Foville-Syndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 16. Mai 2017
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Das Foville-Syndrom ist ein Mittelhirnsyndrom, das sich in Form von Blicklähmung, Faszialislähmung und gegenseitiger Halbseitenlähmung manifestiert. Die Ursache sind meist Durchblutungsstörungen oder Tumore im Gehirnbereich des Brückenfußes. Die Behandlung der Lähmungserscheinungen erfolgt in Abhängigkeit von der primären Ursache.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Foville-Syndrom?

Der Hirnstamm (Truncus cerebri oder encephali) liegt unterhalb des Zwischenhirns (Diencephalon), das Cerebellums ausgeschlossen. Neben dem Mittelhirn (Mesencephalon) umgreift das Gebiet des Hirnstammes die Brücke (Pons) und das verlängerte Mark (Medulla oblongata). Wie alle anderen Hirnbereiche kann auch das Mittelhirn von Schädigungen betroffen sein.

Derartige Schädigungen gehen mit lokalisationsabhängigen Funktionseinschränkungen einher, die in die Gruppe der Mittelhirnsyndrome gefasst werden. Auch beim Foville-Syndrom handelt es sich um ein Mittelhirnsyndrom. Erstmals beschrieben wurde der Symptomkomplex im Jahr 1859. Der französische Neurologe und Psychiater Achille-Louis-François Foville gilt als Erstbeschreiber und hat dem Syndrom seinen Namen vermacht.

Auch die Bezeichnung als Foville-Lähmung, Foville-Brücken-Syndrom oder kaudales Syndrom der Brückenhaube gilt in der medizinischen Literatur als verbreitet. Klinisch manifestiert sich die assoziierte Schädigung des Brückenfußes charakteristischerweise durch einen Symptom-Trias aus Blickparese, gekreuzter Hemiparese und Fazialisparese.

Ursachen

Das Foville-Syndrom ist ein Mittelhirnsyndrom. Dementsprechend liegen dem symptomatischen Komplex Schädigungen des Mittelhirns zugrunde. Vor allem Mittelhirnläsionen im Bereich des Brückenfußes sind mit dem Foville-Syndrom assoziiert. Der Schädigungshergang kann unterschiedlicher Natur sein.

Neben Tumoren gelten Durchblutungsstörungen als wichtigste Ursachen. An der Basis der Brücke liegen zwei Längswulste, durch die die Pyramidenbahn (Tractus pyramidalis) verläuft. In der mittleren Rinne Sulcus basilaris verläuft ein Zufluss für die Sauerstoff- und Blutversorgung des Gehirns: die Arteria basilaris.

Falls Durchblutungsstörungen mit dem Foville-Syndrom in Zusammenhang stehen, handelt es sich in der Regel um Durchblutungsstörungen im Bereich der Arteria basilaris oder ihrer Stromgebiete. Prinzipiell sind auch andere Ursachen für das Foville-Syndrom denkbar. Bakterielle oder autoimmunologische Entzündungen zählen zum Beispiel dazu.

Symptome, Beschwerden und Anzeichen

Wie alle Syndrome entspricht das Foville-Syndrom aus klinischer Sicht einem charakteristischen Komplex aus Einzelsymptomen. Zu den klinischen Kriterien des Syndroms zählen leitsymptomatisch vor allem Lähmungserscheinungen wie die ipsilateral periphere Faszialisparese, die ipsilaterale Abduzensparese sowie kontralaterale Hemiparesen mit Hemianästhesie. Die Faszialislähmung äußert sich durch einen Funktionsverlust der mimischen Muskulatur.

Diese Gesichtslähmung tritt auf derselben Seite auf, auf der die ursächliche Hirnläsion liegt. Durch die Abduzensparese ist auf der gleichen Seite der Augenmuskel Musculus rectus lateralis gelähmt, der die Augäpfel nach außen dreht. Unter der Hemiparese versteht der Mediziner eine Halbseitenlähmung.

Anders als Abduzens- und Faszialisparese tritt die Hemiparese im Rahmen des Foville-Syndroms auf der Gegenseite der Gehirnschädigung auf und hängt mit einer Beeinträchtigung der Brückenfuß-nah verlaufenden Pyramidenbahnen zusammen. In der Regel handelt es sich bei der Halbseitenlähmung um eine spastische Hemiparese, die den Tonus der betroffenen Seite pathologisch erhöht.

Diagnose und Krankheitsverlauf

Die erste Verdachtsdiagnose auf das Foville-Syndrom stellt der Neurologe anhand der klinischen Merkmale. Diagnoserelevant ist in diesem Zusammenhang der charakteristische Lähmungstrias aus kontralateraler Hemiparese sowie ipsilateraler Blickparese und Faszialisparese. Zur Sicherung der Diagnose ordnet der Neurologe Bildgebungen des Gehirns an.

