Fossa cranii anterior

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Mai 2017
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Die Fossa cranii anterior entspricht der vorderen Schädelgrube und beinhaltet den Riechkolben (Bulbus olfactorius) sowie der Stirnlappen (Lobus frontalis) des Großhirns. Außerdem besitzt die Fossa cranii anterior vier Öffnungen, durch die Blutgefäße und Nerven ziehen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Fossa cranii anterior?

Als Fossa cranii anterior bezeichnet die Anatomie die vordere Schädelgrube, die vor der mittleren Fossa cranii media und der hinteren Fossa cranii posterior liegt. Sie alle gehören zur Schädelbasis (Basis cranii interna). An der Bildung der Fossa cranii anterior beteiligen sich das Stirnbein (Os frontale), das Siebbein (Os ethmoidale) und der kleine Keilbeinflügel.

Letzterer repräsentiert einen Teil des Keilbeins (Os sphenoidale) und ist dementsprechend auch unter der lateinischen Bezeichnung Ala minor ossis sphenoidalis bekannt. In der vorderen Schädelgrube befindet sich der Riechkolben (Bulbus olfactorius) und der Frontallappen (Lobus frontalis), der zum Großhirn gehört. Für gewöhnlich rechnet die Anatomie den Bulbus olfactorius nicht dem Telencephalon zu, da der Riechkolben sich hinsichtlich seiner Funktionsweise und Aufgaben stark von der Hirnrinde unterscheidet.

Anatomie & Aufbau

In der Fossa cranii anterior liegt der frontale Bereich Großhirns. Seine Windungen (Gyri) und Falten (Sulci) spiegeln sich in den Impressiones digitatae und den Juga cerebralia des Knochens wider. Vier Öffnungen befinden sich in der Fossa cranii anterior.

Das Foramen caecum ossis frontalis ist eine blinde Öffnung im Stirnbein. Bei Kindern verläuft in diesem Teil der vorderen Schädelgrube die Vena emissaria. Sie verbindet verschiedene andere Blutgefäße des Kopfes miteinander. Mit fortschreitender Entwicklung schließt sich das Foramen caecum jedoch in den meisten Fällen.

Eine zweite Öffnung in der Fossa cranii anterior bildet das Foramen ethmoidale anterius, das sich an der Grenze von Siebbein und Keilbein befindet. In der Vertiefung liegt die vordere Siebbeinarterie (Arteria ethmoidalis anterior) sowie der Nervus ethmoidalis anterior. Das Foramen ethmoidale posterius bildet eine weitere Öffnung in der Fossa cranii anterior. Analog zum Foramen ethmoidalis anterior beinhaltet es die Arteria ethmoidale posterior, die von der Arteria ophthalmica abzweigt, und den Nervus ethmoidalis posterior. Die Siebbeinplatte (Lamina cribrosa oder Lamina horizontalis) besitzt weitere Öffnungen und Vertiefungen, welche die Anatomie ebenfalls zur Fossa cranii anterior zählt. Durch sie verlaufen die Riechfäden (Fila olfactoria), die olfaktorische Reize an das Riechhirn weitergeben.

Funktion & Aufgaben

Der Stirnlappen gehört zum Großhirn (Telencephalon) bzw. zum Neocortex. Zum Lappen gehört der Motorcortex, dessen Aufgabe die Bewegungssteuerung ist, und der präfrontale Cortex. Dieser beteiligt sich an zahlreichen kognitiven Prozessen, unter anderem an der Planung und Steuerung von Handlungen sowie der Voraussicht der Handlungsergebnisse, an Arbeitsgedächtnis-Prozessen und am Problemlösen. In der vorderen Schädelgrube ist außerdem der Riechkolben (Bulbus olfactorius) zu finden, der an der Geruchswahrnehmung teilnimmt.

Die Arteria ethmoidalis anterior versorgt Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales) in den Nasennebenhöhlen mit Blut. Die Anatomie unterteilt die Siebbeinzellen gemäß ihrer Lage in drei Typen (anteriores, mediae und posteriores), wobei die Arteria ethmoidalis anterior für die Cellulae ethmoidales anteriores und die Cellulae ethmoidales mediae zuständig ist. Außerdem zweigt von der Arterie der Ramus meningealis ab. Die Medizin kennt diesen Ast auch als Arteria meningea anterior, da er zur harten Hirnhaut (Dura mater) führt. Der Nasenast (Ramus nasales) dient der Versorgung des Septums und der seitlichen Nasenhöhlenwand.

Anschließend verläuft der Endast der Arteria ethmoidalis anterior zum Nasenrücken. Der Nervus ethmoidalis anterior, der wie die Arteria ethmoidalis anterior durch das Foramen ethmoidale verläuft, gehört zum Nervus nasociliaris. Er besteht aus sensiblen Fasern und innerviert Nasenspitze und -flügel, die seitliche Wand der Nasenhöhle und den vorderen Bereich des Septums. Die Fasern des Nervus ethmoidalis anterior enden dort an den Zellen der Schleimhaut. Auch der Nervus ethmoidalis posterior setzt sich aus sensiblen Fasern zusammen und versorgt die Keilbeinhöhlen (Sinus sphenoidales), die zu den Nasennebenhöhlen gehören.

Darüber hinaus ist der Nervus ethmoidalis posterior für die sensible Versorgung der hinteren Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales posteriores) verantwortlich. Die Blutversorgung dieser Zellen übernimmt die Arteria ethmoidalis posterior, die wie die Arteria ethmoidalis anterior auch Teile der Dura mater beliefert. Außerdem versorgt das Blutgefäß Zellen der Nasenhaupthöhlen-Schleimhaut.

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Krankheiten

Schäden an der Fossa cranii anterior kommen häufig durch Verletzungen zustande, beispielsweise infolge eines Unfalls mit Kopfbeteiligung. Dabei nehmen möglicherweise die Strukturen Schaden, die sich in der vorderen Schädelgrube befinden.

Verschiedene pathologische Konsequenzen können die Folge sein, beispielsweise neurologische und neurokognitive Beeinträchtigungen bei Läsion des Frontallappens: motorische Störungen, Einschränkungen der Geruchswahrnehmung und viele mehr. Auch Verletzungen, die nur kleine Gebiete des Stirnlappens betreffen, können außerdem das Arbeitsgedächtnis beeinträchtigen.

Nicht nur äußere Verletzungen, sondern auch neurodegenerative Erkrankungen kommen als Ursache für Schäden am Frontallappen in Betracht. Läsionen an den Blutgefäßen, welche durch die Öffnungen der Fossa cranii anterior verlaufen, können die benachbarten Nervenbahnen und Gewebestrukturen schädigen und zu entsprechenden Ausfallerscheinungen führen.

Menschen, die unter Schizophrenie leiden, zeigen tendenziell Besonderheiten im Frontallappen. Bei Schizophrenie handelt es sich um eine psychische Störung aus der Gruppe der Psychosen. Zum vielgestaltige Krankheitsbild gehören Symptome wie Halluzinationen, Wahngedanken und Ich-Störungen. Personen mit Ich-Störungen fällt es schwer, zwischen Ich und Umwelt zu unterscheiden: Bei der Gedankenausbreitung haben Betroffene beispielsweise den Eindruck, ihre eigenen (nicht geäußerten) Gedanken würden andere Menschen „anstecken“. Darüber hinaus treten oft Negativsymptome wie affektive Verflachung, depressive Verstimmung, Apathie oder Anhedonie auf.

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