Frambösie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 19. Oktober 2016
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Die Frambösie ist eine nicht-venerische Infektionskrankheit tropischer Länder, die durch das Bakterium Treponema pertenue verursacht wird. Die Krankheit, die über Hautkontakt ansteckend ist, gehört zu den Treponematosen und ist durch Antibiotika gut behandelbar. Unbehandelt entwickelt sich die Hautkrankheit in vier Stadien, beginnt mit himbeerartigen Papeln und führt über einen Zeitraum von meist mehr als zehn Jahren im vierten Stadium zu Zerstörungen an den Knochen und Gelenken.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Frambösie?

Die Frambösie ist eine über Hautkontakt und Tröpfcheninfektion ansteckende, nicht-venerische Hautkrankheit tropischer Länder, die wie die venerische und die nicht-venerische Syphilis zu den Treponematosen gehört. Die Bezeichnung Frambösie leitet sich aus dem französischen Framboise für Himbeere ab, weil sich die Krankheit im ersten Stadium durch himbeerartige Papeln auf der Haut bemerkbar macht.

Viele weitere Bezeichnungen wie Framboesia tropica oder Himbeerseuche werden für die Krankheit synonym verwendet. Der Erreger, das Bakterium Treponema pertenue, gehört zu den Spirochäten. Es handelt sich dabei um dünne, wendelförmige, gramnegative Bakterien, die sich selbst über innen liegende Flagellen aktiv bewegen können.

Das Hauptverbreitungsgebiet der Frambösie sind feuchttropische Länder Südostasiens, Afrikas und Lateinamerikas. Typischerweise verläuft die Krankheit – unbehandelt – in vier Stadien ab, wobei das dritte Stadium, das fünf bis zehn Jahre dauern kann beschwerdefrei ist und den trügerischen Eindruck erwecken kann, dass die chronische Krankheit überwunden sei.

Ursachen

Verursacher der chronischen Hautkrankheit Frambösie ist das Bakterium Treponema pertenue, das besonders feuchtwarmes tropisches Klima liebt. Die Ansteckung erfolgt hauptsächlich über Hautkontakt und Schmierinfektionen. In Ausnahmefällen sollen auch Infektionen durch Insektenstiche vorkommen.

Die häufig in tropisch-feuchten Gebieten vorkommende häusliche Enge bei der Landbevölkerung, verbunden mit unzureichenden hygienischen Verhältnissen, fördert die Ansteckungsgefahr. In den Regionen, in denen die Frambösie endemisch vorkommt, infizieren sich die meisten Menschen bereits im Kindesalter.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Frambösie hat eine Inkubationszeit von drei bis vier Wochen und zeigt sich typischerweise mit einer oder mehrerer „himbeerartiger“ Papeln auf der Haut, vorzugsweise am Unterschenkel. Bei stillenden Frauen entwickeln sich derartige Papeln auch an der Brust. Die juckenden und nässenden Papeln sind schmerzlos, verursachen aber Schwellungen der „zuständigen“ Lymphknoten. Die Papeln heilen – auch unbehandelt – wieder ab, und es entwickeln sich nach einigen Wochen neue Papeln.

In diesem zweiten Stadium, auch Sekundärstadium genannt, sind besonders Handflächen und Fußsohlen betroffen. Auch diese neuerlich aufgetretenen Papeln verschwinden wieder nach einiger Zeit und es schließt sich ein drittes, trügerisches Ruhestadium an, das eine fünf- bis zehnjährige Beschwerdefreiheit beschert. Erst danach tritt das vierte Stadium oder Tertiärstadium in Erscheinung.

Die Bezeichnung Tertiärstadium bedingt, dass die lange symptomlose Phase nicht als eigene Phase gezählt wird. Während des Tertiärstadiums treten Veränderungen an Knochen und Gelenken auf. In der Haut entwickeln sich derbe Hautknoten, die sich gummiartig anfühlen und es kommt zu Entzündungen an Knochen und Knochenhaut. Als besonders gravierend treten Skelettveränderungen und die sogenannte Gangosa, ein optisch entstellender Umbau des Nasen-Rachen-Raumes in Erscheinung.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine erste Diagnose erfolgt über die Anamnese und die auffälligen äußeren Anzeichen, die die Frambösie begleiten. Eine morphologische Unterscheidung zwischen den unterschiedlichen vier als pathogen bekannten Treponema ist sehr aufwändig und nicht immer zuverlässig.

Die symptomatischen Anzeichen der Krankheit sollten für eine als sicher geltende Diagnose ausreichen, zumal eine Behandlung mit insgesamt geringerem Aufwand möglich wäre als eine labortechnisch abgesicherte Diagnose. Der Verlauf der Krankheit lässt sich - wie oben beschrieben - in vier Phasen oder drei Stadien einteilen, wobei die letzte Phase erst fünf bis zehn Jahre nach der ursprünglichen Infektion einsetzt.

Behandlung & Therapie

Wie oben erwähnt, tritt die chronische Infektionskrankheit ausschließlich in feucht-warmen tropischen Regionen auf, in denen die Landbevölkerung häufig unter unzureichenden hygienischen Verhältnissen leben muss und in der Regel nur über sehr begrenzte finanzielle Mittel verfügt. Die Standardbehandlung, die sich als effektiv herausgestellt hat, besteht in einer einmaligen intramuskulären Injektion von Penicillin.

Die Krankheit konnte dadurch in den 1950er und 1960er Jahren innerhalb von WHO-Kampagnen stark reduziert werden und geriet in den Jahren danach aus dem Fokus bis sie sich mittlerweile wieder auf dem Vormarsch befindet. In einer kleinen Studie der Universität Barcelona, die 2013/2014 in Papua Neuguinea an über 200 erkrankten Kindern durchgeführt wurde, konnte gezeigt werden, dass sich die Wirkung zwischen einer einmaligen Injektion mit Penicillin nicht von einer einmaligen oralen Gabe des Antibiotikums Azithromycin unterschied.

In der „Penicillingruppe“ wurden 105 von 113 Patienten geheilt und in der „Azithromycingruppe“ 106 von 110 Patienten. Das könnte bedeuten, dass die Krankheit zukünftig durch breit angelegte kostengünstige Behandlungen mit dem Antibiotikum Azithromycin flächendeckend wieder eingedämmt oder sogar gänzlich überwunden werden könnte.




Vorbeugung

Der äußerst lange Verlauf der unbehandelten Frambösie führt dazu, dass die Erkrankten eine ständige Infektionsquelle sind, an denen sich Menschen innerhalb des nächsten Umfeldes – besonders Kinder – anstecken können. Als vorbeugende Maßnahme, die ein wenig gegen eine Ansteckung schützen kann, ist die Beachtung eines hygienischen Mindeststandards.

Besonders infektionsgefährdet sind kleinere und größere Verletzungen der Haut, die die Bakterien als Eintrittspforte nutzen können. Die beste Vorbeugung würde darin bestehen, wenn die erkrankten Personen sich mit dem dafür geeigneten Antibiotikum Penicillin oder Azithromycin behandeln lassen könnten. Das würde nicht nur die Erkrankten heilen, sondern auch vor Neuansteckung schützen, weil die Infektionsquellen wegfallen.

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