Fliegen in der Schwangerschaft

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Januar 2017
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Fliegen gehört für viele Berufstätige zum Alltag. Wenn sich Nachwuchs ankündigt, wird so manche Selbstverständlichkeit hinterfragt. Doch wie sieht es mit dem Fliegen in der Schwangerschaft aus?

Inhaltsverzeichnis

Wie lange darf man als Schwangere fliegen?

Auch im Rahmen der Schwangerschaft kann es notwendig sein, sich per Flugzeug von einem Ort zum anderen zu bewegen. Mögliche Gründe sind Besuche von Angehörigen oder Freunden, wichtige berufliche Termine oder ein Urlaub in ferne Regionen. Grundsätzlich stellt das Fliegen in der Schwangerschaft kein großes Problem dar. Allerdings sollte die Schwangere auf einige Kriterien achten, bevor sie sich an Bord eines Flugzeugs begibt.

So spielt zum Beispiel die Dauer des Fluges eine wichtige Rolle. Bei jedem Flug sind die Passagiere an Bord einer stärkeren Belastung durch Strahlen ausgesetzt. Die Strahlenbelastung zeigt sich um 50 Prozent intensiver als die Durchschnittsbelastung, die am Erdboden herrscht. Dies gilt jedoch nur für den Fall, dass die schwangere Frau Tag für Tag mit einem Flugzeug reisen würde. Bei einzelnen Flügen beträgt die Belastung lediglich einen Bruchteil.

Von größeren Risiken für das ungeborene Baby gehen Strahlenexperten daher nicht aus. Mitunter kann die Strahlenbelastung am Erdboden sogar höher ausfallen als in der Luft, was jedoch vom jeweiligen Wohnort der zukünftigen Mutter abhängt.

Die Stärke der Strahlendosis richtet sich außerdem danach, auf welche Höhe das Flugzeug steigt und wie lange es unterwegs ist. Bei Flügen in großen Höhen, die mehrere Stunden in Anspruch nehmen, herrscht eine höhere Strahlenbelastung als bei kürzeren Flügen in niedrigeren Distanzen.

Welche Risiken birgt fliegen während der Schwangerschaft?

Das Fliegen in der Schwangerschaft kann mit gewissen Risiken verbunden sein. Vor allem in der Frühschwangerschaft besteht die Gefahr von Fehlbildungen durch ionisierende Strahlen. So bilden sich ab der 5. Schwangerschaftswoche die Organe des Kindes aus. Aus diesem Grund empfehlen Experten, in diesen Zeitraum möglichst wenig zu fliegen und Langstreckenflüge komplett zu vermeiden.

Bei der Wahl des Urlaubsortes sollten außerdem nur Ziele ausgewählt werden, für die keine Fernreisen in tropische Gefilde nötig sind. Als sicherer eingeschätzt werden dagegen Flugziele innerhalb Europas. Dadurch lässt sich auch das Risiko einer Thrombose reduzieren, zu der es nach einem Langstreckenflug kommen kann. Dabei entsteht eine Blutgerinnselbildung in den Beinen. Um dies zu vermeiden, empfiehlt es sich, während des Fluges ein wenig herumzulaufen.

Auch die Zufuhr von ausreichend Flüssigkeit gilt als wichtig. Ebenfalls von Bedeutung ist die Auswahl eines komfortablen Sitzplatzes, der möglichst viel Beinfreiheit ermöglicht. Auch mit dem Anziehen von speziellen Kompressionsstrümpfen der Klasse 2 lässt sich einem Blutgerinnsel entgegenwirken.

Kein Grund zur Sorge ist nach Meinung zahlreicher Ärzte der verringerte Sauerstoffgehalt im Flugzeug bei ansteigender Höhe. Bewegt sich der Jet auf normaler Flughöhe, fällt die Abnahme des Sauerstoffgehalts nicht so groß aus, als das sie eine Fehlgeburt auslösen könnte. Der Scanner am Flughafen stellt ebenfalls keinerlei Risiko dar, weil es sich beim ihm nicht um ein Röntgengerät handelt.

Im letzten Drittel der Schwangerschaft sollte das Fliegen jedoch besser vermieden werden, damit es nicht zu einer ungeplanten Geburt im Flugzeug kommt.

Fliegen mit Attest

Hat die schwangere Frau die 28. Schwangerschaftswoche (SSW) erreicht, benötigt sie ein ärztliches Attest, um an Bord eines Flugzeugs gehen zu dürfen. Ab der 34. bis 36. SSW gewähren die meisten Fluggesellschaften Hochschwangeren in der Regel keinen Zutritt mehr. Erwartet die Mutter Zwillinge oder gar Mehrlinge, gilt dies sogar schon ab der 29. Schwangerschaftswoche.

Allerdings gibt es auch Ausnahmen für Kurzflüge, sodass keine einheitlichen Kriterien bestehen. Ein Attest, das zu einer Flugreise berechtigt, wird vom behandelnden Frauenarzt ausgestellt. Bei einigen Airlines sind sogar Vordruckformulare auf Internetseiten erhältlich, die sich dem Gynäkologen vorlegen lassen. Beim Einchecken darf das Attest ein Alter von zwei Wochen nicht überschreiten.

In dem ärztlichen Dokument sind der zu erwartende Geburtstermin, die aktuelle Schwangerschaftswoche sowie eine Tauglichkeitsbestätigung zum Fliegen für die Schwangere enthalten. Ferner wird eine unkomplizierte Schwangerschaft bestätigt. Abgesehen vom Attest gilt auch die Vorlage des Mutterpasses als empfehlenswert.

Risikoschwangerschaft – lieber am Boden bleiben

Grundsätzlich nicht zu empfehlen ist das Fliegen, wenn eine Risikoschwangerschaft besteht. So sollte die Schwangere nicht unter einer Placenta praevia, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder vorzeitigen Wehen leiden. Gleiches gilt für das Neigen zu einer Fehlgeburt oder Frühgeburt. Ebenfalls von einer Flugreise abzusehen ist bei starker Flugangst oder verstärkter Thrombosegefahr.

Tipps für ein unbeschwertes Reisevergnügen

Wer trotz seiner Schwangerschaft nicht auf das Fliegen verzichten möchte, sollte zumindest einige Tipps beachten. Als empfehlenswert gilt das Abschließen einer Reiserücktrittsversicherung. Kommt es zum Beispiel zum vorzeitigen Einsetzen der Wehen, die zur Absage der Flugreise führen, entfallen die sonst üblichen Stornogebühren.

Sinnvoll sind Flugreisen für Schwangere besonders zwischen dem 4. und 6. Monat. In diesem Zeitraum haben die Probleme der Frühschwangerschaft wie morgendliche Übelkeit bereits nachgelassen und der Bauch weist noch keinen störenden Umfang auf.

Wichtig ist außerdem, beim Fliegen stets die Reiseapotheke mit sich zu führen, genügend zu trinken, auf Beinfreiheit zu achten, bequeme Kleidung zu tragen und den Sicherheitsgurt grundsätzlich unterhalb des Bauches anzulegen.

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Pilotin oder Stewardess?

Ist eine schwangere Frau im Flugdienst als Stewardess oder Pilotin tätig, kommen spezielle Regeln zur Geltung. So wird sie aufgrund ihrer Schwangerschaft prinzipiell als fluguntauglich eingestuft. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmeregelungen bis zur 26. Schwangerschaftswoche, wenn ein Gynäkologe feststellt, dass es sich um eine komplikationsfreie Schwangerschaft handelt. Die genauen Kriterien fallen jedoch von Fluggesellschaft zu Fluggesellschaft unterschiedlich aus.

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