Fluoxetin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Fluoxetin ist ein Arzneistoff aus der Wirkstoffklasse der Antidepressiva. Der Wirkstoff gehört zu den Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI).

Inhaltsverzeichnis

Was ist Fluoxetin?

Fluoxetin ist nach Zimelidin (mittlerweile nicht mehr zugelassen) der zweite Arzneistoff aus der Generation der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Das erste Patent erhielt im Jahr 1975 die Pharmafirma Lilly. In den USA erfolgte im Jahr 1988 mit dem Namen Prozac die Markteinführung. In Deutschland ist der Arzneistoff seit 1990 als Fluctin erhältlich.

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wie das Fluoxetin werden in Deutschland zu Behandlung von Depressionen eingesetzt. Auch bei der Therapie von Zwangserkrankungen oder von Bulimie kommt der Arzneistoff zum Einsatz.

Eine der häufigsten Nebenwirkungen des Antidepressivums ist Übelkeit. Ein Fünftel aller Patienten, die mit Fluoxetin behandelt werden, klagen über starke Übelkeit. Des Weiteren kann es zu Schlaflosigkeit und zu starker Müdigkeit kommen.

Pharmakologische Wirkung

Fluoxetin hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin im synaptischen Spalt. Serotonin ist ein Neurotransmitter und ein Gewebshormon. Die Substanz kommt im Darmnervensystem, im Zentralnervensystem, im Blut und im Herz-Kreislauf-System vor.

In diesen Organsystemen erfüllt Serotonin verschiedene Funktionen. So sorgt es beispielsweise für die Entspannung der glatten Muskulatur in den Blutgefäßen oder regt die Darmtätigkeit an. Die bekannteste Wirkung zeigt Serotonin allerdings bei der Stimmungslage. Serotonin vermittelt ein Gefühl von Gelassenheit, Zufriedenheit und innerer Ruhe. Ein Mangel an Serotonin führt zu Angstgefühlen, Depressionen, Kummer und Aggressivität. Aufgrund dieser Wirkung wird Serotonin im Volksmund auch Glückshormon genannt.

Fluoxetin wird in Deutschland zur Behandlung von Depressionen eingesetzt.

Depressive und andere psychisch erkrankte Patienten zeigen häufig einen ausgeprägten Mangel an Serotonin. Deshalb kommen Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wie das Fluoxetin zum Einsatz. Fluoxetin hemmt die Aufnahme von Serotonin aus dem synaptischen Spalt. Dadurch wird die Wirkung des bereits aufgenommenen Neurotransmitters verlängert. Ferner zeigt Fluoxetin eine direkte Wirkung auf die Serotoninrezeptoren im Zentralnervensystem. In höheren Dosen kann Fluoxetin auch die Wiederaufnahme von Noradrenalin hemmen.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Der Arzneistoff Fluoxetin wird zur Behandlung von Zwangsstörungen und Depressionen eingesetzt. Auch als medikamentöse Ergänzung bei der Therapie von Essstörungen und selbstinduziertem Erbrechen wird der Wirkstoff eingesetzt. Durch die Erhöhung des Serotonin-Gehalts im Gehirn sorgt Fluoxetin bei den Betroffenen für eine Antriebssteigerung.

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Risiken & Nebenwirkungen

Der Arzneistoff Fluoxetin darf nicht bei Kindern unter acht Jahren angewendet werden. Bei Kindern über acht Jahren und bei Jugendlichen kann er zur Behandlung von Major Depressionen verwendet werden. Es ist zu beachten, dass Fluoxetin vor allem bei jüngeren Menschen zu suizidalem Verhalten führen kann. Dies resultiert daraus, dass einige depressive Patienten durch die gewonnene Energie der Antidepressiva zunächst nur gedachte suizidale Gedanken nun in die Tat umsetzen. Zuvor fehlte ihnen dafür die Energie.

Fluoxetin darf bei akuten manischen Zuständen nicht eingesetzt werden. Patienten mit einer Manie leiden unter einer abnorm erhöhten Stimmungslage, die unter der Einnahme von Fluoxetin weiter ansteigen würde. Des Weiteren darf der Arzneistoff nicht zusammen mit MAO-Hemmern eingenommen werden. MAO-Hemmer werden zur Behandlung von Depressionen und Parkinson eingesetzt. In Kombination mit Fluoxetin können schwere bis tödliche Nebenwirkungen auftreten. Nach dem Absetzen von Fluoxetin müssen die Patienten mindestens fünf Wochen warten, bis sie einen MAO-Hemmer einnehmen dürfen. Deshalb darf die Umstellung von Fluoxetin auf einen MAO-Hemmer oder von einem MAO-Hemmer auf Fluoxetin nur unter Aufsicht eines Arztes erfolgen.

Übelkeit ist eine der häufigsten Nebenwirkungen des Arzneistoffes. Mehr als 20 Prozent aller Patienten, die Fluoxetin einnehmen, leiden unter Übelkeit. Auch Schlaflosigkeit gehört zu den häufigen Nebenwirkungen. Weitere Nebenwirkungen sind Müdigkeit und Appetitlosigkeit. Angst, Nervosität, Muskelschwäche und Muskelzittern sind ebenfalls potenzielle Nebenwirkungen. Insbesondere Angstzustände, Manien, Nervosität und Schlafstörungen führen dazu, dass die Behandlung mit Fluoxetin von den Patienten abgebrochen wird.

Eine weitere häufige Nebenwirkung von Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern wie Fluoxetin ist eine Störung der Libido. Auch andere sexuelle Dysfunktionen, wie beispielsweise die Unfähigkeit einen Orgasmus zu erleben, können Nebenwirkungen von SSRI sein.

Einige Patienten entwickeln unter der Einnahme des Antidepressivums Nesselsucht und teils schwere Hautausschläge. Etwa ein Drittel der Patienten mit diesen Hauterscheinungen bricht die Therapie mit Fluoxetin ab.

Auch das Phänomen der Akathisie (Sitzunruhe) tritt als Nebenwirkung häufig auf. Bei einer Akathisie können die Patienten nicht still in einer Position verharren. Sie sind sehr unruhig. Die Akathisie tritt meist direkt nach Beginn der Therapie oder bei einer Dosiserhöhung ein. Sie verschwindet, wenn die Behandlung beendet oder die Dosis reduziert wird.

Wenn Fluoxetin mit Arzneistoffen kombiniert wird, die sich ebenfalls auf das Serotoninsystem auswirken, kann das sogenannte Serotoninsyndrom entstehen. Es handelt sich dabei um einen Symptomenkomplex, der durch die Anhäufung von Serotonin in Teilen des Körpers hervorgerufen wird. Zu den Symptomen des Serotoninsyndroms gehören Schwitzen, Tremor und Schüttelfrost. Das Syndrom kann teils tödlich enden. Besondere Vorsicht ist bei der Kombination von Fluoxetin mit MAO-Hemmern, Tramadol, Triptanen, Lithium, Johanniskraut und Tryptophan geboten. Bei der Kombination von Fluoxetin mit Substanzen wie Carbamazepin, Haloperidol oder trizyklischen Antidepressiva können sich Blutspiegelverschiebungen und Toxizitäten entwickeln.

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