Farmerlunge

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. Oktober 2017
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Die Farmerlunge tritt vor allem bei Personen auf, die beruflich mit Pflanzenresten umgehen. Hierzu zählen zum Beispiel Heu, Stroh und Trockenfutter. Unbehandelt kann sie chronisch werden und zum Tode führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Farmerlunge?

Bei der Farmerlunge handelt es sich um eine durch Bakterien- und Schimmelpilzsporen hervorgerufene Entzündung der Lungenbläschen (exogen allergische Alveolitis). Dabei identifiziert die Immunabwehr die eingeatmeten („exogenen“) Sporen und deren Bestandteile (Allergene) als körperfremd.

Die ausgelöste allergische Reaktion ist eine „überschießende Antwort“ des Organismus. In der Folge entsteht eine Entzündung der Lungenbläschen, die akut oder chronisch verlaufen kann. Eine chronische Entzündung der Lungenbläschen geht eventuell in eine so genannte Lungenfibrose über:

Durch die verstärkte Bildung von Bindegewebe werden die Dehnbarkeit der Lunge und damit die Atmung beeinträchtigt. Die Lunge ist durch das Bindegewebe zudem immer weniger in der Lage, das Blut ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Die so verursachte Abnahme des Sauerstoffgehaltes äußert sich in einer geringeren körperlichen und geistigen Belastbarkeit. Mit Fortschreiten der Lungenfibrose tritt Atemnot auch in Ruhe auf.

Ursachen

Bei der Lagerung von Pflanzenresten kann es zu einer starken Vermehrung von Bakterien und Schimmelpilzen kommen. Gefördert wird dieser Prozess durch warme und feuchte Bedingungen. Herrscht beispielsweise nach dem Abmähen von Gras mildes und regenreiches Wetter vor, bilden sich im Inneren des gelagerten Heus schon nach kurzer Zeit Schimmelpilzlager. Beim erneuten Bewegen des Mähgutes gelangen die Pilzsporen leicht in die Luft und können eingeatmet werden.

Die Verbreitung von Pilz- und Bakteriensporen ist jedoch auch bei der Getreideernte, beim Verteilen der Einstreu in Ställen und bei der Herstellung von Futtermitteln im Silo möglich. Als weitere Quellen kommen das Umsetzen von Komposthaufen sowie die Gewinnung und Lagerung von Hackschnitzeln in Betracht. Ihre geringe Größe ermöglicht es den Sporen, in die Lungenbläschen einzudringen und Entzündungsprozesse zu provozieren.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die akute Form der Farmerlunge äußert sich meist in Husten, Atemnot, Schüttelfrost und Fieber. Beschrieben werden auch Enge in der Brust, Schnupfen und allgemeines Schwächegefühl. Das Fieber mit Temperaturen bis 40 °C kann anfallsartig auftreten. Manche Patienten klagen über braun gelben Auswurf und Brennen im Hals.

Seltener wird hellrotes, schaumiges Blut abgehustet. Diese Symptome entstehen bereits wenige Stunden nach dem Kontakt mit den entzündungsauslösenden Sporen. Meist klingen sie über Nacht wieder ab, um bei der nächsten Einwirkung der Allergene erneut aufzutreten. Bei einigen Betroffenen ist dieses als teils grippeartig beschriebene Beschwerdebild jedoch wenig auffällig (subakut).

Es wird zum Beispiel bei Menschen beobachtet, deren Organismus weniger sensibel auf die Pilz- und Bakteriensporen reagiert. Andere sind einer nur geringen Belastung mit Sporen ausgesetzt, so dass die Symptomatik entsprechend schwächer oder gar unspezifisch ausfällt. Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit und Hustenreiz können Ausdruck vieler Erkrankungen sein.

Wirken die Sporen über viele Jahre regelmäßig ein, äußern sich die durch sie ausgelösten Entzündungsprozesse in einer weiteren Verschlechterung des Allgemeinzustandes und in einer Gewichtsabnahme. Sie ist ein Anzeichen für die fortschreitende Bindegewebsbildung in der Lunge (Lungenfibrose) und damit für den Übergang der Farmerlunge in die chronische Phase.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Das Blut erkrankter Personen weist eine deutliche Zunahme der weißen Blutkörperchen auf (Leukozytose). T-Lymphozyten werden verstärkt in der Lunge gefunden, was Ausdruck des dort stattfindenden Entzündungsprozesses ist. Sie dienen als so genannte Killerzellen dem Erkennen eingedrungener Fremdstoffe und deren Beseitigung. Als wichtiges Symptom einer Farmerlunge gilt das Vorkommen so genannter Immunglobulin G (IgG) - Antikörper im Blut.

