Fournier-Gangrän

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. Oktober 2017
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Bei der Fournier-Gangrän handelt es sich um eine Krankheit, die mit einer Fasziitis im Bereich der Genitalien und der Leistengegend einhergeht. Die Fournier-Gangrän stellt eine selten vorkommende Erkrankung dar, die durch eine Infektion ausgelöst wird. Die pathologischen Veränderungen sind durch Nekrosen geprägt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Fournier-Gangrän?

Die Fournier-Gangrän stellt eine Infektion im Genitalbereich und der Leistengegend dar, die mit Nekrosen verbunden ist. Es handelt es sich um eine schwerwiegende Krankheit, die das Leben des an der Fournier-Gangrän erkrankten Patienten gefährdet. Ursächlich für die Erkrankung ist eine Infektion, bei der es sich in der Regel um eine Mischinfektion handelt. Dabei sind anaerobe und aerobe Bakterien für die Entzündung verantwortlich.

Die Infektion breitet sich vom Anus, dem Enddarmbereich, der Haut oder dem Harntrakt aus. Die Fournier-Gangrän wurde zum ersten Mal von dem Hautarzt Jean Fournier beschrieben und nach ihm benannt. Grundsätzlich handelt es sich bei der Fournier-Gangrän um eine spezielle Ausprägung einer sogenannten nekrotisierenden Fasziitis.

Betroffen sind üblicherweise die Genitalien sowie das Perineum. Studien zeigen, dass die Fournier-Gangrän bei männlichen Patienten circa zehnmal öfter vorkommt als bei weiblichen. In zahlreichen Fällen bestehen Verbindungen zu Systemerkrankungen wie etwa einer Zirrhose der Leber oder Diabetes mellitus.

Ursachen

Die Ursachen der Fournier-Gangrän sind vergleichsweise gut erforscht. Der auslösende Faktor der Krankheit besteht in der Regel in einer Infektion mit bestimmten Arten von Bakterien. Diese Erreger befallen zunächst den Harntrakt oder die Kolorektalgegend. Ausgehend von den entsprechenden Bereichen weitet sich die Entzündung an den Faszien aus. Im überwiegenden Teil der Fälle handelt es sich bei den ursächlichen bakteriellen Keimen um Streptokokken. Zudem treten sehr häufig Mischinfektionen auf.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Fournier-Gangrän zeigt verschiedene Krankheitsanzeichen und Symptome bei den erkrankten Personen. Kennzeichnend für die Fournier-Gangrän ist allerdings, dass die Beschwerden insbesondere am Anfang der Krankheit tendenziell unspezifisch sind. Dadurch verzögert sich die Diagnose der Fournier-Gangrän unter Umständen erheblich, was sich negativ auf die Prognose der Krankheit auswirkt.

Die ersten Anzeichen der Fournier-Gangrän bestehen in der Regel in Schmerzen an den Genitalien und der Perianalgegend. Zudem verspüren die betroffenen Personen einen unangenehmen Juckreiz an den entsprechenden Bereichen. Mit Fortschreiten der Fournier-Gangrän entwickeln sich geschwollene und gerötete Abschnitte in der Region der Entzündung. Anschließend verändert sich die Haut der betroffenen Körperstellen, wobei zum Beispiel ödematöse Bereiche auftreten.

Zudem zeigen sich gangränöse Anomalien. Im späteren Verlauf der Fournier-Gangrän erleiden die erkrankten Patienten eine Sepsis. Aus diesem Phänomen ergeben sich weitere, generelle Symptome wie eine Tachykardie und Fieber. Eine Diagnose der Fournier-Gangrän in diesem Stadium ist dringend erforderlich, damit umgehend eine entsprechende Behandlung eingeleitet wird.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose der Fournier-Gangrän erfolgt unter Berücksichtigung der vorliegenden klinischen Symptomatik des Einzelfalls. Zahlreiche Patienten warten trotz deutlicher Beschwerden zu lange, bis sie einen Arzt konsultieren. Umso wichtiger ist eine rasche Diagnose der Fournier-Gangrän, damit der Verlauf der Krankheit möglichst positiv beeinflusst wird.

Der erste Schritt der Diagnosestellung der Fournier-Gangrän besteht in einem Patientengespräch. Hier legt die erkrankte Person ihre Beschwerden dar und gewährt dem Arzt Einblick in ihren generellen Lebensstil. Der Hinweis auf eventuell vorliegende chronische Krankheiten, wie zum Beispiel Diabetes mellitus, erhärtet den Verdacht auf die Fournier-Gangrän.

Auch weitere Lebensumstände des Patienten werden vom Arzt erfragt und analysiert. Generelle Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen oder der Konsum von Alkohol spielen dabei ebenso eine Rolle. Die klinische Untersuchung beginnt in der Regel mit einer Blickuntersuchung durch den behandelnden Arzt. Er untersucht die betroffenen Körperbereiche und fertigt unter Umständen Gewebeproben der Hautstellen an.

Zudem nimmt der Arzt dem Patienten Blut ab und veranlasst labortechnische Analysen, um spezielle Entzündungsmarker und sonstige Abweichungen von Normwerten zu identifizieren. So deutet ein erhöhter Blutzuckerspiegel auf einen unentdeckten Diabetes mellitus hin, der die Fournier-Gangrän in manchen Fällen begünstigt.

