Femoro-Acetabuläres Impingement

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. November 2017
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Unter einem Femoro-Acetabulären Impingement wird eine schmerzhafte Verengung des Hüftgelenkspalts verstanden. Besonders betroffen von dem Syndrom sind junge sportliche Menschen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Femoro-Acetabuläres Impingement?

Mediziner bezeichnen das Femoro-Acetabuläre Impingement (FAI) auch als Hüft-Impingement. Gemeint ist damit das Vorliegen einer Engstelle zwischen Hüftpfanne und Hüftkopf. Aufgrund der Verengung kommt es bei starken Beugungen zum Zusammenstoß der Knochen.

Dadurch besteht wiederum das Risiko, dass gelenknahe Strukturen wie Knorpel oder Gelenklippe eingeklemmt oder in Mitleidenschaft gezogen werden. Dies hat heftige Schmerzen im Leistenbereich zur Folge. Es wird zwischen zwei Formen des Femoro-Acetabulären Impingements unterschieden. Dabei handelt es sich um die Pincer-Impingement-Hüfte (Pincer-FAI) sowie die Cam-Impingement-Hüfte (Cam-FAI).

Bei einer Pincer-Impingement-Hüfte besteht eine normale Konfiguration des Oberschenkelhalses, während die Hüftgelenkpfanne deformiert ist und einer Greifzange (Pincer) ähnelt. Auf diese Weise wird der Hüftgelenkkopf im wahrsten Sinne des Wortes „in die Zange“ genommen. Weil der Gelenkkopf deswegen verstärkt überdacht ist, führt dies leicht zum Aufeinanderschlagen von Pfannendach und Hüftgelenkskopf. Am häufigsten zeigt sich die Pincer-Impingement-Hüfte bei Frauen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren.

Von einer Cam-Impingement-Hüfte ist die Rede, wenn die natürliche Taillierung des Hüftgelenkskopfes, die für mehr Bewegungsfreiheit sorgt, durch eine Wucherung nicht mehr vorhanden ist. Durch eine Knochenwulst erfolgt eine Verengung des Gelenkspalts, wodurch das schmerzhafte Aneinanderreiben von Pfannendach und Schenkelhalskopf gefördert werden. Dies geschieht vor allem bei jungen Männern, die sportlich aktiv sind. Besonders Fußballspieler haben unter dieser FAI-Form zu leiden.

Ursachen

Zu einem Femoro-Acetabulären Impingement kommt es zumeist wegen einer knöchernen Deformierung des Acetabulums (Hüftgelenkpfannendach). Durch den Beckenknochen (Os ileum) wird eine Gelenkpfanne geformt, die einem Napf ähnelt. Gemeinsam mit dem Oberschenkelhüftgelenkkopf bildet sie das Hüftgelenk.

Findet die Bildung von Knochenspornen an den knöchernen Anteilen des Hüftgelenks statt, führt dies nicht selten zu einer mechanischen Verengung. Sportlich aktive junge Menschen haben häufig unter einem Femoro-Acetabulären Impingement zu leiden, da sie das Hüftgelenk oft verstärkt körperlicher Beanspruchung aussetzen. Allerdings ließ sich die genaue Ursache zahlreicher Cam-Impingement- und Pincer-Impingement-Fälle nicht klären.

Nachzuweisen sind jedoch in der Regel die knöchernen Strukturveränderungen bei der Mehrzahl der Patienten. Als denkbare Erklärung für das Entstehen eines Femoro-Acetabulären Impingement gelten Wachstumsstörungen im heranwachsenden Alter, die einen fehlerhaften Verschluss der Wachstumsfugen herbeiführen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

In vielen Fällen sind die Beschwerden, die durch ein Femoro-Acetabuläres Impingement entstehen, nur schleichend. Mitunter zeigen sich im Hüftgelenk sporadische Schmerzen. Dabei kommt es zum Ausstrahlen des Schmerzes in den Oberschenkel. Durch Belastung werden die Beschwerden weiter verstärkt.

Probleme haben viele Patienten außerdem beim Autofahren, wenn sie eine sitzende Position einnehmen, sowie beim Steigen von Treppen. Wird das angewinkelte Bein nach innen gedreht, hat dies ebenfalls oft Schmerzen zur Folge, was häufig bei den Betroffenen zum Einnehmen einer Schonhaltung führt, indem sie das schmerzende Bein in die äußere Richtung drehen.

In manchen Fällen leiden die Patienten auch unter dumpfen Hüftschmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Bewegungseinschränkungen der Hüfte, wenn diese gebeugt wird. Steht oder geht die betroffene Person längere Zeit, kann dies ebenfalls Schmerzen nach sich ziehen. Im späten Stadium des Femoro-Acetabulären Impingements setzt bei den meisten Patienten eine Coxarthrose ein. Ebenso ist bei jüngeren Menschen eine frühzeitige Abnutzung der Hüfte möglich.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Besteht Verdacht auf ein Femoro-Acetabuläres Impingement, sollte sich der Betroffene an einen Orthopäden wenden. Dieser befasst sich erst einmal mit der Krankengeschichte und möchte wissen, welche Sportarten der Patient betreibt, welche Bewegungseinschränkungen auftreten und ob die Schmerzen durch eine Verletzung ausgelöst wurden. Im Anschluss an die Anamnese führt der Arzt eine körperliche Untersuchung durch.