Diese werden ebenfalls gebildet, wenn Viren, Bakterien beziehungsweise körperfremde Stoffe in den Organismus gelangt sind. Bei der Lungenfunktionsprüfung fällt eine Verringerung der Dehnbarkeit von Lunge und Brustkorb auf restriktive Ventilationsstörung. Sie erklärt sich aus der zunehmenden Bildung von Bindegewebe zwischen den Lungenbläschen und aus der Vernarbung der Lungenbläschenwände.

Eine akute Farmerlunge äußert sich im Röntgenbild durch Ansammlungen feiner Flecken. Die Verringerung der Diffusionskapazität der Lunge zeigt an, dass weniger Sauerstoff vom Organ aufgenommen und an das Blut abgegeben werden kann. Anwendung finden auch die Computertomografie der Lunge (Thorax-CT) und die Bronchoskopie (Lungenspiegelung). Zwischen 1 und 17 % der Patienten versterben an den Folgen der Farmerlungenerkrankung. Durch die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems droht Herzversagen.

Komplikationen

Bei einer Farmerlunge kann es im schlimmsten Falle zum Tode kommen. Dieser Verlauf tritt allerdings nur dann ein, wenn die Farmerlunge nicht behandelt wird. In den meisten Fällen leiden die Patienten an den Symptomen einer gewöhnlichen Erkältung oder an denen von Fieber. Hierzu zählen Schüttelfrost und Fieber.

Allerdings kommt es zu einer starken Atemnot und zum Husten, der mit starker Schleimausprägung verbunden ist. Durch die Grippesymptome kommt es ebenso zu einem Schwächegefühl. Körperliche Arbeiten sind kaum mehr möglich. Das Fieber kann sehr hohe Temperaturen erreichen und dabei extrem gefährlich für den Körper werden.

Hierbei sind Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius möglich. In schwerwiegenden Fällen kommt es zum Bluthusten, welcher bei den meisten Betroffenen zu einer Panikattacke führt. Durch die Farmerlunge kommt es ebenso zur Appetitlosigkeit und zu Schlafproblemen. Hierdurch kann es zu Untergewicht und einer Dehydrierung kommen. Beide Zustände sind für den Körper sehr gefährlich und müssen vermieden werden.

Die Farmerlunge entsteht in der Regel über mehrere Jahre hinweg und zeigt sich durch immer häufiger Probleme mit der Lunge. Eine Behandlung ist nicht gezielt möglich. Allerdings können die Symptome verhindert werden, wenn der Kontakt mit den auslösenden Substanzen vermieden wird. Die Farmerlunge bessert sich mit der Zeit von allein, allerdings kommt es nicht zu einer vollkommenen Regeneration.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Farmerlunge muss in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Diese Erkrankung muss immer von einem Mediziner behandelt werden, da es nicht zu einer Selbstheilung kommt. In schwerwiegenden Fällen kann die Farmerlunge auch zum Tod des Betroffenen führen. Der Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Patient an hohem Fieber und weiterhin an Schüttelfrost leidet.

Auch sehr starker Husten mit blutigem Auswurf kann auf die Farmerlunge hindeuten und sollte von einem Arzt untersucht werden. Die Beschwerden treten häufig nicht permanent auf, sondern kehren immer wieder zurück. Auch Schlaflosigkeit oder Appetitlosigkeit können auf die Erkrankung hindeuten und müssen untersucht werden, falls sie über einen längeren Zeitraum hinweg auftreten. Vor allem bei chronischen Beschwerden sollte immer eine Untersuchung durchgeführt werden.

Die Farmerlunge kann in der Regel von einem Internisten oder durch einen Allgemeinarzt identifiziert werden. Die weitere Behandlung erfolgt dann durch die Einnahme von Medikamenten. Um weiteren Beschwerden vorzubeugen, sollte der Betroffene immer einen Atemschutz tragen. In einigen schwerwiegenden Fällen sind die Patienten auch auf eine psychologische Behandlung angewiesen.

Behandlung & Therapie

Eine Heilung durch Medikamente oder operative Eingriffe gibt es derzeit nicht. Je kürzer die Einwirkungszeit der Allergene, umso geringer ist die Gefahr bleibender Veränderungen im Lungengewebe. Die Erkrankung kann durch diese so genannte Allergenkarenz zum Stillstand gebracht werden.

