Feinultraschall

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. Oktober 2017
Startseite » Behandlungen » Feinultraschall

Im Rahmen der Pränataldiagnostik, einer Untersuchung des Kindes im Mutterleib, kann eine weitergehende Diagnostik notwendig werden. Das geschieht mittels Feinultraschall, einer sonografischen Spezialuntersuchung, die es dem Arzt ermöglicht, Hinweisen auf eine eventuelle Entwicklungsstörung des Kindes oder körperlichen Auffälligkeiten nachzugehen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Feinultraschall?

Reguläre Ultraschalluntersuchungen haben inzwischen ihren festen Platz in der Schwangerschaftsdiagnostik und sind auch in den Mutterschaftsrichtlinien niedergeschrieben. Anders ist es beim Feinultraschall, auch als Organultraschall, Organscreening, sonografische Feindiagnostik oder Fehlbildungsultraschall bezeichnet.

Die verschiedenen Bezeichnungen geben schon den besten Hinweis auf die Zielsetzung: Organe und Organstrukturen des ungeborenen Kindes werden mit Hilfe dieses Verfahrens abgebildet und auf Unregelmäßigkeiten oder Fehlbildungen geprüft. Ein Feinultraschall ist in seinen Ergebnissen wesentlich detaillierter und wird mit einem besonders hoch auflösenden Gerät durchgeführt. Die Untersuchung, für die eine Schwangere rund zwei Stunden einkalkulieren muss, erfolgt über die Bauchdecke der werdenden Mutter, wie bei der normalen Sonografie.

Allerdings dürfen nur eigens an diesen Geräten ausgebildete Ärzte diese Diagnostik durchführen, wie Gynäkologen und Radiologen. Da es sich hier um eine Sonderuntersuchung handelt, übernehmen die Krankenkassen nicht so ohne Weiteres die Kosten. Die meisten verlangen ein gynäkologisches Gutachten, das eine eindeutige Indikation aufzeigt, warum eine solche Untersuchung notwendig ist. Ein Herzfehler etwa, der unmittelbar nach der Geburt eine sofortige Operation unumgänglich macht und für die entsprechende Vorkehrungen getroffen werden müssen.

Funktion, Wirkung & Ziele

Ein Feinultraschall wird, wenn erforderlich, zwischen der 19. und 22. Schwangerschaftswoche, im zweiten Trimester, durchgeführt, sollte sich beispielsweise bei der regulären Ultraschalluntersuchung eine Auffälligkeit zeigen.

Die Untersuchung verläuft wie beim üblichen Ultraschall: Kontaktgel wird auf den Bauch der werdenden Mutter aufgetragen, danach fährt der Arzt mit dem Schallkopf über die Bauchdecke. Der Schallkopf sendet Ultraschallwellen in die Gebärmutter. Das zurückkommende Echo ermöglicht die Darstellung der kindlichen Organe und der Organstrukturen. Anhand dieser Spezialuntersuchung kann der erfahrene Arzt oder die Ärztin erkennen, ob die Organe des Kindes vorhanden und dem Zeitpunkt entsprechend entwickelt sind.

Entwicklungsstörungen und körperliche Besonderheiten können auf diese Weise festgestellt, bzw. ausgeschlossen werden. Dieses Organ-Screening wird von Gynäkologen bei bestimmten Indikationen empfohlen. Dazu zählen Paare, die bereits ein krankes Kind haben. Bei Vorerkrankungen der Eltern, die unter Umständen die Entwicklung eines Kindes beeinflussen können, wie etwa die Zuckerkrankheit. Bei Erbkrankheiten und angeborenen Herzfehlern in der Familie. Bei bekanntem Drogenkonsum der werdenden Mutter und bei Raucherinnen. Oder bei Frauen, die starker Strahlenbestrahlung ausgesetzt waren.

