Fetopathia diabetica

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. Oktober 2017
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Fetopathia diabetica ist eine schwerwiegende Entwicklungsstörung, die bei ungeborenen beziehungsweise neugeborenen Kindern auftritt und von einem zu hohen Blutglucosespiegel der Mutter hervorgerufen wird. Die Behandlung besteht im Wesentlichen aus einer idealen Stoffwechseleinstellung der Schwangeren. Gelingt dies, können eine Fetopathia diabetica und die damit einhergehenden Risiken für das Kind weitgehend verhindert werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Fetopathia diabetica?

Bei der Fetopathia diabetica handelt es sich um eine Entwicklungsstörung von ungeborenen beziehungsweise neugeborenen Kindern. Die Ursache liegt in einer unzureichend behandelten Diabeteserkrankung der Mutter während der Schwangerschaft. Der erhöhte Blutzucker der werdenden Mutter gelangt ungehindert durch die Plazenta zum Fötus und führt zu einer Hyperglykämie.

Unbehandelter Gestationsdiabetes kann mit schwerwiegenden Spätfolgen für das Kind und die werdende Mutter einhergehen. Es treten vermehrt Störungen bei der allgemeinen Entwicklung, dem Wachstum und der Organbildung auf. Leidet die werdende Mutter unter Diabetes, wird die Schwangerschaft automatisch als Risikoschwangerschaft eingestuft. Um Gesundheitsschäden des Kindes vorzubeugen, ist eine engmaschige Kontrolle des Blutzuckers der Mutter während der gesamten Schwangerschaft notwendig.

Ursachen

Grundsätzlich gibt es drei Ursachen für die Ausbildung einer Fetopathia diabetica bei einem ungeborenen Kind. In seltenen Fällen erkrankt die Frau während der Schwangerschaft am sogenannten Gestationsdiabetes. Diese Form der Zuckerkrankheit besteht nur während der Schwangerschaft und bildet sich nach der Geburt vollständig zurück.

Darüber hinaus kann es zu einer Entwicklungsstörung des Fötus aufgrund von Hyperglykämie kommen, wenn die Mutter an Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2 leidet. Glukose gelangt über die Plazenta zum Fötus; der Kreislauf des Kindes reagiert mit einer Steigerung der Insulinproduktion.

Das Resultat ist ein fetaler Hyperinsulinismus, der mit verschiedenen Störungen der Entwicklung einhergeht. Die vermehrte Ausschüttung von Insulin wirkt anregend auf die Synthese von Fetten und Proteinen, wodurch es im Fötus zur Vergrößerung (Hypertrophie) von Organen kommt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Häufig geht eine Fetopathia diabetica mit einer Frühgeburt einher. Darüber hinaus kann es zu einer Plazentainsuffizienz kommen, die bis zum Tod des Fötus vor beziehungsweise während der Geburt führen kann. Außerdem besteht die Gefahr eine Schulterdystokie, einer Störung des Geburtsverlaufs, bei der die Schultern des Kindes zu groß sind.

Die Geburt wird dadurch erheblich erschwert. Eine Schulterdystokie erfordert sofortiges Handeln, da das Kind in diesem Zustand an Sauerstoffmangel sterben kann. Sehr häufig treten bei Neugeborenen Anpassungsschwierigkeiten auf. Betroffene Kinder leiden an Hypoglykämie, Hypokalzämie, Gelbsucht und Atemnot. Des Weiteren erhöht eine Fetopathia diabetica das Risiko des Kindes, im späteren Leben an Fettleibigkeit zu erkranken.

Bei unbehandeltem Diabetes der Mutter sind die Neugeborenen typischerweise übergewichtig und weisen unreife Organe auf. In schwerwiegenden Fällen kommt es zu Fehlbildungen der inneren Organe. Aufgrund der routinemäßigen Messung des Blutzuckers im Rahmen von Schwangerschaftsuntersuchungen sind schwere Fälle von Fetopathia diabetica selten geworden. Meist weisen betroffene Kinder heutzutage ein normales Körpergewicht auf.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose erfolgt während einer Routineuntersuchung der Schwangeren durch eine Messung des Blutzuckerspiegels. Ist die Erkrankung bereits weiter fortgeschritten, kann die Diagnose auch sonografisch gestellt werden. Dabei werden vom behandelnden Arzt ein vergrößerter Fötus sowie Anomalien der Organe festgestellt. Besonders eine vergrößerte Leber des ungeborenen Kindes deutet auf Fetopathia diabetica hin.

Erfolgt die Diagnosestellung rechtzeitig, ist die Prognose von Kindern diabetischer Mütter als sehr gut einzuschätzen. Diabetes ist in den meisten Fällen gut behandelbar und das ungeborene Kind wird nicht geschädigt. Nach der Geburt muss der Blutzuckerspiegel der Neugeborenen in den ersten drei Stunden regelmäßig kontrolliert werden, da gelegentlich Entgleisungen auftreten.