Dies können zum Beispiel die genannten Immunglobuline sein. Zur Linderung bereits eingetretener Entzündungen ist die Gabe von Cortison möglich. Vertreter dieser Stoffklasse fördern die Bildung weißer Blutkörperchen, die verstärkt bei Entzündungsprozessen entstehen. Zugleich hemmen sie jedoch die Ausschüttung von Stoffen in den Körperzellen, die gegen körperfremde Eiweiße (also Allergene) gerichtet sind.

Letztere gelangen über die eingeatmeten Pilz- und Bakteriensporen in den menschlichen Organismus. Die immunsuppressive (das körpereigene Immunsystem unterdrückende) und antiallergische Wirkung des Cortisons spielen bei der Linderung der beschriebenen Symptome die entscheidende Rolle. Das Medikament wirkt abschwellend auf die Schleimhäute der Atemwege, entkrampft die Bronchialmuskulatur und verringert die Bildung von Bronchialschleim.

Die positiven Wirkungen setzen jedoch mitunter erst mit einer Zeitverzögerung von mehreren Tagen ein. Für Patienten, bei denen die Erkrankung in ein chronisches Stadium beziehungsweise in eine Lungenfibrose übergegangen ist, werden Therapiemaßnahmen zur aktiven Verbesserung der Atemleistung empfohlen: Dazu gehören Bewegungs-, Konditionierungs- und Kräftigungsprogramme.

Vorteilhaft wirken sich auch eine gesunde Ernährung und psychotherapeutische Behandlung aus. Eine Lungentransplantation bei schwerwiegender Ausprägung der Lungenfibrose führt zu einer Fünfjahres-Überlebensrate von rund 50%. Sie wird unter bestimmten Voraussetzungen empfohlen.

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Vorbeugung

Grundsätzlich ist die Zeitdauer des Umganges mit Pflanzenresten so kurz wie möglich zu halten. Zertifizierte Atemschutzmasken mit der Schutzstufe P2 helfen zudem, eventuell aufgewirbelte Stäube von der Lunge fernzuhalten. Empfohlen wird die Partikelfilter-Maske FFP2/3. Handelsübliche Schutzmasken sind nicht wirksam genug. Die Fahrer von Mähdreschern sollten die Steuerkabinen stets geschlossen halten. Deren Belüftung darf nur über Systeme erfolgen, die mit Sporen belastete Stäube fernhalten können.

Vor der Einbringung des auf Wiesen gelagerten Heus sollte dieses mehrfach gewendet werden. Das gilt vor allem nach feuchten und milden Wetterlagen. Eine mögliche Maßnahme zur Staubminderung beim Umgang mit Trockenfutter ist dessen Vermischung mit ein wenig Pflanzenöl.

Das können Sie selbst tun

Die Farmerlunge ist eine gefährliche Krankheit, die unbehandelt zum Tod führen kann. Betroffene sollten die Symptome deshalb nicht selbst therapieren, sondern zeitnah einen Arzt konsultieren.

Die beste Form der Selbsthilfe besteht in einer vollständigen Allergenkarenz. Die Störung entsteht in der Regel langsam über Jahre hinweg und kann durch eine konsequente Vermeidung der ursächlichen Stoffe in ihrem Fortschreiten aufgehalten werden. Sehr häufig bessern sich die Symptome dann im Zeitablauf ganz beträchtlich, auch wenn nicht mit einer vollständigen Regeneration der geschädigten Lunge gerechnet werden kann.

Häufig helfen schon einfache Maßnahmen, um die Belastung zu verringern. Landwirte sollten bei Arbeiten mit Heu, Stroh und anderen getrockneten Gräsern unbedingt eine qualitativ hochwertige Schutzmaske der Stufe P2 tragen. Wer mit Trockenfutter hantiert, kann dieses leicht anfeuchten oder mit Pflanzenöl anreichen, um eine übermäßige Staubentwicklung zu verhindern.

Wenn die Vermeidung der Allergene jedoch nicht möglich ist, muss zumindest in schweren Fällen rechtzeitig über eine berufliche Neuorientierung nachgedacht werden. Da die Farmerlunge eine anerkannte Berufskrankheit ist, sind die Betroffenen sozial relativ gut abgesichert. Selbständige Bäuerinnen und Bauern können sich bei ihrem Verband, abhängig beschäftigte Helfer in der Landwirtschaft bei ihrer Berufsgenossenschaft beraten lassen.

Bücher über Lungenerkrankungen

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Schaberg, T. et al.: Pneumonien. Thieme, Stuttgart 2001

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