Flagellaten

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2016
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Flagellaten sind einzellige Lebewesen, die sich mit Flagellen fortbewegen. Einige Flagellaten können beim Menschen Erkrankungen hervorrufen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Flagellaten?

Flagellaten sind eukaryotische Lebewesen. Eukaryoten sind all die Lebewesen, die Zellen mit einem Zellkern besitzen. Flagellaten besitzen genau eine Zelle mit Zellkern, da sie zu den Einzellern gehören. Ihren Namen verdanken die Flagellaten ihren Geißeln. In der Fachsprache werden diese Peitschen, die der Fortbewegung dienen, auch Flagellen genannt. Doch die Einzeller nutzen ihre Geißeln nicht nur zur Fortbewegung. Mithilfe der kleinen Fortsätze können sie sich auch an Strukturen verankern oder Nahrungspartikel herbeiholen.

Die Gruppe der Flagellaten wurde erstmals im Jahr 1866 von Botaniker Karl Moritz Diesing beschrieben. Die endgültige Anerkennung erfolgte jedoch erst Ende des 20. Jahrhunderts als Gattung der Protozoen. Die Flagellaten, die für den Menschen pathologisch sind, können in drei Gruppen unterteilt werden: Trypanosomen, Leishmanien und Trichomonaden.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Trypanosomen sind Einzeller, die hauptsächlich in flüssigen Geweben zu finden sind. Sie befinden sich im Blut, in der Lymphe oder im Liquor. Auch in der Herzbeutelflüssigkeit können Trypanosomen leben. Trypanosomen können durch Insekten wie beispielsweise Wanzen übertragen werden. Erregerreservoirs sind Haus- und Wildsäugetiere. Die Wanzen nehmen die Erreger beim Saugen des Blutes auf und scheiden infektiöse Formen der Flagellaten mit ihrem Stuhl aus. Durch Mikroverletzungen gelangen die Trypanosomen dann in den menschlichen Körper ein. Eine Übertragung ist auch durch kontaminierte Bluttransfusionen, über die Muttermilch und die Plazenta sowie über infektiöse menschliche Ausscheidungen möglich.

Auch Leishmanien werden durch Insekten übertragen. Hauptüberträger sind Sandmücken der Gattung Phlebotomus. Hauptverbreitungsgebiete der Erreger sind Indien, Afrika, China, der Irak und die südwestliche arabische Halbinsel.

Trichomonaden werden hingegen nicht durch Insekten oder Tiere übertragen. Die Infektion findet bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr über die Vaginalflüssigkeit oder das Sperma statt.

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Krankheiten & Beschwerden

Trichomonaden, insbesondere die Spezies Trichomonas vaginalis, können Infektionskrankheiten der Geschlechtsorgane und Harnwege hervorrufen. Die Feuchtigkeit und der pH-Wert in der Scheide und in der Harnröhre bieten den Geißeltierchen optimale Lebensbedingungen, sodass diese dort auch für einen längeren Zeitraum überleben können. Bei der Frau führt die Besiedlung durch die Trichomonaden zu einer starken Entzündung mit eitrigem Ausfluss. Im Eingangsbereich der Scheide entwickelt sich ein Brennen. Geschlechtsverkehr ist nur noch unter starken Schmerzen möglich. Der eitrige Ausfluss riecht unangenehm fischig. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Infektion häufig mit einer Besiedlung der Scheide durch Gardnerella vaginalis und verschiedene Stuhlbakterien verbunden ist. Die Entzündung der Scheide und der Harnröhre kann von Unterbauchschmerzen begleitet sein.

Männer, die mit Trichomonaden infiziert sind, zeigen meist keine Symptome. Gelegentlich kommt es durch die Harnröhrenentzündung zu Brennen beim Wasserlassen und beim Samenerguss. Auch ein eitriger Ausfluss aus der Harnröhre kann auftreten. Es ist zu beachten, dass Frauen mit einer Trichomonaden-Infektion aufgrund der Schleimhautdefekte ein höheres Risiko haben, sich mit dem HI-Virus anzustecken. Bei HIV-Infizierten steigt mit einer Trichomonaden-Infektion das Risiko, das Virus an andere Geschlechtspartner weiterzugeben.

Trichomonaden können aber nicht nur den Genitalbereich, sondern auch den Intestinalbereich (Darm) besiedeln. So kann der Erreger Trichomonas intestinalis eine Enterokolitis hervorrufen.

Die Flagellaten Leishmanien rufen hingegen die Leishmaniose hervor. Mögliche Erreger der Leishmaniose sind Leishmania brasiliensis, Leishmania infantum und Leishmania tropica. Insgesamt gibt es 15 verschiedene humanpathogene Leishmanien. Bei der Leishmaniose kann zwischen der kutanen, der mukokutanen und der viszeralen Leishmaniose unterschieden werden. Bei der kutanen Leishmaniose beschränkt sich die Infektion auf die Haut. So bilden sich an den Einstichstellen der Sandmücken Flecken, die anschließend in kleine Bläschen übergehen können. Diese vergrößern sich recht schnell und werden zu Beulen, die dann geschwürig zerfallen. Bei der mukokutanen Form kommt es zu schweren Entzündungen im Gesicht. Auch die Nasenschleimhaut ist betroffen, sodass sich ein chronischer Schnupfen entwickeln kann, der mit einer Zerstörung der Nasenschleimhäute einhergeht. Die viszerale Form ist durch den Befall von inneren Organen charakterisiert. Es kommt zu Fieber, einer Schwellung von Milz und Leber, zu Anämien, Durchfall und Hyperpigmentierungen der Haut.

Die dritte große humanpathogene Gruppe der Flagellaten sind die Trypanosomen. Die wichtigsten Vertreter sind Trypanosoma brucei gambiense, Trypanosoma brucei rhodesiense und Trypanosoma cruzi. Trypanosoma cruzi ist der Erreger der Chagas-Krankheit. Die Chagas-Krankheit unterteilt sich in eine akute und in eine chronische Phase. In der akuten Phase kommt es zu Fieber, Hautveränderungen und generalisierten Entzündungen der Lymphknoten. Nicht selten wird die akute Phase der Chagas-Krankheit als normaler grippaler Infekt fehlinterpretiert. Im Rahmen der chronischen Phase vergrößern sich verschiedene Organe. Der Magen-Darm-Trakt zeigt fortschreitende Lähmungen, sodass die Patienten unter Gewichtsverlust, Schluckstörungen und chronischer Verstopfung leiden.

Trypanosoma brucei rhodesiense und Trypanosoma brucei gambiense sind beide Erreger der Schlafkrankheit. In der ersten Woche nach der Infektion mit dem Erreger entwickelt sich an der Einstichstelle eine Schwellung mit einem Bläschen in der Mitte. Diese Hauterscheinung wird Trypanosomenschanker genannt. Ein bis drei Wochen später entwickeln die Patienten Fieber, Schüttelfrost, Schwellungen und Hautausschläge. Das zweite Stadium, die meningoenzephalitische Phase, ist durch Krampfanfälle, Schlafstörungen, Störungen der Koordination und Gewichtsverlust gekennzeichnet. Im Endstadium der Erkrankung fallen die Patienten in einen schlafähnlichen Dämmerzustand. Nach einigen Monaten bis Jahren endet die Schlafkrankheit in der Regel tödlich.

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