Wann sollte man zum Art gehen?

Bei einer Fetopathia diabetica ist in jedem Fall eine Behandlung notwendig. Es kommt nicht zu einer Selbstheilung und die Erkrankung kann das Leben des Kindes gefährden. In der Regel wird die Krankheit allerdings durch eine Frühgeburt direkt identifiziert und kann auch frühzeitig behandelt werden. Ein sofortiger Eingriff ist dann notwendig, wenn das Kind an Sauerstoffmangel oder an Anpassungsschwierigkeiten leidet. Dabei kann es zu Atemnot oder zu Gelbsucht kommen. Sollte keine Behandlung eintreten, so verstirbt das Kind in der Regel.

Da die Fetopathia diabetica auch das Risiko einer Fettleibigkeit im weiteren Leben des Patienten erheblich erhöht, müssen die Betroffenen auf ihre Ernährung achten und sich regelmäßig bei einem Arzt untersuchen lassen. Auch die inneren Organe können betroffen sein. Um Unreife Organe zu vermeiden, sollten die Eltern mit ihrem Kind ebenfalls an Untersuchungen teilnehmen. Durch eine Messung des Blutzuckers während der Schwangerschaft kann die Fetopathia diabetica ebenso vermieden werden. Die Diagnose und Behandlung der Erkrankung erfolgt in den meisten Fällen schon direkt im Krankenhaus. Durch eine frühzeitige Behandlung können weitere Komplikationen im Erwachsenenalter vermieden werden.

Behandlung & Therapie

Die Therapie dient dazu, den Stoffwechsel der Schwangeren möglichst optimal einzustellen, sodass es zu keiner Hyperglykämie kommt, welche dem Kind schaden könnte. Um schwere Verläufe zu vermeiden, muss die Schwangere in regelmäßigen Abständen untersucht werden. Eine kontinuierliche Kontrolle des Blutzuckerspiegels ist unumgänglich, um den Erfolg der Behandlung sicherzustellen.

Ist die Diabeteserkrankung bekannt, empfiehlt es sich, vor der Empfängnis mit der Therapie zu beginnen. Der Facharzt kann den Schweregrad der Diabeteserkrankung bestimmen und eine Prognose für den wahrscheinlichen Verlauf der Schwangerschaft abgeben. Darüber hinaus sollte der Zeitpunkt des Schwangerschaftseintritts so geplant werden, dass die Stoffwechseleinstellung möglichst ideal ist.

Außerdem gibt es spezielle Schulungen für Diabetikerinnen mit Kinderwunsch, in denen die Teilnehmerinnen Informationen über die richtige Ernährung während der Schwangerschaft sowie die Selbstkontrolle des Blutzuckers erhalten. So gelingt es, Schäden für das ungeborene Kind vorzubeugen. Im Allgemeinen sind die Kinder diabetischer Mütter heutzutage gesund.

Nichtsdestotrotz stellt die Zuckerkrankheit der Mutter ein Risiko für den Fötus dar, weswegen eine intensive Überwachung nach der Geburt unbedingt erforderlich ist. Die Behandlung des Neugeborenen bei Hypoglykämie erfolgt durch eine Glucoseinfusion. Durch den zu hohen Blutzuckerspiegel im Fötus wird die Bildung von Surfacant gestört, wodurch die Lungen bei der Geburt oft unreif sind. Leidet das Neugeborene unter Atemnot, wird künstlich beatmet oder Sauerstoff über eine Sauerstoffmaske zugeführt.

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Vorbeugung

Diabetikerinnen sollten bereits vor der Schwangerschaft einen Facharzt aufsuchen. Sowohl Internisten als auch Gynäkologen verfügen über das notwendige Fachwissen. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass der Blutzuckerspiegel gut eingestellt ist.

Während der Schwangerschaft sollten alle vorgeschriebenen Untersuchungen wahrgenommen werden, um eine Verschlechterung des Diabetes rechtzeitig diagnostizieren zu können. So kann die Ausbildung einer Fetopathia diabetica verhindert werden.

Bücher über Schwangerschaft

Quellen

  • Rath, W., Gembruch, U., Schmidt, S. (Hrsg.): Geburtshilfe und Perinatologie: Pränataldiagnostik - Erkrankungen - Entbindung. Thieme, Stuttgart 2010
  • Wassermann, K., Rohde, A.: Pränataldiagnostik und psychosoziale Beratung. Schattauer, Stuttgart 2009
  • Witkowski R., Prokop O., Ullrich E.: Lexikon der Syndrome und Fehlbildungen. Springer, Berlin 2003

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