Komplikationen

Komplikationen können bei der Fournier-Gangrän vor allem dann auftreten, wenn die Krankheit nicht früh identifiziert wird. Dies geschieht dadurch, dass die Symptome der Erkrankung sehr allgemein gehalten sind und dabei nicht direkt zur Fournier-Gangrän führen. Durch eine verzögerte Diagnose kann es zu Folgeerkrankungen kommen.

In den meisten Fällen leiden die Patienten an Schmerzen in den Genitalien. Die betroffenen Stellen jucken stark und die Haut ist gerötet. Durch die Symptome ist die Sexualaktivität der Patienten eingeschränkt, woraus sich Stimmungsschwankungen und Depressionen ausbilden können. Die betroffenen Hautstellen können sich entzünden.

Durch ein Kratzen wird der Juckreiz in der Regel noch weiter verstärkt. Falls die Fournier-Gangrän weiterhin unbehandelt bleibt, kommt es zu Fieber. Eine Behandlung muss schnellstmöglich durchgeführt werden. Dafür ist ein operativer Eingriff notwendig, bei welchem die Nekrosen entfernt werden. Nach der Entfernung kommt es meistens nicht zu weiteren Komplikationen.

In der Regel muss der Patient auch nach der Operation Antibiotika einnehmen, um eine Entzündung zu vermeiden. Falls die Fournier-Gangrän nicht behandelt wird, kommt es in vielen Fällen zum Tode. Bei einer weitgehenden Fortschreibung der Krankheit ist eine Behandlung wirkungslos.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einem Fournier-Gangrän ist eine medizinische Behandlung in jedem Fall notwendig. In der Regel kommt es bei der Krankheit nicht zu einer Selbstheilung, sodass immer eine Untersuchung durch einen Arzt notwendig ist. Da die Beschwerden zu Anfang der Erkrankung allerdings sehr unspezifisch sind, erfolgt häufig keine frühzeitige Diagnose und Behandlung. Ein Arzt sollte dann aufgesucht werden, wenn der Betroffene an Schmerzen im Bereich der Genitalien leidet. Diese Schmerzen treten plötzlich und häufig auch ohne einen besonderen Grund auf.

Auch ein unangenehmer Juckreiz oder Rötungen in dieser Region können auf ein Fournier-Gangrän hindeuten und sollten ebenso untersucht werden, falls sie über einen längeren Zeitraum auftreten. Diese werden dabei auch von Schwellungen oder Entzündungen begleitet. Sollte es nicht zu einer Behandlung des Fournier-Gangräns kommen, kann der Betroffene im schlimmsten Fall an einer Blutvergiftung versterben. Auch Fieber oder allgemeine Abgeschlagenheit können auf die Krankheit hindeuten und sollten untersucht werden. Die Diagnose und Behandlung dieser Erkrankung kann meistens durch einen Urologen erfolgen. In Notfällen oder bei sehr starken Schmerzen kann dabei auch ein Allgemeinarzt oder ein Krankenhaus aufgesucht werden.

Behandlung & Therapie

Sobald die Fournier-Gangrän sicher diagnostiziert ist, sind umgehende behandlungstechnische Maßnahmen erforderlich, um einer weiteren Ausbreitung der Krankheit entgegen zu wirken. Im überwiegenden Teil der Fälle unterziehen sich die erkrankten Patienten einer Operation, in deren Rahmen die von den Nekrosen befallenen Körperbereiche entfernt werden.

Häufig sind mehrere Eingriffe möglich, um alle krankhaft veränderten Stellen zu erreichen. Gleichzeitig erhalten die Personen eine medikamentöse Therapie mit Antibiotika. Dabei sind Clindamycin und Meropenem oft die Mittel der ersten Wahl. Die Prognose der Krankheit hängt im Wesentlichen von dem Stadium ab, in dem die Fournier-Gangrän diagnostiziert und adäquat therapiert wird.

Allerdings endet die Fournier-Gangrän auch für Patienten mit angemessener Behandlung bei etwa einem Fünftel aller Personen tödlich. Grundsätzlich beträgt die Sterblichkeit in ungünstigen Fällen durchschnittlich etwa 67 Prozent. Dabei ist die rasche Therapie mit Antibiotika sowie die radikale Entfernung der erkrankten Bereiche durch chirurgische Interventionen annähernd wirkungslos.

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Vorbeugung

Präventive Maßnahmen der Fournier-Gangrän berücksichtigen die Gunstfaktoren der Entstehung der Krankheit. Dabei handelt es sich zum Beispiel um eine bestehende Diabetes-Erkrankung. Dennoch ist eine erfolgreiche Vorbeugung der Fournier-Gangrän nicht immer möglich, da gesundheitlich geschwächte Personen besonders anfällig für die bakteriellen Keime sind, die eine Fournier-Gangrän auslösen.

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Quellen

  • Brühl, W., Wienert, V., Herold, A.: Aktuelle Proktologie. Uni-Med, Bremen 2011
  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004

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