf die Friedreich-Ataxie hindeuten. Viele Patienten leiden auch an Diabetes oder einer Herzschwäche.

In der Regel kann bei der Friedreich-Ataxie ein Allgemeinarzt oder ein Kinderarzt aufgesucht werden. Dieser stellt die Diagnose der Erkrankung. Die weitere Behandlung erfolgt dann allerdings durch verschiedene Spezialisten, da die Friedreich-Ataxie nur symptomatisch behandelt werden kann. Ein vollständig positiver Krankheitsverlauf kann in den meisten Fällen zwar nicht erreicht werden, allerdings wird die Lebensqualität des Betroffenen durch die Behandlung erheblich verbessert.

Behandlung & Therapie

Die Friedreich-Ataxie ist ursächlich nicht therapierbar. Denn in einen gestörten Genstoffwechsel können die Ärzte heute noch nicht eingreifen. Ein medikamentöser Ansatz erschöpft sich in der Gabe von Vitaminen-E und ähnlicher, teils synthetischer Substanzen. Ziel dieser Medikation ist der Schutz der geschädigten Nervenzellen vor zusätzlichem physiologischen Stress. Die eingesetzten Pharmazeutika wirken als Radikalfänger, das heißt, sie eliminieren aggressive Stoffwechselprodukte.

Weitere Maßnahmen dienen der Milderung der Symptome. Im Fokus steht die Erhaltung der Mobilität, daher sollten die Möglichkeiten der Physiotherapie ausgeschöpft werden. Anspruch auf stationäre Rehabilitationsmaßnahmen haben die Patienten in jedem Fall. Auch eine Therapie beim Logopäden ist Teil der Behandlung, um die die Stimmqualität und die Artikulation zu verbessern. Durch ergotherapeutische Bemühungen verbessern sich sowohl die Mobilität als auch die soziale Integration der Patienten.

Als weiterer Aspekt müssen stets die Veränderungen an den Füßen sowie der Wirbelsäule berücksichtigt werden. Hier ist der Orthopäde gefragt, um den Patienten mit der Anpassung von Orthesen oder ähnlichen Maßnahmen zu unterstützen.

Nicht weniger wichtig ist die Behandlung der vielfach auftretenden Herzmuskelschwäche sowie Herzrhythmusstörungen. Im Hinblick darauf wird der Kardiologe eine medikamentöse Behandlung einleiten. Wenn sich ein Diabetes mellitus manifestiert, ist eine Diät, eventuell auch Insulin-Injektionen erforderlich. Denn ernst zu nehmen ist auch diese Folgeerscheinung der Friedreich-Ataxie.

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Vorbeugung

Einer Friedreich-Ataxie vorzubeugen ist nicht möglich, da es sich um eine Erbkrankheit handelt. Eine möglichst frühe Diagnose ist zur symptomatischen Intervention sicherlich sinnvoll. Hier müssen Eltern entscheiden, ob sie ihr Kind einem allgemeinen molekular-genetischen Test unterziehen möchten. Nur so diagnostiziert der Arzt sehr früh die Friedreich-Ataxie.

Das können Sie selbst tun

Im Alltag stehen der Patient sowie dessen Angehörige vor großen Herausforderungen bei der Bewältigung der Erkrankung. Durch die zunehmenden Probleme der körperlichen Motorik sowie die verkürzte Lebenserwartung benötigen alle Beteiligten mentale Stärke sowie verschiedene Möglichkeiten zur Verbesserung der vorhandenen Lebensqualität.

Damit die ansteigenden Sprachstörungen kompensiert werden können, sollten der Patient und dessen Angehörige rechtzeitig einen Weg finden, um auch ohne Worte im Alltag miteinander ausreichend kommunizieren zu können. Die Nutzung der Gebärdensprache und auch eine Form der Zeichensprache sind Hilfsmittel, die sie verwenden können. Das Schreiben wird ebenfalls im Krankheitsverlauf Schwierigkeiten bereiten, dennoch wäre es neben der Verwendung digitaler Hilfsmittel eine Möglichkeit des gegenseitigen Austausches. Zur Unterstützung der mentalen Stärkung helfen Therapeuten, Foren oder Selbsthilfegruppen. Ein Austausch aller seelischen Belastungen kann stattfinden und damit das Wohlbefinden verbessern.

Gemeinsame Freizeitaktivitäten sollten unvermindert stattfinden. Ein sozialer Rückzug ist nicht zu empfehlen, da er in den meisten Fällen keine positive Auswirkung auf die Gesundheit hat. Kann sich der Patient nicht mehr aus eigener Kraft ausreichend bewegen, ist es hilfreich, wenn Angehörige oder Pflegepersonal mit ihm Zeit an der frischen Luft verbringen. Das Immunsystem sollte durch eine gesunde Ernährung unterstützt werden, damit das Infektionsrisiko minimal gehalten wird.

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Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Murken, J., Grimm, T., Holinski-Feder, E., Zerres, K. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik. Thieme, Stuttgart 2011

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