Zum Testen der Hüftbeweglichkeit muss der Patient sein Bein in unterschiedliche Positionen versetzen. Drückt der Orthopäde das Bein gegen den Hüftpfannenrand, führt dies meist zu Schmerzen. Eine weitere wichtige Untersuchung ist das Anfertigen von Röntgenaufnahmen. Die Bilder ermöglichen einen präzisen Nachweis von Strukturveränderungen des Knochens.

Mittels einer Kernspintomographie (MRT) ist zudem das genaue Darstellen der Weichteile, die die Hüfte umgeben, möglich. Etwa 70 bis 80 Prozent des Femoro-Acetabulären Impingements nehmen einen positiven Verlauf. Nach etwa 6 bis 12 Wochen lassen sich zumeist wieder leichte sportliche Betätigungen vornehmen. Rund 15 bis 20 Prozent aller Patienten haben jedoch unter Restbeschwerden zu leiden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da es bei dieser Erkrankung in der Regel nicht zu einer Selbstheilung kommt und die Beschwerden in den meisten Fällen weiterhin zunehmen, sollte dabei immer ein Arzt aufgesucht werden. Damit können weitere Komplikationen oder sogar dauerhafte Bewegungseinschränkungen vermieden werden. Ein Arzt sollte dann aufgesucht werden, wenn der Betroffene plötzlich und ohne einen besonderen Grund an starken Schmerzen im Hüftgelenk leidet. Diese Schmerzen können in Form von Ruheschmerzen oder Belastungsschmerzen auftreten und sich sehr negativ auf die Lebensqualität und den Alltag des Betroffenen auswirken.

Vor allem im Sitzen können die Schmerzen auftreten. Weiterhin ist der Arzt auch dann aufzusuchen, wenn es zu Einschränkungen in der Bewegung kommt. Die Hüfte wird dadurch schneller abgenutzt, sodass es zu weiteren Komplikationen kommen kann. In der Regel wird die Erkrankung durch einen Orthopäden diagnostiziert und behandelt. Einige Betroffene sind auf operative Eingriffe angewiesen, wobei die meisten Beschwerden allerdings mit Hilfe von Übungen und Therapien eingeschränkt werden können. Sportliche Aktivitäten sollten beim Auftreten der Erkrankung eingeschränkt werden. In der Regel wird die Lebenserwartung des Betroffenen dadurch nicht verringert.

Komplikationen

Das femoro-ccetabuläre Impingement tritt vor allem bei jungen Menschen auf, die sich sportlich aktiv betätigen. In den meisten Fällen tritt die Diagnose nur verspätet ein, da die Beschwerden nicht eindeutig sind und sich im Laufe der Zeit erhöhen und häufiger auftreten. Meistens zeigen sich allerdings sporadische Schmerzen am Hüftgelenk auf, welche auch ohne Belastung in Form von Ruheschmerz auftreten können.

Falls der Betroffene die jeweiligen Stellen zusätzlich belastet, verstärken sich die Schmerzen noch weiter und können damit das Leben des Patienten stark beeinträchtigen, sodass viele Haltungen des Körpers zu Schmerzen führen. Dazu gehört zum Beispiel das Steigen von Treppen oder das Sitzen beim Autofahren, weswegen der Betroffene an starken Bewegungseinschränkungen leidet. Viele Menschen leiden dabei auch an psychischen Beschwerden, falls die Einschränkungen der Bewegung schon in den jungen Jahren auftreten.

Die Schmerzen können mit Hilfe von Schmerzmitteln behandelt werden, wobei es zu keinen weiteren Komplikationen kommt. Allerdings sollten die Patienten eine langfristige Einnahme von Schmerzmitteln vermeiden. Ebenso helfen Übungen und Therapien gegen die Symptome und können die Krankheit bekämpfen. Viele Patienten leiden allerdings auch nach der Behandlung an Restbeschwerden und geringen Schmerzen. Oft ist es nicht mehr möglich, sportliche Betätigungen auszuführen.

Behandlung & Therapie

Um die Ursache eines Femoro-Acetabulären Impingements zu beheben, ist meist ein operativer Eingriff erforderlich. Im Anfangsstadium gelangen in erster Linie konservative Methoden zur Anwendung, die die Schmerzen lindern sollen. Zu diesem Zweck erhält der Patient schmerzstillende Arzneimittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure.

Als hilfreich gelten zudem eine Elektrotherapie, Bäder, das Auflegen von Fangopackungen sowie das Durchführen von gezielten krankengymnastischen Übungen. Im Rahmen einer operativen Therapie erfolgt in der Regel eine Hüftarthroskopie (Hüftgelenkspiegelung).

Mit diesem Verfahren lassen sich die strukturellen Veränderungen des Knochens beseitigen. Gelingt es, die mechanische Verengung durch die Operation zu beheben, führt dies in den meisten Fällen zur Besserung der Schmerzen. Besonders empfehlenswert ist eine Hüftarthroskopie für junge Patienten, weil sich dadurch die Gefahr einer Gelenkversteifung verringern lässt.

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Vorbeugung

Um Beschwerden, die durch ein Femoro-Acetabuläres Impingement entstehen, vorzubeugen, ist es ratsam, sportliche Aktivitäten maßvoll zu betreiben. Zwar ist der Sport nicht die Ursache, doch ruft er häufig die damit verbundenen Schmerzen hervor.

Bücher über Schmerzen

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Krämer, J., Grifka, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Berlin 2013
  • Striebel, H.W.: Therapie chronischer Schmerzen. Schattauer, Stuttgart 2002

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