Auch älteren Schwangeren (ab 34 Jahren) und Frauen, die mittels künstlicher Befruchtung schwanger geworden sind, wird häufig zur Sicherheit eine Feinultraschall-Diagnostik angeraten. Das Hauptaugenmerk einer solchen Untersuchung richtet sich insbesondere auf die Entwicklung der inneren Organe, der Gliedmaßen, des Gehirns, des Gesichts und der Wirbelsäule. So lassen sich mittels dieser Diagnosemöglichkeit frühzeitig Defekte und Fehlbildungen feststellen. Eine Spina bifida, ein offener Rückenmarkskanal, wird auf diese Weise sichtbar. Das ist wichtig, denn je nach Ausprägung der Verschlussstörung muss innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach der Geburt operiert werden.

Auch Herzfehler lassen sich leichter erkennen, wie etwa die White Spots, auch Golfballphänomen genannt. Das sind punktartige Verdichtungen, die insbesondere in der linken Herzkammer auftreten. Ein weiteres Augenmerk wird auf den Magen-Darm-Trakt gerichtet, um einen eventuellen Darmverschluss nicht zu übersehen. Das gilt auch für die Nieren- und Harnwege, um Fehlbildungen oder Zysten rechtzeitig zu erkennen. Die Gliedmaßen des Ungeborenen werden auf Verkürzungen, besondere Stellungen und Vielfingerigkeit untersucht.

Im Rahmen der Pränataldiagnostik, einer Untersuchung des Kindes im Mutterleib, kann eine weitergehende Diagnostik notwendig werden. Das geschieht mittels Feinultraschall.

Bei der Kopfuntersuchung wird die Größe berücksichtigt, sowie auf die Ausprägung der Hirnkammer geachtet. So ist es im Rahmen einer solchen Untersuchung auch möglich, frühzeitig eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte zu entdecken. Ziel des Organscreenings ist eine generelle Abklärung des Entwicklungszustandes des Ungeborenen im zweiten Schwangerschaftsdrittel. Die Beurteilung der Ultraschallbilder erfolgt im Anschluss an die Untersuchung und wird mit den werdenden Eltern durchgesprochen.

Was im Feinultraschall nicht zu erkennen ist, sind chromosomale Auffälligkeiten. Sogenannte sonografische Softmarker geben zwar Hinweise darauf, dass eine Chromosomenbesonderheit vorliegen könnte. Um Sicherheit zu gewinnen, wird der behandelnde Mediziner weitere Diagnosemaßnahmen empfehlen, wie eine Fruchtwasseruntersuchung oder einer Chorionzottenbiopsie. Das ist ein Test, um Chromosomenanomalien, wie sie etwa beim Down-Syndrom auftreten, zweifelsfrei festzustellen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Sowohl für die Mutter, als auch für das ungeborene Kind ist die Feinultraschall-Untersuchung ebenso ungefährlich wie die normale Ultraschalluntersuchung. Auch von Nebenwirkungen ist nichts bekannt.

Allerdings hängt die Aussagekraft eines Organultraschalls von vielerlei Faktoren ab. Die Qualität des Gerätes spielt eine zentrale Rolle. Ebenso die Erfahrung des Arztes oder der Ärztin, der/die die Untersuchung durchführt. Auch ist die Menge des Fruchtwassers nicht unerheblich. Je geringer die Flüssigkeit, desto schlechter werden die Schallwellen geleitet. Beeinflusst wird das Ergebnis durch die Stärke der Bauchdecke der werdenden Mutter, durch Narben, die Lage des Fetus und die Schwangerschaftswoche.

Hier die richtige Diagnose zu stellen, erfordert sehr viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Daher ist die Aufklärung der Eltern durch den Arzt, bevor ein solches Screening durchgeführt wird, von großer Bedeutung. Denn ehrlicherweise muss jeder Arzt den Eltern klarmachen, dass keine Untersuchung zweifelsfrei ein gesundes Kind voraussagen kann. Der Feinultraschall ist nicht mehr als ein Hilfsinstrument, das zur Aufdeckung einer organischen Fehlentwicklung beitragen kann.

Bücher über Frauenleiden

Quellen

  • Bücheler, E., et al.: Einführung in die Radiologie: Diagnostik und Interventionen. Thieme, Stuttgart 2006
  • Strauss, A.: Ultraschallpraxis. Springer, Berlin 2008
  • Wetzke, M. et. al.: Bildgebende Verfahren. Urban & Fischer, München 2012

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: