Francisella tularensis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2016
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Francisella tularensis ist der Erreger der Infektionskrankheit Tularämie. Es handelt sich bei dem Erreger um ein Stäbchenbakterium aus der Familie der Pasteurellacae.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Francisella tularensis?

Das Bakterium Francisella tularensis ist ein gramnegativer Erreger. Im Gegensatz zu grampositiven Bakterien besitzen gramnegative Bakterien zusätzlich zu der dünnen Peptidoglykanschicht aus Murein auch eine äußere Zellmembran. Der Erreger Francisella tularensis ist pleomorph. Pleomorphe Bakterien sind vielgestaltig. Sie ändern ihre Zellform in Abhängigkeit von den Umweltbedingungen. Ihr Erscheinungsbild ist auch abhängig vom Entwicklungsstadium.

Francisella tularensis gehört zu den kokkoiden Stäbchenbakterien. Stäbchenbakterien sind eigentlich länglich, die kokkoiden Stäbchenbakterien sind hingegen etwas rundlich geformt. Bei dem Erreger gibt es vier verschiedene Subtypen. Die drei klinisch bedeutsamen Formen sind jedoch in der Serologie identisch. Biochemisch und genotypisch können zwei Gruppen von Francisella tularensis unterschieden werden. Das Bakterium Francisella tularensis biovar tularensis vom Jellison Typ A ist hochvirulent und ruft schwere Krankheitsverläufe hervor, die häufig tödlich enden. Weniger virulent ist das Bakterium Francisella tularensis biovar holarctica vom Jellison Typ B. Aber auch dieses Bakterium kann schwere Erkrankungen hervorrufen.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Francisella tularensis ist in Skandinavien, Russland, China, Japan, USA und Kanada heimisch. Francisella tularensis biovar tularensis Typ A ist vor allem in Nordamerika verbreitet. Francisella tularensis biovar palaearctica kommt weltweit vor. Erregerreservoirs sind Hasen, Ratten, Eichhörnchen, Mäuse und Kaninchen. Aber auch in der Erde und im Wasser ist der Erreger zu finden. Die kleinen Säuger infizieren sich entweder durch den Kontakt mit kontaminiertem Wasser oder Bodenmaterial oder durch blutsaugende Parasiten wie Fliegen, Zecken oder Mücken.

Auf den Menschen überträgt sich das Bakterium durch Schleimhaut- oder Hautkontakt mit kontaminiertem Tiermaterial. Auch der Verzehr von unzureichend erhitztem, infektiösem Fleisch ist eine mögliche Infektionsquelle. Insbesondere der Verzehr von Hasenfleisch hat sich als möglicher Infektionsweg erwiesen. Auch die Inhalation von kontaminiertem Staub (zum Beispiel aus Heu, Stroh oder Erde) kann zu einer Infektion führen. Dasselbe gilt für den Kontakt mit infizierten Mücken, Zecken oder Fliegen.

Die Infektion kann nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden. Bei dem Umgang mit Erregern oder bei der Inhalation von erregerhaltigen Aerosolen können sich Menschen jedoch im Labor infizieren. Häufiger ist aber die Landbevölkerung von einer Infektion mit Francisella tularensis betroffen. Die Infektion erfolgt hier meistens durch die Verarbeitung von Wildfleisch oder von anderen Produkten aus der Landwirtschaft.

Der Erreger Francisella tularensis ist hochkontagiös. Das bedeutet, dass bereits kleinere Erregermengen ausreichen, um eine Infektion auszulösen. Die Inkubationszeit liegt bei drei bis fünf Tagen. Je nach Infektionsdosis, Infektionsweg und Erregervirulenz kann die Inkubationszeit aber auch bis zu drei Wochen betragen.

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Krankheiten & Beschwerden

Die Tularämie ist eine meldepflichtige Zoonose. Die Erkrankung ist zwar eher selten, verläuft aber oft schwer und lebensbedrohlich. Es kann zwischen einer äußeren (lokalisierten) und einer inneren (invasiven) Form unterschieden werden.

Die äußere ulzeroglanduläre Form ist die häufigste Form der Tularämie. Sie beginnt sehr plötzlich mit einem starken Fieberanstieg. An der Eintrittsstelle des Erregers bilden sich Geschwüre. Die lokalen Lymphknoten sind eitrig entzündet. Bei der okuloglandulären Tularämie, die auch als Parinaudkonjunktivitis bezeichnet wird, befindet sich die Eintrittsstelle des Erregers an der Bindehaut des Auges. Sie ist als gelber Knoten erkennbar. Im Auge ruft der Erreger eine schmerzhafte Entzündung der Bindehaut (Konjunktivitis) hervor. Die Lymphknoten am Hals und vor dem Ohr sind geschwollen.

Bei der glandulären Tularämie ist keine Eintrittspforte zu erkennen. Auch die Bildung von Geschwüren bleibt aus. Lediglich die regionalen Lymphknoten sind geschwollen und schmerzen. Die glandulo-pharyngeale Tularämie findet sich vor allem bei Kindern. Hier bilden sich Geschwüre in der Mundhöhle und im Rachen. Die Lymphknoten im Kieferwinkel sind geschwollen.

Wenn die Erreger inhaliert werden oder über den Blutweg zu den inneren Organen gelangen, entwickelt sich die innere oder invasive Form der Erkrankung. Die typhöse Tularämie entsteht vor allem beim Schlachten oder bei der Arbeit im Labor. Häufig sind die Lungen und die Atemwege befallen. Die Patienten haben hohes Fieber und leiden unter Kopfschmerzen und Schweißausbrüchen. Eine gefürchtete Komplikation der typhösen Tularämie sind Lungenabszesse. Zudem können sich die Hirnhäute (Meningitis) entzünden. Auch Entzündungen des Mittelfellraums (Mediastinitis) oder des Herzbeutels (Perikarditis) sind möglich. Weitere Komplikationen sind Rhabdomyolysen und die Osteomyelitis. Die typhöse Tularämie wird auch als septische oder generalisierte Tularämie bezeichnet. Sie ist sehr gefährlich und geht mit einer hohen Letalität einher.

Die intestinale Tularämie entwickelt sich vermutlich durch den Verzehr von kontaminiertem Fleisch, welches nur unzureichend erhitzt wurde. Typische Symptome sind Erbrechen, Übelkeit, Rachenentzündungen, Durchfall und Schmerzen im Abdomen.

Zweithäufigste Form der Tularämie ist die pulmonale Tularämie. Sie äußert sich in Form einer Lungenentzündung (Pneumonie). Die Patienten haben Husten mit Auswurf, Luftnot und Schmerzen im Thorax. Die abdominelle Tularämie zeigt ein typhusähnliches Krankheitsbild. Leber und Milz sind geschwollen. Die Patienten leiden unter Durchfällen und abdominellen Schmerzen.

Die Tularämie wird mit Antibiotika behandelt. Insbesondere Streptomycin hat sich als wirksam erwiesen. Gegenüber Penicillin und Sulfonamiden bestehen Resistenzen. Auch mit antibiotischer Behandlung verlaufen fünf Prozent aller invasiven Formen tödlich. Ohne Behandlung liegt die Sterblichkeit bei über 30 Prozent. Die Letalität ist bei den amerikanischen Tularämieformen deutlich höher als bei den europäischen Stämmen von Francisella tularensis.

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