Fremdkörperaspiration

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. Oktober 2017
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Eine Fremdkörperaspiration liegt vor, wenn Fremdkörper in die Atemorgane und -wege gelangen. Im überwiegenden Teil der Fälle treten Fremdkörperaspirationen bei kleinen Kindern auf. Grundsätzlich ist es aber möglich, dass die Aspiration von Fremdkörpern bei Personen aller Altersklassen vorkommt. Bei einem Großteil der Patienten ergibt sich die Fremdkörperaspiration im Rahmen der Aufnahme von Nahrung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Fremdkörperaspiration?

Die Fremdkörperaspiration unterscheidet sich im Einzelfall durch ihre Ausprägung und ihr Potenzial für Komplikationen. Die Symptome sind in erster Linie davon abhängig, welche Art von Fremdkörper in welcher Größe wie tief in die Atemwege eingedrungen ist. Das erste Anzeichen der Aspiration stellt in der Regel ein pfeifendes Geräusch beim Atmen dar.

Sind die Atemwege stark behindert, leiden die Patienten unter einem Husten, der nicht mehr stillbar ist. In zahlreichen Fällen bilden sich außerdem sogenannte Hämoptysen. Wenn die Versorgung mit frischer Atemluft durch die Aspiration des Fremdkörpers stark beeinträchtigt ist, entwickeln zahlreiche betroffene Personen eine Zyanose oder eine Dyspnoe.

Ursachen

Die Ursache einer Fremdkörperaspiration liegt grundsätzlich darin, dass ein Gegenstand in die Atemwege eindringt. Infrage kommen zum Beispiel Teile der Nahrung oder Spielzeug. In vielen Fällen tritt die Aspiration von Fremdkörpern bei kleinen Kindern auf, die beispielsweise bei der Nahrungsaufnahme oder beim Spielen diverse Feststoffe einatmen. Mögliche Gegenstände sind etwa Knochen, Nüsse, Steinchen oder Bestandteile der Spielsachen.

Bei erwachsenen Personen entstehen Aspirationen von Fremdstoffen vor allem in solchen Situationen, in denen der Patient an neurologischen Störungen leidet oder bewusstlos ist. In der Folge davon ist der Vorgang des Schluckens in zahlreichen Fällen beeinträchtigt. Beobachtungen zeigen zudem, dass die Einatmung von Fremdkörpern oftmals nicht bemerkt wird. Dies gilt für kindliche und erwachsene Patienten gleichermaßen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Fremdkörperaspiration geht prinzipiell mit verschiedenen Symptomen einher, die sich bei jedem Patienten minimal unterscheiden. Grundsätzlich hängen die individuell auftretenden Beschwerden stark von drei Faktoren ab. Dazu zählen die Lokalisation des Fremdstoffes innerhalb der Atemwege, die Art und Größe des Fremdkörpers sowie die Zeitspanne, die zwischen der Einatmung und der Stellung der Diagnose liegt.

Im Hinblick auf die Lokalisation der eingeatmeten Fremdkörper zeigt sich, dass sich der überwiegende Teil der Fremdkörperaspirationen in den Bronchien konzentriert. Besonders oft bleiben die Fremdkörper dabei in den bronchialen Verzweigungen auf der rechten Seite stecken. Der Grund dafür liegt darin, dass der Hauptweg der Bronchien rechterhand steiler absteigt als jener auf der linken Seite.

Bezüglich des Fremdkörpers sind in erster Linie Art, Form, Größenausdehnung sowie die Konstanz des Fremdstoffes entscheidend. Handelt es sich um verunreinigte Substanzen, erhöht sich zudem das Risiko für Infektionen der Atemwege erheblich. In diesem Zusammenhang ist zum Beispiel eine sogenannte Aspirationspneumonie möglich.

In Abhängigkeit seiner Größe und Form verstopft der Fremdstoff unter Umständen vollständig die Wege der Bronchien. In der Folge davon entstehen in manchen Fällen Atelektasen. In anderen Fällen fungiert der Fremdkörper als eine Art Ventil, wobei Luft eingeatmet, nicht jedoch ausgeatmet werden kann. Hierbei besteht das Risiko einer Überblähung.

Schließlich spielt der Zeitraum zwischen der Fremdkörperaspiration und der Diagnosestellung eine wichtige Rolle für die Entstehung und Ausprägung der Symptome und Komplikationen. Je mehr Zeit bis zur Diagnose vergeht, umso wahrscheinlicher ist die Entwicklung von Schwierigkeiten durch die Aspiration des Fremdkörpers.

Dabei erhöht sich vor allem die Gefahr von Superinfektionen. Auch Entzündungsprozesse in den betroffenen Atemwegen und den umliegenden Arealen entstehen leichter. Kommt es nicht zu einer Entfernung des Fremdstoffes aus den Atemwegen, entwickeln sich in vielen Fällen Atelektasen und Hämoptysen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Fremdkörperaspiration wird anhand der vorliegenden Beschwerden diagnostiziert. Zuerst führt der Arzt ein Gespräch mit dem Patienten durch, wobei er die Symptome sowie die Ursachen und Entstehungsumstände der Aspiration analysiert. Danach untersucht der Arzt den Patienten mittels unterschiedlicher Verfahren.

In der Regel steht die körperliche Untersuchung an erster Stelle, wobei der Arzt zum Beispiel den Rachenraum der betroffenen Person untersucht. Eine weitere wichtige Methode stellen bildgebende Verfahren dar, die in der Regel eine sichere Diagnose der Fremdkörperaspiration ermöglichen. Dabei wird in den meisten Fällen der Bereich des Brustkorbes geröntgt. Bei manchen Patienten kommt ergänzend eine Spirometrie zum Einsatz, um die Diagnose zu sichern.

Komplikationen

Bei der Fremdkörperaspiration kommt es im schlimmsten Falle zum Tode. Hierbei ist eine sehr schnelle und professionelle Behandlung durch den Notarzt notwendig, damit der Patient nicht verstirbt. Der Tod erfolgt durch die verminderte Zufuhr von Sauerstoff. Da die Fremdkörperaspiration bei allein Altersgruppen und mit verschiedenen Gegenständen vorkommen kann, sind die Komplikationen sehr unterschiedlichen.

Im Allgemeinen kommt es zu Panikattacken und Schnappatmung. Die Organe und Extremitäten werden mit weniger Sauerstoff versorgt und können dabei Schaden nehmen. Je länger die Unterversorgung stattfindet, desto stärker werden diese geschädigt. Vor allem das Gehirn kann stark betroffen sein, sodass es nach der Entfernung des Fremdkörpers zu geistigen oder psychischen Einschränkungen kommen kann.

Vor allem bei kleinen Kindern und Babys ist die Gefahr der Fremdkörperaspiration erhöht. In der Regel dauert es 13 Minuten, bis der Patient ohne Sauerstoffzufuhr verstirbt. Vorher verliert er das Bewusstsein. Nicht selten sind operative Eingriffe notwendig, um den Fremdkörper wieder zu entfernen. Wurde der Fremdkörper komplett verschluckt, kann es zu Problemen im Magen kommen.

Hierbei hängt es stark vom Fremdkörper selbst ab, ob dieser operativ entfernt werden muss. Weitere Komplikationen können dann auftreten, wenn bei der Fremdkörperaspiration giftige Stoffe in den Mundraum und damit in den Körper gelangen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Kommt es zu Atemnot, sollte grundsätzlich ein Arzt aufgesucht werden. Bei Kurzatmigkeit oder der Unfähigkeit, tief einzuatmen, wird ein Arzt benötigt. Hat der Betroffene Gegenstände versehentlich eingeatmet, besteht dringender Handlungsbedarf. Dieser ist ebenfalls bei der Aufnahme von Lebensmitteln oder Flüssigkeiten in die Luftröhre gegeben. Gelangen die Fremdkörper in die Lunge, können sie irreparable Gewebeschäden auslösen. Diese beeinträchtigt die Lungentätigkeit in einem erheblichen Maß.

In schweren Fällen kommt es zu einem Organversagen, das ohne eine frühzeitige ärztliche Behandlung mit dem Ableben des Betroffenen endet. Darüber hinaus können die Fremdkörper in der Lunge eine Lungenentzündung auslösen. Auch diese kann ohne eine schnellstmögliche ärztliche Versorgung einen tödlichen Verlauf haben. Bei einem anhaltenden Kratzen in der Luftröhre oder dem Spucken von Blut, muss ein Arzt aufgesucht werden. Steigt der Blutdruck oder setzt ein Herzrasen ein, ist ein Arztbesuch notwendig. Schwindel, Erbrechen oder Brechreiz sind Anzeichen, die von einem Arzt untersucht werden müssen.

Kommt es zu Bewusstseinsstörungen, muss ein Notarzt gerufen werden. Die Folgeerscheinungen der Fremdkörperaspiration haben einen kritischen gesundheitlichen Zustand ausgelöst, der sofort intensivmedizinisch behandelt werden muss. Kommt es zu Fieber, Panik oder einem hysterischen Verhalten, wird ein Arzt benötigt. Das Verhalten verschlechtert die Situation, so dass dringend Hilfe benötigt wird.

Behandlung & Therapie

Eine Fremdkörperaspiration wird in der Regel behandelt, indem der entsprechende Fremdstoff aus dem Bereich der Atemwege entfernt wird. In manchen Fällen kommt zu diesem Zweck eine Bronchoskopie zum Einsatz, wobei der Fremdkörper mit Hilfe eines Rohres aus den Luftwegen entfernt wird. Bei einem Teil der Patienten ist diese Methode bedingt durch die Lage des Fremdkörpers oder andere Faktoren jedoch nicht praktikabel.

In solchen Fällen werden unter Umständen operative Eingriffe nötig, um den Fremdkörper zu entfernen. Bei Patienten mit einer Aspirationspneumonie werden eventuell Antibiotika verabreicht. Grundsätzlich verbessern eine rechtzeitige Diagnose der Fremdkörperaspiration sowie eine rasch anschließende Entfernung des Fremdstoffes die Prognose für die betroffenen Patienten erheblich.

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Vorbeugung

Die Prävention der Fremdkörperaspiration konzentriert sich auf die Vermeidung der Einatmung von Fremdsubstanzen. Dabei ist vor allem Aufmerksamkeit gefragt, zum Beispiel bei der Nahrungsaufnahme.

Das können Sie selbst tun

Da eine Fremdkörperaspiration vor allem bei Kindern auftritt, sind bezüglich der Hilfsmaßnahmen, die daheim durchgeführt werden, vor allem die Eltern oder Aufsichtspersonen in der Pflicht. Da ein Fremdkörper allerdings in jedem Fall aus den Atemwegen entfernt gehört, beschränken sich die Möglichkeiten zur Selbsthilfe auf das richtige Verhalten im Falle einer Fremdkörperaspiration.

So sollte, insofern der Verschluckende noch Luft bekommt, keinesfalls auf den Rücken geklopft werden. Auch sollten keine Kopftieflage und vermeintliches Herausschütteln des Objektes erfolgen. Beides birgt das Risiko, dass das Objekt sich verlagert und in der neuen Position zu ernsthaften Problemen führt. Eine Entfernung in einem Krankenhaus ist anzustreben.

Nur dann, wenn der Verschluckende keine Luft mehr bekommt, muss versucht werden, das Objekt mit sanfter Gewalt aus den Atemwegen zu befördern. Hierfür bieten sich die Kopftieflage und das Klopfen zwischen den Schulterblättern an. Es kann nötig werden, eine Mund-zu-Mund-Beatmung sowie eine Herzdruckmassage durchzuführen, bis der Notarzt eingetroffen ist. Die Beatmung und die Herzdruckmassage sind im Falle der ausgesetzten Atmung in jedem Fall durchzuführen - unabhängig davon, ob die Aufsichtspersonen sich dies zutrauen. Es ist im Falle der drohenden Erstickung unabdingbar, sofort zu handeln

Bücher über Atembeschwerden

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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