In den Schichtaufnahmen lassen sich etwaige Schädigungen im Bereich des Brückenfußes erkennen. Nach Sicherung der Diagnose findet eine Feindiagnostik statt. Tumorelle Läsionen zeigen beispielsweise ein relativ typisches Bild im MRT. Die Feindiagnose kann außerdem eine Liquoranalyse erfordern.

Dazu wird Hirnwasser aus dem äußeren Liquorraum entnommen und im Labor auf seine Zusammensetzung analysiert. Die Zusammensetzung des Hirnwassers verändert sich bei pathologischen Vorgängen im Hirnbereich auf relativ charakteristische Art und Weise. In der Liquoranalyse können so zum Beispiel Tumormarker sowie Entzündungsmarker identifiziert werden. Für Patienten mit Foville-Syndrom hängt die Prognose von der primären Ursache ab.

Komplikationen

Das Foville-Syndrom ruft in seinem Verlauf eine Reihe von Komplikationen hervor. Zu den typischen Beschwerden zählen unter anderem Lähmungserscheinungen wie die Hemiparesen und die Faszialislähmung. Letztere führt zu einem raschen Funktionsverlust der betroffenen Muskulatur und in der Folge mitunter zu schweren Bewegungsstörungen.

Tritt in Folge des meist ursächlichen Schlaganfalls eine spastische Halbseitenlähmung auf, können die Gliedmaßen nur eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr bewegt werden. In Folge der Gesichtslähmung kann es zu einer Abnahme des Sehvermögens und einer Reihe weiterer Beschwerden kommen. Abhängig von der Ursache des Foville-Syndroms, können mit dem Fortschreiten der Erkrankung schwere Gehirnschädigungen auftreten. Diese können sich unter anderem durch Verhaltensauffälligkeiten und körperliche Funktionsstörungen äußern.

Die Langzeittherapie des Syndroms birgt ebenfalls Risiken. So können die verordneten Immunsuppressiva und Antibiotika zu schweren Nebenwirkungen führen. Ist eine Strahlentherapie erforderlich, kommt es oftmals zu einem weiteren körperlichen und geistigen Verfall, der sich etwa durch Gewichtsabnahme, Erschöpfung und Haarausfall äußert.

Betroffene leiden nach einem Foville-Syndrom meist über das gesamte Leben unter schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die sich durch Physiotherapie und Logopädie nur langsam reduzieren lassen.

Behandlung und Therapie

Die Therapie hängt für Patienten mit Foville-Syndrom von der Ursache ab. Grundsätzlich sind ursächliche Therapieansätze den symptomatischen Behandlungsmöglichkeiten zu bevorzugen. Während symptomatische Ansätze lediglich einzelne Symptome lindern, setzen kausale Lösungsansätze an der primären Ursache des Gesamtkomplexes an.

Eine tatsächliche Heilung von den Symptomen lässt sich damit nur durch ursächliche Behandlungsansätze erreichen. Symptomatische Ansätze sind zur Heilung ungeeignet. Falls Tumore als primäre Ursache der Ausfallerscheinungen identifiziert werden, steht als ursächliche Behandlungsmaßnahme die Exzision zur Verfügung.

Die Tumore werden in einer invasiven Operation möglichst großflächig entfernt. Allerdings muss dabei Rücksicht auf die sensiblen Nervengewebsstrukturen des Gehirns genommen werden, um keine bleibenden Schäden zu verursachen. Falls der Tumor nur mit hohen Risiken operiert werden kann, bietet sich ein medikamentöser Ansatz zur Schadensbegrenzung an.

Grundsätzlich hängt der Behandlungsentscheid in diesem Fall vor allem vom Grad der Bösartigkeit ab. Falls statt einem Tumor Durchblutungsstörungen das Foville-Syndrom zu verantworten haben, hängen diese Störungen meist mit einer primären Herz-Kreislauf-Erkrankung zusammen. Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt es zu reduzieren.

Das Rauchen sollte beispielsweise aufgegeben werden. Übergewicht ist zu reduzieren und die Ernährung kann gegebenenfalls umgestellt werden. Die Langzeitbehandlung erfolgt in diesem Fall meist konservativ medikamentös. Bei ursächlichen Entzündungen gilt es zunächst, die akute Entzündungen zum Abheilen zu bringen.

Abhängig von der Entzündungsart kommen dazu Cortison- oder Antibiotikabehandlungen in Frage. Um wieder zur vollen Bewegungsfähigkeit zu gelangen, können in allen Fällen des Foville-Syndroms physiotherapeutische Maßnahmen helfen.

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Vorbeugung

Durchblutungsbedingten Zuständen in Form des Foville-Syndroms lässt sich in Maßen über die allgemeinen Präventionsmaßnahmen im Kontext von Herzkreislauferkrankungen vorbeugen. Für ursächliche Entzündungen und Tumore im Bereich des Gehirns stehen nur wenige Vorbeugemaßnahmen zur Verfügung.

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Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014

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