Fehlgeburt (Abort)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 15. Mai 2017
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Bei einer Fehlgeburt bzw. einem Abort handelt es sich um einen ungewollten Abbruch der Schwangerschaft innerhalb der ersten 23 Wochen der Schwangerschaft. Das Kind zeigt keine Lebenszeichen wie Nabelschnurpuls, Herzschlag oder Atmung und sein Gewicht ist unter 500 Gramm.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Fehlgeburt?

Eine Fehlgeburt liegt vor, wenn es zu einem ungewollten Schwangerschaftsabbruch kommt, bevor der Fötus lebensfähig ist. Sie wird nach der Ursache oder nach dem Zeitpunkt des Auftretens klassifiziert.

So wird von einem Spontanabort gesprochen, wenn der Abort eine natürliche Ursache hat. Ferner gibt es den künstlichen Abort, der durch Chemikalien, Medikamente oder eine Abtreibung hervorgerufen wird. Ein Frühestabort hat meist genetische Schäden als Ursache und tritt häufig gemeinsam mit der erwarteten Menstruation auf.

Manchmal weiß die Frau in diesem Moment gar nicht, dass sie schwanger gewesen ist. Sie wundert sich lediglich über eine verzögerte Menstruation und eventuelle einen stärken Blutabfluss. Wenn der Abort vor der 12. Schwangerschaftswoche erfolgt, wir er Frühabort genannt. Eine Fehlgeburt nach der 13. Schwangerschaftswoche wird Spätabort genannt.

Ursachen

Die Gründe für eine Fehlgeburt können vielfältig sein und können nur selten aufgedeckt werden. Grundsätzlich werden sie unterschieden in fetale, mütterliche und väterliche Ursachen.

Typische fetale Ursachen für einen Abort sind eine Mutation der Chromosomen, Infektionen des ungeborenen Kindes und Einwirkungen von Arzneimitteln oder Röntgenstrahlungen. Zu den mütterlichen Ursachen gehören eine Fehlbildung der Gebärmutter, eine Fehlentwicklung der Plazenta, mechanische Traumen wie ein Sturz, Infektionen der Mutter, Tumore, hormonelle Störungen, eine Rhesusunverträglichkeit, ein starker Koffeingenuss sowie ein Drogenkonsum.

Eine Fehlgeburt kann jedoch auch an dem Vater liegen. Dazu zählen unterschiedliche Arten von Spermaanomalien und genetische Störungen. Des Weiteren existieren neben den genannten Ursachen schwangerschaftsspezifische hormonelle Störungen der Mutter oder des Kindes, die zu einer endokrinen Fehlgeburt führen können.

Allgemein lassen sich die Ursachen also in sechs Gruppen aufteilen:

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Während der Schwangerschaft wird in regelmäßigen Abständen der Fötus auf mögliche Erkrankungen und Fehlbildungen hin untersucht. Meist kann damit eine potentielle Fehlgeburt frühzeitig erkannt werden.

Tritt die Fehlgeburt in den ersten Wochen der Schwangerschaft auf, merken manche Frauen gar nichts davon, da diese einer Menstruationsblutung ähnelt. Je nach der Schwangerschaftswoche kommt zu den vaginalen Blutungen als Anzeichen für einen Abort zudem das Einsetzen von Wehen.

Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung kann der Arzt sehen, ob der Fötus noch lebt oder nicht. Wenn die Herztöne noch hörbar sind, kann mithilfe von wehenhemmenden Mitteln, Magnesium sowie einer strengen Betruhe eine Fehlgeburt noch verhindert werden. Ist dies nicht mehr möglich, wird die Geburt so schnell, wie es geht durch wehenfördernde Arzneimittel sowie durch eine Ausschabung der Gebärmutter beendet.

Unter Zuhilfenahme einer weiteren Ultraschalluntersuchung kann der Arzt feststellen, inwiefern noch Teile der Schwangerschaft nach der Fehlgeburt in der Gebärmutter vorhanden sind.

Komplikationen

Eine Fehlgeburt kann eine Reihe von Komplikationen nach sich ziehen. Akut können nach einem Abort Menstruationsstörungen und ein starkes körperliches Unwohlsein auftreten. Vorübergehend kann es auch zu Verdauungsbeschwerden und Magen-Darm-Erkrankungen kommen. Häufig treten in Folge des Absterbens des Kindes auch psychische und emotionale Beschwerden auf.

Betroffene Frauen leiden oft noch Jahre unter dem Verlust des Kindes und haben aufgrund des meist schnell durchgeführten Eingriffs Schwierigkeiten, Abschied zu nehmen. Darunter leiden oftmals auch bereits geborene Kinder. Unruhe und Traurigkeit sowie Schlafstörungen gehören zu den typischen Folgen für den engeren Familienkreis.

Daneben können auch körperliche Beschwerden auftreten. Beim Asherman-Syndrom kommt es zu Verwachsungen der Gebärmuttervorder- und rückwand, die zu Menstruationsbeschwerden, Frühgeburten und einer sekundären Sterilität führen können. Eine Fehlgeburt erhöht im Allgemeinen das Risiko für eine Frühgeburt während der nächsten Schwangerschaft.

Kommt es zu einer unbemerkten Fehlgeburt, können Durchblutungsstörungen und lebensbedrohliche Thrombosen auftreten. Je länger der Abort nicht bemerkt wird, desto größer ist das Risiko für schwere Komplikationen. Eine Schwangerschaft und insbesondere eine Fehlgeburt sollte deshalb immer auch mit dem Frauenarzt und einer psychologischen Beratung besprochen werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung einer Fehlgeburt richtet sich primär nach dem Stadium des Aborts sowie einer Möglichkeit zur Schwangerschaftserhaltung. Ratsam ist stets eine ärztliche Beratung.

Eine wichtige medizinische Therapie stellt die Ausschabung der zu früh verstorbenen Leibesfrucht sowie der verbliebenen Plazentareste. Nach der 12. Schwangerschaftswoche sollte die Leibesfrucht meist auf dem natürlichen Weg geboren werden, wobei die Anwesenheit einer Hebamme oder einer Krankenschwester erforderlich ist. Diese natürliche Geburt ist zwar schmerzhafter, aber wird aus seelischen Gründen meist einer Ausschabung vorgezogen.

Beide Behandlungsoptionen bringen niedrige Risiken mit sich. Welche Möglichkeit gewählt wird, obliegt der Frau. Neben der medizinischen Behandlung kann eine psychotherapeutische Beratung sinnvoll sein. Dies kann auch in Form von einer Selbsthilfegruppe geschehen. Dies erleichtert die Trauerarbeit und die Verarbeitung des traumatischen Erlebnisses.

Wenn die Frau diverse ungewollte Fehlgeburten erleidet, kann eine humangenetische Beratung die Lösung sein. Im Rahmen dieser werden die Ursachen ergründet. Wenn es möglich ist, sollten dabei nicht nur beide Elternteile untersucht werden, sondern auch das tote Kind der Fehlgeburt.

Prognose & Komplikationen bei einer Fehlgeburt

Wird auf eine Ausschabung verzichtet kann ggf. ein Chorionkarzinom oder eine Blasenmole entstehen. Weiterhin ist eine Gebärmutter mit Resten des Fötus und Blut ein idealer Nährboden für Bakterien und Keime.

In diesem Zusammhang steht auch eine mögliche Gebärmutterentzündung. Im schlimmsten Fall kann sogar das Bauchfell mit betroffen sein. Selbst eine Sepsis ist in diesem Fall denkbar. Weitere Verwachsungen und ggf. eine Unfruchtbarkeit sind dann die Folge.

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Vorbeugung

Einer Fehlgeburt kann in erster Linie durch einen gesunden Lebensstil vorgebeugt werden. Des Weiteren kann die Gabe von Hormonen sinnvoll sein. Des Weiteren ist die Reduzierung von Stress während der Schwangerschaft wichtig, weshalb zu Entspannungsübungen geraten wird. Gelegentlich kann einer Fehlgeburt jedoch nicht vorgebeugt werden, da auf manche Ursachen kein Einfluss genommen werden kann.

Bücher über Geburtsvorbereitung

Quellen

  • Croon, M.: Schwanger werden. TRIAS Verlag, Stuttgart 2004
  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Stiefel, A., Geist, C., Harder, U.: Hebammenkunde: Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. Hippokrates, Stuttgart 2012

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