Fingernägel kauen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. November 2017
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Fingernägel kauen oder Onychophagie ist weder eine Krankheit noch ein wirkliches Symptom. Es kann aber im Verlauf zu einer zwanghaften Handlung werden. Der Grund für das Fingernägelkauen ist in den meisten Fällen ein ein- oder abgerissener Nagel und die gerade fehlenden Utensilien, um das Problem zu beheben. Dieses Nägelkauen ist in den meisten Fällen unbedenklich, allerdings wird bei manchen Menschen das Abkauen der Nägel zur Zwangshandlung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Fingernägel kauen?

Grundsätzlich kann zwischen drei Typen des Nägelkauens unterschieden werden:

  • Gelegentliches Kauen auf den Fingernägeln, um beispielsweise störende Ecken zu entfernen
  • regelmäßiges, meist unbewusstes Kauen
  • exzessives Abkauen der Fingernägel bis zum Nagelbett

Häufig beginnt das Kauen bereits im Kindesalter. Eltern wird in den meisten Fällen zur Ruhe geraten, da die Angewohnheit nur selten krankhaft oder psychisch bedingt ist. Bis zu 50% der Kinder kauen an ihren Nägeln. Bei Erwachsenen sinkt die Rate auf 10%.

Bei den letzten beiden Typen des Nägelkauens spricht der Mediziner von einer sogenannten Onychophagie. Per definitionem geht es dabei auch um das Abkauen der, um das Nagelbett liegenden Haut. Vor allem im letzten Fall handelt es sich um eine zwanghafte Impulskontrollstörung, die mit einer Sucht verglichen werden kann.

Ursachen

Die Ursachen für das gelegentliche Nägelkauen sind üblicherweise abgebrochene Fingernägel, die beispielsweise nicht zurechtgeschnitten werden können, da man keine Nagelschere mit sich führt.

Andere Gründe können aber auch Faulheit, Langeweile oder mangelnde Pflege sein. Nur in seltenen Fällen sind schwerwiegende Probleme Schuld. Kommt es allerdings zum regelmäßigen Kauen auf den Fingernägeln, sollte psychische Belastung oder Krankheit ausgeschlossen werden. Bei manchen Betroffenen dient es als emotionales Ventil bei Überbelastung der Nerven.

Stress, Nervosität und Verhaltensstörungen können der Auslöser sein. ADHS-Kranke nutzen das Nägelkauen beispielsweise zur Bedürfnisbefriedigung in Ruhephasen. Die genauen Ursachen hängen von der Person ab und können von einer eher harmlosen Sozialphobie bis hin zu schweren Traumata reichen. Bei Kindern kommt als möglicher Auslöser des Fingernägelkauens zudem das falsche Vorleben durch Personen aus der Umgebung infrage.

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Krankheiten mit diesem Symptom

Diagnose & Verlauf

Häufig beginnt das Kauen bereits im Kindesalter. Eltern wird in den meisten Fällen zur Ruhe geraten, da die Angewohnheit nur selten krankhaft oder psychisch bedingt ist.

Sollte sich das Kauen auf den Fingernägeln als Problem herausstellen, regelmäßig passieren und andere Belastungssymptome hinzukommen, ist ein Arztbesuch sinnvoll.

Gerade beim dritten Typ ist Hilfe unbedingt vonnöten, da es sich dabei um selbstverletzendes Verhalten handelt. Für eine Diagnosestellung reicht im Normalfall ein Blick auf die Hände des Betroffenen. Dabei wird medizinisch unter Typ zwei und drei unterschieden. Sind nur die Fingernägel betroffen und die umliegende Haut nicht blutig oder stark beschädigt, wird anhand eines Gesprächs entschieden, inwieweit es sich um eine schlechte Angewohnheit oder ein psychisches Problem handelt.

Sind die Finger jedoch blutig oder weisen ältere Verletzungen auf, wird der Arzt von einer Verhaltensstörung ausgehen. Unmittelbare Folgen des Nägelkauens sind außerdem chronische Nagelbettentzündungen oder Nagelwuchsstörungen. Dabei kann es aufgrund der Keime, die sich unter den Fingernägeln sammeln, auch zu sekundären Infektionen kommen.

Komplikationen

Nägel zu kauen, kann ernsthafte gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Diese treten in der Regel allerdings nur durch sehr häufiges, exzessives Nägelkauen auf. Es kann zu dauerhaften Schädigungen des Nagels und der Nagelhaut kommen. Nagelbettentzündungen sind ein ebenfalls häufig auftretendes Problem. Außerdem besteht durch permanentes Kauen der Nägel die Gefahr von Entzündungen des Zahnfleisches und in schweren Fällen auch die Fehlstellung von Zähnen. Im Bereich der Kiefermuskulatur ist es möglich, dass durch starkes Kauen Schmerzen und Beschwerden der Kaumuskulatur auftreten.

Da Nägel unverdaulich sind, können bei regelmäßigem Schlucken dieser nach dem Kauen Magenprobleme die Folge sein. Auch der restliche Verdauungstrakt kann hiervon betroffen sein und in seiner Funktionsweise negativ beeinflusst werden. Neben den körperlichen Problemen, die durch massives Nägelkauen auftreten können, hat diese Angewohnheit in einigen Fällen auch Einfluss auf das psychische Wohl betroffener Menschen.

Viele schämen sich für die meist unansehnlichen Fingerspitzen, die durch abgebissene Nägel und die darum herum liegende angeknabberte Haut stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Da Betroffene oft nicht in der Lage sind, die Angewohnheit des Nägelkauens bewusst abzustellen, kann dies in manchen Fällen zu einer Art von sozialem Rückzug führen. Selten führt dieser Rückzug wegen extremer Scham sogar bis zur völligen Isolation und Abschottung von anderen Menschen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Fingernägel kauen oder Fingernägel beißen ist ein weitverbreitetes Phänomen. Wann ist es nur eine unvorteilhafte Angewohnheit? Wann ist ein Arztbesuch anzuraten? Der Übergang ist fließend. Bei Frauen besiegt gelegentlich die Eitelkeit den Zwang zum Nägelkauen. Vor allem sie nutzen spezielle Nagellacke, deren extrem bitteren Geschmack weiteres Fingernägelkauen vergällt. Helfen solche Maßnahmen jedoch nicht, sollte der Hausarzt als erste Adresse aufgesucht werden.

Niemand braucht sich zu schämen, wegen Fingernägelkauens einen Arzt – Hausarzt oder Kinderarzt – aufzusuchen. Ärzte wissen, wie schwer sich Nägelkauen oft wieder abgewöhnen lässt. Da mit Fingernägel kauen und Fingernägel beißen häufig emotionale Spannungssituationen verbunden sind, kann eine Überweisung zum Psychologen oder Psychotherapeuten sinnvoll sein. Je nach Ursache gibt es verschiedene Therapiemodelle.

Gemeinsam mit dem Psychologen oder Psychotherapeuten kann der Patient an seinem Zwang zum Fingernägel kauen arbeiten. Erfolg versprechend ist natürlich zusätzlich das Behandeln der zugrunde liegenden psychischen Ursache für die Zwangshandlung Fingernägel kauen. Schwer zu bewältigende Probleme können ebenso Fingernägel kauen auslösen wie übergroßer Stress.

Ein guter Therapeut wird seinen Fingernägel kauenden Patienten ermutigen, sich selbst stärker zu beobachten, in welchen Situationen er besonders zum Fingernägelkauen neigt. Das kann bereits viel bewirken. Ebenso sollte er als Fachmann seinem Patienten klarmachen, dass langzeitiges Fingernägel kauen dauerhafte unschöne Spuren hinterlässt.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung hängt von der Schwere des Kauens ab. Bei Kindern sollten, sofern es keinerlei Anzeichen für eine starke, psychische Störung gibt, kleine Ziele abgesteckt und mit dem Kind besprochen werden.

Hier kann hier mit Belohnungen gearbeitet werden, wenn die Nägel in Millimeterschritten gewachsen sind. Kontraproduktiv ist hingegen Panikmache der Eltern, Bestrafungen und Sanktionen. Das führt nur dazu, dass die Kinder es heimlich machen und schädigt das Vertrauen zwischen Eltern und Kind. Andererseits verliert sich das Kauen häufig in der Pubertät, da es als peinlich erlebt wird. Zudem können vorsichtige Impulse von Gleichaltrigen dazu beitragen, dass mit dem Kauen aufgehört wird, sofern es nicht krankhaft ist.

Im Erwachsenenalter verliert es sich meist von alleine. Ansonsten kann in leichten Fällen auf spezielle, bitter schmeckende Lacke zurückgegriffen werden. Bewährt haben sich bei Frauen auch Gelnägel, da sie sich kaum abkauen lassen. Solange es sich um keinen Zwang handelt, reicht das meistens aus, um sich das Kauen abzugewöhnen. Disziplin und Durchhaltevermögen helfen, die Angewohnheit loszuwerden.

Sollte es sich allerdings um schwerwiegendes Abkauen bis auf das Nagelbett handeln, das als Selbstverletzung gewertet werden kann, ist psychologische Ursachenforschung das Mittel der Wahl. In dem Fall ist professionelle Hilfe nötig, da meist ein tiefsitzendes Problem dahinter steckt. Das Kauen ist hierbei ein Alarmsignal, das auf keinen Fall ignoriert werden sollte!

Aussicht & Prognose

Wer an seinen Fingernägeln kaut, der zerstört oft die Haut und den Nagel selbst. Das Kauen von Fingernägeln ist ebenso schädlich für die Zähne, da sie damit unnötig belastet werden. In der Regel stellt es keine besondere Schwierigkeit dar, mit diesem Kauen aufzuhören. Da es sich hierbei um ein psychologisches Problem handelt, kann auch ein Arzt um Rat gefragt werden.

Eine Behandlung mit Medikamenten ist nicht notwendig. In den meisten Fällen reicht ein starker Wille und die Veränderung der täglichen Gewohnheiten schon aus, um mit dem Kauen der Fingernägel aufzuhören. Dazu kann sich der Betroffene eine andere Ablenkung suchen, wie zum Beispiel Sport. Nicht selten wird dieses Symptom auch durch Stress ausgelöst. Falls möglich, sollte Stress vermieden werden. Oft geschieht das Kauen der Fingernägel auch unterbewusst.

Falls das Kauen der Fingernägel nicht unterlassen wird, können bei ungünstigem Verlauf an den Fingern Wunden und Entzündungen entstehen. Sehr schwache und rissige Nägel sind ebenso die Folge. Diese können mit einem Lack behandelt werden, um die Struktur des Nagels zu stärken. Des Weiteren gibt es Nagellacke, welche einen sehr bitteren Geschmack besitzen und den Betroffenen abhalten sollen, am Nagel zu kauen. Damit kommt es zu einem positiven Krankheitsverlauf.

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Vorbeugung

Vorbeugend kann es vor allem bei Frauen helfen, die Nägel möglichst lang zu halten, um das Kauen aus Langeweile zu verhindern. Da die Optik in dem Fall unter dem Kauen leidet, wird es automatisch abgestellt. Das gilt allerdings auch nur, wenn es sich um gelegentliches, größtenteils unbedenkliches Kauen handelt.

Ansonsten dienen die Behandlungsmaßnahmen wie Gelnägel oder bittere Lacke und Cremes als Vorbeugung für das Kauen an den Fingernägeln. In schweren Fällen empfehlen Mediziner Baumwollhandschuhe, um die Verletzungs- und Infektionsgefahr zu verhindern.

Das können Sie selbst tun

Wer etwas gegen Fingernägel kauen unternehmen möchte, sollte direkt damit beginnen und es nicht lange aufschieben. Anfangs ist Kaugummi ein hervorragender Ersatz. Sobald Betroffene merken, dass sie an ihren Fingernägeln kauen möchten, sollten sie ein Kaugummi verzehren. Ein zusätzlicher Tipp ist, stets eine Feile oder eine kleine Nagelschere dabei zu haben. So lassen sich Unebenheiten beseitigen und abstehende Haut entfernen. So haben Betroffene einen Grund weniger, an ihren Fingernägeln zu kauen.

Zunächst kann es hilfreich sein, stets am selben Nagel zu kauen. Bewährt sind ebenfalls Nageltinkturen sowie Kaustopp Flüssigkeiten. Sobald Betroffene die Lust zum Fingernägelkauen verspüren, können sie eine Handcreme auftragen. Somit sind die Hände beschäftigt und die Nägel werden stark fettig. Insbesondere vom Kauen der Nägel sind dieselbigen äußerst dünn und weich. Der erste Schritt ist, die Nägel erneut zu härten und zu festigen. Das erreichen Betroffene mit Nagelhärter.

Betroffene sollten einen ansprechenden Nagellack als Anreiz sehen, keine Fingernägel mehr zu kauen. Ferner können Kunstnägel Abhilfe schaffen. Diese sind in Drogerien erhältlich und lassen sich mit einem Spezialkleber befestigen. Alternativ können Betroffene ihre Nägel mit Gel aufbauen lassen. Diese sehen fantastisch aus und fungieren als Motivation, das Kauen bleiben zu lassen.

Bücher über Nagelpflege

Quellen

  • Gesenhues, S., Ziesché, R.H., Breetholt, A. (Hrsg.): Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2014
  • Köllner, V. et al.: Praktische Verhaltensmedizin. Thieme, Stuttgart 2005

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