Flachrücken

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. November 2017
Startseite » Krankheiten » Flachrücken

Unter einem Flachrücken wird eine Deformation der Wirbelsäule verstanden, indem sich diese geradlinig vom obersten Halswirbel bis zum Becken erstreckt. Normalerweise unterliegt die Wirbelsäule einer natürlichen Krümmung mit dem Zweck unsere täglichen Bewegungen abzufedern.

Während sich im Halswirbelbereich eine Krümmung nach vorne befindet, ist im Brustwirbelbereich eine Krümmung nach hinten anzutreffen. Im Bereich der Lenden krümmt sich die Wirbelsäule bei einem gesunden Menschen wieder wie im Halswirbelbereich nach vorne. Der Flachrücken kann also aufgrund dieser fehlenden S-Krümmung die Funktion des Abdämpfens nicht übernehmen. Dies führt zu Schmerzen bei den Betroffenen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Flachrücken?

Ein Flachrücken ist meist durch eine außergewöhnlich kerzengerade Körperhaltung und einen versteiften Hals erkennbar. Diese Ausprägungen entstehen durch die fehlende oder unterdurchschnittlich ausgeprägte S-Krümmung der Wirbelsäule, wovon in den meisten Fällen vor allem der Lendenbereich betroffen ist.

Besonders beim Heben von schweren Gegenständen macht sich der Flachrücken beim Betroffenen bemerkbar. Hier kann sich der Druck der Last nicht mehr gleichmäßig verteilen und es kommt zur Überbelastung von Bandscheiben und Gelenken.

Die Folge sind starke Rückenschmerzen. Auch Kinder leiden unter dieser Erscheinung sehr oft. Hieraus kann sich neben dem Hauptsymptom Rückenschmerzen, Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Reizbarkeit entwickeln.

Ursachen

Die Ursachen eines Flachrückens sind vielfältig. Zum einen kann diese Deformation durch Haltungsfehler ausgelöst werden. Dies geschieht besonders häufig während der Jugendzeit, da sich die Wirbelsäule in diesem Zeitraum noch im Wachstum befindet.

Hier können sich während dieser kritischen Wachstumsphase eine krankhaft verstärkte nach hinten gerichtete Krümmung des Brustsäulenbereichs oder auch ein Buckel entwickeln. Die Krankheit ist auch als Morbus Scheuermann bekannt und kann ebenfalls als Ursache eines Flachrückens gelten. Vorrübergehende Haltungsfehler in der Jugend werden also dauerhaft, da sich die Wirbelsäule in ihrer weiteren Entwicklung an dieser falschen Haltung orientiert.

Des Weiteren führen andere Erkrankungen der Wirbelsäule wie die Rachitis zu diesem Phänomen. Dies ist eine Vitamin-D-Stoffwechselerkrankung, die zur Erweichung der Knochen führt und die Knochen somit der täglichen Belastung nicht stand halten können. Sie können sich zum Beispiel entgegen der natürlichen S-Krümmung in einen geradlinigen Verlauf verformen. Aber auch Operationsfehler, wie das falsche Anbringen von Implantaten an der Wirbelsäule, können einen gesunden Rücken in die Richtung eines Flachrückens verformen.

Typische & häufige Symptome & Anzeichen

  • Rückenschmerzen beim Heben von schweren Gegenständen
  • fehlende S-Form der Wirbelsäule, ganz gerader, durchgestreckter Rücken

Diagnose & Verlauf

Der Flachrücken gilt an sich nur als Symptom. Die Diagnose erfolgt somit auf Basis einer Grunderkrankung, wobei auch andere auftretende Symptome Beachtung finden sollten. Im Allgemeinen besitzt der Betroffene eine außergewöhnlich, gerade Körperhaltung. Dies muss durch Röntgenaufnahmen vom Arzt bestätigt werden.

Im nächsten Schritt müssen die Ursachen dieses Symptoms ergründet werden. Auslöser können neben den bereits erwähnten Ursachen wie der Rachitis oder Fehler in durchgeführten Versteifungsoperationen auch Bandscheibenerkrankungen oder das atypische Morbus Scheuermann sein. Bei Bandscheiben bedingten Erkrankungen sollte der Arzt eine Kernspintomographie durchführen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Behandlung beim Flachrücken ist zwar nicht immer notwendig, sollte allerdings trotzdem durchgeführt werden, um weitere Komplikationen und Beschwerden im Alltag des Betroffenen zu vermeiden. Der Patient sollte bei dieser Erkrankung immer dann einen Arzt aufsuchen, wenn es im Alltag zu starken Rückenschmerzen kommt. Diese treten dabei vor allem beim Heben von schweren Gegenständen oder auch bei alltäglichen Bewegungen auf. Sollte es daher ohne einen besonderen Grund und vor allem dauerhaft zu diesen Schmerzen kommen, so ist auf jeden Fall ein Besuch bei einem Arzt notwendig.

Der Rücken verliert seine typische S-Form, sodass der Betroffene an einem durchgestreckten Rücken leidet. Auch bei dieser Beschwerde ist ein Besuch bei einem Arzt immer notwendig. Die Diagnose und Behandlung der Krankheit kann durch einen Orthopäden oder durch einen Allgemeinarzt erfolgen. In einigen Fällen sind die Betroffenen allerdings auf einen operativen Eingriff angewiesen, um die Beschwerden zu lindern. Auch verschiedene Übungen und Therapien können dabei helfen, die Beschwerden dieser Erkrankung zu lindern. Bei einer frühzeitigen Behandlung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines positiven Krankheitsverlaufes.

Komplikationen

Bei einem Flachrücken leidet der Patient an relativ starken Schmerzen. Diese können entweder unter Belastung oder auch in Form von Ruheschmerzen auftreten und dabei den Alltag des Patienten stark einschränken. In der Regel kommt es ebenfalls zu einer Bewegungseinschränkung und damit zur Abnahme der Lebensqualität. In vielen Fällen klagen die Betroffenen auch über eine Müdigkeit und eine Antriebslosigkeit.

Dabei ist es nicht möglich, die Müdigkeit mit ausreichend Schlaf auszugleichen, sodass der Patient sich geschwächt fühlt und ein allgemeines Krankheitsgefühl aufweist. Auch Kinder können an einem Flachrücken leiden und sind damit in ihrer körperlichen Entwicklung eingeschränkt. Die Schmerzen wirken sich in der Regel negativ auf die Psyche aus, sodass die meisten Betroffenen auch an Depressionen und andren seelischen Beschwerden leiden.

Durch den Schmerz entsteht meistens auch eine erhöhte Reizbarkeit und Aggressivität. Diese Faktoren können sich negativ auf die Umwelt und auf die sozialen Kontakte auswirken. Die Behandlung des Flachrückens wird in der Regel mit Hilfe von verschiedenen Übungen durchgeführt.

Dabei kommt es zu keinen weiteren Komplikationen. In schwerwiegenden Fällen können operative Eingriffe erfolgen. Der Krankheitsverlauf ist meist positiv und beeinträchtigt nicht die Lebenserwartung.

Behandlung & Therapie

Erst nachdem die Ursachen des Flachrückens geklärt sind, kann eine entsprechende Therapie erfolgen. Dabei lässt sich der Flachrücken meist als Symptom einer anderen Grundkrankheit identifizieren. Oder es ist ein Resultat eines Haltungsfehlers während des Jugendalters.

Selten wird eine Operation zur Behandlung durchgeführt. Ausnahme ist hierbei eine bereits eingetroffene sekundäre Veränderung der Bandscheiben und Gelenke, wobei beschädigte Bandscheiben operativ entfernt werden und die Wirbelsäule mit Metallplatten und Schrauben korrigiert stabilisiert werden kann. Diese operativen Eingriffe werden aber nur bei starker Ausprägung des Flachrückens durchgeführt. Auch eine Dauertherapie ist beim Flachrücken oft nicht nötig. Meistens reichen schon einige Balance- und Gleichgewichtsübungen auf einer unebenen Fläche aus, um die Wirbelsäulenbalance wiederherzustellen.

Der Patient lernt seine Körperhaltung zu kontrollieren und darüber hinaus wird die Muskulatur gestärkt. Auch bleibt hierdurch die Beweglichkeit verschiedener Wirbelsäulenabschnitte erhalten, sodass Versteifungen des Körpers vermieden werden. Bei akuten Beschwerden wird auf konservative Behandlungsmethoden wie eine physiotherapeutische Behandlung nach Brügger zurückgegriffen. In dieser ganzheitlichen Therapie auf neurophysiologischer Basis werden individuelle Funktionsstörungen des Bewegungssystems analysiert und die Schmerzen und Störfaktoren behandelt.

Aber auch Dehnübungen der Oberschenkelmuskulatur oder ein Ausgleich des muskulären Ungleichgewichts im Hüft-, Lenden- und Beckenbereich können Behandlungsmethoden bei der Diagnose Flachrücken darstellen. Bleibt der Flachrücken jedoch länger unbehandelt wird es schwer die normale Krümmung durch einfache Übungen annähernd wieder herzustellen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Um einem Flachrücken vorzubeugen ist es ratsam regelmäßig die Rücken- und Bauchmuskulatur mit geeigneten Übungen wie zum Beispiel Rumpfheber, Frontstütz oder Iso-Crunches zu trainieren. Darüber hinaus sollte auf eine korrekte Körperhaltung, ob im Sitzen oder Stehen, durch erzieherische Maßnahmen geachtet werden. Geeignete Sitzmöbel vor allem im Büro können dies positiv unterstützen.

Das können Sie selbst tun

Zur Bekämpfung des Flachrückens gibt es ein paar einfache Übungen, die leicht in den Alltag einzubauen sind. Bei der ersten Übung begibt sich der Betroffene auf Knie und Hände und lässt die Stelle des Rückens durchhängen, an der die Krümmung der Wirbelsäule fehlt. Dies begünstigt die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Diese Stellung wird zwischen zwei und zweieinhalb Minuten gehalten. Polster unter den Händen helfen dabei, die Arme zu entlasten.

Zur zweiten Übung setzt sich die Person auf die Fersen. Im Anschluss senkt sie den Oberkörper soweit herab, bis die Stirn den Boden berührt. Im Bereich der Brustwirbelsäule sollte nun eine Krümmung nach hinten spürbar sein. Die Position wird für zwei Minuten gehalten.

Bei der dritten Übung gegen den Flachrücken wird wie in der zweiten begonnen. Im Fersensitz wird der Kopf nach Hinten überdehnt. Dabei helfen die Hände durch sanften Druck auf die Stirn nach. Auf der Vorderseite des Körpers wird bei dieser zweiminütigen Übung das gestreckt, das der Krümmung der Wirbelsäule im Wege steht. Die Überstreckung des Kopfes kann als vierte Übung auch im Liegen mit einer Medirolle im Nacken erfolgen.

Mittels dieser Übungen lässt sich das Leben mit dem Flachrücken im Alltag erleichtern. Sie können schnell und einfach ausgeführt werden und bergen keine Gefahren. Wichtig ist nur, die Stellung einer Übung langsam zu lösen, um die Muskeln nicht zu schädigen. Sollten Probleme auftreten oder wird Unterstützung benötigt, empfiehlt es sich eine Physiotherapeuten aufzusuchen.

Bücher über Rückenschmerzen

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Wirth, C.J. et al.: Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: